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KLEINEJUGENDREIHEW.SAPARIN DIE GEHEIMNISVOLLE LIMOUSINE Wissenschaftlich-phantastische ErzählungVERLAGKULTURUNDFORTSCHRITTBERLIN1952 M Russischer Originaltitel: Deutsch von Erna Becker Copyright 1952 by Verlag Kultur und Fortschritt GmbH., Berlin Printed in Geimany « Alle Rechte vorbehalten Lizenz-Nr. 3 Einband und Textillustrationen von K, Arzeulow, nachgezeichnet von Rudi Lehmann Satz und Druck: (IIIV9/1) Sädisisdie Zeitung, Verlag und Druckerei, Dresden N 23 9693 2B5/31/52 Die grüne Limousine Unter den Wagen, die an der Straßenkreuzung hielten, stand auch eine niedrige grüne Limousine. Sie ...
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KLEINEJUGENDREIHEW.SAPARIN

DIE GEHEIMNISVOLLE LIMOUSINE

Wissenschaftlich-phantastische ErzählungVERLAGKULTURUNDFORTSCHRITTBERLIN1952,

M

Russischer Originaltitel: Deutsch von Erna Becker Copyright 1952 by Verlag Kultur und Fortschritt GmbH., Berlin Printed in Geimany « Alle Rechte vorbehalten Lizenz-Nr. 3 Einband und Textillustrationen von K, Arzeulow, nachgezeichnet von Rudi Lehmann Satz und Druck: (IIIV9/1) Sädisisdie Zeitung, Verlag und Druckerei, Dresden N 23 9693 2B5/31/52, Die grüne Limousine Unter den Wagen, die an der Straßenkreuzung hielten, stand auch eine niedrige grüne Limousine. Sie unterschied sich in nichts von den anderen Autos. Allein dadurch, daß ihre Räder ein wenig über die weiße Trennungslinie ge- rollt waren, die die Chaussee in zwei Hälften teilte, wurde Sergeant Ostaptsdiuk auf sie aufmerksam. Es handelte sich zwar nur um einen geringen Verstoß gegen die Verkehrsregeln, aber uns allen ist ja bekannt, wie unerbittlich streng die Hüter der Ordnung sind. Sergeant Ostaptsdiuk, der an diesem belebten Punkt vor der Stadt Dienst tat, gab dem Fahrer der grünen Limou- sine ein Zeichen, zurückzubleiben, und brachte darauf mit einer eleganten Wendung den erstarrten Wagenstrom wieder in Fluß. Gemeinsam mit den anderen Wagen setzte sich auch die grüne Limousine in Bewegung. Als sie an Ostaptsdiuk vorüberfuhr, bückte sich dieser, um dem unachtsamen Chauffeur einen Verweis zu erteilen, aber — in der Limousine saß gar kein Chauffeur., Ostaptschuk konnte ganz deutlich das Lenk- rad aus cremefarbenem Galalith und eben- solche Kügelchen an den Hebelenden er- kennen, aber keinen Menschen. Es war ein wolkenloser Sommermittag. Grelles Sonnen- licht überflutete die Windschutzscheibe und den leeren Vordersitz der Limousine, die an dem fassungs- losen Milizmann1 vorbeifuhr und, ehe dieser wieder zu sich kam, schon auf der Chaussee davonrollte. Es verging jedoch nur eine halbe Minute, bis Ostaptschuk den nächsten Posten angerufen, eine genaue Beschreibung der Limousine durchgegeben und kategorisch gefordert hatte, den Wagen anzuhalten. Das war leichter gesagt als getan! Seregin, der Verkehrspolizist an der nächsten Kreuzung, hob gebieterisch seinen Arm vor der grünen Limousine. Im selben Augenblick aber wurde er sich bewußt, daß er ohne jede Überlegung handelte: Wenn der Wagen, falls man Ostap- tschuk glauben konnte, wirklich ohne Chauffeur fuhr, war es gerade- zu lächerlich, ihn durch eine Hand- bewegung zum Halten bringen zu wollen. Wie überrascht war Seregin daher, als die grüne Limousine tatsächlich stoppte. Seine Unsicher- heit schwand sofort. An- scheinend ist Ostaptschuk die Hitze zu* Kopf gestie- gen, dachte er, oder ein 1 Polizist, Liliputaner sitzt am Steuer. Seregin ging ^ dem Auto entgegen, - doch er hatte kaum den Arm sinken lassen, als die Limousine wieder anfuhr. Der Fahrer wollte anscheinend den zu erwartenden Un- annehmlichkeiten aus- weichen. Empört stellte sich der Milizmann dem Verkehrssünder in den Weg, aber die grüne Limousine machte keinerlei Anstalten mehr, stehenzubleiben. Der glänzende Kühler mit den gelblichen Glasscheiben der Scheinwerfer zielte direkt auf Seregin, kam näher und näher. Wer würde nachgeben? Aber der Fahrer, dessen Existenz Ostaptsdiuk verneint hatte, hielt diese harte Nervenprobe nicht durch: Zwei Schritte vor dem Miliz- mann bog der Wagen ab. Seregin bückte sich und schaute durch die Wagenfenster. Auf dem Vordersitz lag ein Paar Chauffeurhandschuhe, das war alles. Später behauptete Seregin, daß er mit eigenen Augen gesehen habe, wie sich das Gaspedal von selbst senkte und die leere Limousine sofort schneller gefahren sei. Konnte sich denn ein Mensch unsichtbar machen? In phantastischen Erzählungen und Filmen mochte dies schon vorkommen, aber in Wirklichkeit... Der Milizmann nahm die Mütze ab und wischte sich mit dem Taschentuch über die Stirn. Versunken schaute er dem immer kleiner werdenden Auto nach., Da flatterte ein Sperlingsschwarm auf und erinnerte Sere- gin wieder an die alltäglichen, wirklich existierenden Dinge. Seine Verblüffung legte sich, und entschlossen schritt er zum nahen Telefonhäuschen. Erstens mußte die Nummer des Autos festgestellt werden, zweitens galt es, gemeinsam eine Methode zu finden, den Wagen aufzu- halten. Aus diesem Grunde rief Seregin gleich mehrere Posten an und verständigte sie vom Auftauchen dieses geheimnisvollen Autos. Der grünen Limousine gelang es noch, einige weitere Straßenkreuzungen zu passieren, bevor man einen Plan zum Anhalten ausgearbeitet hatte. Dieser war ganz ein- fach. Man wußte bereits, daß die Limousine auf freien Strecken eine hohe Geschwindigkeit entwickelte, diese aber langsam verminderte, sobald sie sich einer Straßen- kreuzung näherte oder ein anderes Auto einholte. Sie stoppte ordnungsgemäß vor der Verkehrsampel, wenn das Signal auf Rot stand, und wartete geduldig auf grü- nes Licht. Kam vor ihr ein Auto zum Stehen, so hielt sie ebenfalls an. Eine ganz besondere Hochachtung aber schien dem unsichtbaren Fahrer die erhobene, weiß- behandschuhte Rechte des Verkehrspolizisten einzuflößen; und auf diesem Umstand wurde der Plan aufgebaut. Zur Ausführung brauchte man nur zwei Leute. Der eine mußte den Wagen mit der erhobenen Hand zum Halten bringen, der andere hingehen, den unsichtbaren Chauffeur heraus- holen und, wenn möglich, zugleich auch den unsichtbaren Fahrgast, auf den eine Aktenmappe und ein grauer Filz- hut auf dem Hintersitz schließen ließen. Natürlich hätte man auch versuchen können, die geheim- nisvolle Limousine mit einem anderen Auto zu über- holen und ihr den Weg abzuschneiden, Aber nicht immer, blieb sie vor einem Hindernis stehen. Wenn sie abbiegen konnte, ohne gegen die Verkehrsvorschriften zu ver- stoßen, fuhr sie um das Hindernis herum und setzte ihren Weg ohne Aufenthalt fort. Das einfachste Verfahren, nämlich den verdächtigen Wa- gen vor einer Verkehrsampel mitten zwischen den war- tenden Autos aufzuhalten, scheiterte daran, daß auf der folgenden Strecke von dreißig bis vierzig Kilometern keine Verkehrsampeln mehr hingen. Doch die grüne Limousine würde ihr Geheimnis nicht mehr lange bewahren können, an einem der nächst- folgenden Verkehrsposten erwartete sie eine Falle. Drei Männer in Milizuniform fixierten jedes näherkommende Auto. Am Chausseerand stand laut knatternd ein Motor- rad. Die Nummer der Limousine und all ihre Kennzeichen waren inzwischen genau bekannt geworden. Nur eins fehlte noch, und das war das Auto selbst, denn unter den Wagen, die an der Kreuzung auftauchten, befand sich die grüne Limousine nicht. Sie war plötzlich spurlos ver- schwunden. Da schwang sich einer der Milizmänner auf das Motorrad und raste unter langgezogenem Hupen dem Automobil- strom entgegen. Er legte eine Strecke von nicht weniger als fünfzig Kilometern zurück, ohne eine einzige grüne Limousine zu entdecken. Das geheimnisvolle Auto schien wie vom Erdboden verschluckt zu sein., Eine interessante Aufgabe Der Zug jagte fast lautlos dahin. Soja Winogradowa lehnte sich in den Sitz zurück. Ein leichter Luftzug, der irgendwo unter der Decke des Wagens entstand, um- fächelte ihr Gesicht. Die Fenster waren fest verschlossen und weder Staub noch Hitze zu spüren. Ja, so ist das Leben. Man merkt gar nicht, wie man nach und nach in die Zukunft hineinwächst. Es sind noch gar nicht so viele Jahre vergangen, daß die an allen Haltestellen pustenden und fauchenden Vorort- züge verkehrten, und heute kommen sie uns schon fast ebenso altmodisch vor wie damals die Pferdebahnen. Da oben, dieses glitzernde Pünktchen in der Luft, das Soja gerade durch das Fenster verfolgt, dieses Fünkchen, das am blauen Himmel dahinzieht, ist eine riesige me- tallene Raketer die einen Stapel Eilpost und die neuesten Ausgaben der Zeitschriften nach Wladiwostok bringt. Noch heute abend wird die Ladung an Ort und Stelle sein. Wie hat sich alles verändert! Die Zeitungen der Hauptstadt schickt man nicht mehr mit der Post in entfernte Städte. Darüber weiß Soja genau Bescheid. Sofort nach dem Umbruch wird die Zeitung Seite für Seite aus der Druckerei in Moskau durch einen Bildapparat - an alle Enden des Landes gesendet und in den dortigen Druckereien aufgenommen. Automatische Maschinen gie- ßen sofort die Stereotypen, es entstehen genaue Kopien der Moskauer Zeitungen. Die „Prawda" wird auf diese Weise gleichzeitig in fünfzig Städten gedruckt und die neueste Nummer im ganzen Land am Erscheinungstage gelesen. Zerstreut schaute Soja aus dem Fenster. Sie verlor sich in, Gedanken über ihr vergangenes Leben. Solche Rückblicke hält man mitunter ganz unerwartet, während einer Sitzung, über die man nachher einen Bericht zu schreiben hat, oder mitten in der Nacht, wenn man plötzlich auf- wacht, oder wie eben jetzt beim sanften Rollen der Räder. Wie ein Film zieht das eigene Leben vorüber. Während des Krieges lag auf Sojas Schultern die Sorge um die jüngeren Brüder und den Haushalt. Die Mutter arbeitete in einer Waffenfabrik. Vom ersten Tage des Krieges an war der Vater an der Front. Als, er nach den schweren Jahren mit dem goldenen Ver- wundetenabzeichen und drei Medaillen heimkehrte, ging er in das gleiche Werk, in dem die Mutter arbeitete. Doch jetzt stellten sie nicht mehr Waffen her, sondern land- wirtschaftliche Maschinen. Eines Tages brachte Sojas Vater das Miniaturmodell eines automatischen Mähdreschers mit' nach Hause, das er zu- sammen mit anderen Ingenieuren des Werkes konstruiert hatte. Der Mähdrescher rollte allein über den Tisch, • schwang energisch die kleinen Flügel und durchschnitt mit den winzigen Messern die Luft. Das jüngste Brüder- chen war ganz behext von diesem Spielzeug, brüllte den ganzen Abend danach und beruhigte sich erst, als es ihm" geschenkt wurde. Und seine Freude war riesengroß! So ein Maschinchen gab es ja in keinem Spielzeuggeschäft zu kaufen. Vielleicht würde das Brüderchen in der Zu- kunft ebenfalls ein berühmter Maschinenbauer sein wie der Vater. Soja lächelte. Wie oft hatte sie von der Zukunft ge- träumt. Und ihre Träume waren in Erfüllung gegangen. Sie hatte die Hochschule besucht, die ersten Monate selb- ständiger Arbeit lagen hinter ihr, und jetzt fuhr sie als, eine „ziemlich" tüchtige Journalistin (übrigens — wie gern hätte sie gesagt „bekannte" Journalistin!) einer interessanten Aufgabe entgegen. Ja, nach all dem, was sie über Ingenieur Bobrow gehört hatte, versprach das Interview mit ihm äußerst interessant zu werden. Wer weiß, welche Gedanken der jungen Journalistin noch durch den Kopf geschwirrt wären, wenn der Zugfunk sie nicht daran erinnert hätte, daß es für sie bald Zeit zum Aussteigen war., Zu Gast bei einem „Zauberer" Tief im Garten, der von einem hohen Zaun umgeben war, lag ein kleines einstöckiges Landhaus mit einer großen Veranda. „Landhaus Nr. 3 —• Ingenieur Bobrow" stand an der Milchglaskugel auf dem Türpfosten. Die Gartentür war verschlossen, doch