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Stuttgarter Bibelstudien Herausgegeben von Helmut Merklein und Erich Zen ger Thomas Schmeller Hierarchie und Egalität Eine sozialgeschichtliche Unter- suchung paulinischer Gemeinden und griechisch-römischer Vereine Verlag Katholisches Bibelwerk GmbH Stuttgart Die Deutsche Bibliothek - CIP-Einheitsaufnahme Schmeller, Thomas: Hierarchie und Egalität: Eine sozialgeschichtliche Untersuchung paulinischer Gemeinden und griechisch-römischer Vereine/ Thomas Schmeller. - Stuttgart : Verl. Kath. Bibelwerk, 1995 (Stuttgarter Bibelstudien ; 162) ISBN 3-460-04621-X NE: Schmeller, Thomas; GT ISBN 3-460-0462...
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Stuttgarter Bibelstudien

Herausgegeben von Helmut Merklein und Erich Zen ger, Thomas Schmeller

Hierarchie und Egalität

Eine sozialgeschichtliche Unter- suchung paulinischer Gemeinden und griechisch-römischer Vereine Verlag Katholisches Bibelwerk GmbH Stuttgart, Die Deutsche Bibliothek - CIP-Einheitsaufnahme Schmeller, Thomas: Hierarchie und Egalität: Eine sozialgeschichtliche Untersuchung paulinischer Gemeinden und griechisch-römischer Vereine/ Thomas Schmeller. - Stuttgart : Verl. Kath. Bibelwerk, 1995 (Stuttgarter Bibelstudien ; 162) ISBN 3-460-04621-X NE: Schmeller, Thomas; GT ISBN 3-460-04621-X Alle Rechte vorbehalten © 1995 Verlag Katholisches Bibelwerk GmbH, Stuttgart Gesamtherstellung: Pustet, Regensburg, Für meine Kinder Ti/man und Christine,