Soja konnte weder ein Schloß noch einen Riegel entdecken. Nicht einmal ein Schlüsselloch ist da, wunderte sie sich. Wie gelangt denn der Ingenieur ins Haus? Da bemerkte sie am Pfosten eine vergitterte Öffnung und darunter eine Klingel. Na also! Dann muß es hier auch einen Pförtner geben, oder der Ingenieur kommt selbst heraus und öffnet seine komplizierte Gartentür. Soja drückte auf den Knopf. „Wer ist da?" erklang es plötzlich dicht. vor ihr. Sie zuckte vor Überraschung zusammen. Die Stimme kam aus dem Türpfosten. „Ich bin es, Soja Winogradowa", antwortete Soja und wandte sich mechanisch dem Pfosten zu. „Sie setzten diese Zeit für ein Interview fest." Soja stockte. Es war nicht gerade höflich von Ingenieur Bobrow, von seinen Besuchern zu verlangen, hier draußen Fragen zu beantworten. „Bitte, treten Sie ein", wurde sie da höflich aufgefordert. Gleich darauf öffnete sich die Tür, als ob sie den Gast einladen wollte, in den Garten zu treten. Soja ging einige Schritte den schmalen Sandweg entlang, als hinter ihr ein leichtes Schnappen erklang. Sie schaute sich um: die Pforte hatte sich selbsttätig geschlossen. Als Soja an der Freitreppe des Hauses ankam, war die Haustür noch zu., Neue Hindernisse? Das wird mit der Zeit langweilig, dachte Soja. Aber die Tür öffnete sich, kaum daß Soja die erste Stufe berührt hatte. Sie brauchte nur ins Haus zu gehen. Als sie die kleine Diele betrat, hörte sie wieder die ihr schon bekannte Stimme: „Bitte, gehen Sie ins Kabinett." Eine Tür sprang auf. Sollte er mich nicht einmal in der Tür des Kabinetts be- grüßen? Na, warten Sie, Genosse Bobrow, ich glaube, ich werde Ihnen eine Lektion über Höflichkeit erteilen müssen! Aber es war niemand da, dem Soja eine Lektion über Höflichkeit hätte erteilen können. Das Zimmer, das Soja betrat, war leer. Es handelte sich übrigens um keinen Empfangsraum, sondern ganz offensichtlich um das Ar- beitszimmer des Ingenieurs. Der große Schreibtisch vor dem breiten, fast die ganze Wand einnehmenden Fenster, die Zeichentafel auf dem massiven Dreifuß und das Modell eines Werkes mit dem durchsichtigen Zellophanüberzug ließen keinen Zweifel daran aufkommen. Soja stand in der Mitte des Zimmers. Eine Minute ver- ging, die zweite .Niemand ließ sich sehen. Unsicher schaute sich Soja um. Was sollte sie tun? „Bitte, nehmen Sie Platz!" erklang wieder die gleiche Stimme. „Warten Sie ein wenig. Ich bitte um Entschuldi- gung." Erst habe ich mich mit einem Pfosten unterhalten, dachte Soja belustigt und nahm auf dem Diwan Platz, und jetzt •— wie es scheint — mit dem Bücherschrank. Natürlich spricht der Ingenieur immer mit mir. Ich werde ihm sagen, daß er mir als Pfosten besonders gut gefällt, wenn er — was ich hoffe — geruhen sollte, endlich zu ers'cheinen. Aber der geheimnisvolle Ingenieur zeigte sich nicht und, ließ auch nichts mehr von sich hören. Es sah ganz so aus, als habe er seinen Gast völlig vergessen. Es mochten schon an die zehn Minuten vergangen sein, und Soja saß immer noch allein im Arbeitszimmer.Wo steckt er denn nun endlich? Sie wußte nicht, ob sie sich noch wundern sollte oder ob es bereits an der Zeit war, sich aufzuregen. Als wollte der Bücherschrank, der so lange geschwiegen hatte, auf diese Frage antworten, räusperte er sich und teilte sachlich mit: „Ingenieur Bobrow ist nicht zu Hause. Aber er muß jede Minute eintreffen. Er bittet Sie um Entschuldigung für die unvorhergesehene Verzögerung, und wenn es Ihnen möglich ist, möchten Sie noch ein wenig warten." Das war eine andere Stimme. Sie hatte den unverbind- lichen Tonfall eines Menschen, der nur einen Auftrag ausrichtet. Bobrows Sekretär, entschied Soja. Er ahmt die Gewohn- heiten seines Chefs nach. Es verging noch eine Viertelstunde in schweigender Er- wartung; In dieser Zeit geschah nichts Besonderes, wenn man davon absieht, daß der Bücherschrank sich noch ein- mal für die Verspätung des Hausherrn entschuldigte und Soja auf die neuen Zeitschriften aufmerksam machte, von denen ein ganzer Stapel auf einem niedrigen drehbaren Büchergestell lag. Dieser Sekretär versteht es sogar, trotz seiner Abwesenheit die Leute zu unterhalten, dachte Soja. Vielleicht flirtet er auch mit dem geliebten Mädchen auf diese Weise und erklärt ihr so seine Liebe? Dann kann er mir nur leid tun! Sie hätte den Sekretär gern einmal ge- sehen. Sie stellte sich ihn als einen jungen Mann mit rosigem Gesicht und Brille vor, emsig und peinlich genau,, einen jener jungen trockenen Menschen, die in allem, sogar im greisenhaften Hüsteln, danach trachten, einem in der Arbeit ergrauten Gelehrten zu gleichen. So etwas kommt übrigens nur bei ganz jungen Leuten vor. Aber es war müßig, derartige Vermutungen anzustellen, weil es der Sekretär nicht für notwendig hielt, sich zu zeigen. Das übersteigt alle Grenzen des Anstands! Soja wurde langsam ärgerlich. Sie befand sich auch wahrhaftig in einer albernen Lage, saß Gott weiß wie lange allein in einem unbekannten Landhaus und wußte nicht einmal, ob man sie nicht ganz und gar vergessen hatte. Wie spät wird es sein? dachte sie und wollte auf ihre kleine goldene Armbanduhr schauen. Aber noch bevor sie einen Blick auf das winzige Ziffer- blatt hatte werfen können, erfüllte die eintönige, ge- messene Stimme der telefonischen Zeitansage den Raum: „Vierzehn Uhr achtundzwanzig Minuten!" Ingenieur Bobrows Schrank bewährte sich nicht nur als ein Hort für Bücher, sondern erwies sich auch als laut sprechende Uhr. Aber wie hatte er erraten können, daß Soja die Zeit wissen wollte? Sie war starr vor Überraschung. Weder der Schrank hatte ihre Gedanken lesen können noch der Sekretär, der gar nicht im Zimmer war, oder gar der Ingenieur, der sich überhaupt nicht im Hause befinden sollte. Handelte es sich hier nur um einen Zufall?, Weitere Wunder Es mochte eine Minute vergangen sein, als sich der Se- kretär abermals meldete: „Andrei Nikolajewitsch! Sie müssen vierzehn Uhr dreißig die Akademie der Wissenschaften anrufen." Andrei Nikolajewitsch war Bobrows Vor- und Vaters- name. Hieß das nun, daß der Ingenieur im Landhaus ein- getroffen war? Jedenfalls schien der Sekretär anzuneh- men, daß sich Bobrow in seinem Arbeitszimmer aufhielt. Aber niemand hatte das Haus betreten, keine Tür war ins Schloß gefallen. Der Garten, den Soja von ihrem Platz aus gut überblicken konnte, lag leer; die Pforte und das breite Tor waren nach wie vor verschlossen. Vielleicht hielt sich der Ingenieur schon als unsichtbarer Geist im Zimmer auf? Obwohl Soja über diesen wunder- lichen Einfall, der ihr vor Langeweile in den Kopf stieg, lächeln mußte, schaute sie sich doch unwillkürlich um. Kein Blättchen auf dem Tisch, kein Härchen des Teppichs — der drei Viertel des Fußbodens einnahm —, keine einzige Falte der Portiere bewegte sich. Sie entdeckte nichts von alledem, womit sich in Filmen ein unsichtbarer Mensch bemerkbar zu machen pflegte. Inzwischen begann der Schrank wieder zu sprechen:. „Um 15 Uhr findet die Besprechung wegen des Bystriner Kraftwerks statt. Sie müssen in zwanzig Minuten weg- fahren." Das bezog sich ganz offensichtlich auf den Ingenieur. Plötzlich schrillte das Telefon. Soja zögerte in der un- klaren Erwartung, daß der Hörer gleich von selbst in die Luft schweben würde, aber nichts dergleichen geschah. So entschloß sie sich, auf den Anruf zu antworten, und nahm, den Hörer ab. Immerhin war dies eine Verbindung mit der Außenwelt. Es befand sich außer ihr noch jemand in diesem Raum, wenn audi kein lebendiger Mensch, so doch seine Stimme. Das Warten in dieser unwirklichen Welt bedrückte sie ein wenig. „Andrei Nikolajewitsch", verlangte die Stimme im Hörer. Bevor sich Soja überlegt hatte, wie sie sich melden sollte, antwortete bereits eine andere Stimme dem unbekannten Anrufer, und zwar die von Bobrows Sekretär: „Andrei Nikolajewitsch ist nicht zu Hause." Die Stimme, die diesen Satz sprach, kam unmittelbar aus dem Hörer. Der Schrank schwieg. Nach dieser Auskunft erklang ein Knacken im Apparat — anscheinend hatte der Anrufer aufgelegt. Soja ließ langsam den Hörer auf die Gabel sinken und blieb neben dem Tisch stehen. Völlig überraschend war eine neue Vermutung in ihr aufgetaucht: Sie befand sich ganz allein im Haus .Weder der In- genieur war anwesend — wer weiß, wo er sich aufhalten mochte —, noch existierte irgendein Sekretär. Das waren einfach nur Sprechautomaten, höfliche Worte, auf Ton- band aufgenommen und durch einen Mechanismus wieder- gegeben. Dieser automatische Sekretär, der irgendwo hinter dem Schrank in der Wand eingebaut war, erteilte Auskünfte, unterhielt sich mit den Besuchern und ant- wortete auf Telefonanrufe. Soja war entschlossen, sich zu überzeugen, ob sie allein im Haus war. Schließlich hatte sie lange genug in dem leeren Arbeitszimmer gesessen und nun ein Recht zum Handeln. Sie warf energisch den Kopf in den Nacken und verließ das Zimmer, Sie lief durch das ganze Haus. Vor ihr taten sich lautlos und gehorsam alle Türen auf und schlössen sich geräusch-, los wieder, wenn sie hindurchgeschritten war. Das er- innerte sie an ein Märchen von einem verzauberten Schloß, dem sie in ihrer Kindheit einmal gelauscht hatte. Soja mußte sich davon überzeugen, daß sich außer ihr keine Seele im Hause aufhielt. Wenn wenigstens ein Hund gebellt hätte oder eine aufgescheuchte Katze vom Diwan heruntergesprungen wäre! Aber alles blieb still. Trotzdem konnte sich Soja, als sie durch die Zimmer schritt, nie ganz des Gefühls erwehren, daß sich außer ihr noch jemand im Hause befinden müsse, ein Unsichtbarer, der ihr lautlos auf den Fersen folgte. Diese sorgfältig in die Wände eingebauten Apparate, die wie unsichtbare Diener vor ihr die Türen öffneten oder in allen dunklen Ecken, kaum, daß sie nähertrat, Licht ein- schalteten, ließen unwill- kürlich die Vermutung auf- kommen, daß ein lebendiges Wesen hierbei seine Hand im Spiele habe. Soja blieb vor einem Bü- fett mit einer kunstvollen Schnitzerei stehen. Als sie ihre Hand danach aus- streckte, öffneten sich die Türen. Das ist ja toll! Bei diesem Entgegenkommen des Mo- biliars ist es ja eine Klei- nigkeit, das ganze Haus auszuräumen. Ein Dieb hat es hier leicht. Es sei denn, dieses Büfett schreit Zeter 2 Die geheimnisvolle Limousine, und Mordio, wenn man etwas aus ihm herausnehmen will! Zur Probe langte sie nach einer Keksdose. Aber das Büfett erhob deswegen kein Geschrei. Im Gegenteil! Das Regal, auf dem die Keksdose stand, schob sich ein wenig vor, damit man bequemer hinlangen konnte. Soja lachte laut auf. „Mein lieber verehrter Andrei Nikolajewitsch Bobrow! Sie haben sich wahrhaftig ulkige Sachen ausgedacht. Ge- wiß macht Ihnen Ihr Spielzeug ebensoviel Spaß wie meinem Brüderchen Tolja sein kleiner Mähdrescher. In jedem Mann steckt eben ein Junge, und wenn er auch schon graue Haare hat, wird er sich doch noch für jeden technischen Hokuspokus interessieren." Ein Hupen unterbrach ihre Rede. Sie trat ans Fenster und sah eine niedrige grüne Limousine auf das Haus zufahren. Rasch lief Soja auf die Veranda hinaus. Na endlich! Sie atmete erleichtert auf. Er geruht zu kommen! Aber wem hatte er das Signal gegeben? Im Haus war doch niemand. In diesem Augenblick öffnete sich das Tor. Die grüne Limousine rollte hindurch, be- schrieb einen Bogen und blieb vor der Freitreppe stehen. Es verging eine Minute, noch eine, doch niemand stieg aus. Mit wachsendem Erstaunen betrachtete Soja die Limou- sine. Bobrow bringt es fertig, sogar im Auto in aller Ruhe sitzen zu bleiben, dachte sie. Langsam schritt sie die Stufen der Veranda hinab. Je näher sie aber der grünen Limousine kam, desto höher hoben sich ihre Brauen. Sie lief rings um den Wagen herum, schaute hinein und schüttelte den Kopf. Es saß niemand darin. Auf dem Vordersitz lagen Handschuhe mit Lederstulpen, hinten eine Aktenmappe und ein Hut. War es möglich! Das Auto war allein hier angekommen?, Soja fuhr sich mit der Hand über die Stirn. Ihr kam in den Sinn, daß Ingenieur Bobrow ins Elektrizitätswerk fahren mußte. Vielleicht war der Wagen deshalb vorge- fahren? Wenn sich der Ingenieur soviel Dinge dienstbar zu machen verstand, warum sollte da nicht auch das Auto zur festgesetzten Stunde eintreffen? Also mußte er sich doch im Hause befinden! Nein, das konnte wiederum auch nicht stimmen, denn Soja hatte sich doch eben gründlich davon überzeugt, daß sie ganz allein war., Wieder die grüne Limousine Es vergingen fünf bis zehn Minuten. Der Wagen stand nach wie vor an der Freitreppe. Weder stieg jemand aus dem Auto, noch kam jemand aus dem Haus. Soja erging sich in Vermutungen. Der Gedanke, daß der Wagen extra für sie geschickt worden sei, entfiel sogleich wieder. Wenn der Ingenieur aus irgendeinem Grunde nicht selbst erscheinen konnte und ihr diese Höflichkeit hätte erweisen wollen, so wären die Autotüren von selbst aufgegangen und eine Stimme aus einem in der Karosse- rie versteckten Apparat hätte sie eingeladen, Platz zu nehmen. Außerdem waren Soja auch die Aktentasche und der Männerhut auf dem hinteren Sitz unerklärlich. Trotz allem entschloß sich Soja endlich, mit diesem Auto zu fahren. Sie hatte keine Lust mehr, in dem einsamen Landhaus zu sitzen und auf Ingenieur Bobrow zu warten. Wo mochte er sein? Daß Bobrow nicht eintraf, be- unruhigte sie. Sollte ihm etwas zugestoßen sein? Sie wollte zum Bystriner Kraftwerk fahren. Vielleicht traf sie ihn dort an. Soja drückte auf die Klinke, öffnete die Wagentür und setzte sich ans Lenkrad. Ein wenig wartete sie noch. Einen Augenblick lang glaubte sie, daß der Wagen von selbst anfahren und sie zu Bobrow bringen müsse. Aber die Limousine blieb stehen wie ein ganz gewöhnliches1 Auto, und Soja beschloß daher, den Wagen auch wie ein ganz gewöhnliches Automobil zu behandeln. Sie ließ den Motor an, rückte die Kupplung ein, schaltete den Gang ein, wendete auf dem kleinen sandigen Platz vor der Frei- treppe und fuhr los. Kurz vor dem Tor hupte das Auto. Das Tor öffnete sich, als hätte es auf dieses Signal ge-, wartet, und Soja rollte auf die Asphaltstraße hinaus, die vom Landhaus des Ingenieurs zur Chaussee führte. Der Wagen ließ sich gut lenken. Lautlos und leicht jagte Soja die Straße entlang, vorüber an hellen Birkenwäld- chen, in denen das Sonnenlicht über zitternde Blätter tanzte, vorbei an Feldern mit blühendem Klee und dunk- len, nach Harz duftenden Nadelwäldern. Die rasche Fahrt hob Sojas Stimmung. Aber ein Gedanke, der ihr Unterbewußtsein erfüllte, ließ ihr keine Ruhe. Sie grübelte, aber das Gedächtnis versagte. Doch plötzlich fiel es ihr wieder ein: Die Hupe! Ja, so war es gewesen. Als sie an das Gartentor herangefahren war, hatte sich dieses auf ein Hupensignal geöffnet. Aber wer gab das Signal? Soja selbst hatte den Knopf nicht angerührt. Als das Auto plötzlich hupte, war sie einen Augenblick verwundert aufgeschreckt, aber da ihr gerade andere Gedanken durch den Kopf gingen, hatte sie diesem Vorfall weiter keine Beachtung geschenkt. Ihr war heute schon so viel Selt- sames begegnet, daß ein weiteres Wunder ihr fast natür- lich erschien. Soja war so in Gedanken vertieft, daß sie gar nicht merkte, wie gefährlich schnell ein vor ihr fahrender Last- kraftwagen anwuchs. Die Gefahr wäre ihr noch nicht ein- mal bewußt geworden, wenn die Limousine selbst nicht plötzlich laut und anhaltend gehupt hätte. Soja schreckte auf und schaute mit entsetzten Augen auf den jetzt anhaltenden Kraftwagen. Zwei Arbeiter standen im Wagenkasten, fuchtelten wild mit den Armen und riefen ihr etwas zu. Einen Augenblick später, und Sojas Unaufmerksamkeit wäre ihr teuer zu stehen gekommen. Doch da fühlte sie, wie das Lenkrad sich mit ihren daraufliegenden Händen drehte und der Wagen genau, nach Verkehrsvorschrift links abbog. Einen kurzen Augen- blick lang hatte sie das Gefühl gehabt, daß unsichtbare Hände, stärker als die ihren, die Führung der Limousine übernommen hätten: Die Bremsen quietschten, noch bevor Soja das Pedal berührte, der Ganghebel zog ihre Hand mit und schaltete auf den ersten Gang. „So ein Verrückter!" schrie einer der Arbeiter, der sich über den Wagenrand beugte. „Bist du blind?" Aber als er Soja hinter dem Steuer sitzen sah, fügte er mit Bewunderung in der Stimme hinzu: „Hat sich geschickt herausgezogen! So ein Mädchen!" Soja saß der Schreck noch so in den Gliedern, daß sie den Zuruf gar nicht beachtete. Mit verminderter Ge- schwindigkeit — die die Maschine selbst bestimmt hatte — fuhr sie weiter und versuchte allmählich, ihre Gedanken zu ordnen und sich den Vorfall zu erklären. Mit der Hupe — das ist eine Kleinigkeit! beruhigte sie sich. Es läßt sich leicht einrichten, daß ein Auto hupt, wenn ein Hindernis in den Weg kommt. Aber wie ging es zu, daß der Wagen rechtzeitig nach links abbog, um einen Zusammenstoß zu vermeiden? Soja schaute sich unwillkürlich um. Vielleicht saß Bobrow hinter ihr und machte sich über sie lustig? Der Wagen konnte ja auch eine doppelte Steuerung haben. Aber der Sitz hinten war leer. Die Aktenmappe mit dem zugezoge- nen Riemen lag nach wie vor auf ihrem alten Platz, nur der graue Hut war, anscheinend durch das scharfe Ab- biegen, in die Ecke gerollt. Nach einer weiteren Minute fand Soja das eben Erlebte gar nicht mehr so erstaunlich, wie es ihr erst vorkam. Wenn man einen Wagen zum Hupen bringen konnte, warum sollte es dann nicht möglich sein, außerdem noch, einen Apparat einzubauen, der das Lenken übernahm? Soja war sich zwar keine Minute darüber im Zweifel gewesen, daß es für all diese kleinen Erlebnisse, die ihr in der letzten Stunde widerfahren waren, eine Erklärung geben mußte, sie war aber doch froh, daß sie nun eine Lösung gefunden hatte, die ihr einleuchtend schien. Ein Roman kam ihr in den Sinn, der davon handelte, wie die Maschinen gegen ihren Schöpfer — den Menschen — in Aufstand gerieten. Was hatten sich die Schriftsteller nicht schon alles aus- gedacht über die Zukunft, die die Menschen erwartet! Da gab es unsichtbare Menschen, denkende Gegenstände und eine vierte Dimension. Und in Wirklichkeit sah diese' Zukunft ganz anders aus. Hundertmal schöner, als es sich die kühnsten Phantasten vorgestellt hatten: Es war eine Welt der vernünftig denkenden Mensdien, mit den von ihnen geschaffenen Maschinen, die ihnen gehorchen, ihr Leben erleichtern und ihnen Zeit sparen helfen. Wieviel Uhr mochte es jetzt übrigens sein? Sicher wird sie zu spät zu der Besprechung kommen. Soja wollte auf die Leuchtzifferuhr neben dem Geschwin- digkeitsmesser sehen, aber bevor sie ihre Absicht aus- führen konnte, vernahm sie eine laute, deutliche Stimme: „Vierzehn Uhr — fünfzig Minuten." Es war die gleiche eintönige, ihr schon bekannte Stimme. Sie kam diesmal von hinten, vom Rücksitz. Soja drehte sich nicht erst um. Sie wußte, daß sie sowieso nichts entdecken würde. Entschlossen drückte sie auf das Pedal und ließ den Wagen sausen. Je eher sie den Ingenieur sah, desto schneller würde sie eine Erklärung für all diese Geheim- nisse erhalten., Das Wasserkraftwerk System Bobrow Vom Staudamm schweifte Sojas Blick weit über die blaue Fläche des Stausees bis zu dem dunklen Streifen Wald am Horizont. Die sowjetischen Menschen hatten gelernt, einfach und schön zu bauen. Der Bau mußte sich gut in die Landschaft einfügen. Die verrußten Ziegelkästen, die häßlichen langen Gebäude mit staubigen, zerschlagenen Fenstern gehörten schon längst einer niemals wieder- kehrenden Vergangenheit an. Geschickt lenkte Soja den Wagen die steile, spiralförmige Abfahrt hinab und fuhr zum Kraftwerk. Sie ließ das Auto vor einem Blumenrondell stehen und ging auf das weiße Gebäude zu. Die großen Fenster reichten fast bis zur Erde und waren mit einem kunstvol- len schmiedeeisernen Gitter versehen. An den Hausecken standen gerippte Säulen, die das flache Dach stützten. Vor dem Kraftwerk lag ein kleiner, viereckiger Platz, eine Fontäne ließ ihr silbernes Strahlenbündel in die Luft steigen, wasserspeiende Figuren säumten den Teich. Ringsum war keine Seele zu sehen. Soja suchte mit den Augen eine Tür, die die Aufschrift „Diensthabender Ingenieur", „Eingang" oder ähnliches trug. Sie lief drei Seiten des Gebäudes ab. Den Zugang zur vierten ver- sperrten riesige Betonrohre, die das Wasser direkt in das helle Gebäude leiteten. Soja konnte nirgends einen Eingang entdecken. Es blieb nur noch die große Tür, die, wie Soja anfangs dachte, Dekorationszwecken diente. Die hohen, fast bis zum Sims reichenden, oben abgerundeten Türflügel hatte man sicher nur einmal geöffnet, nämlich als die Maschinen •— Tur- binen und Generatoren — hineingeschafft 'wurden. Das, nächste Mal würde man sie aufmachen, wenn die Ma- schinen ausgewechselt werden mußten oder die abge- nutzte Einrichtung reparaturbedürftig war, . Sollten die Ingenieure und Techniker, die Arbeiter und Putzfrauen diesen Eingang wirklich täglich benutzen? War er nicht etwas zu prunkvoll, selbst wenn man vor- aussetzte, daß nur auf einen einfachen Knopf gedrückt zu werden brauchte, um die ganze Herrlichkeit in Bewegung zu setzen? Natürlich! Daß ihr das nicht gleich eingefallen war! Da Ingenieur Bobrow seine Hände hier im Spiele hatte, mußte auch ein Knopf vorhanden sein. Diesen Knopf brauchte sie nur zu inden, darauf zu drücken und sogleich würde — wie das Teufelchen aus der Schachtel des Taschenspielers — der diensttuende Ingenieur er- scheinen oder zumindest seine Stimme zu hören sein. Soja trat näher an die Paradetür heran. Irgendwo mußte der Knopf sein, Bobrow würde dafür schon einen auf- fälligen Platz ausgesucht haben. Aber sie fand keinen Knopf, Unschlüssig blieb sie stehen. Wie waren die Teil- nehmer an der Besprechung in das Haus gekommen? Sie hatte doch — Soja warf einen Blick auf ihre Armband- uhr — vor einer Minute begonnen. Schließlich trat sie an eines der niedrigen Fenster heran, schirmte die Äugen ab und schaute durch das Glas. Der helle Saal war leer, ab- gesehen von drei riesigen Maschinen, deren senkredit laufende Wellen sich in rasender Geschwindigkeit dreh- ten. Kein Geräusch war zu hören, nicht das kleinste Zittern pflanzte sich durch das Gebäude fort. Die weißen und gelben Kacheln des Fußbodens schimmerten kalt. Soja konnte hier nichts mehr unternehmen. Als sie sich um- drehte, sah sie einen Milizmann langsam auf sich zu- kommen. Die Touristin, die schon seit einer Viertelstunde, das Kraftwerk von allen Seiten betrachtete, hatte seine Aufmerksamkeit erregt. „Gefällt es Ihnen?" fragte er höflich grüßend. Er schaute Soja an, dann ihren Wagen, warf erneut einen Blick auf sie und fuhr in ruhigem Tone fort: „Ein herrliches Ge- bäude. Haben Sie sich schon die Aussicht vom Stau- damm angesehen? Dort ist extra ein Aussichtspunkt für Touristen." „Ach bitte, können Sie mir wohl sagen, wo ich den dienst- tuenden Ingenieur erreiche? Ich muß ihn dringend spre- chen." Soja reichte ihm ihren Presseausweis. „Der diensttuende Ingenieur hält sich hier nicht auf", entgegnete der Milizmann freundlich und gab ihr den Ausweis zurück. „Er ist in Tscheremsche. Das liegt sech- zehn Kilometer von hier entfernt. Sie müssen diesen Weg dort entlangfahren, der mit Blautannen eingefaßt ist. Unterwegs kommen Sie übrigens noch an einem zweiten Kraftwerk vorbei, das ebenso schön ist wie dieses." Er wünschte Soja noch eine gute Fahrt und schritt dann langsam weiter.,