Inhaltsverzeichnis

Einleitung ... 9 1. Teil: Forschungsgeschichte ... 11 § 1) Verhtlltnisbestimmungen von Gemeinden und Vereinen um die Wende zum 20. Jahrhundert ... 11 § 2) Verhältnisbestimmungen von Gemeinden und Vereinen seit etwa 1970 ... 16 2. Teil: Statusdifferenzierung in griechisch-römischen Vereinen ... 19 § 3) Soziale Schichtung im römischen Reich des 1. Jahrhunderts n.Chr. .. 19 1. Rang und Status ..." . ..." . ... 19 2. Patrone und Klienten ... 22 § 4) Vereine im Überblick ... 24 1. Quellenlage ... 25 2. Vielfalt und Gemeinsamkeiten ... 27 § 5) Vereinsstrukturen ... 33 I. Vereinspatrone ... 33 2. Vereinsämter ... 36 3. Vereinsmitglieder ... 39 § 6) Zusammenfassung und Auswertung ... 50 3. Teil: Statusdifferenzierung in paulinischen Gemeinden ... 54 § 7) Zur Quellenlage ... 54, § 8) Patrone und Klienten? ... 56 1. Das Verhältnis zwischen Missionar und Gemeinde ... 56 2. Gemeindeinterne Konstellationen ... 59 2.1 Die paulinischen Hausgemeinden ... 60 2.2 Die Gemeinde von Korinth ... 62 2.2.1 Die Parteien (1 Kor 1-4) ... 62 2.2.2 Der Unzuchtsünder (1 Kor 5) ... 64 2.2.3 Das Herrenmahl (1 Kor 11,17-34) ... 66 3. Zusammenfassung und Auswertung ... 73 § 9) Funktionsträger der Gemeinde ... 75 1. Funktion und Amt ... 75 2. Der Status der Funktionsträger ... 78 § 10) Die Mitglieder und ihre Stellung ... 79 1. Überblick ... 79 2. Die Gemeinde von Korinth ... 85 2.1 Gerichtsverfahren unter Christen (1 Kor 6,1-8) ... 86 2.2 "Starke" und "Schwache" (1 Kor 8-10) ... 87 3. Zusammenfassung und Auswertung ... 92 § 11) Rückblick ... 94 Anhang: Text und Übersetzung ausgewählter Vereinsinschriften ... 96 1. Der Kultverein des Dionysios in Philadelphia/Lydien . (Ende 2.1Anfang I.Jh.v.Chr.) ... 96 2. Der Begräbnisverein von Lanuvium (136 n.Chr.) ... 99 3. Der Verein für Aesculap und Hygia in Rom (153 n.Chr.) ... 106 4. Der Verein der Iobacchen in Athen (178 n.Chr.) ... 110 Literaturverzeichnis ... 116, Einleitung In zwei vor kurzem erschienenen angelsächsischen Dissertationen wird (unabhängig voneinander, aber mit sehr ähnlichen Ergebnissen) versucht, die soziale Realität der Paulusgemeinde in Korinth mit Hilfe der Beziehungsform von Patron und Klient zu beschreiben und zu erklären: 1 Auch in der korinthi- schen Gemeinde habe es solche Beziehungen zwischen wenigen sozial hoch- gestellten Gemeindemitgliedern ("Patronen") und vielen anderen, sozial schwächeren ("Klienten") gegeben. Derartige Abhängigkeiten sollen ver- schiedene Vorkommnisse in der Gemeinde erklären, die von Paulus kritisiert werden: Daß z.B. in dem Fall des Mannes, der mit seiner Stiefmutter lebte (1 Kor 5), die übrigen Gemeindemitglieder nicht einschritten, den betreffen- den nicht einmal tadelten, sondern im Gegenteil sogar noch stolz auf ihn wa- ren (1 Kor 5,2), sei dann verständlich, wenn es sich hier um einen Patron handelte, der in der Gemeinde viele loyale Klienten hatte. Die Prozesse vor heidnischen Gerichten (l Kor 6,1-8) sollen ebenfalls auf mächtige Patrone hinweisen, denn mIr solche konnten sich davon Vorteile versprechen. Auch die von Paulus kritisierten Verhältnisse bei der Feier des gemeinsamen Mahls (1 Kor 11,17-34) werden mit sozialer Hierarchie und Statusdenken innerhalb der Gemeinde in Verbindung gebracht. In beiden Dissertationen wird betont: Paulus lehnte dieses vertikale Patron-Klient- Verhältnis als eine weltliche Be- ziehungsform ab und wollte es durch eine christliche Form von leadership ersetzen, die durch "commitment to service and not status "2 charakterisiert seI. In der hier vorliegenden Studie soll unter anderem dieses Ergebnis überprüft werden: Wie weit geht der von Chow und Clarke 3 herausgestellte Gegensatz zwischen säkularen (vertikalen, hierarchischen, statusbezogenen) und paulinischen (horizontalen, egalitären, im Dienst begründeten) Prinzipien sozialer Führung? Verteilen sich die Pole dieses Gegensatzes tatsächlich so klar auf Paulus und die Gemeinde? Warum gelangte, wenn die eben referier- te These stimmt, Paulus zu einer neuen, wirklich christlichen Sicht von Ge- meinde, während die ganze korinthische Gemeinde bei den alten, nichtchristlichen Mustern sozialer Beziehungen blieb? Sind diese alten Mu- ster wirklich so unvereinbar mit den von Paulus propagierten? Gibt es nur I John K. Chow, Patronage and Power: A Study of So ci al Networks in Corinth (JStNT.S 75), Sheffield 1992; Andrew D. Clarke, Secular and Christi an Leadership in Corinth: A Socio-Historical and Exegetical Study of 1 Corinthians 1-6 (AGJU 18), Leiden 1993. 2 Clarke, aaO. 131; vgl. Chow, aaO. 187.190. 3 Zu Clarke vgl. meine Rezension in: BZ 38 (1994) 296-298., hier (auf der christlichen Seite) Egalität und nur dort (auf der nichtchristli- chen Seite) Hierarchie? Diesen Fragen werde ich mich auf dem Weg eines sozialgeschichtlichen Vergleichs der paulinischen Gemeinden (insbes. der korinthischen) mit griechisch-römischen Vereinen nähern. Vereine spielen in den genannten Dissertationen nur eine sehr untergeordnete Rolle. Chow und Clarke unter- scheiden nicht klar zwischen einer allgemeinen, individualistischen Form des Patronats und einer anderen, bei der die Klientel aus einer Gruppe besteht (z.B. einer Stadt oder eben einem Verein), d.h. bei der die Klientel nicht al- lein die Beziehung zum gleichen Patron gemeinsam hat. Nur letztere ist aber für eine Untersuchung von Gemeinden wirklich relevant. Gerade Vereine bieten sich hier für unsere Fragestellung an, weil sie in mehreren Hinsichten eine den Gemeinden vergleichbare soziale Größe sind. Es handelt sich in bei- den Fällen um (meist) relativ kleine Gruppen, die sich regelmäßig auf frei- williger Basis zu Kultakten und gemeinsamen Mählern treffen und ihren Mitgliedern Unterstützung gewähren. 4 Sowohl von Außenstehenden S wie von Christen 6 konnten die Gemeinden als eine Art religiöser Vereine wahr- genommen werden. Damit stellt sich erneut die Frage, wie weit diese Analo- gien gingen. Endeten sie mit den innergemeindlichen Sozialbeziehungen, d.h. konkret: mit der Art und Weise, wie mit unterschiedlichem Status um- gegangen wurde und wie die Leitungsfunktionen geregelt waren? Nach einigen Hinweisen zur Forschungsgeschichte (Teil 1) wende ich mich, immer mit Blick auf die hier angerissenen Fragen, zunächst den Verei- nen (Teil 2), dann den Gemeinden (Teil 3) zu. 4 Letzteres ist in dieser Allgemeinheit für die Vereine umstritten, gilt aber zumindest für Begräbnisvereine. S V gl. Lukian, Pergr Mort 11: Peregrinus wird als 8ICXCTOtPX1/<; und 7rPOCTTOtT1j<; einer Gemein- de bezeichnet; beide Titel begegnen häufig im Kontext von Vereinen. Kelsos spricht vom Christentum als einer Cx4>cxII~<; KCXL Cx7rOPP1/TO<; KOIIICllIICCX (bei Origenes, Cels 8,17). Plinius, Epistulae 10,96, nennt die christliche Gemeinde eine hetaeria, ein Ausdruck, in dem der politisch bedenkliche Aspekt eines Vereins mitschwingt-.- 6 V gl. bes. Tertullian, Apol.: Das Christentum müßte ihm zufolge als eine der factiones lici- tae behandelt werden, denn es begeht nichts von dem, was man von den unerlaubten Ver- einen befürchtet (38,1); es ist ein corpus (39,1) mit einer gemeinsamen Kasse, die durch monatliche Beiträge gefüllt wird (39,5) und u.a. für das Begräbnis der Armen nötig ist (39,6). Nach Kötting, Art.: Genossenschaft 147, wolle Tertullian die Gemeinde nicht als Verein zeichnen, sondern erhebe vielmehr für sie "wegen der vollständigen Einbeziehung aller Lebensvorgänge ihrer Mitglieder den Anspruch, 9Js 'curia' verstanden zu werden". Kötting scheint mir aber eine unnötige Alternative aufzustellen: Wenn Tertullian in rheto- rischer Steigerung abschließend von der Gemeinde sagt, "non est factio dicenda, sed cu- ria" (39,21), so stellt dies die vorangegangene bewußte Darstellung der Gemeinde im Mo- dell eines erlaubten Vereins nicht in Frage., 1. Teil: Forschungsgeschichte § 1) Verhältnisbestimmungen von Gemeinden und Vereinen um die Wende zum 20. Jahrhundert Ende des 19.Jh.s griffen einige ntl. Exegeten das Anliegen auf, das seit etwa Mitte des Jh.s in der Klassischen Philologie und der Alten Geschichte eine große Rolle gespielt hatte: die Erforschung der Inschriften mit dem Ziel, die konkreten Lebensbedingungen der Antike und damit die Produktionsbedin- gungen der klassischen Texte zu erhellen. In der nt!. Exegese blieb dieses so- zialgeschichtliche Interesse bis etwa 1930 lebendig. l In mehreren Beiträgen hat seit den 1870er Jahren vor allem C.F.G. Heinrici Vergleiche zwischen Vereinen und insbes. der korinthischen Ge- meinde angestellt. 2 Er hebt eine Reihe von Analogien hervor, sowohl in der Verfassung wie im Leben der Gemeinde. Die Organisation als Hausgemein- den entspreche der Bindung vieler Vereine an Haus und Familie,3 ebenso die gegenseitige Bezeichnung als Brüder und Schwestern.4 Die Gleichberechti- gung von Frauen, Sklaven und Fremden, d.h. die interne Aufhebung ihrer externen sozialen Diskriminierung, sei beiden Gruppen gemeinsam. 5 Den- noch habe in der Gemeinde wie im Verein der Patron eine große Bedeutung, weil er sein Haus zur Verfügung stelle. 6 Auch die Termini, die Paulus für das Gemeindeleben gebraucht, seien die gleichen wie in Vereinen, so vor al- lem 8KKA.'YJULOl (Röm 16,1.4f u.o.) für die Gemeindeversammlung, 7f'pOUTOmr; (Röm 16,2) und evt!. auch 7f'pOtunJtp.SJlOr;/-OL (Röm 12,8; 1 Thess 5,12) für Patrone, 87f'LUK07f'Or; (Phili , 1) für eine Leitungsfunktion (wobei überhaupt für Gemeinden wie für Vereine die Wahl von "Beauftragten und Vertrauensmän- nern "7 charakteristisch sei); 8 der Begriff Ts'AOC; in Röm 13,7 bezeichne keine I Zur Forschungsgeschichte der soziologisch orientierten Exegese vgl. Schmeller, Brechun- gen 16-21. 2 C.F.G Heinrici, Die Christengemeinden Korinths und die religiösen Genossenschaften der Griechen (1876); ders., Zur Geschichte der Anfänge paulinischer Gemeinden (1877); ders., Zum genossenschaftlichen Charakter der paulinischen Christengemeinden (1881, Nachdruck 1971); ders., Das erste Sendschreiben des Apostels Paulus an die Korinthier (1880) bes. 21-27; ders., Der erste Brief an die Korinther (l1896) bes. 5-9. 3 VgJ. ders., Christengemeinden 506. 4 Vgl. ders., Charakter 519; 1 Kor (31896) 5f. 5 Vgl. ders., Christengemeinden 512; 1 Kor (1880) 25; 1 Kor (31896) 6. 6 VgJ. ders., 1 Kor (31896) 7; 1 Kor (1880) 23. 7 Ders., 1 Kor (31896) 6. 8 Vgl. ders., Christengemeinden 515-520; 1 Kor cJ1896) 7f., Steuer, sondern den Beitrag zur gemeinsamen Kasse. 9 Parteiungen wie die in Korinth lassen sich - so Heinrici - auch in wachsenden Vereinen beobachten, wenn mehrere Führer auftreten; 10 die Mißstände beim Herrenmahl haben mit einer Sitte in manchen Vereinen zu tun, wonach jeder nur die selbst mit- gebrachten Speisen verzehrt; 11 wenn Paulus in 1 Kor 9 seinen U nterhaltsver- zieht herausstreicht, dann mit dem Hintergedanken, daß Gemeinden wie Ver- eine solche Zurückhaltung von Patronen oder Mitgliedern sehr zu schätzen wissen. t2 Insgesamt hat sich, Heinrici zufolge, die korinthische Gemeinde "in den Fonnen der Genossenschaften organisirt", und zwar in "allen Punkten ( .. ), welche die Verfassung, die Beziehungen der Mitglieder unter einander und ihre Verhältniss zu der heidnischen Gesellschaft betreffen" .13 Deshalb war es ihnen möglich, an der faktischen Duldung von religiösen Vereinen und Begräbnisvereinen durch den Staat zu partizipieren. Die Verfolgung habe erst eingesetzt, als der Staat seinen Irrtum bemerkte. 14 Trotz dieser großen Ähnlichkeit erkennt Heinrici auch einige Unterschie- de: Nur in den Gemeinden gebe es das Bewußtsein einer weltweiten Zusam- mengehörigkeit; t5 nur hier sei das ideale Motiv für den Einsatz zugunsten der anderen nicht Geltungsstreben, sondern Bruderliebe; 16 und nur hier sei das Wirken des Geistes ein für das gemeinsame Leben bedeutsamer Faktor. 17 Diese wichtigen Unterschiede sind für Heinrici - gerade in der Auseinan- dersetzung mit seinem scharfen Kritiker Holsten (vgl.u.) - Grund genug, zwischen Gemeinde und Verein kein direktes Abhängigkeitsverhältnis anzu- nehmen. So schreibt er gegen die Angriffe Holstens, er habe nie bezweifelt, "daß das Vorhandensein dieser analogen Formen nicht auf die Nachahmung eines ethni- schen Vorbildes, sondern auf eigentümlich christliche Prinzipien zurückzuführen sei. Sicher hat der Apostel den neuen Wein des Evangeliums nicht in alte Schläuche fassen wollen. ( ... ) Meine Ausführungen behaupten eben nur, daß die aus dem Wesen und Bedürfnis der geschichtlichen Verhältnisse erwachsenden Formen religiöser Associa- tionen in den paulinischen Gemeinden sich wiederfinden. So gewinnt auch die neue Idee erst ihre Bedeutung und ihren Einfluß, wenn sie sich in der altgewohnten, allen vertrauten Sprache ihren Ausdruck schafft. Dies geschieht unbeschadet ihrer Neuheit. 9 Vgl. ders., Charakter 521-524; 1 Kor (31896) 8. 10 Vgl. ders., Christengemeinden 505f; 1 Kor e1896) 8. 11 Vgl. ders., Christengemeinden 509f; 1 Kor e1896) 8. 12 Vgl. ders., Christengemeinden 512f. 13 Beide Zitate: ders., Christengemeinden 521 (Herv.orig.). 