VAK

Das zweite Kraftwerk unterschied sich vom ersten durch eine andere originelle Ausgestaltung der großen Tore, sonst war es ebenso menschenleer. Soja mochte noch un- gefähr drei Kilometer auf der Chaussee zurückgelegt haben, als linker Hand ein ziemlich hoher Hügel auf- tauchte. Oben auf der Höhe lugte aus einem jungen Eichenwäldchen ein runder Turm hervor. Seine Wetter- fahne, ein gezackter Blitz, funkelte in der Sonne und ließ keinen Zweifel darüber offen, daß dieser Turm Beziehun- gen zur Elektrizität hatte. Und richtig! Als Soja mit dem Wagen den Hügel hinauf- geklettert war und an den Turm heranfuhr, traf ihr Blick auf drei große Buchstaben an der Fassade: VAK. .Ver- waltung der Automatischen Kraftwerke" stand neben dem Eingang auf einem kleinen Schild. Im Garten, der an das runde Gebäude grenzte, arbeitete ein alter Mann in einem weißen Kittel. Es stellte sich heraus, daß er die Funktionen eines Pförtners und Verwalters ausübte. Zum Personal der Automatischen Kraftwerke gehörte nach sei- ner Auskunft noch ein zweiter Mann, der sich im Turm selbst aufhalten sollte. Der mürrische Alte zupfte lange mit seinen schmutzigen Fingern an Sojas Ausweis, bevor er sich entschloß, sie in den Turm zu lassen. Er führte sie eine Treppe hinauf in einen großen runden Saal, an dessen Wand Pulte aufgestellt waren. In der Mitte des Raumes saß in einem Drehsessel ein junger Mann, der Dienstleiter. Soja hatte keinesfalls den Ein- druck, daß er so beschäftigt sei, wie der Pförtner beteuerte. Der junge Mann, der sich freundlich lächelnd erhoben hatte, fing ihren überraschten Blick auf. 2?, „Was schauen Sie mich so verwundert an?" fragte er belustigt. „Endlich sehe ich mal einen leibhaftigen Menschen!" er- widerte Soja gleichfalls scherzend. „In Ihren Kraftwerken ist das so eine Seltenheit! Maschinen sind weit in der Überzahl. Aber ich wollte zu Ingenieur Bobrow. Ich nahm an, daß hier eine Besprechung stattfindet, an der ." „Die Besprechung ist abgesetzt worden", unterbrach sie der junge Mann bestürzt, „hat man Sie davon nicht unter- richtet? Wie ärgerlich! Bitte, entschuldigen Sie," „Ich war eigentlich auch gar nicht eingeladen", beruhigte ihn Soja. „Ich suche nur Ingenieur Bobrow und hoffte, ihn hier anzutreffen." „Wir hatten Bobrow angerufen, um ihn von der Ab- setzung der Besprechung zu unterrichten. Aber er war nicht zu Hause. Es meldete sich aber jemand, der es ihm ausrichten wollte." Soja fiel der mechanische Sekretär ein. Dieser antwortete also nücht nur auf Anrufe, sondern notierte sie auch. Wahrscheinlich wurden die Gespräche auf Tonband auf- genommen. „Haben Sie unsere Kraftwerke gesehen?" wandte sich der junge Ingenieur wieder an Soja. „Sind sie nicht fabel- haft? Bobrows Institut hat sie entworfen." „Die Kraftwerke sind sehr schön", entgegnete Soja, „aber mir scheint, ein wenig menschenleer. Das ist sicherlich eine Idee von Bobrow. Er ist wohl Misanthrop1?" „Im Gegenteil. Bobrow kann man eher als Philanthrop2 bezeichnen, wenn man sich so ausdrücken will. In den Kraftwerken, die Sie gesehen haben, sind nämlich nicht wenig, sondern überhaupt keine Menschen beschäftigt." i Menschenfeind. 2 Menschenfreund., „Ach! Ich dachte, es gibt nur ganz kleine automatische Kraftwerke!" „Nein. 1347 wurde das erste automatische Kraftwerk größeren Ausmaßes gebaut — auf dem Pererwinsker Damm. Seitdem haben sie Verbreitung gefunden.". „Ja, das stimmt! Jetzt erinnere ich mich auch an eine Zeitungsnotiz. Damals interessierte ich mich allerdings hur wenig für Technik." „Es handelte sich um die ersten Versuche. Hier sehen Sie schon etwas anderes." „Und was?" „NichteinKraftwerk, sondernsechs— ein ganzes Energiesystem, und alle arbeiten vollautomatisch." „Sobald Bobrow daran beteiligt ist, ist alles automatisch." Der junge Mann lachte. „Bobrow arbfeitet, wie Sie wohl wissen, in einem Institut, das sich mit der Automatisierung der Technik befaßt. Darf ich fragen, in welcher Angelegenheit Sie ihn zu sprechen wünschen?" Soja stellte sich vor. Als der junge Ingenieur erfuhr, daß eine Journalistin vor ihm stand, wurde er lebhafter.„Einen besseren Zeitpunkt konnten Sie gar nicht wählen, über unser Energiesystem ist bis jetzt noch nichts ge- schrieben worden. Das gibt einen interessanten Artikel für Sie! Ich werde Ihnen gleich alles erzählen." Soja schwankte einen Moment, sie wollte sich bei der Suche nach Bobrow nicht aufhalten lassen. Aber schließ- lich siegte die Neugier, eine der Berufseigenschaften der Journalisten, und Soja beschwichtigte sich damit, daß diese Besichtigung in unmittelbarer Beziehung zur Arbeit in Bobrows Institut stand und somit zu dem Thema, worüber sie ihn interviewen sollte., Der Ingenieur führte sie an sechs schmale Fenster, die zwischen zwei Pulten lagen. „Hier in diesen Fenstern", erklärte er, „kann man alle sechs Kraftwerke sehen, in jedem Fenster ein Kraftwerk. Sehen Sie! Es sieht aus, als lägen sechs bunte Landschaf ts- postkarten vor Ihnen. Für meine Arbeit an sich haben diese Bilder keine Bedeutung, es handelt sich hier nur um eine Laune des Architekten. Ich sehe zwar, daß jedes Kraftwerk an seinem Platz steht, das ist aber auch alles! Für mich ist es nur wichtig, zu wissen, wie sie arbeiten. Und das weiß ich! Ja, ich weiß es, ohne in die Fenster zu schauen. Sehen Sie sich das an." Er machte eine weit- ausladende Geste und zeigte auf die Pultreihe, die an der runden Wand entlanglief. „Sechs Pulte! Für jedes Kraft- werk eins, und hier ist das siebente Pult, auf dem die Meldungen aller Kraftwerke zusammenlaufen. Diese bun- ten Diagramme auf den Tafeln antworten mir auf alle Fragen, die ich als Dienstleiter habe. Wollen Sie den Wasserstand im oberen Staubecken des fünften Kraft- werkes wissen? Bitte! Viereinhalb Meter, und vor einer halben Stunde lag er vier Zentimeter höher. Oder die Anzahl der Umdrehungen der zweiten Turbine des dritten Kraftwerkes? Bitte! Fünfzig in der Sekunde. Am Morgen war sie etwas zu übermütig, machte fünfzigundeinviertel Umdrehungen, aber der Selbstregulator brachte sie rasch zur Vernunft. Wollen Sie wissen, was für Aggregate an welchen Kraftwerken ausgeschaltet worden sind und welche sich in Reserve befinden? Seien Sie so gut, und schauen Sie auf das siebente Pult: Hier, diese blau- gestrichenen .." „Aber man kann ja gar nicht alle Pulte zugleich im Auge behalten!" unterbrach Soja seinen Redefluß. „Da müßte, man ja die ganze Zeit den Kopf drehen. Und als ich hereinkam, sah ich, wie Sie gemütlich im Sessel saßen und ein Buch lasen." Der Dienstleiter zeigte nicht die geringste Verlegenheit. „Erstens habe ich in einem .Handbuch über Telemechanikl gelesen", entgegnete er, „und zweitens ist es gar nicht notwendig, die ganze Zeit die Pulte im Auge zu behalten,. Sie haben mich nur nicht recht verstanden. Ich schaue auf die Pulte, wenn mich etwas besonders interessiert. Sonst tragen die Selbstschreibgeräte alle Meldungen laufend auf Bänder ein, und ich kann mich in einer knap- pen halben Stunde über die Arbeit sämtlicher Kraftwerke in den letzten vierundzwanzig Stunden orientieren." „Und erfahren zu spät, was alles während Ihres Dienstes nicht funktioniert hat." „Soweit kommt es nicht! Wenn etwas nicht in Ordnung ist, erstatten die Pulte sofort Bericht." „Achtung!" erschallte plötzlich eine laute Stimme. Soja drehte sich um. Außer ihr und dem Ingenieur war nie- mand im Saal. „Das zweite Aggregat des dritten Kraftwerkes wird aus- geschaltet und bleibt in Reserve. Das dritte Aggregat des fünften Kraftwerkes ist angeschlossen." „Hören Sie?" wandte sich der Ingenieur an Soja. „Und schauen Sie jetzt auf das siebente Pult. Es hat Bericht erstattet. Sehen Sie, die Farben haben sich verändert. So werden auch alle Unregelmäßigkeiten gemeldet." „Wer meldet denn das?" „Es ist keine Person. Ein Sprechautomat. Die Pulte schal- ten ihn der Reihe nach ein. Klingeln und andere Signal- anlagen sind auch da." «Erlauben Sie, aber wie steht es mit der Verwaltung der