14 VgJ. dazu bes. ders., Geschichte 110-117; ders., Christengemeinden 521. 15 VgJ. ders., 1 Kor (1880) 26. 16 Vgl. ders., Charakter 519. 17 VgJ. ders., 1 Kor (1880) 27., Aber ist sie schöpferisch, dann beseelt sie zugleich das Altgewohnte und Gebräuchliche mit neuer Kraft und neuem Gehalt" .18 Kurz gesagt: Die Gemeinden organisierten sich "nicht nach dem Vorbilde, aber in den Fonnen der religiösen Genossenschaften" .19 Diese Feststellung ist angesichts der aufgezeigten Analogien erstaunlich. Es ist doch kaum vorstellbar, daß so deutliche, bis in den Sprachgebrauch sich erstreckende Gemeinsamkeiten, wie Heinrici sie behauptet, Entwicklun- gen sind, die sich unabhängig voneinander auf dem Hintergrund gemeinsa- mer geschichtlicher Umstände ergeben. Hier ist Heinrici nicht konsequent. Es gibt in Wirklichkeit nur folgende Alternativen: Entweder hat er die Ana- logien zutreffend beschrieben - dann müssen die Vereine tatsächlich bis zu ei- nem gewissen Grad Vorbild der Gemeindeorganisation gewesen sein. Oder er hat zu Recht die Unabhängigkeit zwischen beiden Größen betont - dann bleibt nur die Annahme, daß die Analogien so weit nicht gehen können. Etwa zur gleichen Zeit wie Heinrici, aber offenbar unabhängig von ihm, wies auch E. Hatch in einer seiner berühmten, von A. Harnack übersetzten Oxforder Vorlesungen auf Parallelen zwischen Vereinen und den ältesten Christengemeinden hin.2o Hatch nennt z. T. dieselben Analogien (gleiche Ter- minologie für Versammlung und Ämter, gemeinsame Kasse und Mahlzeiten, Gleichberechtigung verschiedener Schichten).21 Er bezieht sich allerdings auf einen längeren Zeitraum, nämlich die Zeit bis zur Mitte des 2.Jh. Es wird deshalb nicht klar, welche Gemeinsamkeiten er schon für die paulinischen Gemeinden annehmen will. Der hauptsächliche Unterschied zwischen Verein und Gemeinde liegt für Hatch in der Bedeutung der gegenseitigen Hilfelei- stung: War diese auch in den Vereinen vorhanden, so doch nur als "ein Acci- dens"; dagegen war sie "in den christlichen Vereinen ( ... ) das eigentliche Wesen" .22 Dieses Zitat zeigt, daß Hatch sich - anders als Heinrici - nicht scheute, von "christlichen Vereinen" zu sprechen. Für ihn war der Verein 18 Ders., Charakter S08f. 19 Ders., 1 Kor (1880) 21. Ähnlich K.J. Neumann, Der römische Staat und die allgemeine Kirche bis auf Diocletian I (1890) 46f. 20 E. Hatch, Die Gesellschaftsverfassung der christlichen Kirchen im Alterthum (1883; die Vorlesungen wurden 1880 gehalten; einschlägig ist die zweite Vorlesung). - Zu nennen ist ferner E. v. Dobschütz, Die urchristlichen Gemeinden (1902) SO, der das Mahl der korin- thischen Gemeinde von Vereinsmählern deshalb unterscheidet, weil in der Gemeinde jedes Mitglied einen Beitrag zum Mahl mitbrachte, während im Verein das Essen aus der ge- meinsamen Kasse finanziert oder von einzelnen Mitgliedern gestiftet wurde. 21 VgI. ders., aaO. bes. 22f.31f. 22 Beide Zitate: Ders., aaO. 28., tatsächlich eine Organisationsfonn, die die Gemeinde aus der Umwelt für sich übernahm. 23 Schärfsten Widerspruch hat die These einer Verwandtschaft zwischen Verein und Gemeinde (in der Fassung Heinricis) bei C. Holsten gefunden. 24 Die Argumentation Holstens ist ein Musterbeispiel dafür, auf welches Unver- ständnis sozialgeschichtliche Untersuchungen bei traditionell-idealistisch orientierten Theologen zunächst stießen. Er erkennt zwar an, daß in manchen nichtchristlichen und christlichen Augen der Antike die Gemeinde einem Ve- rein ähnelte. Aber er bestreitet vehement, daß Paulus die Gemeinde als Kult- verein organisiert habe. Diese sei vielmehr durch den transzendenten Ruf Gottes gegründet und damit "eine aus der sichtbar sinnlichen, sündigen welt herausgehobene, in dieser welt und doch außerhalb dieser welt ( ... ) bestehen- de heilige genossenschaft von brüdern"; 25 dementsprechend sei sie "in ihren lebensformen durch göttlichen willen, durch eine transcendente und ideelle macht bestimmt" .26 Berührungen mit Vereinen ergäben sich "für die gottes- gemeinde des Paulus aus ihm eigentümlichen principien" .27 So sei z.B. die gleichberechtigte Stellung aller Mitglieder in der Gemeinde anders zu erklä- ren als im Verein, nämlich als Einwirkung des Geistes, der alle Unterschiede aufhebt. 28 Diese Abgrenzung bedeutet nichts anderes, als daß für Holsten Verein und Gemeinde weder im Sinne direkten Einflusses noch im Sinne analoger Entwicklung aufgrund gleicher Bedürfnisse verwandt sind. 29 So weit wird man aber die urchristlichen Gemeinden von ihrer sozialen Umwelt kaum iso- lieren können, zumal wahrscheinlich zahlreiche Gemeindemitglieder vorher Mitglieder von Vereinen waren. Die idealistische, um nicht zu sagen ideolo- gische Perspektive Holstens ist deutlich in der Formulierung seines Ergebnis- ses zu erkennen: "Was von vorne herein zu erwarten war, dass Paulus die le- bensformen einer kultusgenossenschaft der dämonen (1 kor. 10,20) nicht 23 Vgl. z.B. auch das folgende Zitat: "Als die christlichen Lehren, hauptsächlich in den grö- ßeren Städten des römischen Reiches, zuerst verkündigt wurden, war ( .. ) der genossen- schaftliche Zusammenschluß derjenigen, welche diese Lehren annahmen, keine vereinzelte und sonderliche Erscheinung mehr. Nicht alle Gläubigen aber traten sofort der Genossen- schaft bei" (aaO. 20). 24 C. Holsten, Das Evangelium des Paulus 1(1880) bes. 237-244. 25 Ders., aaO. 238. 26 Ders., aaO. 239. 27 Ders., aaO. 244 (Herv. von mir). 28 Vgl. ders., aaO. 240. 29 Insofern beruht der Gegensatz zu Heinrici nicht bloß auf einem Mißverständnis, wie die- ser annimmt (Charakter 509)., werde benutzt haben für die lebensordnungen einer gemeinde Gottes, das be- stätigt das wirkliche leben der Korinthischen gemeinde" .30 Unbestreitbar im Recht ist Holsten aber, wenn er auf konkrete Unterschiede hinweist, die Heinrici etwas verwischt: Die korinthische Gemeinde hatte weder einen ge- wählten Vorstand noch eine gemeinsame Kasse mit Kassenwart (vgl. 1 Kor 16,2!), wie wir sie regelmäßig bei Vereinen beobachten können. 3 ) Vorsichtiger urteilt J. Weiß in Auseinandersetzung mit Heinrici: 32 Ähtilichkeiten zwischen Gemeinde und Verein (bes. die Aufhebung sozialer Unterschiede) sind nicht zu bezweifeln; unsicher ist aber, (1) ob diese von Paulus und seinen Mitarbeitern bewußt herbeigeführt wurden und (2) wie weit sie gingen. 33 Zu (1): Die Gemeindeorganisation wurde wohl von Fall zu Fall, d.h. ohne festes Konzept, betrieben; andererseits war für die Gemeinde evtl. eine rechtliche Form notwendig, die sie gegen Bedrohung von außen schützte, und eine solche könnten Mitglieder herbeigeführt haben, die sich vor oder neben der Gemeindezugehörigkeit auch an Vereinen beteiligten. Zu (2): Einzelne konkrete Analogien sind schwer zu benennen; nicht nur Kasse und Beamtenwahl fehlen, sondern auch Statuten, wie wir sie von Vereinen kennen. Manche Erscheinungen lassen sich auch als Analogien zu ganz ande- ren Sozialformen erklären; so ist etwa die Exkommunikation dem Synago- genbann näher als dem Vereinsausschluß. "Kurz - es muß für uns in Ennangelung konkreten Wissens bei der allgemeinen These bleiben, daß die christliche Gemeinde in Korinth in dieser Anfangszeit auf Außenste- hende wohl den Eindruck eines 8iaaor; gemacht haben kann; andrerseits hat sie aber doch auch den jüdischen Diasporagemeinden ähnlich gesehen" . 34 Diese vorsichtige Haltung wird von einigen Klassischen Philologen bzw. Alt- historikern des gleichen Zeitraums geteilt: Die Analogien seien so allgemein, daß ein Zusammenhang zwischen Gemeinden und Vereinen nicht nachweis- bar sei. 35 Blicken wir auf diese Phase der Forschungsgeschichte zurück: Es zeigt sich, daß das Hauptinteresse darin bestand, Analogien zu erheben, um über solche Analogien eine eventuelle Abhängigkeit der Organisationsform "Ge- meinde" vom Verein beurteilen zu können. Heinrici wollte detaillierte Analo- 30 Ders., aaO. 243. 31 So ders., aaO. 24lf. 32 J. Weiß, Der erste Korintherbrief (91910; 2.Neudruck 1977). 33 Vgl. ders., aaO. XXII-XXIV. 34 Ders., aaO. XXIVf. 35 So E. Ziebarth, Das griechische Vereinswesen (1896) 127-132; ähnlich W. Liebenam, Zur Geschichte und Organisation des römischen Vereinswesens (1964=1890) 267.274; E. Kornemann, Art.: Collegium (1900) 388., gien nachweisen, aber die Konsequenz einer Abhängigkeit doch nicht ziehen. Für Hatch war eine solche Abhängigkeit erwiesen, allerdings nicht unbedingt schon für die Paulusgemeinden. Holsten leugnete sowohl echte Analogien wie Abhängigkeit, Weiß und andere konnten nur allgemeine und wenig aus- sagekräftige Ähnlichkeiten feststellen. Bei der Durchsicht dieser Beiträge läßt sich noch erkennen, wie faszinierend für die einen, erschreckend für die an- deren die neue sozialgeschichtliche Blickweise war; daß es deshalb auf bei- den Seiten zu überzogenen Urteilen kam, ist kein Wunder. Immerhin trat aufgrund dieser so verschiedenen Untersuchungen die Erkenntnis in den Ge- sichtskreis der Exegese, daß die paulinische Gemeinde sich in der Fremd- und z. T. auch in der Selbstwahrnehmung als Verein darstellen konnte und daß ein wesentlicher Faktor dafür die Aufhebung der gesamtgesellschaftli- chen Unterschiede sowohl im Verein wie in der Gemeinde war. In den Blick kamen ferner die Fragen nach den Formen (Haus, Familie, Patronat) und der intentionalen Grundlage (Bruderliebe, Geisteswirken) der Sozialbeziehungen in der Gemeinde. § 2) Verhältnisbestimmungen von Gemeinden und Vereinen seit etwa 1970 Was für die sozialgeschichtliche Exegese insgesamt gilt, gilt auch für unser Thema: Nach langer Pause (seit etwa 1930) wurde es erst in den 70er Jahren wiederentdeckt. 36 Zwar gibt es m.W. noch keine Monographie speziell zum Verhältnis von Gemeinden und Vereinen, aber in einigen Publikationen zum sozialen Umfeld des NT 37 werden Vereine mitbehandelt. 38 Auch die Forschungsbeiträge dieser neuen Phase stellen Ähnlichkeiten und Unterschiede zusammen, wobei allerdings die Frage nach der Übernah- 36 Ausnahmen sind E.A. Judge, der schon in den 1960er Jahren in mehreren Beiträgen zu so- zialgeschichtlichen Fragen im NT Stellung bezogen hat (vgJ.auch u. § 10,1), und Bo Rei- cke, Diakonie (195l!) 320-338. 37 Vgl. A. Malherbe, Social Aspects of Early Christianity (1977) bes. 87-91; L.W. Country- man, Patrons and Officers in Club and Church (1977) 135-143; B. Kötting, Art.: Genos- senschaft (1978) 142-152; W.A. Meeks, Christentum und Stadtkultur (1993) 164-169; J.E. Stambaugh - D L. Balch, Das soziale Umfeld des Neuen Testaments (1992) bes. 121- 123. 136f. 38 Daneben werden sie gern bei der Besprechung bestimmter Paulustexte herangezogen (z.B. 1 Kor 8-10; 11,17-34). Im folgenden berücksichtige ich solche Erwähnungen allerdings noch nicht; vgl. die Besprechung einschlägiger Texte in Teil 3, wo auch diese Literatur einbezogen wird., me von nichtchristlichen Sozialfonnen ganz in den Hintergrund tritt. Die These, die christliche Gemeinde habe sich als collegium tenuiorum organi- siert und so staatliche Duldung erfahren, spielt keine Rolle mehr. 39 Heinricis klarstes Argument für eine Vereinsstruktur der Gemeinden, die gemeinsame Tenninologie, wurde von Meeks ausführlich widerlegt:4o Die Gemeinsamkei- ten beschränken sich auf 7rpOuT61n<; und 87rI.U/c07rOr;, wobei allerdings 7rpOuT61nr; als Wiedergabe des lateinischen patrona nicht nur in Vereinen be- gegnet und 87rLU/c07rOr; in den Paulusbriefen noch kaum eine Rolle spie.t. Auf der anderen Seite findet sich bei Paulus keine der üblichen Bezeichnungen für Vereine (etwa 9LOlUO<;, epOlVOr;) oder Vereinsämter (etwa 7rPVTOlVL<;, Lepevr;) und lassen sich umgekehrt in Vereinsinschriften die Tennini für die Gemein- de (8/cICA1/ULOl) kaum und die für ihre Mitglieder (&'YLOL, ICA1/TOL u.ä.) nicht nachweisen. Wichtig ist der Blick auf die Vereine für die neuere Forschung deshalb, weil er - auch ohne die These einer Abhängigkeit - ein besseres Verständnis der Sozialbeziehungen innerhalb der Gemeinden und zwischen Gemeinden und Umwelt ermöglicht. Dadurch eröffnen sich neue Perspektiven gerade auf die in den Paulusbriefen angesprochenen Konflikte. 41 Bereits bekannte Gemeinsamkeiten, auf die immer wieder hingewiesen wird, sind die Mähler (mit vergleichbaren Ausschweifungen) und die Rolle der Gastgeber als Patrone. Weiterführend sind die Vennutungen von Meeks, daß die Gemeinden sich wie Begräbnisvereine (collegia funeraticia) unter an- derem um eine würdige Bestattung und ein ehrendes Gedenken ihrer Mitglie- der kümmerten und daß, wie in Berufsvereinen, auch in Gemeinden viele Christen durch das gleiche Handwerk oder Gewerbe verbunden waren. 42 Gegenüber der ersten Forschungsphase treten nun aber die Unterschiede stärker hervor. Die Einzelgemeinde gehört, anders als der einzelne Verein, zu einer weltweiten Gemeinschaft. Sie hatte auch einen anderen Anspruch an ihre Mitglieder, indem sie diese in eine umfassende und exklusive Lebensge- meinschaft einband: umfassend, weil sie nicht nur auf Geselligkeit mit reli- giösem Hintergrund und gesicherter Bestattung zielte, sondern alle Lebensbe- reiche integrieren wollte; damit dann auch exklusiv, was insbesondere Mitgliedschaft in nichtchristlichen Kultvereinen ausschloß.43 Für unseren Zu- sammenhang sind zwei Beobachtungen besonders relevant: 39 Vgl. Kötting, aaO. 146. 40 Meeks, Christentum 168f. 41 Vgl. dazu Teil 3. 42 V g1. Meeks, Christentum 165. 43 Vgl. Kötting, Art.: Genossenschaft 143; Meeks, ebd., (1) Zwar gab es in Gemeinden Gastgeber, die als Patrone fungierten, aber deren Stellung war, was Einfluß und Prestige betrifft, weit schwächer und weniger attraktiv als die der Vereinspatrone. 44 (2) Vereine rekrutierten sich meist aus sozial etwa gleichgestellten Perso- nen, und wo tatsächlich eine gewisse Mischung gegeben war, brachte diese zumindest eine klare Hierarchie innerhalb des Vereins mit sich. Gemeinden dagegen wiesen eine weit größere soziale Heterogenität auf und verbanden damit eine geringere Hierarchie in der Gruppe. Die Aufhebung gesamtgesell- schaftlicher sozialer Unterschiede war also innerhalb der Gemeinde sehr viel ausgeprägter als im Verein. 4s Diese Ansicht ist in der Exegese inzwischen weit verbreitet. 46 Die soziale Mischung erscheint als ein charakteristisches Novum. Damit berühren wir die umfassendere Frage nach der sozialen Zu- sammensetzung des frühen Christentums, die unten in § 10,1 besprochen wird. Hier ist zunächst nur soviel festzuhalten: Die zwei eben angeführten Beobachtungen fügen sich gut in die Tendenz der neueren Forschung ein, die Unterschiede zwischen Gemeinden und Vereinen zu betonen. Nicht mehr die Existenz von Patronen und die Relativierung von Statusunterschieden an sich, die ja beiden Größen gemeinsam sind, sondern ihre unterschiedliche Ausprä- gung steht im Mittelpunkt. Die in der Einleitung vorgestellten Thesen von Chow und Clarke entsprechen insofern völlig der neueren Forschungsrich- tung und führen sie weiter. An diesem Punkt setzt die folgende Untersuchung ein, indem sie die Betonung der Unterschiede zwischen Verein und Gemein- de einer kritischen Prüfung unterzieht. 44 So Meeks, ebd. Die Thesen von Countryman, Patrons 137-140, wonach es schon in den paulinischen Gemeinden eine Spannung zwischen zwei Machtzentren, den Patronen und den Amtsträgem, gegeben habe (weil die reichen Mitglieder sich und ihre Spenden in die Gemeinde ein- und damit den Amtsträgem unterordnen sollten, dies aber nicht wollten), scheinen mir Verhältnisse des 2.13. Jh.s vorauszusetzen. 4S SO Meeks, aaO. 167; Stambaugh - Balch, Umfeld 137; Malherbe, Aspects 87; Kötting, Art.: Genossenschaft 144. 46 Sie ist auch in Literatur oft zu finden, die sich mit unserer Frage nur am Rande befaßt, vgl. B. Holmberg, Sociology and the New Testament (1990) 4lf.58.75., 2. Teil: Statusdifferenzierung in griechisch-römischen Vereinen Obwohl die antiken Vereine in vielerlei Hinsicht mit unseren heutigen über- einstimmen, waren sie doch Teil eines sehr verschiedenen gesellschaftlichen Systems und von diesem geprägt. Die Frage nach den Sozialbeziehungen in- nerhalb von Vereinen, insbesondere nach Hierarchie und Egalität, erfordert deshalb vorweg einen Blick auf die soziale Schichtung der Gesamtgesell- schaft. Wir müssen vor allem folgende Fragen stellen: Welche Klassifizie- rungsmodelle lassen sich hier sinnvoll anwenden und zu welchem Ergebnis führen sie? Welche Grundformen von Beziehungen zwischen den so ermittel- ten Schichten gibt es? § 3) Soziale Schichtung im römischen Reich des 1. Jahrhunderts n. ehr. 1. Rang und Status Wenn in der Überschrift dieses Paragraphen von "Schichtung" die Rede ist, dann ist hier nur die. kaum bestreitbare Beobachtung vorausgesetzt, daß es in jeder Gesellschaft verschiedene "Schichten" gibt. Dieser Terminus ist eine ausgesprochen allgemeine und wenig aus sagekräftige , eben deshalb auch überall anwendbare Klassifizierungskategorie. Er stützt sich auf (meist nicht genau definierte) Unterschiede in Besitz und Macht, aber auch auf pauschale Urteile im Bewußtsein der Zeitgenossen. Auf das römische Reich angewandt, führt er immerhin zu der interessanten Feststellung, daß wir hier im Grunde nur zwei Schichten unterscheiden können: die honestiores ("ehrenwerteren") und die humiliores ("niedrigeren"). Natürlich sind diese selbst wieder aus verschiedenen Gruppen oder Schichten zusammengesetzt, die honestiores aus Senatoren, Rittern und Dekurionen, die humiliores aus Freigeborenen, Frei- gelassenen und Sklaven.' Deshalb ist es sinnvoll, von Ober- und Unter- schichten zu sprechen. Daß die Annahme einer Zweiteilung aber dennoch be- rechtigt ist, zeigt vor allem die unterschiedliche Behandlung dieser Schichten vor Gericht: z. B. wurden für ein und dasselbe Vergehen Angehörige der , Vgl. Alföldy, Sozialgeschichte 119: Es gibt zwischen ingenuus, libertus und ~ ein ge- wisses Gefälle, aber "keine eindeutigen sozialen Trennlinien", denn "Besitz- oder Nichtbe- sitz von Produktionsmitteln, relative Wohlhabenheit oder Armut, partielle oder totale Abhängigkeit von den Oberschichten" bestimmen in jeder dieser drei Gruppen die innere Schichtung., Oberschichten in die Verbannung geschickt, Angehörige der Unterschichten hingerichtet. 2 Etwas spezieller ist die Redeweise von "Klassen", auch wenn es keine einheitliche soziologische Definition dieses Begriffs gibt. Er wird gewöhnlich mit dem ökonomischen Bereich verbunden; nach Karl Man bezeichnet er Bevölkerungsgruppierungen, die sich durch Besitz oder Nichtbesitz von Pro- duktionsmitteln unterscheiden. Im Hinblick auf die uns interessierende Ge- sellschaft ist diese KlassifIZierung aber wenig hilfreich: Wie M.l. Finley richtig gesehen hat, müßte man ja Sklaven und freie Lohnarbeiter derselben Klasse zurechnen, ebenso steinreiche Senatoren und bescheiden wohlhabende Besitzer von kleinen Gewerbebetrieben, die selbst nicht mehr arbeiten. 3 Die Zugehörigkeit zu einer Klasse sagt hier nicht viel aus. Weiterführend ist die römische Einteilung der ordines, rechtlich definier- ter Stände in der Gesellschaft, die sich an Besitz, Abstammung und morali- schen Qualitäten orientierten. 4 Der oberste Rang eines Senators setzte seit Augustus einen Besitz von 1.000.000 Sesterzen voraus. 5 Augustus förderte auch die Erblichkeit des Senatorentitels, die allerdings auf drei Generationen begrenzt war und nicht ausschloß, daß der Kaiser diesen Titel als Belohnung auch an andere verleihen konnte. Dennoch gehörte hochstehende Abstam- mung zu den üblichen Kriterien. Die Zahl der Senatoren wurde von Augustus auf 600 festgesetzt. Zahlreicher, nämlich mehrere Tausend, waren die römi- schen Ritter, die ähnliche, aber weniger strenge Kriterien erfüllen mußten. Ihr Besitz mußte mindestens 400.000 Sesterzen betragen, ihre Familie durfte (seit Tiberius) in den zwei vorausgehenden Generationen keinen Sklaven oder Freigelassenen aufweisen. Sie erfüllten wie die Senatoren militärische und Verwaltungsaufgaben, aber in der Regel auf weniger wichtigen Posten. Wie Senatoren konnten sie ihren Rang wegen unwürdigem, skandalösem Betragen verlieren. Noch weiter heruntergestufte, aber nicht mehr absolut definierte Anforderungen betrafen die Dekurionen, d.h. die Aristokratie und Rats- mitglieder der Provinzstädte. Diesen Rang konnten schon Söhne von Freige- lassenen (nicht Freigelassene selbst) erreichen, sofern sie zu den 100 reich- sten Bürgern einer Stadt gehörten. 2 Vittinghoff, Gesellschaft 233-235, sieht in honestiores und humiliores überhaupt nur juri- stische, keine sozialen Kategorien, die also den Rechtsstatus, nicht den Sozialstatus betref- fen. Mir scheint fraglich, ob sich diese Trennung wirklich halten läßt. 3 Vgl. Finley, Economy 49. 4 Vgl. hierzu bes. Gamsey - Salier, Kaiserreich 160-167; ferner Vittinghoff, Gesellschaft 214-240; Stambaugh-Balch, Umfeld 106-109; Clarke, Leadership 27-29. 5 Stambaugh-Balch, aaO. 107, sprechen irrtümlich von einem Mindestbesitz von hundert Millionen Sesterzen., Die drei bisher genannten ordines machten zusru:nmen nicht einmal ein Prozent der Bevölkerung aus. 6 Die große Masse war rechtlich gegliedert in Freigeborene, Freigelassene und Sklaven. Diese Einteilung der Unterschichten besitzt zwar klar definierte Kriterien, ist aber weniger aussa- gekräftig als die der Oberschichten: Freigeborene und Freigelassene konnten sich durch den. Besitz oder Nichtbesitz des römischen Bürgerrechts unter- scheiden; Sklaven eines römischen Bürgers erhielten bei der Freilassung das Bürgerrecht (mit einigen Einschränkungen), standen als Freigelassene in die- ser Hinsicht also höher als ein freigeborener Nichtrömer. Ferner waren die Vermögensunterschiede in diesen Gruppen enorm: Der Reichtum mancher Freigelassener (wie z.B. des fiktiven Trimalchio im Satyricon des Petronius) übertraf den vieler honestiores. Selbst Sklaven waren teilweise in der Lage, für ihren Freikauf privaten Besitz anzusparen, der über dem armer Freigebo- rener lag. Auch bildungsmäßig waren viele Sklaven, insbesondere versklavte Kriegsgefangene aus dem griechischen Osten, ihren römischen Herren überlegen. Die soziale Schichtung des allergrößten Teils der Bevölkerung ist also mit Hilfe des rechtlich fixierten Ranges oder Standes nur unzureichend zu er- heben. Heute wird deshalb für diesen Zweck ein anderes KlassiflZierungssy- stern bevorzugt: das des Status. Rang und Status verhalten sich nach E.A. Judge folgendermaßen: "'Rang' soll jede fonnal definierte Position in der Gesellschaft bezeichnen, während 'Status' sich auf Positionen mit Einfluß bezieht, die dem offiziellen Muster der sozialen Ordnung nicht entsprechen müssen. Status tendiert dazu, sich in Rang zu verwandeln, und Rang ist der versteinerte Status der Vergangenheit, der sich gegen die Hoffnungen und Bestrebungen derer richtet, die nur (oft neu erworbenen) Status haben."7 In dieser Definition wird der vage, fließende Charakter von Status deutlich. 8 Status wird nicht wie der ordo durch allgemein bekannte, vorgegebene Nor- men festgelegt, sondern durch das Urteil von Gruppen in der Gesellschaft, die ihre eigenen Mitglieder und die anderer Gruppen in eine soziale Hierar- chie einordnen. Ein solches Urteil orientiert sich an verschiedenen Kriterien oder Statusindikatoren: Besitz, Macht, Einfluß, Abstammung, Bildung, Be- ruf, Ämter, Geschlecht usw. Der Status (oder: das Prestige) eines Indivi- duums oder einer Gruppe hängt nicht nur von zwei oder drei Indikatoren ab wie beim ordo, sondern von einer Vielzahl von Variablen, die ein Gesamt- 6 Vgl. Meeks, Christentum 116. 7 Judge, Rank: 9. 8 Zur Definition von Status vgl. auch Garnsey - SalIer, Kaiserreich 1'68; Meeks, Christentum 118; Funk, Status 12-16; Rohrbaugh, Considerations 538f., bild ergeben. Bei der Zuordnung zu einem Rang. spielen wenige Kriterien eine Rolle, die aber alle erfüllt sein müssen; insbesondere genügt Besitz al- lein, ohne entsprechende Herkunft, nicht, um zu den honestiores zu zählen. Von dieser Regelung waren viele reich gewordene Freigelassene betroffen: Ihr Reichtum hatte für ihren Rang keine Bedeutung. Für den (Gesamt-) Status dagegen zählen viele, auch miteinander in Spannung stehende Einzel- status. Bei der Verbindung solcher Einzelstatus kommt die Möglichkeit unter- schiedlicher Gewichtung ins Spiel. Nicht für alle Gruppen sind dieselben Sta- tusindikatoren gleich wichtig. Daraus ergibt sich, wiederum im Unterschied zum ordo, daß das Urteil über den Status einer Person oder einer Gruppe verschieden ausfallen kann. Gruppeninterner und gesamtgesellschaftlicher Status fallen nicht unbedingt zusammen. Eine Gemeinsamkeit von Rang und Status im römischen Reich war, daß beide mit großem Ernst demonstriert wurden. Dies ist für den Status selbst- verständlich, denn er lebt ja vom Urteil der anderen. Daß auch der (vom Ur- teil der anderen weitgehend unabhängige) hohe Rang unübersehbar zur Schau gestellt wurde, weist auf die Bedeutung hin, die der sozialen Hierarchie ge- samtgesellschaftlich zukam. 9 In den oberen Schichten waren Rangunterschie- de am Auftreten in der Öffentlichkeit erkennbar: an der Kleidung (Toga mit schmalem oder breitem Purpurstreifen), an der Begleitung (die Zahl der Lik- toren), am Sitzplatz im Theater (bestimmte Plätze waren für die höheren Ränge reserviert). Statusunterschiede, die ja die gesamte Bevölkerung betra- fen, zeigten sich in der Demonstration von Einfluß und Reichtum durch mehr oder weniger prächtige Häuser, mehr oder weniger zahlreiche Sklaven und vor allem anhand der Übernahme einer Rolle als Patron oder Klient. 2. Patrone und Klienten Das Verhältnis zwischen Patron (patronus) und Klient (cliens) ist "eine Aus- tauschbeziehung zwischen Menschen mit ungleichem sozialem Status" .10 Beginnen wir mit dem letzten Element dieser Definition. Patronat ist et- was anderes als Freundschaft, obwohl eine gewisse Überschneidung besteht. 9 Vgl. dazu MacMullen, Relations 123. 