S

, Kraftwerke? Die Kraftwerke erstatten Bericht, das ist klar. Aber sie müssen doch auch verwaltet werden?" „Deshalb ist ja die Zentrale hier eingerichtet worden." Der Ingenieur wies in den Saal. „Eine Zentrale, die." er zögerte, „ebenfalls automatisch arbeitet. Ja, ja", fuhr er fort und lachte, „ich bin hier auch überflüssig. Ich kann eine Stunde, zwei oder auch den ganzen Tag weggehen — und nichts passiert. Ich lebe und arbeite in dem Raum unten und komme nur bei einem Anruf herauf! Bei einem automatischen, versteht sich. Bobrow und seine Abteilung sind übrigens der Ansicht, daß dieser Posten gänzlich ab- geschafft werden kann. Eines dieser Pulte, und zwar das, auf dem die Meldungen aller Kraftwerke eingehen, wol- len sie bei einem Dienstleiter aufstellen, der einige Energiesysteme zusammen bedienen soll. Er wird dies so lange tun, bis Bobrows Mitarbeiter zu ihm kommen und nachsehen, ob nicht auch dieser Posten abgebaut werden kann. Können Sie sich diese Perspektiven vorstellen? In riesengroßen Gebieten des Landes wird automatisch billige Wasserenergie gewonnen und durch Leitungen und unterirdische Kabel den Verbrauchern zugeführt." „Großartig! Aber wenn eine Panne eintritt?-" „Nun, was würdenSietun, wenn in einem der Kraft- werke eine Panne eintreten würde und Sie wären Dienst- leiter?" • Der junge Mann schaute sie ein wenig verschmitzt an. „Ich würde.." Soja dachte einen Augenblick nach und sagte dann kurz entschlossen: „Sofort Maßnahmen er- greifen." Sie hatte wie ein schlecht vorbereiteter Student eine ganz allgemeine Antwort gegeben. „Ganz recht!" Der Ingenieur nickte beifällig, als hätte, Soja das einzig Richtige gesagt. „Aber noch bevor ich überlegen könnte — oder an meiner Stelle Sie —,' welche Maßnahmen zu ergreifen sind, werdensie schon er- griffen. Das Aggregat wird sofort ausgeschaltet, selbst beim kleinsten Bruch einer der Schaufeln, und an seiner Stelle schaltet sich ein Aggregat aus der Reserve ein. Das geht so schnell, daß die Stromverbraucher die Umsdial- tung gar nicht merken und wir zwei kaum Zeit finden, den Mund aufzutun, um auszurufen: „Ach, so ein Pech!" „Aber es muß doch eine Reparaturbrigade in das Kraft- werk geschickt werden, und überhaupt.. ." „Sie wird ja auch geschickt! Das Kraftwerk bestellt sie selbst. In der .Ersten technischen Hilfe' steht ein auto- matisches Bestellpult. Sie werden dort nicht nur von dem - Schaden im allgemeinen, sondern auch über die Art des Schadens unterrichtet und erfahren alles zur selben Zeit wie ich." „Bedauerlich, daß die Reparatur selbst nicht auch gleich automatisch vor sich geht", warf Soja ein. Ihre Stimme hatte einen leicht ironischen Klang. „Das wäre der Triumph der Automatisierung." „Bis dahin hat es die Technik noch nicht gebracht", er- widerte der Ingenieur. Er "sagte das in einem Ton, als "ob er gar nicht daran zweifle, daß die Technik mit der Zeit auch diese Schwierigkeit überwinden werde. Soja schämte sich ihrer Skepsis, die hier fehl am Platze war. Unbestreitbar lagen glänzende technische Errungen- schaften vor ihr. „Und wie verhält es sich mit der laufenden Reparatur?" fragte sie, schon in einem anderen Ton. „Ihre Turbinen können sich doch nicht ewig drehen." „Nein! Die Besichtigung der Aggregate wird einmal in 3 Die geheimnisvolle Limousine 33, zwei Monaten vorgenommen, ihre Überprüfung einmal im Jahr. Manche sind der Ansicht, daß diese Fristen ver- längert werden könnten. Das Anhalten der Aggregate bei der Reparatur geschieht natürlich ohne jeden Nachteil für die Stromverbraucher. Wir haben ständig Stromreserven." Nachdem Soja noch einige Erläuterungen dieser Art an- gehört hatte, verabschiedete sie sich. „Leben Sie wohl, Sie überflüssiger Mensch", sagte sie scherzend und reichte dem Ingenieur die Hand. Dabei kam ihr Bobrows Wagen in den Sinn, den sie eigentlich so gut wie gestohlen hatte. Sie wollte so rasch wie möglich die unangenehme Geschichte ins reine bringen. Eine Sekunde zögerte sie: Wäre es nicht besser, ihm alles zu erzählen? Aber was anders sollte Bobrow geschehen sein, als daß er irgendwo aufgehalten worden war und sich seine Rückkehr verzögert hatte. Und sie war einfach mit seinem Wagen spazierengefahren. Wie sollte sie das dem jungen Mann erzählen? „Wissen Sie nicht, wo Bobrow jetzt sein könnte?" fragte sie nur. „Das ist schwer zu sagen. Sein Institut führt an vielen Orten Arbeiten durch. Versuchen Sie, im Institut anzu- rufen. Vielleicht kann man Ihnen dort sagen, wo er ist. Ich werde Sie sogleich verbinden." Aus dem Institut teilte man ihr mit, daß Bobrow heute einen freien Tag habe. In seinem Landhaus, wo Soja an- rief, um zu erfahren, ob der Ingenieur inzwischen zurück- gekehrt sei, teilte der mechanische Sekretär höflich mit, daß Bobrow nicht da sei, er ihm aber alles ausrichten werde. „Bestellen Sie bitte Ingenieur Bobrow", wandte sich Soja, darauf an den mechanischen Sekretär wie an einen leben- digen Menschen, „daß ich, Soja Winogradowa, seinen Wagen genommen habe. Ich bin damit weggefahren, um ihn zu suchen." Als Soja jedoch sah, daß sich die Brauen des neben ihr stehenden Dienstleiters ein wenig zusammenzogen, wurde sie verlegen. Was er jetzt gehört hatte, mußte ihn natür- lich eigenartig anmuten. Es war ihr unangenehm, weiter- zusprechen. Sie legte den Hörer auf, verabschiedete sich zum zweitenmal und lief, ohne sich noch einmal umzu- schauen, die Treppe hinunter zu der unglückseligen Li- mousine, die geduldig auf sie wartete. 3* 35, Die Suche wird fortgesetzt Soja fuhr wieder auf die Chaussee. Das graue Band zog sich jetzt am Kanal hin. Ab und zu tauchte ein schnee- weißes Motorschiff auf, das zwischen den grünen Ufern vorwärtsstrebte. Plötzlich erklang hinter ihr eine Stimme, es war ihre eigene. „Bestellen Sie bitte Ingenieur Bobrow", hörte sie ver- wundert, „daß ich, Soja Winogradowa, seinen Wagen genommen habe. Ich bin damit weggefahren, um ihn zu suchen!" Ihre Stimme brach ab. Das war der Augenblick gewesen, als sich die Augenbrauen des Dienstleiters er- staunt zusammengezogen und Soja den Hörer aufgelegt hatte. Nach einer kurzen Pause begann die Stimme hinter ihr wieder zu sprechen. Aber es war nicht mehr Sojas Stimme. „Bobrow!" rief jemand in ausdrucksvollem Baß. „Bist du es, Andrei? Nicht zu Hause? Wie seltsam! Was ausrichten? Bestellen Sie, daß Stawrogin angerufen hat. Wir hatten doch verabredet, an den Blauen See zu fahren. Hat er es denn vergessen?" Der Hebel knackte. „Andrei Nikolajewitsch", vernahm S8ja eine Frauen- stimme. „Ist nicht da? Richten Sie ihm bitte aus, daß vom Institut angerufen wurde. Heute wird im Werk .Auto- matischer Mähdrescher' die dritte automatische Abteilung in Betrieb genommen." Aha! Der mechanische Sekretär erstattete auf diese Weise über alle Telefonanrufe, die während Bobrows Abwesen- heit erfolgten, unmittelbar hierher, in dieses Arbeitszim- mer auf Rädern, Bericht., Soja schaute sich nach allen Seiten um. Da erst gewahrte sie neben dem hinteren Sitzplatz an der Wand einen Telefonapparat. In diesem Augenblick klingelte das Telefon. Es klingelte wie ein ganz gewöhnlicher Zimmerapparat mit melodi- schem, angenehmem Ton. Soja wollte den Wagen anhalten, um den Hörer abzu- nehmen. Da fiel ihr Blick auf einen Knopf am Armaturen- brett mit der Aufschrift „Mikrophon". Sie drückte darauf. Vom Armaturenbrett hob sich ein ovaler, cremefarbener, durchlöcherter Knopf aus Galalith und näherte sich ihren Lippen. Sie hatte ihn früher für eine Verzierung gehalten. Der Knopf wurde von einer leichten, eleganten Konsole getragen. „Ich höre", sagte Soja in das Mikrophon. Sie erwartete, Bobrows Stimme zu vernehmen. Aber aus dem Lautsprecher, der irgendwo hinter ihr im Auto ein- gebaut war, erklang eine greisenhaft ächzende, durch Atemnot unterbrochene Stimme. „Ich möchte Bobrow sprechen. Ich habe bereits bei ihm im Landhaus angerufen. Mir wurde gesagt, daß er nicht da sei. Hier spricht Professor Mitrofanow." „Ingenieur Bobrow ist nicht da. Entschuldigen Sie, Pro- fessor Akademiker! Aber sobald er sich einfindet... Ich werde es ihm sofort ausrichten, wenn er ." Soja wußte nicht, wie sie den Satz beenden sollte, Pro- fessor Mitrofanow krächzte noch ein wenig und legte dann auf. Aus all dem ergab sich, daß Bobrow von verschiedenen Leuten wegen verschiedener Angelegenheiten gesucht wurde und daß sein Verschwinden beunruhigend war., Die grüne Limousine fuhr auf eine Anhöhe. Vor Soja lag die große Stadt mit ihren hohen Gebäuden, zwisdien denen einzelne Wolkenkratzer in die Höhe ragten. Auf der rechten Seite der Chaussee, wo einige Pavillons aus Stahl und Marmor die Endstationen der Trolleybusse, Autobusse und der Metro kennzeichneten, stand ein riesi- ger Bau aus grauem Beton. Das langgestreckte Gebäude mit den leicht abgerundeten Dächern und Fensterbogen, das in seiner Größe an frühere Filmstudios erinnerte, war von einer ebenfalls grauen Betonmauer umgeben. Neben dem Werk, auf einem asphaltierten und mit wei- ßen Linien unterteilten großen Platz standen über tausend Autos, mit denen die Angestellten und Arbeiter in die Fabrik gekommen waren. Das Werkgelände und die an- grenzende Fläche mit den Pavillons der Metro, den Auto- bus- und Trolleybusstationen waren mit jungen Bäumchen und Reihen blühender Sträucher bepflanzt. Dazwischen leuchteten grüner Rasen und bunte Blumenbeete. , „Automatischer Mähdrescher" stand in mattgoldenen Buch- staben an dem Werkgebäude, darunter die Fabrikmarke, ein goldener Mähdrescher mit einer wehenden Fahne aus roter Emaille. Der Vater hatte Soja gestern die dritte vollautomatische Abteilung, die probeweise lief, gezeigt. Heute sollte sie eröffnet werden. Als Soja die riesige helle Werkhalle betreten hatte, war ihr sofort aufgefallen, daß es sich um ganz besondere Maschinen handelte. Sie sahen anders aus und waren kleiner als die üblichen. Metallgeräusche hatte man in der Halle überhaupt nicht gehört. Nur ein schwaches Ticken, wie von aufschlagenden Regentropfen, hatte die Stille unterbrochen., „Was wird denn hier gemacht?" hatte Soja gefragt und staunend die zwischen den Maschinen in der Luft schwe- benden Einzelteile betrachtet. „Hier wird Metall bearbeitet", wurde ihr erklärt, .ohne Werkzeuge, nur mit Elektrizität. Die Elektrizität bohrt Löcher, schleift die dünnste Schicht ab und erledigt