10 Salier, Patronage 8. Neben dieser ausgezeichneten Darstellung vgl. zur folgenden Skizzie- rung des griechisch-römischen Patronats noch Bleicken, Verfassung 20-22; Bormann, Philippi 187-205; Chow, Patronage 31-33; Clarke, Leadership 31-36; Eisenstadt - Roni- ger, Pf:rons 53-64; Garnsey - Salier, Kaiserreich 211-227; Stambaugh - Balch, Umfeld 59f., Freundschaft 11 stellt zwar ebenfalls eine Austauschbeziehung dar, ist aber im sozialen System der griechisch-römischen Antike nur zwischen Menschen möglich, die vergleichbaren sozialen Status besitzen. Dieser muß sich da- durch ausweisen, daß die Freunde einander Geschenke und Gefälligkeiten gleicher Art und Größe zukommen lassen. 12 Der Austausch solcher Gaben ist immer mit einem unausgesprochenen Wettkampf verbunden: Kann ein Freund die Gunst nicht mit mindestens ebenso wertvollen Gegengaben ver- gelten, sinkt er auf das Niveau eines· "niedrigeren Freundes" oder gar eines Klienten herab, d.h. die symmetrische wird zu einer assymmetrischen Bezie- hung. Ein niedrigerer Freund besitzt nicht mehr oder noch nicht den gleichen Status, hat aber grundsätzlich die Voraussetzungen dafür; so stellen sich jun- ge Männer am Beginn ihrer Karriere unter die Protektion eines älteren, arri- vierten Mannes, der seinen Einfluß für sie zur Geltung bringt. Das Klientel- verhältnis ist hier also vorübergehend. Patron und Klient dagegen stehen auf so verschiedenen gesellschaftlichen Stufen, daß eine zukünftige Gleichstel- lung ausgeschlossen ist. Der Austausch hat im Fall des Patronats natürlich anderen Charakter: Es geht nicht um Güter gleicher Kategorie. Was der Patron in die Beziehung einbringt, sind Wohltaten (beneficia), die in Geld- oder Natu- raliengeschenken, Vertretung vor Gericht, Hilfe bei der Erreichung berufli- cher Ziele, Versorgung mit Land und ähnlichem bestehen. Er mußte dafür sorgen, "daß der Client als soziales Wesen nicht unterging".13 Diese Fürsor- ge hatte nicht den Charakter von Wohltätigkeit aus Menschenliebe oder so- zialem Verantwortungsgefühl. Gerade die Niedrigsten und Ärmsten kamen am wenigsten in ihren Genuß. Voraussetzung selbst für ein Klientelverhältnis war, daß der Klient für die empfangenen beneficia etwas zu bieten hatte. In der römischen Republik war es vor allem das Stimmrecht, von dem er bei Wahlen zugunsten des Patrons Gebrauch machen konnte. Im Prinzipat wur- den andere Leistungen wichtiger: die Beteiligung an der salutatio, dem Mor- gengruß der Klienten an den Patron in dessen Haus; seine Begleitung in der Öffentlichkeit, d.h. die Vergrößerung seines Gefolges; der Beifall bei Reden 11 Zur Freundschaft (amicitia) zwischen Gleichen und Ungleichen vgl. bes. Gamsey - Salier, Kaiserreich 217-22-2.- 12 Diese Gegenseitigkeitsethik regelte nicht nur private, sondern auch öffentliche Beziehun- gen: Auf allen Ebenen der Verwaltung waren beneficia für Freunde die Regel und keines- wegs verpönt; auch der Kaiser vergab z.B. Amter weniger nach sachlichen als nach persönlichen Gesichtspunkten, d.h. als Gefallen für Freunde (vgl. Salier, Patronage 30.33.110). 13 Bleicken, Verfassung 21., des Patrons u.ä. Immer geht es um Beiträge zu seinem sozialen Prestige, sei- nem Status. Zum einen ist die Größe der Klientel Ausdruck des Status, denn sie zeigt, daß der Patron in der Lage ist, mit seiner Macht und seinem Reich- tum die Bedürfnisse vieler zu befriedigen. Andererseits ist natürlich ein Klient für den Status des Patrons um so wertvoller, je höher dessen eigener Status ist. Deshalb haben diejenigen, die gar nichts zu bieten haben, auch nichts zu erwarten. Klientelbeziehungen gibt es nicht nur zwischen Einzelpersonen, obwohl das der häufigste Fall ist. Die Klientel kann auch aus einer Gruppe bestehen, de- ren Mitglieder nicht allein die Beziehung zum gleichen Patron gemeinsam ha- ben. So gab es ganze Städte, Provinzen und Vasallenkönigtümer, die sich ei- nen einflußreichen Politiker als Patron suchten, um ihre Interessen in Rom zur Geltung zu bringen. In kleinerem Maßstab finden wir eine solche Grup- penklientel in Vereinen. Jeder Verein bemüht sich um einen Patron, der Schutz und Unterstützung gewähren soll. Auch hier gilt: Nur der Verein hat etwas zu erwarten, der selbst etwas zu bieten hat. 14 § 4) Vereine im Überblick Die Vereine der griechisch-römischen Antike interessieren in unserem Zu- sammenhang nur insofern, als sie soziale Größen darstellen, die mit urchristlic::hen Gemeinden verglichen werden können. Es ist aber bei der un- geheuren Vielfalt solcher Vereine gar nicht leicht zu sagen, welche denn für einen Vergleich sinnvoll herangezogen werden können. Sie unterscheiden sich in geographisch-kultureller Oateinischer Westen - griechischer Osten), zeitlicher (Entwicklungen etwa vom 4.Jh.v.Chr. bis zum 3.Jh.n.Chr.) und funktionaler Hinsicht (verschiedene Vereinszwecke). Eine Beschränkung des Vergleichs auf Vereine, die aus den Städten der Paulusgemeinden, für die Mitte des I.Jahrhunderts und als explizit religiöse Vereine bezeugt sind, läßt sich nicht durchführen - es stünde dann einfach zu wenig Vergleichsmaterial zur Verfügung. Es wird im folgenden Überblick also vor allem um die Frage gehen, welche Vereine für unsere Zwecke relevant sind, d.h. wie weit und wie eng die Grenzen gezogen werden müssen bzw. können. 14 Genaueres dazu u. in § 5,1 ., 1. Quellenlage Obwohl oder gerade weil Vereine in der griechischen und römischen Welt eine sehr populäre Erscheinung waren, gibt es Zeugnisse über sie fast nur in Form von Inschriften. Die Erklärung ist einfach und hängt gerade mit der Popularität zusammen: In Vereinen verbanden sich nicht Mitglieder der höheren,- Literatur produzierenden Schichten, sondern nur relativ einfache Leute, die sich allenfalls in Inschriften verewigten. Solche Inschriften gibt es in Fülle. 15 Man kann vor allem drei Gattungen unterscheiden: (1) Verzeichnisse der Mitglieder, (2) Vereinsdekrete, (3) Vereinsstatuten. Mitgliederlisten enthalten in der Regel Namen und Funktionen im Verein. Ihre Ordnung ist hierarchisch, von oben nach unten. Am Anfang steht der Patron bzw. stehen die Patrone, dann die Amtsträger (abgestuft nach der Würde ihres Amtes), die einfachen Mitglieder und ggf. am Ende Diener oder vereinseigene Sklaven. Solche Listen erlauben (mit gewissen Einschrän- kungen l6) Einblicke in die Vereinsgröße und die vereinsinterne Struktur. Die Auswertung der Namen ermöglicht daruberhinaus gewisse Aussagen über die gesellschaftliche Stellung der Mitglieder, insbes. über den Anteil von Skla- ven, Freigelassenen und Freigeborenen oder von römischen Bürgern und Nicht-Bürgern. 17 Vereinsdekrete sind meist Beschlüsse, die der Verein insgesamt gefaßt hat und die von den Amtsträgern umzusetzen sind. Häufig sind vor allem Inschriften zu Ehren von aktiven oder potentiellen Wohltätern, die Dank für empfangene Spenden ausdrucken oder zukünftige Spenden anregen wollen. So heißt es etwa in einer tabula patronatus von 261 n.Chr. aus Umbrien: "Weil wir in der Vergangenheit von Coretus Fuscus, dem Patron, Upsiaesia Martina, der Patronin, und Coretus Sabinus, ihrem Sohn, in Liebe geleistete Wohltaten empfan- gen haben, hoffen wir jetzt auch für die Zukunft ( ...) , daß ganz ähnliche Wohltaten, wie wir sie jetzt spüren, fortwährend aus ihrem Haus hervorgehen werden. "18 IS Die SIG3/4 111 bietet 125 Inschriften von religiösen Vereinen, die ILS verweisen im Index auf 550 Vereinsinschriften. Allein von römischen Begräbnisvereinen sind bei Schiess, Collegia 111-140, 363 Inschriften zusammengestellt. Waltzing hat im 3. Band seiner "Etude historique" 2432 Inschriften von Berufs-, religiösen und Begräbnisvereinen gesam- melt. 16 Vgl. Poland, Geschichte 279: Mitgliederlisten sind oft verstümmelt überliefert, enthielten aber schon ursprünglich nicht unbedingt alle Mitglieder. 17 Vgl. dazu u. § 5,3. 18 ILS 1112,7221., Ein interessanter Sonderfall ist eine Inschrift aus Alburnum maius in Dakien (167 n.Chr.),19 in der die verbliebenen Amtsträger eines Begräbnisvereins mitteilen, daß der Verein aufgrund von Mitgliederschwund aufgelöst wurde und niemand mehr mit einem Begräbnis auf Vereinskosten rechnen kann. In einigen wenigen, für uns sehr glücklichen Fällen ist das Statut erhal- ten geblieben, das sich ein Verein gegeben hat. Solche Inschriften geben de- taillierte Auskunft über Vereinszweck, -strukur und -leben, lassen sich aller- dings an einer Hand abzählen:2o (1) Eine griechische Inschrift aus Philadelphia (Lydien) vom Ende des 2.1Anfang des l.Jh.v.Chr.: 21 Ein gewisser Dionysios gründet, wohl in sei- nem Haus, auf einen Traum hin einen Mysterienkultverein für mehrere grie- chische Götter, die nun zusammen mit einer kleinasiatischen, also einheimi- schen Gottheit verehrt werden. (2) Eine lateinische Inschrift aus Lanuvium, einer Provinzstadt südöstlich von Rom, von 136 n.Chr.: 22 Es handelt sich um einen sozial sehr tief stehen- den, der Diana und dem Antinous geweihten Verein, der sich die ehrenvolle Bestattung seiner Mitglieder zur Aufgabe macht und zu verschiedenen Anläs- sen (bescheidene) Festmähler hält. (3) Eine lateinische Inschrift aus Rom von 153 n.Chr. :23 Ein sozial höhergestellter Verein für Aesculap und Hygia, der von zwei reichen Stiftern mit den großen Stiftungssummen von 50.000 und 10.000 Sesterzen zur Erin- nerung an ihren Mann bzw. Bruder ins Leben gerufen wurde. (4) Eine griechische Inschrift aus Athen von 178 n.Chr.: 24 Ein Kult- verein von lobacchen (Verehrern des Dionysos) erhält als neuen Priester und damit Vorsitzenden den berühmten Herodes Atticus. Aus diesem Anlaß wer- den die Statuten aufgezeichnet. 19 Text: ILS 11/2,7215. Besprechungen: Bir6, Collegium pass.; Mommsen, Collegiis 93-95. 20 Zusätzlich zu den folgenden ist auf weitere vier Inschriften hinzuweisen, die ebenfal:s Sta- tuten enthalten, aber wesentlich weniger infonnativ sind: zwei Inschriften von Begräbnisvereinen (Text und Besprechung bei Robertis, Contributi 55-86.136-140) und zwei Inschriften von Berufsvereinen (Text: ILS II/2,7214; CIL VI,10298 [Text mit Kom- mentar bei Waltzing, Etude I1I,281-284]), beide aus Rom. 21 Text und Kommentar: SIG3/4 I1I,985; Weinreich, Stiftung pass.; Sokolowski, Lois sacrees 53-58; Barton - Horsley, Cult Group pass. (mit englischer Übersetzung). 22 Text: ILS 11/2,7212; Liebenam, Geschichte 321-323; Mommsen, Collegiis (im Anhang). Deutsche Übersetzung (auszugsweise) bei Wilken, Christen 51-53. Besprechungen bei Mommsen, aaO. 98-115; Hopkins, Death 214; Carcopino, Alltagsleben 423f. 23 Text: ILS II/2,7213; Liebenam, Geschichte 323f. Besprechung bei Mommsen, aaO. 92f. 24 Text: SIG3/4 III,1l09. Deutsche Übersetzungen (auszugsweise): Tod, Streiflichter 57-62; Wilken, Christen 55-58. Besprechung bei Fox, Pagans 85-87., Diese vier Inschriften sind im Anhang zweisprachig wiedergegeben. Wo im folgenden Text auf sie Bezug genommen wird, sind sie mit den oben kursiv gedruckten Namen gekennzeichnet. 2. Vielfalt und Gemeinsamkeiten Im Oxford Classical Dictionary wird "Verein" definiert als ein "freiwilliger Zusammenschluß von Personen, mehr oder weniger dauerhaft organisiert, zur Verfolgung eines gemeinsamen Ziels" .25 Diese Definition ist denkbar all- gemein gehalten und deshalb sicher für das gesamte Vereinswesen der Antike zutreffend. Sie ist auch nicht ohne Aussagekraft: Sie impliziert z.B., daß die vom Staat erzwungenen Zusammenschlüsse von Berufskollegen ab Ende des 3.Jahrhunderts n.Chr. nicht mehr als Vereine gelten können. Dennoch ist sie für unsere Zwecke unzureichend, denn auf dieser Grundlage könnten wir Paulusgemeinden auch mit einem beliebigen "e.V." unserer Tage verglei- chen. Es ist deshalb notwendig, die Vielfalt des griechisch-römischen Ver- einswesens in den Blick zu nehmen und nach Gemeinsamkeiten in dieser zu- nächst verwirrenden Fülle zu fragen. Eine ausführliche Behandlung der Ent- wicklung und Differenzierung von Vereinen ist hier natürlich nicht möglich. Ich stütze mich auf vorliegende Darstellungen 26 und gehe der bereits formu- lierten Frage nach, welche Vereine für unsere Zwecke relevant sind. Konkret heißt das z.B.: Können die oben vorgestellten Inschriften mit Vereinsstatuten sinnvoll mit Paulusgemeinden verglichen werden, obwohl sie aus anderen Jahrhunderten und z.T. aus einem anderen Kulturkreis stammen? Interessant sind hier zunächst die Motive, die zur Bildung von bzw. zum Eintritt in Vereine führten. Es ist dabei nicht damit getan, für Kultvereine re- ligiöse Bedürfnisse, für Berufsgenossenschaften ökomische Bedürfnisse etc. geltend zu machen, sondern es ist zu fragen, warum das Vereinswesen zu be- stimmten Zeiten in besonderer Weise aufblühte. Dies war zweifellos der Fall in der Epoche des frühen Hellenismus und im römischen Reich des l./2.Jh.n.Chr. Die Annahme scheint mir durchaus überzeugend, daß in bei- den geschichtlichen Situationen in breiten Schichten ähnliche Bedürfnisse ent- standen, die von Vereinen befriedigt wurden. Zum einen boten sie einen ge- wissen Ersatz für den Verlust politischer Mitwirkungsmöglichkeiten: Wenig- 25 Tod, Art.: Clubs 254. 