I

, Dutzende feinster Arbeitsgänge. Wir können zum Bei- spiel von diesem Stück eine Metallschicht von einem Atom abschleifen oder eine Öffnung bis zu einem tausendstel Millimeter bohren, und das ganz genau. In dieser Werkstatt werden feinste Teile der modernen land- wirtschaftlichen Maschinen hergestellt: eine Uhr, mit der jeder Mähdrescher ausgerüstet wird, ein Automat, der die Körner zählt, die durch die Maschine gleiten, und das Durchschnittsgewicht der geernteten Körner feststellt, und so weiter." Der Chef, der gleichzeitig drei Abteilungen verwaltete, hatte sie in sein Arbeitszimmer geführt, das auf der Galerie lag. Es war eine enge Kabine mit einem kleinen Arbeitstisch und einem Schältpult. Durch ein großes Fen- ster konnte man die dritte Werkstatt überblicken und auf zwei Bildschirmen beobachten, was in den anderen beiden Werkhallen vor sich ging. Auf beiden Schirmen hatte Soja unendliche Reihen Maschinen, aber keine Arbeiter gesehen. Der Vater hatte ihr erzählt, daß die früheren Arbeiter und Ingenieure dieser Abteilung eine „neue Beförderung im Leben" erhalten hätten, wie er es ausdrückte. Ein Teil der Leute war in andere Fabriken gekommen, wo die Werkstücke noch nach altertümlichen Methoden be- arbeitet wurden, das heißt, nach den allgemein üblichen. Sie hatten dort unter anderem die Aufgabe, auch die neue Technik zu verbreiten. Ein Teil der früheren Arbeiter der Abteilungen lernte um. Sie qualifizierten sich als Spezia- listen für die Montage und Wartung der neuen Maschinen. Einige, besonders die Jugendlichen, gingen in die Lehre, um ihre theoretische Ausbildung zu vervollkommnen. Ja, unter den Arbeitern dieser Abteilungen gab es keinen, >, dessen Gesichtskreis und Kenntnisse sich nicht erweitert hätten. Das Leben der Menschen im sozialistischen Staat wurde täglich interessanter. Die grüne Limousine mischte sich in den Strom der in die Stadt eilenden Autos. Die großen hellen Werkhallen des „Automatischen Mähdreschers" blieben zurück. Auf der linken Seite tauchte^ eine Tankstelle auf, und Soja beschloß, den Benzinvorrat zu ergänzen. Gleichzeitig bat sie, den linken Vorderreifen zu überprüfen, an dem etwas ständig auf den Asphalt klopfte. Der Tankstellen- wart klebte den von der Reifendecke losgetrennten Strei- fen Gummi rasch wieder an, während Soja im Auto sitzen blieb, und fragte dann: „Können Sie mir sagen, wie spät es jetzt .." Er hatte noch nicht zu Ende gesprochen, als aus dem Innern der Limousine eine laute Stimme die Zeit mitteilte. Der Tankstellenwart schaute verblüfft durch das Wagen- fenster. Darauf fuhr er sich mit der Hand ins Genick, und sein Gesicht nahm einen noch fassungsloseren Ausdruck an. Soja ließ gerade den Wagen an. Sein erstauntes Ge- sicht war das letzte, was sie von ihm sah. Aber die Überraschungen dieses Tages waren noch nicht zu Ende. Soja saß am Steuer, schlug ein rasches Tempo an und grübelte darüber nach, wo sie Bobrows Ver- schwinden melden sollte, als der Wagen plötzlich mitten auf der Chaussee stehenblieb. Ein Mann in Milizuniform kam heran. Sein Kamerad hatte sich dem Auto ungefähr fünf Schritte entfernt mit erhobener Hand in den Weg gestellt. Soja hatte das Signal noch gar nicht bemerkt und wäre vorübergefahren, wenn die grüne Limousine dem Befehl nicht gehorsam Folge geleistet hätte., Schon das zweite Mal nicht aufgepaßt! Soja war ärgerlich über sich selbst. Das Lenkrad ist doch kein Schreibtisch und der Führersitz kein Platz, um Betrachtungen anzu- stellen. Da ließ der Milizmann die erhobene Hand sinken, und die Limousine setzte sich unverzüglich in Bewegung. Soja zog die Bremse und brachte den Wagen endgültig zum Stehen. „Seltsam", sagte der erste Milizmann zum zweiten, „am Steuer sitzt ein junges Mädchen. Und es hieß doch, daß der Wagen ohne Chauffeur und Passagiere fahre. — Ihre Papiere, bitte!" Soja zog das Büchlein hervor, das be- scheinigte, daß sie die Fahrprüfung abgelegt hatte. „Gut, alles in Ordnung! Ist das Ihr Wagen?" „Nein, der Wagen gehört Ingenieur Bobrow", antwortete Soja fest. „Stimmt auch", entgegnete der Milizmann. Er schien sich darüber nicht im geringsten zu wundern. „Wohin fahren Sie, bitte?" „Ich suche Ingenieur Bobrow .. .* „Das trifft sich ja gut. Wir suchen ihn auch. Warten Sie bitte einen Augenblick." Der Milizmann wollte zu dem Telefonhäuschen gehen, das etwas entfernt am Rande der Chaussee stand. „Wollen Sie anrufen?" rief ihm Soja nach. „Im Auto ist ein Telefon." „Ausgezeichnet!" Der Milizmann kehrte um. Er öffnete die Autotür und nahm den Telefonhörer ab., Eine nutzbringende Bekanntmachung Soja gab nun genau auf die Straße acht. Jetzt wäre es auch viel zu gefährlich gewesen, am Steuer zu träumen, denn der Berufsverkehr hatte begonnen. Am Ende des Arbeitstages herrschte in den Straßen der großen Stadt besonders starker Verkehr. Die breite, tiefliegende Li- mousine fuhr ohne anzuhalten die schnurgerade Haupt- straße entlang. Tauchte eine Kreuzung auf, so senkte sich der Fahrdamm allmählich, und an der Kreuzung vet- schwand Sojas Wagen in einem breiten Tunnel, der mit unsichtbaren Lampen so hell erleuchtet war, daß kein Unterschied zum Tageslicht bestand. Manchmal war es umgekehrt. Soja sauste auf einem ansteigenden Asphalt- rücken über die Kreuzung, und unter den Reifen ihres Autos floß der querlaufende Wagenstrom. Im Zentrum der Stadt, wo große Häuser gebaut wurden, dauerte es zu lange, bis sich eine Kolonne Zehntonner durch ein breites Tor geschlängelt hatte, und Soja mußte anhalten. Sie warf einen Blick auf einen Bretterzaun, hinter dem ein Bauplatz lag. Dabei blieben ihre Augen an großen Buchstaben haften, die sie vor Überraschung hochfahren ließen. „Bobrow" stand auf dem am Zaun klebenden Pla- kat. Darüber und darunter liefen noch Zeilen in kleinerer Schrift, die sie nicht erkennen konnte. Was weiter ge- schah, erinnerte an eine Szene aus einem Lustspielfilm. Hinter Soja hupte und brüllte es. Aber Soja, die näher an das Plakat herangefahren war, wollte nichts hören, jedenfalls so lange nicht, bis sie die Bekanntmachung zu Ende gelesen hatte. Nur gut, daß sie kurz war. Unter den aufgeregten, empörten Zurufen der wartenden Fahrer ließ Soja wieder den Wagen an., „Großes Auditorium des Polytechnischen Museums", wiederholte Soja für sich. „Allunionsgesellschaft zur Ver- breitung polytechnischer und wissenschaftlicher Kennt- nisse. Vortrag Ingenieur Bobrow, Dienstag, 10. Juli, 18 Uhr 30. Das war heute abend. „Achtzehn Uhr einunddreißig Minuten", meldete die Stimme in der Limousine, als das Auto vorm Eingang des Polytechnischen Museums hielt, Soja wußte gar nicht, ob sie eigentlich daran gedacht hatte, wie spät es sei. Oder sagte dieser diensteifrige Mechanismus die Zeit an, bevor dem Menschen dieser Gedanke überhaupt in den Sinn kam? Alle Eintrittskarten waren ausverkauft, und nur Sojas Presseausweis öffnete ihr die Tür zum Auditorium. Einer der für die Verwaltung reservierten Plätze war noch frei. Im Saal herrschte lebhaftes Stimmengewirr. Sojas Platz lag vorn — gerade gegenüber dem leeren Rednerpult. Der Ordner, der Soja kannte, erklärte ihr, daß Bobrow immer außerordentlich pünktlich sei, sich aber heute aus einem unbekannten Grunde bereits um ganze fünf Minuten verspätet habe. Sie hätten in seinem Landhaus angerufen und die Antwort erhalten, daß er ." Er schwieg plötzlich und blickte auf einen Mann, der eben den Saal betrat. Aus dem Applaus, der einsetzte, aber mehr noch aus der darauffolgenden erwartungsvollen Stille erriet Soja, daß es Bobrow sei. So werden nur be- kannte und beliebte Redner begrüßt. Bobrow war ein großer, breitschultriger Mann mit kräfti- gen Gesichtszügen. Er trug einen hellen Anzug. In der einen Hand hielt er einen grauen Filzhut und in der anderen eine Aktentasche mit zugezogenem Riemen. Nach- dem er beides auf das Rednerpult gelegt und sich kurz, wegen der Verspätung entschuldigt hatte, begann er so- gleich mit seinem Vortrag. Alles war so rasch gegangen — die kleine Seitentür hatte sich geöffnet, Bobrow war erschienen und stand bereits einige Augenblicke später am Rednerpult —, daß Soja gar keine Zeit gefunden hatte, dem Ordner etwas zu ent- gegnen. Jetzt stand er schon nicht mehr neben ihr. Im Saal herrschte angespannte Stille., Der Vortrag Mechanisch nahm Bobrow einige Papiere aus der Akten- tasche und breitete sie auf dem Pult aus, ohne seinen Vortrag zu unterbrechen. Er drückte auf einen Knopf, im Saal ging das Licht aus. über dem Pult leuchtete eine flimmernde Leinwand auf. Jetzt waren nur der Bildschirm und der Redner selbst zu sehen. Bobrow schilderte, wie der Mensch anfangs mit dem Werkzeug in der Hand an der Werkbank gearbeitet habe. Auf der Leinwand wurde eine dieser altmodischen Werk- bänke sichtbar, die nur das zu bearbeitende Metallstück drehte. Alles übrige tat der Mensch selbst. Trotz allem hatte diese primitive Maschine die Arbeitsleistung um ein Vielfaches erhöht und die Erfindung und den Bau anderer, vollkommenerer Maschinen vorbereitet. Denn hätte es diese kleine primitive Werkbank nicht gegeben, so wären auch die komplizierten, modernen Maschinen undenkbar. „Die automatisch arbeitende Werkbank war der nächste Fortschritt." In Bobrows Stimme trat ein feierlicher Unter- ton. „Sie befreite den Menschen fast von allen Mühen, außer der, das richtige Arbeiten der Werkbänke zu ge- währleisten und für Materialzureichung und Abnahme der fertigen Erzeugnisse zu sorgen. Die feinsten Arbeits- prozesse, die die geschicktesten Menschenhände nicht durchführen könnten, erledigt die automatische Werkbank spielend. Ihre Produktivität ist so hoch, daß eine einzelne Werkbank eine ganze alte Abteilung mit Handbetrieb er- setzen kann. Aus diesem Grunde haben diese klugen Mechanismen, die selbständig zu arbeiten verstehen und ihre Arbeit sogar kontrollieren, eine so große Verbrei-, lung in unserem Lande erfahren. Aber", fuhr Bobrow mit erhobener Stimme fort, „der Elan unseres sozialistischen Aufbaus ist-so groß, daß auch diese selbständig arbeiten- den Werkbänke den vor unserer Industrie stehenden Auf- gaben nicht genügen. Wir nahmen deshalb in unseren Werken ganze automatische Fließbänder in Betrieb, stell- ten lange Reihen Maschinen auf, die alle an einem Stück notwendigen Arbeitsgänge durchführen und es auto- matisch weiterreichen." Soja sah auf der Leinwand einen Rohling von Maschine zu Maschine wandern, bis das fertige Stück auf ein Fließ- band fiel und davongetragen wurde. - „Aber auch das ist noch nicht die letzte Stufe der un- unterbrochenen Entwicklung der sowjetischen Technik", sprach Bobrow. Im Saal ging das Licht an, die Leinwand wurde weiß, Bobrow schritt an einer großen Schautafel entlang. Soja sah auf dem Tisch unter anderem ein großes, mit Zellophan bedecktes Modell. Es kam ihr bekannt vor. Es war dasselbe Modell, das sie heute im Arbeitszimmer des Ingenieurs gesehen hatte. Oder war es ein anderes, nur eine Kopie davon? „Die automatische Fabrik ist der nächste Schritt", erklärte Bobrow, wobei er wie ein Zauberkünstler die durch- sichtige Kappe hochhob und seinen Zeigestock über das Modell hielt. „Eigentlich ist daran gar nichts überraschen- des. Sie haben gewiß schon alle von den automatischen Kraftwerken gehört, die ohne Personal arbeiten, von ganzen Energiesystemen, die vollständig automatisch laufen. Viele chemische Werke sind nichts anderes als gigantische Laboratorien mit riesigen Apparaten und Retorten, in denen selbsttätig die kompliziertesten chemischen Prozesse stattfinden. Bekannt sind die Zucker-, und Brotbereitungsfabriken, wo die menschliche Hand mit den Produkten überhaupt nicht mehr in Berührung kommt. Komplizierter ist es natürlich, eine Maschinenfabrik auf automatischen Betrieb umzustellen. Dasselbe trifft auch auf einige andere Werke zu. Aber es ist durchaus reali- sierbar, vor allem, wenn sich diese Betriebe spezialisieren, also ihre Produktion auf einen bestimmten Typ umstellen. Hier haben wir ein Werk, das Rohre herstellt, die unser Land in so großen Mengen braucht." Bobrow schwenkte das Stöckchen über dem Modell, Sein Assistent, der sich vor einer Minute unmerklich eingestellt hatte, mußte den Mechanismus eingeschaltet haben, denn plötzlich kam Leben in die kleine Fabrik, und sie begann emsig zu arbeiten. Eine elektrische Spielzeuglokomotive fuhr einen offenen Güterwagen mit winzigen Metallbarren an eine Verladerampe. Dort wurden diese rasch auf ein Fließband verladen. Ein Barren nach dem anderen ver- schwand im Innern des Werkes wie Brote im Backofen. Da drinnen glühten winzige öf chen, drehten sich karussell- ähnliche Maschinen, und auf der anderen Seite des Wer- kes krochen wie Makkaroni unendliche Reihen fertiger Rohre verschiedener Durchmesser heraus. Sie waren in genau gleichlange Stücke geschnitten. Automatisch wurden sie auf die kleinen, offenen Güterwagen geschoben, die eine andere kleine, elektrische Spielzeuglokomotive vom Fabrikgelände zog. „Das, was sich jetzt vor unseren Augen abspielt, kann vergrößert und im Produktionsmaßstab ausgeführt wer- den. Es ist auch bereits verwirklicht worden. So eine Fabrik gibt es. Das Institut für Automatik und Tele- mechanik hat zusammen mit den anderen Forschungs- anstalten des Landes und den Ministerien für Industrie, Projekte verschiedenartiger Werke ausgearbeitet. Das wird auf der Welt die erste vollautomatische Produktion bestimmter Artikel sein. Nun dürfen Sie aber nidit an- nehmen, daß solche Fabriken ganz ohne Menschen aus- kommen. Sie werden gebraucht! Allerdings nur" sehr wenige und hauptsächlich zur Lenkung der Produktions- prozesse, wobei ihnen natürlich zahlreiche automatische Geräte zur Verfügung stehen. Auf diese Weise erhöht die sowjetische Technik die Pro- duktivität, befreit den Arbeiter von körperlicher Arbeit, und hilft somit, die Grenze zwischen geistiger und körperlicher Arbeit zu beseitigen." Im Saal wurde lebhaft applaudiert, aber der Vortrag war noch nicht zu Ende; Bobrow sprach nun mit der gleichen Begeisterung über die Automatisierung auf einem anderen Gebiet, an das niemand gedacht hatte. «In meinem Landhaus", sagte er, „bedienen mich eine ganze Anzahl unsichtbarer und stets gegenwärtiger Me- chanismen. Nach meiner Berechnung ersetzen sie minde- stens zwölf Personen. Ich habe mit meinem Haushalt wenig Mühe und führe ihn selbst." Deswegen hatte er mich in sein .Landhaus bestellt! fuhr es Soja durch den Kopf. Dort hätte er mir gleich alles vorführen können. Im Saal wurde es1 wieder dunkel, die Leinwand leuchtete erneut auf und enthüllte den Besuchern das Geheimnis der grünen Limousine. „Die modernen Flugzeuge sind heutzutage mit einem .automatischen Piloten' ausgerüstet. Diese Einrichtung er- laubt dem Flugzeugführer, in einer ruhigen Minute die Steuerung dem Automaten zu überlassen. Er kann durch die Kabine gehen, sich die Beine vertreten, sich erfrischen 4 Die geheimnisvolle Limousine 49, und ein paar Worte mit den Passagieren wechseln. So ähnlich wird auch das Auto der nächsten Zukunft be- schaffen sein", erklärte Bobrow überzeugt. „Es erhält eine automatische Steuerung; damit das Auto selbsttätig fährt, genügt es, auf dem Asphalt eine weiße Linie zu .ziehen. Ein photographisches Auge, das mit der Steuerung verbunden ist, führt den Wagen den weißen Streifen ent- lang. Man kann auch auf die weiße Linie verzichten und in den Fahrdamm Kontaktdrähte einlassen. An Stelle des photographischen Auges lenkt dann ein anderes Peil- gerät. Diese Geräte stoppen das Auto auch vor der Ver- kehrsampel oder einem beliebigen anderen Hindernis. Ja, sie veranlassen den Wagen sogar, dieses zu umfahren. Bei der automatischen Steuerung handelt es sich um einen sehr vielseitigen Mechanismus. Durch Umschaltung eines kleine,n Hebels zum Beispiel kann man dem Wagen die Fähigkeit nehmen, Hindernisse eigenmächtig zu um- fahren. Er bleibt dann einfach davor stehen. Auf diese Weise kann ein einziger Chauffeur eine Kolonne von zehn bis zwanzig beladenen Kraftwagen anführen. Er nimmt am Steuer des ersten Wagens Platz, und die ande- ren Wagen folgen ihm, .bleiben stehen, setzen sich in Be- wegung, steigern oder vermindern die Geschwindigkeit unter strenger Einhaltung der Abstände, ganz wie es der Fahrer bestinfmt." Eine derartige Automobilkolonne kroch auf der Lein- wand eine steile, kurvenreiche Straße hinauf. Es sah so komisch aus, daß einige hell auflachten. Bobrow schaltete das Licht ein und sprach weiter. „Auch wenn der Fahrer den Wagen selbst lenkt, braucht der automatische Chauffeur nicht ganz ausgeschaltet zu werden. Er erspart dem Fahrer Unannehmlichkeiten, wenn, er einmal unachtsam ist. Ist im Wagen ein automatischer Chauffeur eingebaut, sind Zusammenstöße ausgeschlos- sen. So ist auch mein Wagen eingerichtet, den ich täglich benutze. Auf dem Asphaltweg, der von der Chaussee zu meinem Landhaus führt, sind weiße Streifen bis vor die Einfahrt gezogen. Wenn ich heimkehre, fahre ich oftmals nicht bis ans Haus, sondern halte den Wagen an, schicke ihn allein voraus und gehe ein Stück zu Fuß, um die frische Luft zu