26 VgL dazu bes. Bleicken, Verfassungs- und Sozialgeschichte 27.88-95; Henmann, Art.: Genossenschaft pass.; Komemann, Art.: Collegium bes. 380-403; Poland, Geschichte bes. 514-520; Popkes, Art.: Gemeinschaft pass.; Stöckle, Art.: Berufsvereine 155- 182.203f; Tod, Streiflichter 47f; Vittinghoff, Gesellschaft 208-214; Waltzing, Etude bes. I, 339-341; Waszink, Art.: Genossenschaft pass.; Ziebarth, Vereinswesen bes. 4-136., stens im Verein konnte man noch Beschlüsse fassen und Bestätigung finden. Zum anderen vermittelten sie Geborgenheit und Identität in einer unüber- schaubar gewordenen Umwelt: Der Verein fungierte als ein Gegengewicht zum Individualismus und Kosmopolitismus der hellenistischen Welt bzw. des riesigen römischen Reichs. 27 Die Haltung des Staats gegenüber den Vereinen war im griechischen und römischen Bereich nicht die gleiche. Während in den griechischen Staaten Vereine im allgemeinen große Freiheit genossen,28 kam es in Rom zumindest ab der späten Republik 29 zu Vereinsverboten. 3o Im Jahr 64 v.Chr. wurden vom Senat wegen politischer Aktivitäten alle Vereine aufgelöst. Nach Wie- derzulassung (58 v.Chr.) und Wiederverbot (durch Caesar) kam es schließlich unter Augustus zu einer bleibenden Regelung durch die lex Iulia: Alle Vereine wurden verboten, mit Ausnahme der althergebrachten, d.h. al- ter Kult- und Handwerkervereine, und der bereits ausdrücklich erlaubten, z.B. der jüdischen Genossenschaften. Ansonsten mußte jeder neue Verein von Kaiser und Senat eine eigene Konzession einholen. Dieses bald auch für Italien und die Provinzen gültige Gesetz wurde im Laufe des 1. oder Anfang des 2.Jahrhunderts n.Chr. mit einer Ausnahme versehen, die in der 136 n.Chr. entstandenen Inschrift aus Lanuvium 31 und bei Marcian 32 genannt ist: 33 Von der Konzessionspflicht befreit sind durch Senatsbeschluß die Ver- eine der tenuiores, d.h. von Leuten mit niedriger sozialer Stellung, sofern sie sich nur einmal im Monat versammeln, um einen Beitrag für das Begräbnis 27 Ähnlich Bleicken, aaO. 27.90; Herrmann, aaO. 94; Poland, aaO. 516; Popkes, aaO. 1117; Stöckle, aaO. 156; Waltzing, Etude 1,332. 28 VgI. Hemnann, aaO. 98f. 29 Das Einschreiten des Senats gegen die Bacchusvereine im Zusammenhang mit dem Bac- chanalienskandal 186 v.Chr. könnte schon Ausdruck der beinahe paranoiden Angst vor unkontrollierbarem Wachstum der Vereine sein, wie sie die Kaiserzeit prägte. Es könnte aber ,auch einfach mit der Übertretung allgemeiner, also nicht speziell für Vereine gültiger Gesetze und Moralvorstellungen zu tun haben (so Komemann, Art.: Collegium 405; Was- zink, Art.: Genossenschaft 110). 30 Vgl. dazu Ausbüttel, Untersuchungen 92; Bleicken, Verfassungs- und Sozialgeschichte 91; Dill, Roman Society 254; Komemann, aaO. 405-410; Liebenam, Geschichte 29-32; Mommsen, Collegiis 78-91; Schiess, Collegia 2-8; Waszink, aaO. 104-112. 31 1,10-12. 32 Dig. 47,22,1. 33 Die Beziehung beider Texte auf denselben Senatsbeschluß stammt von Mommsen und wird heute weithin akzeptiert (vgl. Waszink, Art.: Genossenschaft 104-106). Weber, Ge- schichte 250, will mit Robertis diese Ausnahme in der Regierungszeit des Claudius anset- zen; LaPiana, Groups 242, datiert sie auf etwa 100; nach Waszink, aaO. 107 (im Anschluß an Eliachevitch), spricht die Tatsache, daß das Senatus Consultum in der Lanu- viuminschrift überhaupt zitiert wird, eher dafür, daß es damals (also 136) noch neu war., der Vereinsmitglieder einzusammeln. 34 Allerdings wird vielfach wohl mit Recht angenommen, daß schon vor und neben dieser Ausnahme auch viele andere Vereine existierten, entweder, weil es nicht schwer war, die geforder- te Konzession zu bekommen,35 oder weil konzessionslose Vereine vom Staat doch so lange geduldet wurden, als sie nicht negativ auffielen. 36 Wie kommt es zu dieser unterschiedlichen Beurteilung der Vereine von Seiten des Staates und was bedeutet sie für die Ausgestaltung der Vereine? Die römischen Vorbehalte sind kaum schon mit- der Auskunft erklärt, daß man eine Wiederholung der politischen Rolle der Vereine in den Bürgerkrie- gen als schlagkräftige "pressure groups" vermeiden wollte.37 Diese Gefahr war im Prinzipat ja gering. Sucht man nach überzeugenderen Deutungen, bleibt man allerdings auf Vermutungen angewiesen: Gab es in den Vereinen ein basisdemokratisches Bewußtsein, das der herrschenden Oligarchie nicht geheuer war?38 Gefährdeten die Kommunikation und Solidarität einfacher Leute in Vereinen das Organisationsmonopol und damit die Macht der Ober- schichten?39 Ging der Abbau sozialer Schranken, der in gewissem Maße in den Vereinen stattfand,40 denjenigen zu weit, die von solchen Schranken profitierten? Diese Vermutungen gehen in die gleiche Richtung und "schließen einander nicht aus. Es dürfte jedenfalls am unterschiedlichen staatlichen und gesellschaftlichen Kontext und nicht an verschiedenen Ausprägungen der Vereine liegen, daß sie im römischen Reich (und damit dann auch im griechi- schen Osten) weit stärker reguliert wurden als in den griechischen Staaten vor der römischen Herrschaft. Die obrigkeitliche Kontrolle hat auch kaum die Ausrichtung der Vereine wesentlich verändert. Zwar haben sicher (bes. nach dem Erlaß des oben genannten Senatus Consultum) manche Vereine ihre religiöse Zielsetzung oder den Vereinszweck der Begräbnisfürsorge her- ausgestrichen, um staatliche Duldung oder Erlaubnis zu erreichen. 41 Daß da- mit aber zumindest in den Munizipien nicht eine völlige Abkehr von politi- 34 Näherhin sind die bei Marcian angesprochenen Vereine von tenuiores wohl nicht vollstän- dig identisch mit den in der Inschrift genannten Begräbnisvereinen; diese dürften inner- halb der collegia tenuiorum nur eine bedeutende Gruppe bilden. Vgl. dazu Ausbüttel, Un- tersuchungen 29; LaPiana, aaO. 243; Schiess, Collegia 8; Vittinghoff, Gesellschaft 210f; Waszink, aaO. 106. 35 So Liebenam, Geschichte 32. 36 So Hopkins, Death 212 Anm.15; LaPiana, Groups 245. 37 So offenbar Hopkins, aaO. 212. 38 So Fellmetb, Bewußtsein 65-69; ders., Vereine 195-197. 39 So eine mündlich geäußerte Vermutung von Dr. Bemhard Linke vom Institut für Alte Ge- schichte der Technischen Universität Dresden. 40 Vgl. dazu u. § 5,3. 41 Vgl. Dill, Roman Society 255.259f., schen und gesellschaftlichen Interessen verbunden war, zeigen etwa die in Pompeji erhaltenen Dipinti und Graffiti, mit denen Berufskollegien von Bäk- kern, Goldschmieden, Schankwirten, Barbieren usw. Einfluß auf die bevor- stehenden Magistratswahlen zu nehmen versuchten. 42 Was die Vereinszwecke oder -funktionen betrifft, sind einige bereits ge- nannt worden. Es gibt verschiedene Versuche, in die hier anzutreffende Viel- falt eine gewisse Ordnung zu bringen.43 Sinnvoll scheint mir eine Unterschei- dung von zwei Anliegen, einem religiösen und einem geselligen. Ein Verein konnte vorrangig die Verehrung einer oder mehrerer Gottheiten (z.B. Fami- liengenossenschaften, Mysterienvereine) oder die Pflege von Gemeinschaft und Austausch (z.B. Nachbarschafts-, Jugend-, Sldavenvereine) betreiben. Ein Sonderfall des religiiJsen Anliegens ist die Vorsorge für ein angemesse- nes Begräbnis: Wer sich als einzelner keine Bestattung leisten konnte und sei- ne Beisetzung im Massengrab der Armen vermeiden wollte, hatte die Möglichkeit, durch regelmäßige Beitragszahlung an seinen Verein ein würdi- ges Begräbnis zu finanzieren. Der Verein übernahm auch die Pflege des An- denkens von Verstorbenen im Rahmen von Festmählem. Beides faßt das Sta- tut eines Vereins in Ostia so zusammen: Die Mitglieder bildeten einen Ver- ein, "damit sie nicht nach ihrem Tod vernachlässigt würden (ne neglegan- tur)". Ein Sonderfall des geselligen Anliegens ist die Vereinigung von Perso- nen mit demselben Beruf, etwa Händlern, Handwerkern, Künstlern, erst spät auch von Militärangehörigen. 44 Auch hier stand, anders, als wir erwarten würden, offenbar weniger das wirtschaftliche als das soziale Interesse im Vordergrund. 45 Es gibt nun einige Anhaltspunkte dafür, daß im römischen Bereich die verschiedenen Zwecke sich im konkreten Verein fast immer überlagerten. Händler und Spediteure z.B. schlossen sich in der Fremde oft auf landsmann- schaftlicher Basis zusammen; dies brachte mit sich, daß sie bei ihren Zus am- 42 Vgl. dazu Schulz-Falkenthal, Magistratswahlen bes. 27-29. 43 Für den römischen Bereich: Bleicken, Verfassungs- und Sozialgeschichte 88f: Berufs-, Geselligkeits- und Bestattungsvereine; Fellmeth, Vereine 29f Anm.l: religiöse GeseIlig- keitsvereine und Berufsvereine; Kornemann, Art.: Collegium 385: "I) die rein religiösen und Sterbevereine, 2) die Verbände von Berufsgenossen der verschiedensten Art" (so auch Waszink, Art.: Genossenschaft 102); LaPiana, Groups 237: religiöse, Berufs- und Begräbnisvereine. Für den griechischen Bereich: Tod, Art.: Clubs 255: religiöse, Händler-, Berufsvereine; Ziebarth, Vereinswesen 4: Vereine zu gemeinsamem Nutzen, zu gemeinsamem Vergnügen, Familiengenossenschaften. 44 Letzteren war erst ab Hadrian die Vereinsbildung allmählich gestattet (vgl. Kornemann, aaO.400.) 45 Vgl. Dill, Society 266f; Kornemann, aaO. 402; Stevenson, Art.: Clubs 256; Vittinghoff, Gesellschaft 211 ., menkünften die aus der gemeinsamen Heimat vertrauten Gottheiten verehr- ten. Andere Berufe verehrten Götter oder Heroen, die ihnen in besonderer Weise nahestanden (wie z.B. Aesculap den Ärzten). Kultische Verehrung hatte andererseits häufig die Form gemeinsamer Opfermähler; auch religiöse Vereine besaßen damit ein starkes geselliges Element. Umstritten ist die Verbreitung der Begräbnisfürsorge. Ihrem Wesen nach ist sie bei den ärmsten Vereinen am ehesten zu erwarten,46 d.h. eher bei religiös als bei beruflich motivierten Verbindungen.47 Es gibt"aber keine antike Bezeichnung speziell für Begräbnisvereine (der Begriff collegium funeraticium ist modern und wurde vermutlich von Mommsen eingeführt).48 Der Grund darur liegt wohl darin, daß die Begräbnisfürsorge eben nur einer von verschiedenen Vereins- zwecken war, der bei ärmeren Vereinen mehr und bei etwas besser gestellten Vereinen weniger im Vordergrund stand. Wenn das genannte Senatus Consultum als erlaubte collegia tenuiorum nicht nur Begräbnisvereine, son- dern verschiedene Arten von Vereinen kleiner Leute einstufte (vgl.o.), dann gab es auch von daher kein Motiv, sich als spezieller und ausschließlicher Begräbnisverein zu konstituieren. 49 Im griechischen Bereich liegen die Dinge ähnlich. Auch hier ist eine Abgrenzung der Vereine nach ihren Zwecken schwierig, weil diese üblicher- weise mehrschichtig sind und sich religiöse (auch als Begräbnisfürsorge) mit geselligen Aspekten (auch als Zusammenschluß von Berufskollegen) verbin- den. Aufs Ganze gesehen lassen sich hier im Vergleich mit dem römischen Vereinswesen zwei Tendenzen erkennen: 1. Vereine von Berufsgenossen und solche mit dem Hauptzweck der Begräbnisfürsorge sind seltener und treten später auf, z. T. unter römischem Einfluß.so 2. Der religiöse Aspekt tritt in allen Typen stärker hervor. 51 Zusammenfassend können wir als Ergebnis dieses knappen Überblicks festhalten: Von den allgemeinen Motiven des Zusammenschlusses im Verein, der Stellung des Vereins im und zum Staat und den Vereinszwecken her las- sen sich bei aller Differenzierung doch deutliche Übereinstimmungen erken- nen. Diese werden noch stärker hervortreten, wenn wir die Rolle der Patro- 46 Gegen Ausbüttel, Untersuchungen 34. 47 Daß Berufsvereine im allgemeinen sozial höher stehen, hat Fellmeth, Vereine 87-92, über- zeugend gezeigt. VgI. dazu auch u. § 5,3. 48 Vgl. Schiess, Collegia 1; Vittinghoff, Gesellschaft 210. 49 Gegen Dill, Society 255. 50 VgI. Bömer, Untersuchungen IV,1095-1097 (=239-241); Stöckle, Art.: Berufsvereine 155.202; Ziebarth, Vereinswesen 17.99-109; ferner Burford, Craftsmen 159; Mommsen, Collegiis 116; Poland, Geschichte 529. 51 VgI. Tod, Art.: Clubs 255; Stöckle, aaO. 199., ne,52 die Ämterstruktur 53 und die Vereinsversammlungen 54 in den Blick nehmen. Was die hellenistischen Vereine von den römischen trennt, tritt ge- genüber den Gemeinsamkeiten in den Hintergrund. Im römischen Kaiserreich werden diese durch zunehmenden Einfluß des römischen Vereinswesens im griechischen Osten noch verstärkt. 55 Die griechischen und lateinischen Ver- einsinschriften aus dem römischen Reich des 1. bis Mitte des 3. Jahrhunderts n.Chr. lassen sich deshalb für unsere Zwecke miteinander und mit den Nachrichten aus paulinischen Gemeinden vergleichen; mit gewisser Vorsicht können wir auch Quellen aus hellenistischer Zeit heranziehen. Eine abschließende Bemerkung zur Überlagerung des griechischen durch das römische Vereinswesen: Eine solche ist natürlich am ehesten dort zu er- warten, wo die Bevölkerung stark gemischt ist. Besonders relevant sind in dieser Hinsicht die römischen Kolonien im Osten, für unsere Interessen spe- ziell Korinth. Diese seit 146 v.Chr. verödete Stadt wurde 44 v.Chr. auf Anordnung Caesars kolonisiert, d.h. mit römischen Freigelassenen, stadt- römischer plebs und mit Veteranen besiedelt. 