genießen. Komme ich nach Hause, steht mein Wagen vor der Veranda. Allerdings kann es auch geschehen" — die Stimme des Redners klang jetzt humorvoll —, „daß man das Opfer der eigenen Be- geisterung für Automatik wird. Gerade heute passierte mir so ein Fall. Ich hatte einen freien Tag und beabsich- tigte, mich am Blauen See für den Vortrag vorzubereiten. Unterwegs wollte ich noch meinen Freund mitnehmen. Da hatte ich ein ärgerliches, andererseits aber auch komi- sches Erlebnis. Mir schien, als schlappte der eine Reifen ein wenig. Vielleicht war er nicht fest genug aufgepumpt. Ich hielt den Wagen mitten auf der Chaussee an, stieg aus, lief um ihn herum und stieß mit der Schuhspitze an jeden Reifen. Als ich an das eine Hinterrad klopfte, geriet das Auto durch den Stoß in Bewegung, begann zu rollen und fuhr immer schneller davon. Ich rannte ihm nach und schrie hinterher. Der Wagen reagierte natürlich nicht im geringsten auf mein Schreien, und ich verlor ihn bald aus den Augen. Er entführte meinen Hut und die Unter- lagen für den heutigen Vortrag. Der kleine Hebel der automatischen Steuerung war anscheinend durch den Stoß in Bewegung geraten — er saß etwas locker —, und der Mechanismus hatte sich eingeschaltet, der Wagen fuhr an. 4* 5J, Trotzdem entschloß ich mich, hinter dem Wagen herzu- laufen. Ich rechnete damit, daß ihn jemand abfing. Um den Weg abzukürzen, ging ich durch den Wald. Als ich über einen Graben sprang, verstauchte ich mir den Fuß. Es würde zu weit führen, zu erzählen, wie ich endlich aus dieser albernen Situation herausfand und hierherkam, wenn auch mit fünf Minuten Verspätung. Aber stellen Sie sich meine Überraschung vor, als ich vor dem Eingang meinen Wagen wiederfand. Im höchsten Grade aufmerk- sam und pünktlich hatte er mir nicht nur meinen Hut, sondern auch das Material für den Vortrag gebracht." Alles lachte. Viele wußten allerdings nicht, was sie von den letzten Worten des Redners halten sollten. Handelte es sich hier um einen Scherz oder um ein noch zu klären- des technisches Paradoxon. „Das sieht schon nach einem Abenteuer von Münchhausen aus", sagte Sojas Nachbar, ein Dicker mit einer Glatze. Eine erhobene Hand im Saale erregte die Aufmerksam- keit des Redners. „Ihnen ist ein Fehler unterlaufen", sagte der junge Mensch im Sportjackett, der die Hand gehoben hatte. Es schien ein Student zu sein. „Sie haben Ihren Wagen mit zu großer Selbständigkeit ausgestattet. Sie erzählten, daß Sie etwas hinterherriefen, als er ausriß. Ich möchte gern wissen,, was Sie gerufen haben, ich meine, welche Worte. Hat er sie nicht verstanden" — er lächelte ein wenig —, „oder schienen sie ihm nicht überzeugend genug?" Alle lachten. Nur Bobrow wurde plötzlich nachdenklich. Mit einer Handbewegung brachte er den Saal zum Schweigen. „Sie haben recht!" wandte er sich an den Studenten. „Ich habe midi wie ein dummer Junge aufgeführt, als ich, hinter dem Wagen herschrie. Ich war zu überrascht. Aber Sie haben mich auf eine wundervolle Idee gebracht. Natürlich muß das Auto seinem Herrn in allem ge-' horchen, sogar seiner Stimme. Bei der allgemeinen Ein- führung der automatischen Steuerung können sich ähnliche Vorfälle wiederholen. Im Grunde genommen bereitet es keine Schwierigkeiten, den Wagen so einzurichten, daß er anhält, wenn man z. B. .Halt!' hinterherruft. Die Zweckmäßigkeit «iner solchen Vorrichtung beweist der heutige Vorfall." Es wurden noch andere Fragen aufgeworfen, und Bobrow beantwortete sie ebenso ruhig und sachlich. Dann war der Vortrag zu Ende. Ein Teil der Zuhörer wandte sich dem Ausgang zu, aber wie immer versammelte sich eine kleine Gruppe um den Redner. Auch Milizmänner hatten sich hinzugesellt. Als Soja näherkam, sagte einer begeistert: „Ein fabelhaftes Auto! Es war nur ein klein wenig über den weißen Streifen gerollt. Wenn das nicht gewesen wäre, hätte die Limousine auch mit Chauffeur nicht besser fahren können, und niemand wäre auf sie aufmerksam geworden." „Darauf kam es ja gerade an, daß der Wagen mit einem Bad auf dieser Linie fuhr", antwortete Bobrow lächelnd. „Es handelt sich doch erst um ein Versuchsexemplar, für das noch keine Spezialstraßen gebaut sind, abgesehen von der kurzen Strecke vor meinem Landhaus. Aber wie der Wagen vor das Polytechnische Museum kam, ist mir unerklärlich. Ich nahm an, daß er, wenn ihn niemand unterwegs anhielt, bis zu meinem Landhaus fahren würde, weil dort auf der Chaussee extra eine Kurve für den Wagen gezogen ist.", „Nun, diese Frage kann ich Ihnen beantworten", ent- gegnete der Milizmann. Hierbei schaute er sich im Kreis um, und dabei fiel sein Blick zufällig auf Soja. Sieer- kannte den Milizmann, der ihren Führerschein geprüft hatte. Er nickte ihr zu. „Ach, hier ist ja die Sünderin! Da kann sie Ihnen gleich selbst alles erzählen." Der Ingenieur wandte sich Soja zu und reichte ihr die Hand. „Guten Tag, Genossin Winogradowa. Ich muß mich entschuldigen, daß ich .," „Keine Ursache", erwiderte Soja. „Sie haben ja eben erzählt, was für ein Mißgeschick Ihnen zugestoßen war. Aber woher kennen Sie mich? Wir haben doch nur tele- fonisch miteinander gesprochen!" „Nun, wenn Sie der Automat erkannte, der Sie in meiner Abwesenheit in mein Landhaus ließ, so bin ich doch immerhin ein Mensch und klüger als meine eigenen Apparate. Ich bedauere sehr, daß ich Ihnen nicht alle meine Erfindungen vorführen konnte. Aber ich stehe Ihnen gern zur Verfügung: das Interview, um das Sie mich gebeten haben, kann nachgeholt werden, wann es Ihnen paßt." Soja lachte. „Im Grunde genommen ist meine Neugier auf diesem Gebiet schon nahezu gestillt. Mir ist von Ihren Arbeiten fast alles bekannt, was ich wissen wollte. Ich war in Ihrem Landhaus, habe die automatischen Kraftwerke gesehen und kenne die Werkhallen des .Automatischen Mäh- dreschers'. Den ganzen Tag bin ich in Ihrer Limousine gefahren und habe jetzt Ihren Vortrag gehört. Ich muß nur hoch einige Fragen an Sie richten. Sie wissen doch sicherlich, daß wir Journalisten immer noch Fragen haben,, so ausführlich und erschöpfend Sie Ihrer Ansicht nach auch eine Sache erklärt haben mögen." „Studieren Sie immer so gründlich alles Material, bevor Sie einen Artikel für die Zeitung schreiben?" Ingenieur Bobrow lächelte verschmitzt, und Soja .geriet ein wenig in Verlegenheit. Meinte er die Limousine? „Natürlich, ich hätte das ohnehin getan", entrang es sich ihr schließlich. „Im übrigen .wenn Sie in Ihr Landhaus zurückkehren, wird Ihnen Ihr Sekretär alles erzählen. ' Aber um auf das Interview zurückzukommen, darf ich. Sie einmal zu uns einladen? Vater, Mutter und die Brüder werden Ihnen mit Vergnügen zuhören. Sie dürfen den Besuch nicht abschlagen, weil Sie mich nicht bei sich empfangen konnten. Wollen wir einen Tag bestimmen? Ihr Sekretär wird Sie gewiß pünktlich daran erinnern." * „Welcher Sekretär? Ach so .Wissen Sie, ich nenne ihn .mechanisches Gedächtnis'! Aber Ihre Bezeichnung ist treffender, denn er nimmt nicht nur auf. und erinnert, sondern führt auch einige Anordnungen aus." Der Saal leerte sich. Als letzte entfernten sich grüßend Ostaptsch.uk und sein Kamerad. Bobrows Assistent räumte das Modell weg und stapelte die Schachteln mit den Filmstreifen übereinander. „Wissen Sie, was wir jetzt tun könnten?" wandte sieb Bobrow an Soja. „Wenn Sie Ihre Einladung noch aufrecht- halten, fahren wir gleich zu Ihnen; dort werde ich Ihnen alles erzählen.", Aufklärung der letzten Rätsel Rasch waren Sojas und auch Bobrows Abenteuer erzählt. Sojas Vater hatte Bobrow schon im Werk bei der Ein- richtung der automatischen Abteilungen kennengelernt. Außerdem hatte er selbst eine Vorrichtung ausgedacht, um die Arbeit des Mähdreschers nach der Dichte und Höhe des zu erntenden Getreides automatisch zu regulieren, und in dieser Angelegenheit das Institut für Automatik aufgesucht, wo er ebenfalls mit Bobrow Rücksprache ge- nommen hatte. Als auch dieses Thema erschöpft war, wandte sich Bobrow an Soja. „Nun, wo sind Ihre Fragen?" „Ach ja", entgegnete Soja, „also erstens: Sie sagten, der Automat hätte mich erkannt und hineingelassen. Wie kann denn Ihr Pförtner die Besucher auseinanderhalten?" Der Ingenieur rührte mit einem Löffelchen im Teeglas. „Das ist ganz einfach. Nach dem Telefongespräch mit Ihnen schlug ich den .Ogonjok' auf und sah dort einen Artikel von Ihnen. Wie es in dieser Zeitschrift üblich ist, war unter der Überschrift Ihr Photo abgedruckt. Ich schnitt es heraus und gab es dem Pförtner, wie Sie ihn nennen, damit er Sie ungehindert in das Haus läßt. Sonst habe ich immer Originalphotographien, aber ich wollte es ein- mal auf eine Probe ankommen lassen." „Aber wie arbeitet der Mechanismus denn?" „Wie er arbeitet? Er hat Sie mit der Photographie ver- glichen. Bestimmte Merkmale müssen übereinstimmen. Die Aufnahme war ähnlich, und er hat Sie erkannt. Er versteht auch selbst zu photographieren. Wenn ich heim- kehre, finde ich Kärtchen vor von allen Personen, die in meiner Abwesenheit dort waren. Keine Visitenkärtdien, allerdings, sondern Photographien. Auch Ihre Aufnahme wird heute dabei sein. Ich hoffe, Sie gestatten mir, diese als Andenken zu behalten?" „Aber dazu müßte ich doch vor ein Objektiv getreten sein?" „Sie haben das auch getan." „Wann denn?" „Als Sie den Knopf an der Gartentür berührten. Um den Knopf einzudrücken, muß man sich vor das Objektiv stellen. Sobald Sie nun auf den Knopf drücken, setzen Sie den Apparat in Gang." „Und wenn man einfach über den Zaun klettert, ohne auf den Knopf zu drücken?" mischte sich Sojas jüngstes Brüderchen ins Gespräch, das dieses „Problem" stark interessierte. „Für diese Gäste habe ich andere Vorrichtungen", er- widerte Bobrow lächelnd. „Der Knopf ist nur für geladene Gäste. Aber eigentlich handelt es sich hier mehr um einen Scherz .." „Aber wie öffnet sich das Tor, wenn der Wagen kommt? Da hilft doch kein photographisches Auge. Alle Autos dieser Serie sehen doch gleich aus." „Das hängt mit der Hupe zusammen. Sie hat einen ganz bestimmten Ton. Der Resonator1 ist auf diesen. Ton ab- gestimmt und schaltet den Mechanismus ein. Das ist übrigens auch nur eine Spielerei. Ich wollte in meinem Landhaus ohne Schlüssel auskommen." Sojas Mutter schenkte dem Gast ein zweites Glas Tee ein. „Und wie kommen Sie selbst ins Raus?" fragte sie und fuhr lächelnd fort: „Müssen Sie auch hupen? Ein Schlüssel ist am Ende doch einfacher?" 1 Gerät für akustische Messungen., „Meine Sachen kennen mich", parierte Bobrow diesen Scherz. „Sie geben sich Mühe — wenn man so sagen darf —, mir gefällig zu sein, bevor ich erst hinschaue. Aber hier handelt es sich um keine Spielerei, es ist äußerst praktisch. Sie können Soja fragen." Soja lachte. „Das bestätige ich gern. Nachdem ich Ihr Landhaus kennengelernt habe, fehlt mir etwas in unserer Wohnung. Gehe ich zum Bücherschrank, so öffnet er sich nicht von selbst. Verlasse ich das Zimmer, löscht das Licht nicht aus. Und bisher hatte ich geglaubt, daß unsere Wohnung sehr bequem eingerichtet sei." Das Gespräch nahm einen scherzhaften Charakter an, es wurde viel gelacht. Rasch verflog die Zeit, und Bobrow begann sich zu verabschieden. Da erinnerte sich Soja plötzlich an das, was sie den ganzen Tag über am meisten beunruhigt hatte. „Die wichtigste Frage haben Sie mir noch nicht beant- wortet", rief sie. „Wie verhält es sich mit der Uhr?" „Sie meinen die Zeitansage? Diese Frage ist etwas schwieriger zu beantworten." Bobrow stand mitten im Zimmer. Er hielt den Hut in der Hand und drehte an der Krempe. „Aber ich werde mich kurz fassen. Sie wissen, daß die Arbeit des Gehirns von feinsten elektrischen Prozessen begleitet ist. Die Wissenschaftler haben gelernt, mit Hilfe von Spezialgeräten die elektrischen Schwingungen im Gehirn zu registrieren und diese Angaben zur Feststel- lung von Nervenerkrankungen auszuwerten. Natürlich können die elektrischen Schwingungen im Gehirn die überaus komplizierten Gefühle und Gedanken des Men- schen nicht widerspiegeln. Die Tätigkeit des Gehirns ist, zu kompliziert und vielseitig, als daß sie allein durch elektrische Erscheinungen erfaßt werden könnte. Aber in einigen einfachen Fällen ist es doch möglich, diese elek- trischen Schwingungen auszunützen. Will der Mensch wissen, wie spät es ist, wird im Gehirn ein bestimmter Reflex ausgelöst. Es gelang mir, die mit diesem Gedanken verbundenen elektrischen Schwingungen aus dem Chaos der elektrischen Ströme im Gehirn zu trennen. Alles übrige war einfach. Einen Spezialempfänger zu konstruieren, der nur diese Signale aufnahm, sie verstärkte und den Mecha- nismus einer gewöhnlichen sprechenden Uhr' in Gang setzte, war eine Frage der Technik. Solche Sachen zum Kopfzerbrechen habe ich gern. Sie interessieren mich wie andere Menschen komplizierte Schachaufgaben..." Unwillkürlich schaute Soja voller Achtung auf die große Gestalt des Ingenieurs. Sie erinnerte sich an den jungen Dienstleiter in der Verwaltung der automatischen Kraft- werke. Ja, das sind sie, die Vertreter der sowjetischen Technik, das ist die neue Generation Ingenieure! Für sie gibt es nichts Unmögliches. Eine Frage der Technik! Wenn es notwendig ist, richten sie eine automatische Nothilfe ein und zwingen die Maschinen, der menschlichen Stimme zu gehorchen, wenn es nur zweckdienlich ist und den Menschen von mechanischer Arbeit erlöst, damit er frei wird für schöpferische Aufgaben. „Der Mensch ist der Sklave der Maschine", verkündeten manche Intellektuelle der kapitalistischen Welt. „Die Maschine versklavt den Menschen!" — „Hinweg mit den Maschinen!" Aber die sowjetischen Menschen verwandeln die Maschinen in ge- horsame Diener des Menschen. Soja war so in Gedanken versunken, daß sie nicht merkte, daß Bobrow sich von ihren Eltern und Brüdern verabschiedet hatte., „Bitte entschuldigen Sie nochmals, daß ich Sie bei mir warten ließ", sagte er und reichte ihr seine kräftige Hand. „Würden Sie mich bitte noch einmal in meinem Landhaus besuchen — mit Ihrer Familie? Alle sind einverstanden, nur Ihre Zusage fehlt mir noch." „Gern", antwortete Soja. „Man wird nicht jeden Tag in ein verzaubertes Haus eingeladen." Die ganze Familie begleitete Ingenieur Bobrow hinaus. Vor der Einfahrt stand die grüne Limousine, die Soja heute so viel Kopfzerbrechen verursacht hatte. „Und woran arbeiten Sie jetzt?" fragte sie den Ingenieur. „Darüber zu sprechen, ist noch zu früh." Bobrow lächelte vielsagend. „Aber wenn die Arbeit beendet ist und man darüber schreiben kann, so werde ich Sie" — er schaute Soja an— „zuerst benachrichtigen. Es wird eine ganz große Sensation!" Dann nahm er im Wagen Platz. Die grüne Limousine fuhr an, wendete, rollte hinaus auf die Straße und verlor sich in der Dunkelheit zwi- schen den ande- ren Wagen., Gewiß wartet jeder schon ungeduldig auf Nachricht, ob seine Lösung richtig war, und vor allem natürlich, ob er zu den glücklichen Gewinnern gehört. Die Mitarbeiter unseres Verlages haben die letzten Mo- nate manches liebe Mal geseufzt, wenn die Post wieder einen besonders großen Stapel Briefe brachte, aber an- dererseits freuten wir uns auch über die vielen richtigen Lösungen, die eingegangen waren. Es tat uns leid, wenn einer von Euch nur eine einzige Zahl verwechselt hatte und sein Zettel dann zu den falschen Lösungen wandern mußte. Eine besondere Freude bereiteten uns die vielen netten Briefe, die Ihr uns zugeschickt habt, die hübschen Gedichte und schönen Zeichnungen, und wir möchten allen Einsen- dern recht herzlich dafür danken. Eure Briefe haben wir sehr aufmerksam durchgelesen und uns mit Euren Anregungen, Wünschen und Fragen ein- gehend beschäftigt. Wir können verstehen, daß viele von Euch gern zwei Hefte im Monat lesen möchten, und wollen versuchen, Eure Bitte im nächsten Jahr zu erfüllen. Auch können wir Euch heute schon verraten, daß im nächsten Jahr wieder ein Preisausschreiben stattfindet. Also, wer dieses Mal leer ausging, soll kein langes Gesicht ziehen, vielleicht hat er das nächste Mal Glück. Mancher Jugendfreund beklagte sich, daß er nicht alle Hefte erhalten konnte. In einem der folgenden Bändchen werden wir eine Aufstellung der Hefte geben, die Ihr noch nachbestellen könnt. Vielleicht gelingt es dem einen oder anderen, seine Sammlung zu vervollständigen., Die richtige Lösung unseres Preisausschreibens sieht fol- gendermaßen aus: Bild Taxi Bild Text Bild Text A 17G5M7E3II • 14N9c11I1O13D6J12 P 10E2K16Q4F15L8Der Titel des gesuchten Jugendbuches lautet: ,» „Es blinkt ein einsam Segel". Wenn einer von Euch anstelle der Zahlen die zu den Text- proben gehörenden Titel geschrieben hat, so haben wir diese Lösung auch anerkannt, sofern sie richtig war. Die meisten Fehler waren dadurch entstanden, daß bei den Fort- setzungsheften Band I und Band II verwechselt wurden. Leider hatte sich auch ein „echter Druckfehler" in unser Preisausschreiben eingeschlichen, und denjenigen Jugend- freunden, die ihn entdeckt haben, gebührt besonderes Lob für ihr sorgfältiges Lesen. Natürlich mußte es in der Text- probe zur „Verschwundenen Insel" heißen: „Verfolger" und nicht „Verfolgter".,