56 Der römische Charakter der Bevölkerung war schon in der Architektur (Basiliken, Amphitheater) erkenn- bar. Das soziale, politische und religiöse Leben der Stadt wurde bis ins 3.Jh.n.Chr. von den Nachkommen der ersten Siedler und der fruh zugezoge- nen römischen Bürger dominiert. Die Zusammensetzung und kulturelle Ausrichtung der Gesamtbevölkerung wandelte sich aber so deutlich, daß be- reits im 2.Jh.n.Chr. Favorinus Korinth als gänzlich hellenisiert bezeichnete. Die Grunde für diese Verschiebung sind einerseits der Zuzug von Griechen aus der Umgebung, die von der expandierenden Wirtschaft Korinths angezo- gen und gebraucht wurden, andererseits einfach die Anpassung der Siedler aus Italien an ihre griechische Umwelt. 57 Von dieser Umschichtung und Überlagerung war das soziale Leben und damit auch das Vereins wesen sicher betroffen. Gerade für die korinthische Gemeinde, über wir am besten infor- miert sind, ist also Vergleichsmaterial sowohl aus griechischen wie römi- sehen' Vereinen sinnvoll zu verwenden. 52 Vgl. dazu u. § 5,1. 53 Vgl. dazu u. § 5,2. 54 Vgl. dazu u. § 5,3. S5 Vgl. dazu Ziebarth, Vereinswesen 125f; Bömer, Untersuchungen IV,1096 (=240); Po- land, Geschichte 529; Stöckle, Art.: Berufsvereine 199. 56 Zur Geschichte Korinths als römische Kolonie vgl. Engels, Roman Corinth 16-21. 57 Zu diesem Prozeß vgl. Engels, aaO. 67-73., § 5) Vereinsstrukturen Die Grundstruktur der meisten Vereine ist aus den genannten Mitgliederlisten erkennbar. Es lassen sich drei Gruppen unterscheiden: Patrone, Amtsträger und einfache Mitglieder (letztere heißen in römischen Vereinen die plebs col- legii). In. unserem Zusammenhang sind zunächst die beiden ersten Gruppen relevant: Wie verhalten sie sich im sozialen Status zueinander und zur dritten Gruppe? Anschließend ist dann auch die Frage nach Statusdifferenzierung un- ter den einfachen Mitgliedern zu stellen. 1. Vereinsp atrone Patron eines Vereins kann ein Mann oder/und eine Frau sein, manchmal auch eine ganze Familie. 58 Ein Verein hat oft mehrere Patrone, ein Patron fungiert als solcher oft für mehrere Vereine. Dies illustrieren schön zwei Inschriften aus Ostia: Die eine belegt einen Verein mit neun Patronen, davon vier Sena- toren und fünf Rittern;S9 die andere ehrt einen decurio, der Patron von 13 Vereinen war. 60 In den Inschriften begegnen neben patronus/patrona auch ~­ ter/mater collegii. Die weibliche Form bezieht sich teilweise auf die Frau des Patrons, manchmal aber auch auf eine selbständige Patronin. 61 "Vater" und "Mutter des Vereins" sind Ehrentitel, die neben den Patronen auch an andere um den Verein verdiente Persönlichkeiten verliehen werden können. 62 Der Patron tritt vor allem als Wohltäter des Vereins in Erscheinung: Er stiftet z.B. einen Platz für die Versammlungen, für den Kult, für die Bestat- tung der verstorbenen Mitglieder. 63 Er übergibt dem Verein oft ein Stiftungs- kapital, aus dessen Zinsen Festmähler bestritten und Geldgeschenke verteilt werden; die höchste belegte Stiftungssumme beläuft sich immerhin auf 50.000 Sesterzen. 64 Schließlich fördert und schützt der Patron den Verein durch seinen Einfluß in der Öffentlichkeit. 65 58 V gl. ILS 11/2,7217.7218.7221. 59 Vgl. Liebenam, Geschichte 187 (hier auch weitere Beispiele). 60ILS II/2,6146; englische Übersetzung bei Sherk, Roman Empire 183f. 61 Vgl. Komemann, Art.: Collegium 424; Liebenam, Geschichte 218; Waltzing, Etude 1,430. - So werden z.B. im Verein für Aesculap und Hygia die beiden voneinander unab- hängigen Stifter des Vereinsvermögens pater und mater collegii genannt (Z.10). 62 Vgl. Komemann, aaO. 425; Waltzing, aaO. 447f. 63 Vgl. den Verein für Aesculap und Hygia: Die Stifterin schenkt "dem Verein ein Häuschen mit Anhau, ein Aesculapbild aus Mannor und eine bedeckte Terrasse, damit die Mitglie- der des genannten Vereins an diesem Ort speisen können." (Z.3f). 64 So ebenfalls im Verein für Aesculap und Hygia. Ein zweiter Patron hat in diesem Verein noch 10.000 Sesterzen dazugelegt, aus deren Zinsen bei bestimmten Gelegenheiten zur Erinnerung an seinen Bruder Geschenke verteilt werden sollen (Z.17-19). 65 Zu den Aufgaben eines Patrons vgl. Waltzing, Etude I,426f.43lf., Der Verein sucht sich seinen Patron meist selb!\t. Hat sich die Vereins- versammlung auf eine bestimmte Person geeinigt, wird diese durch eine Abordnung gebeten, die Wahl anzunehmen. Oft werden das Angebot und die Übernahme eines Patronats in Form einer Inschrift oder einer Statue veröf- fentlicht, deren Bezahlung bereits Sache des neuen Patrons ist. 66 Jeder Verein steht insofern im Wettbewerb mit anderen, als alle ver- ständlicherweise einen möglichst reichen und einflußreichen Patron gewinnen möchten. Dabei gibt offenbar der soziale Status des Vereins die Grenzen vor. Alte, große, angesehene Vereine haben als Patron oft einen Senator, Vereine mit geringerem. Status können nur einen Patron aus dem Ritterstand aufwei- sen; mit abnehmendem Status des Vereins werden Dekurionen, frei geborene römische Bürger und schließlich auch Freigelassene zu Patronen gewählt. 67 Detailliert belegt wird diese Stufenfolge von U. Fellmeth: Im Vergleich zwi- schen religiösen Geselligkeitsvereinen und (sozial höherstehenden) Berufsver- einen kommt er zu dem Ergebnis, daß Berufsvereine mehr Patrone aufwiesen und daß nur ihre Patrone wenigstens teilweise aus dem Senatoren- und Ritter- stand kamen, während die religiösen Vereine mit freigeborener plebs oder Freigelassenen als Patronen zufrieden sein mußten. 68 Die Deutung dieses Befunds ist nicht schwierig: Der soziale "Marktwert" eines Patrons und eines Vereins müssen einander entsprechen. 69 Höher ge- stellte Patrone bieten mehr Schutz und finanzielle Unterstützung für ihren Verein, höher gestellte Vereine bieten mehr Ehre und Prestigegewinn für ihren Wohltäter.7o Da sich die Vereine nur aus den niedrigeren Schichten (den humiliores) rekrutieren, Patrone dagegen aus sehr verschiedenen Schich- ten kommen (von den höchsten honestiores bis hinunter zu einfachen humi- liores), unterscheidet sich der Status verschiedener Patrone viel mehr als der verschiedener Vereine. 66 Vgl. dazu Liebenam, Geschichte 218f; Schiess, Collegia 70. 67 Vgl. Dill, Roman Society 274f; Waltzing, Etude 1,440-442. 68 Zur Zahl der Patrone: Im Durchschnitt sind bei Berufsvereinen 6,5 % der gesamten Ver- einsmitglieder Patrone, bei den religiösen Vereinen nur 0,5 % (so Fellmeth, Vereine 90); das bedeutet (bei Mitgliederzahlen meist zwischen 30 und 100), daß Berufsvereine oft mehrere, religiöse Vereine dagegen nur einen oder gar keinen Patron haben (ähnlich auch Schiess, Collegia 69, für das Verhältnis von collegia opiticum und collegia funeraticia). Zur sozialen Stellung: Unter den Mitgliedern der Berufsvereine sind ca. 1,2 % Senatoren und 0,6 % Ritter (eben als Patrone), unter denen der religiösen Vereine gar keine Angehö- rigen dieser Stände (so ders., aaO. 89; vgl. auch ders., Bewußtsein SSf). 69 Ähnlich Liebenam, Geschichte 212. 70 Schulz-Falkenthal, Magistratswahlen 25, weist darauf hin, daß in den Munizipien der frü- hen Kaiserzeit die Patrone von ihren Vereinen auch Unterstützung bei den Magistrats- wahlen erwarteten., Daraus ergibt sich eine unterschiedlich große, in vielen Vereinen aber beträchtliche soziale Kluft zwischen Patron(en) und Mitgliedern. Allerdings dürfte diese Kluft für das Vereinsleben kaum ein Problem gewesen sein, denn die Patrone waren in der Regel eine Art Ehrenvorsitzende, keine ei- gentlichen Mitglieder. Sie nahmen an den normalen Versammlungen nicht teil, übten auch keine Leitungsfunktionen aus und machten dem Verein keine Auflagen (abgesehen davon, daß sie einen Zweck für die Verwendung ihrer Stiftung festlegten).71 Dies belegt z.B. der Brief eines Patrons an ein colle- gium fabrum in Narbonne, in dem er regelt, wie seine Spende zu verwenden ist: An seinen Geburtstagen sollen die Zinsen an die Mitglieder verteilt wer- den, die sich - offensichtlich in seiner Abwesenheit - zu einer Party versam- mein. 72 Eine Ausnahme von der Regel, daß Patrone keine eigentlichen Mitglie- der sind, sind z. T. Vereine, die sich in Haushalten konstituieren.73 Hier fun- giert der männliche oder weibliche Haushaltsvorstand als Patron.74 Aller- dings wird man unterscheiden müssen, welcher Art der betreffende Verein ist: Bei einem Begräbnisverein, wie er in der bekannten Inschrift aus dem Haus der Sergia Paullina bezeugt ist,75 liegt die Annahme nahe, daß die Her- rin des Hauses ihn zwar gefördert und tatsächlich als seine Patronin fungiert hat, sich aber nicht selbst am Vereinsleben beteiligte. Anders bei Kultverei- nen: Die oben vorgestellte Inschrift des Dionysios zeigt, daß dieser Mann, vermutlich in seinem eigenen Haus, einen Verein zur Verehrung verschiede- ner griechischer Götter gegründet hat; er war dann also Gastgeber und damit Patron, nahm aber auch selbst am Kult teil. 76 Ebenso im Fall eines Bacchus- vereins im Haus der Pompeia Agripinilla (2.Jh.n.Chr.) nahe bei Rom: In die- 71 So auch Bire, Collegium 5; Countryman, Patrons 136; Schiess, Collegia 69; Waltung, Etude 1,439; gegen MacMullen, Relations 124f. 72 ILS II/2,7259. 73 Es gab noch weitere Fälle, wo die Rollen von Patron und Amtsträger in einer Person zu- sammenkamen. So konnte ein Amtsinhaber bei außerordentlichen Verdiensten zum Patron gewählt werden (vgl. Liebenam, Geschichte 217). Bei den straff organisierten Vereinen der fabri, die auch die Aufgabe einer Feuerwehr hatten, konnte der praefectus fabrum zugleich ihr Patron sein; vgl. dazu Ausbüttel, Untersuchungen 72. Im oben vorgestellten Verein der Iobacchen wird der berühmte Herodes Atticus zum neuen Priester (und damit Präsidenten) bestellt; es sieht allerdings sehr danach aus, daß seine Funktion mehr die ei- nes Patrons war, der dem Verein nur seinen Namen und seinen Einfluß zur Verfügung stellte, denn seine erste Amtshandlung war die Ernennung des bisherigen Präsidenten zum Vizepräsidenten, der offenbar weiterhin die Geschäfte führte (Z.9f). 74 Darauf weisen Meeks, Christentum 69, und Chow, Patronage 68, hin. 75 eIL VI/2,9148. 76 Vgl. Barton - Horsley, Cult Group 22., sem Verein mit fast 400 Mitgliedern von sehr unterschiedlichem Status nahm die Gastgeberin die Aufgaben einer Priesterin wahr. 77 Hier fällt auch die übliche Trennung zwischen Patron und Amtsträgern weg, die sich sonst ein- fach aus dem Unterschied in der sozialen Stellung ergibt. 2. Vereinsämter Die Amtsstruktur der Vereine ist zwar ausgesprochen vielfältig, läßt aber eine gemeinsame Tendenz erkennen: die Bemühung, Ämter des öffentlichen Lebens zu kopieren. 78 Darauf weisen vor allem die Titel hin, die meistens von Ämtern der imperialen oder städtischen Verwaltung genommen sind. Oft begegnet ein regelrechter cursus honorum; manche Vereins mitglieder werden auf Inschriften gerühmt als solche, die alle Ämter innegehabt haben. 79 Der Vorsitzende 80 wird in der Regel unter den Mitgliedern gewählt, nur in Ausnahmefällen von außen geholt. Prinzipiell ist dieses wie die übrigen Ämter auch für Frauen 81 und Sklaven zugänglich. 82 Der Vorsitzende heißt oft magister oder (magister) quinquennalis, in Kultvereinen auch i.epelli;, sa- cerdos. Die Amtszeit beträgt meist ein oder fünf Jahre; Wiederwahl ist möglich und häufig, und manche Vereinen vergeben das Amt sogar auf Le- benszeit (was zu dem in sich widersprüchlichen Titel quinquennalis perpetuus führen kann). Der Inhaber dieses Amtes ist im wesentlichen für die Durch- führung des Kults, der Vollversammlungen und der Festmähler und für die Umsetzung der Vereinsbeschlüsse verantwortlich.83 Unterhalb des Präsiden- ten bzw. Priesters gibt es eine je nach Größe und Art des Vereins verschie- den ausgeprägte Stufenfolge von Ämtern; bei den Iobacchen z. B. sind das: OtJl6Lepev<; (stellvertretender Priester, der wie der Priester Gottesdienste und Predigten hält), a.PXLßCXKXO<; (Oberbacchos, der die Opfer darbringt und zu- sammen mit dem Priester das Rederecht verteilt und Beschwerden entgegen- nimmt), 1rpoe5po<; (Vorsitzender der Vereinsversammlung), TCXP.LCX<; (Schatz- 77 Text und Besprechung dieser Inschrift bei Vogliano, Iscrizione. 78 Vgl. Alföldy, Sozialgeschichte 119; Dill, Society 269; Foucart, Assiociations 51; Kome- mann, Art.: Collegium 421; Waltzing, Etude 1,383; Ziebarth, Vereinswesen 147. 79 Vgl. Fellmeth, Vereine 139; Komemann, aaO. 420; Schiess, Collegia 42; Waltzing, aaO. 383; Ziebarth, aaO. 146. 80 In römischen Vereinen wird dieses Amt oft kollegial, also nicht nur von einer Person, wahrgenommen; vgl. Waltzing, aaO. 388. 81 Vgl. Schiess, Collegia 74f mit Anm.238 und 239: Frauen sind als magistrae, sacerdotes. curatores, decuriones etc. bezeugt, allerdings nur für Begräbnisvereine. 82 Vgl. Fellmeth, Vereine 123; ders., Bewußtsein 60; Liebenam, Geschichte 204; Waltzing, Etude 1,386; zu Einschränkungen vgl. aber u. 83 Zum Amt des Vereinsvorsitzenden vgl. bes. Fellmeth, Vereine 148; Liebenam, aaO. 205; Waltzing, aaO. 389-393., meister), ßOVKOALKOr; (?), ferner der eÜKOUJl.0r; (Verantwortlicher für Ruhe und Ordnung) und die L1r1rOL ("Pferde", Rausschmeißer).84 In römischen Ver- einen begegnen häufig die Titel curator, quaestor, decurio bzw. decuma- nus,85 scriba. 86