Und nun zu unseren Gewinnern! Den 1. Preis ,

ein Fahrrad gewann

Erhard Müller, Plessa (Kreis Liebenwerda), Kahlaei Straße 11 Je einen Fotoapparat

erhielten

Eberhard Braune, Halsbrücke Nr. 63 e bei Freiberg

(Sachsen)

Werner Adam, Westeregeln (Kreis Siaßfurt), Bezirk Magdeburg

und je einen Fußball

Joachim Schramm, Zwickau-Weißenborn, Erich- Knauf-Straße 6 Willi Weyhe, Groß-Alsleben, Kirchstraße 42 Siegfried Nicklisch, Riesa (Elbe), Meißner Straße 18 Wertvolle Buchpreise gewannen:

Werner Graetz, Sdüeusingen (Thilr.), Suhler Straße 24a K. Ventzke, Altenburg (Kreis Leipzig), Muskauer Straße 19 Klaus Riedling, Berlin N 58, Pappelallee 18 Jürgen Kersten, Blankenfelde (Teltow), Taunusstraße 7 Helga Rief, Brüel (Meckl.), Stalinstraße 52 a Horst Tietsch, Berlin N 58, Pappelallee 18 Helmut Bergner, Lobenstein (Thür.), Markt 7 Gerhard Schmidt, Zwickau (Sachsen), Bachstraße 6 Gertraude Colditz, Leipzig S 3, Frohburger Straße 39, I Heinz-Dieter Steinbacher, Magdeburg-Cr., Friedridi-Ebert-Straße 4 Manfred Brankewitz, Altrosenthal, Post Trebnitz (Mark) H. Schreiber, Weißenfels (Saale), Merseburger Straße 108 Erfried John, Mühlhausen (Thür.), Bei der Marienkirche 2 Joadiim Sauer, Wittenberge (Prign.), Rudolf-Breitsdieid-Straße 21 Klaus Pleißner, Arnstadt (Thür.), Oberbaurat-Acker-Straße 2, Klaus Reutier, Prosen (Kreis Liebenwerda), Hauptstraße 32 Karla Härtel, Wernigerode (Harz), Vorwerk 22 Jochen Hohensee, Meißen (Sachsen), Lerchaweg 4 Helga Steffens, Ostseebad Kühlungsborn Ost, Strandstraße 41 Wilfried Walter, Eisfeld (Thür.), Thälmannstraße 4 W. Theuerkauf, Freiberg (Sachsen), Hornstraße 14, I Franz Fischer, Schwarza b. Meiningen (Thür.), Rosenmühlstraße 1 Klaus Loos, Rudolstadt (Thür.), Jenaische Straße 9 Siegfried Volkmer, Ruhla (Thür.), Dornsengasse 17 Karl Hartmann, Gröna b. Bernburg (Saale), Saalweg 9 Günter Schulze, Berlin N 113, Bornholmer Straße 93 Bärbel Wenzel, Plauen (Vogtl.), Anton-Bruckner-Straße 7 Frithjof Schwenke, Rostock, Dethardingstraße 55 L. Kindler, Hildburghausen, Straße der deutsch-sowjet. Freundschaft 5b Jörg Wolf, Sömmerda (Thür.), Feldstraße 31 Jörg Schneider, Waldheim (Sachsen), Lindenstraße 10 Edgar Schüttkowski, Greifswald, Wiesenstraße 38 Brigitte Pfeifer, Leipzig W 31, Erich-Zeigner-Allee 67 Hans Manke, Elgersburg, Goethestraße 10 Harry Hämmerer, Erfurt-Gispersleben, Gartenstraße 1 Günther Jessenberger, Zwickau (Sachsen), Jacobstraße 12 Günther Gode, Berlin N 58, Sredzkistraße 42 (20) Wolfgang Herzog, Berlin-Neukölln, Berthelsdorfer Straße 12 Günter Steinmetz, Görsbach b. Nordhausen, Friedholstraße 267 H. Günther, Staßfurt, Andreastraße 9 H. Donay, Wachtendorf (Kreis Bitterfeld), Dessauer Straße 10 Ulrich Radde, Aken (Elbe), Kreis Köthen, Freiheitstraße 13 Roland Albrecht; Viernau (Thür.), Kurze Straße 2 Heinz Meichsner, Salzwedel, An der Marienkirche5aD. Giebichenstein, Magdeburg-Sudbg., Schöningerstraße 37 Helmut Kümpfel, Mittweida (Sachsen), Am Sportplatz 4 Peter-Uwe Kersten, Berlin-Adlershof, Arndtstraße 19 Gertrud Symanzik, Stendal, Ziegelhof 12 Horst Dietrich, Neustadt-Glewe, Seestraße 18 W. Donay, Wolfen (Kreis Bitterfeld), Thalheimer Straße 20a]
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Nur du Hast den Schlüssel Ich möchte mich bedanken beim Meteorologischen Amt, bei der Königlichen Münzanstalt und bei meinem alten Freund Bernard Pearson - der immer jemanden weiß, der weiterweiß, wenn er einmal etwas nicht weiß—für ihre Hilfe bei der Vor- bereitung dieses Buches. Sollten historisch
Buch: Der fünfte Elefant, so eine uralte Legende der Zwergenvölker von Ü-
Buch: Der fünfte Elefant, so eine uralte Legende der Zwergenvölker von Ü- berwald, raste vor langer, langer Zeit heulend und trompetend durch die Luft der noch jungen Scheibenwelt, und er landete hart genug, um Kontinente zu zerreißen und Berge aus dem Grund wachsen zu lassen. Und da solche abermill
das auszusprechen, dann überlegte er es sich anders. Sie
Sie wussten, daß sie dem Tod geweiht waren... Eingekreist von kubanischen Militärberatern und Angehörigen einer obskuren Nationalen Front saßen sie in der Falle. Wenn sie weiterkämpften, würden sie aufgerieben, ergaben sie sich, dann wartete auf sie ein Schauprozess und am Ende das Todesurteil, das
Buch: Irgendwo am Ende der Scheibenwelt gibt es einen Kontinent, der nur als
Buch: Irgendwo am Ende der Scheibenwelt gibt es einen Kontinent, der nur als mißratene Schöpfung bezeichnet werden kann. Dort ist es heiß und trocken, und alles, was nicht sowieso giftig ist, kann tödlich wirken. Also das glatte Gegenteil vom schönsten Ort auf der ganzen Welt, und es droht mit ihm e
Margaret Weis & Tracy Hickman Die Pforten der Dunkelheit
Margaret Weis & Tracy Hickman Die Pforten der Dunkelheit Der Stein der Könige 3 Ins Deutsche übertragen von Regina Winter BLANVALET Die amerikanische Originalausgabe erschien unter dem Titel »Journey into the Void. Volume Three of the Sovereign Stone Trilogy« bei EOS, an imprint of HarperCollins Pub
Margaret Weis & Tracy Hickman Quell der Finsternis
Margaret Weis & Tracy Hickman Quell der Finsternis Der Stein der Könige 1 Ins Deutsche übertragen von Regina Winter BLANVALET Die amerikanische Originalausgabe erschien unter dem Titel »Well of Darkness. Volume One of the Sovereign Stone Trilogy« bei EOS, an imprint of HarperCollins Publishers, New
Christopher Zimmer Der Sohn der Drachen Edition Märchenmond herausgegeben von Wolfgang Hohlbein
Christopher Zimmer Der Sohn der Drachen Edition Märchenmond herausgegeben von Wolfgang Hohlbein Als Florin das Ferienlager schwänzt und sich zu den Zelten der Drachenritter schleicht, ahnt er noch nicht, dass bald nichts mehr so sein wird wie zuvor. Denn plötzlich überstürzen sich die Ereignisse und
Richard Yates Elf Arten der Einsamkeit Short stories
Richard Yates Elf Arten der Einsamkeit Short stories Aus dem Amerikanischen von Anette Grube und Hans Wolf Deutsche Verlags-Anstalt München Inhalt Doktor Schleckermaul... 7 Alles, alles Gute ... 33 Jody läßt die Würfel rollen ... 55 Überhaupt keine Schmerzen... 79 Ein Masochist ... 97 Der mit Haien
Alfred Weidenmann Die Fünfzig vom Abendblatt
Alfred Weidenmann Die Fünfzig vom Abendblatt ISBN 3 7855 1766 1 © 1973 by Loewes Verlag, Bayreuth Umschlaggestaltung: Kajo Bierl und Creativ Shop Druck: Poligrafici Calderara, Bologna Printed in Italy Abendblatt oder Nachtexpreß Zur Straße hin machte das Abendblatt-Hochhaus mit seinen zwölf Stockwer