Die Aufgaben des Vorsitzenden beschränken sich nicht auf die Verwal-

tung. Es- wird von ihm auch erwartet, als Wohltäter des Vereins aktiv zu werden, wenn auch nicht ie demselben Maße wie der Patron. 87 In besser ge- stellten Vereinen stiftet er einen Altar oder eine Statue des Vereinsgottes. In der Inschrift des Vereins für Aesculap und Hygia heißt es unbestimmt: " ... ein Mahl, das der Quinquennalis OfIlius Hermes alle Jahre den Anwesenden zu geben versprochen hat, oder Geschenke, wie er sie gewöhnlich gibt. "88

Nach der Satzung des einfachen Vereins von Lanuvium muß der quinquenna-

lis den Kult mit Wein und Weihrauch vollziehen, die er vermutlich selbst be- reitzustellen hat, und die Vereinsmitglieder mit Öl für den gemeinsamen Bad- besuch vor den Festmählern ausstatten. 89

Die Wahl zum Vorsitzenden bedeutete deshalb eine finanzielle Last. Nicht jedes Mitglied war fähig oder willens, diese Verpflichtungen zu erfül-

len. 9o Je größer die Unterschiede im Wohlstand der Vereinsmitglieder waren, desto mehr mußten die Ämter von einer wohlhabenden Gruppe im Verein monopolisiert werden, von Reichen, die dann z. T. auch gleichzeitig Ämter in anderen Vereinen innehatten. 91 Es ist auffällig, daß sich gerade in höherste- henden Vereinen die Rolle des Vorsitzenden an die eines Patrons annähert. 84 Z.20f.122f.136.144. Zu den einzelnen Ämtern in griechischen Vereinen vgl. Stöckle, Art.: Berufsvereine 187-192; Ziebarth, Vereinswesen 153-156. 85 Die Versammlung der Dekurionen oder Dekumanen (zumindest ursprünglich Vorstände einer decurio, einer Untergruppe der plebs collegii) bildete vor allem in großen Vereinen (z.B. in einem römischen collegium fabrum tignuariorum mit ca. 1.500 Mitgliedern und 60 Dekurionen, vgl. Waltzing, Etude 1,379) eine Art Exekutive, die die Vollversammlung von weniger wichtigen administrativen Angelegenheiten entlastete; vgl. dazu Fellmeth, Vereine 115-117; ders., Bewußtsein 57-59; Robertis, Contributi 75; Schiess, Collegia 63- 66.80; Waltzing, aaO. 358-362.379-382. 86 Zu diesen und weiteren Ämtern vgl. bes. Schiess, aaO. 42-68; Waltzing, aaO. 406-425. 87 Vgl. dazu Ausbüttel, Untersuchungen 43f.52.55; Waltzing, aaO. 396f; Ziebarth, Vereins- wesen 157. 88 Z.14. 89 II,29f. 90 Vgl. Ausbüttel, Untersuchungen 47: "Namentlich der Vorstand und die einfachen Mitglie- der werden sich nach ihrer Vermögenslage unterschieden haben."; vgl. ders., aaO. 43. Vgl. auch Burford, Craftsmen 163: Die Monopolisierung der Ämter durch eine kleine Gruppe zeigt sich z.B. darin, daß manchmal Vater und Sohn in denselben Ämtern begeg- nen. In die gleiche Richtung gehen die Ausführungen von Fellmeth, Vereine 142, und Waltzing, Etude 1,385.396. 91 Vgl. Waltzing, aaO. 398f.,

Die Amtszeiten sind hier länger, wenn nicht sogar lebenslänglich. 92 Verglei-

chen wir die oben vorgestellten Vereinssatzungen und -dekrete in dieser

Hinsicht: 93 In dem armen Verein von Lanuvium war der quinquennalis offen-

bar ein (wohl alle fünf Jahre) wechselndes Amt; interessant ist aber, daß wir hier einen magister cenarum finden, ein Amt, das unter allen Mitgliedern ro- tiert (nur der Vorsitzende war von dieser Rotation für seine Amtszeit ausge- nommen): "Wer in dem Jahr, in dem er aufgrund der Abfolge der Mitglie- derliste das Amt hat, für das Vereinsmahl zu sorgen, dieser Pflicht nicht nachkommt und es nicht tut, der muß 30 Sesterzen in die Kasse zahlen; der (auf der Liste) folgende muß das Essen geben" .94 Auf diese Weise wurden hier jedes Jahr vier magistri cenarum bestimmt, die sechs Vereinsmähler ausrichten und dafür jeweils eine Amphore guten Wein und für jedes

Mitglied zwei Brote, vier Sardinen, Besteck, warmes Wasser und Bedienung

bereitstellen mußten. 95 Jeder war irgendwann an der Reihe, einschließlich der

Sklaven. 96 Im Begräbnisverein von Alburnum maius (ILS 11/2,7215) gab es zwei

offenbar wechselnde 97 Magister, die wohl den Kult, die Vollversammlungen und die Festmähler veranstalteten, und zwei Quaestoren, die vermutlich wie überall das Vereinsvermögen verwalteten. 98 Im wesentlich besser gestellten

Verein für Aesculap und Hygia begegnet ein quinquennalis auf Lebenszeit,

der jedes Jahr ein Essen gibt und Geschenke verteilt. 99 Bei den ebenfalls nicht schlecht gestellten Iobacchen wird der bisherige Priester nach 17 (!)

Jahren als stellvertretender und 23 (!) Jahren als Priester durch den beTÜhm-

92 Vgl. Schiess, Collegia 4S Anm.7S: Für Handwerkervereine ist der quinquennalis perpe- tuus häufiger bezeugt als für Begräbnisvereine. 93 Die Inschrift des Dionysios enthält keine Aussagen zu Ämtern und bleibt hier außer Betracht. Barton - Horsley, Cult Group 22, erklären dieses Fehlen formeller Ämter damit, daß der Verein erst seit kurzem bestand und noch klein war. 94 11,8-10. 95 II,ISf. Vermutlich bestanden die Mähler nicht nur aus Wein, Brot und Sardinen; der Spei- seplan wurde wohl entweder durch den Patron (so Waltzing, Etude 1,421) oder durch die einzelnen Mahlteilnehmer (so Mommsen, Collegiis 109) aufgebessert. 96 Eine ähnliche Rotation findet sich in einem römischen Verein von Elfenbeinhändlern aus der Zeit Hadrians (lLS II/2,7214): In jedem Jahr sind 4 curatores nach der Reihenfolge der Mitgliederliste zu bestellen, die für Wein, Brot und warmes Wasser sorgen müssen. Der Text dieser Stelle ist allerdings unsicher. Nach Gradenwitz, Statut 81, wurde in die- sem Verein statt der Rotation das "Princip der Anciennetätn angewendet. 97 Der Inschrift zufolge hat der zweite Magister dieses an Mitgliederschwund leidenden Ver- eins sein Amt gar nicht erst angetreten. Die Dauer der Amtszeit ist allerdings nicht ersichtlich. 98 Vgl. Biro, Collegium 4f. 99 Z.10.14., ten Herodes Atticus abgelöst; 100 dieser war aber, wie gesagt, offenbar mehr ein Aushängeschild. lol Natürlich war es nicht nur eine Last, sondern auch eine Ehre, zum Vorsitzenden oder in ein anderes Amt gewählt zu werden. Wie das Patronat einen Prestigegewinn im Rahmen der städtischen Gesellschaft bedeutete, so brachte ein Amt eine entsprechende Steigerung der Geltung im Rahmen des Vereins mit sich. Dieser Zuwachs an Prestige wird an solchen Details sicht- bar wie der Regelung, daß ein Amtsträger bei den Verteilungen von Wein, Speisen oder Geld größere Anteile erhält. In Lanuvium bekommt der amtie- rende quinquennalis von allen Zuwendungen das doppelte, nach Ende seiner Amtszeit das anderthalbfache. 102 Er wird auch in besonderer Weise gegen Beleidigungen geschützt: "Wenn jemand einen anderen beleidigt oder Unruhe stiftet, soll er eine Strafe von 12 Sesterzen erhalten. Wenn jemand während des Mahls den Quinquennalis beleidigt oder beschimpft, soll er eine Strafe von 20 Sesterzen erhalten. "103 Solche Regelungen haben unter anderem den Zweck, Mitglieder zu motivieren, trotz der damit verbundenen Last Ämter zu übernehmen. 104 Sie sind eine Art Entschädigung, insofern sie eine soziale Hierarchie schaffen oder verstärken und den Amtsträgern zu gesteigertem Status verhelfen. Dies ist besonders daran erkennbar, daß die Geschenkzutei- lungen sich nicht nach der Bedürftigkeit, sondern nach dem Rang eines Mitglieds richten; 105 außerdem erhalten ja Patrone und Amtsträger höhere Zuteilungen von den Geschenken, die sie zuvor selbst gestiftet haben! 3. Vereinsmitglieder Die Vielfalt der Vereine drückt sich sehr deutlich in den unterschiedlichen Mitgliederzahlen aus. Eines der größten Kollegien mit 1.500 Mitgliedern hat bereits im letzten Punkt eine Rolle gespielt. 106 Solche Zahlen sind die Aus- 100 Z.5-10. 101 Für die griechischen Berufsvereine weist Stöckle, Art.: Berufsvereine 193, darauf hin, daß hier die Amtszeit sehr oft länger als ein Jahr war; er nennt drei Fälle lebenslanger Amtszeit. 102 II,18-22. Weitere Beispiele bei Liebenam, Geschichte 201. Der Vorsitzende des Vereins von Lanuvium (und auch vieler anderer Vereine, vgl. Schiess, Collegia 68; Ziebarth, Ver- einswesen 148) war zudem von der monatlichen Beitragszahlung befreit. In einem Begräb- nisverein in Ostia bekam der Vorsitzende am Tag seiner Wahl 240 Sesterzen, einerseits als Unterstützung für die Erfüllung seiner Aufgaben, andererseits aber auch als besondere Ehre (vgl. Robertis, Contributi 59t). 103 II,26-28. 104 So auch Ausbüttel, Untersuchungen 57. 105 Vgl. Waltzing, Etude 1,402f. 106 Burford, Craftsmen 162, nennt ein weiteres Großkollegium von Schreinern und Bauhand- werkern mit 1.000-1.200 Mitgliedern., nahrne. Nur selten haben Vereine mehr als 100 Mitglieder, nur selten weni- ger als 10. Meistens bewegen sich die Zahlen zwischen 20 und 50. 107 Der Verein für Aesculap und Hygia 108 und der genannte Begräbnisverein von Ostia waren mit 60 bzw. 80 leicht größer; der Verein von Alburnum maius löste sich auf, als von den ursprünglich 54 nur noch 17 Mitglieder übrig wa- ren. Der Beitritt zu einem Verein war für die meisten Mitglieder mit einem sozialen Aufstieg verbunden. In der Hierarchie der Städte des römischen Kai- serreichs gehörten die collegiati zwar weiterhin zur plebs, standen aber eine Stufe höher als die übrige plebs urbana, also direkt unterhalb der Augustales (aufgestiegene Freigelassene, die für den Kaiserkult verantwortlich waren).109 Dessen ungeachtet ist das soziale Niveau der verschiedenen Vereine und Ver- einsarten recht verschieden. Besonders die Untersuchungen von Fellmeth, auf die bereits hingewiesen wurde, haben gezeigt, daß Vereine, die sich aus einer bestimmten Berufsgruppe rekrutierten, insgesamt sozial höher standen als re- ligiöse Vereine, die vor allem Begräbnisfürsorge betrieben. In allen Vereins- typen (zumindest des römischen Bereichs) sind Freigelassene und Sklaven zu- sammengenommen in der Mehrzahl; das Verhältnis zwischen frei geborenen und unfrei geborenen Mitgliedern ist aber bei Berufsvereinen 35:65, bei reli- giösen Vereinen 17:83. Während in Berufsvereinen praktisch keine Sklaven begegnen, machen solche in religiösen Vereinen fast 19 % aller Mitglieder aus. 110 Auch wenn die Auswertung der Namenslisten, die diesen Statistiken zugrundeliegen, nicht überall zweifelsfrei möglich ist,111 dürfte dieses Ergeb- nis doch realistisch sein. 112 Eine andere Auffassung hat F.M. Ausbüttel vorgetragen. ll3 Ihm zu folge hatten die collegia tenuiorum keineswegs alle den Hauptzweck der Begräbnis- fürsorge; sie rekrutierten sich auch nicht aus den Armen oder gar Ärmsten, sondern aus relativ wohlhabenden Leuten. Der erste Teil dieser These ist, 107 Vgl. Fox, Pagans BB; Kornemann, Art.: Collegium 417; MacMullen, Relations 82; Po- land, Geschichte 287; Tod, Streiflichter 55; Stöckle, Art.: Berufsvereine 184. 108 Z.5. 109 Vgl. dazu Ausbüttel, Untersuchungen 48; Bleicken, Verfassungs- und Sozialgeschichte 91; Kornemann, Art.: Collegium 414; Schulz-Falkenthal, Magistratswahlen 26. 110 So Fellmeth, Vereine 88f; vgl. ders., Bewußtsein 54. 111 Zu den Problemen der Auswertung von Namen vgl. Foucart, Associations 7; Fellmeth, Vereine 67-75. 112 Zur sozialen Stellung von religiösen Vereinen vgl. Komemann, Art.: Collegium 387; Waszink, Art.: Genossenschaft 104. Speziell zu Begräbnisvereinen: Bömer, Untersuchun- gen I,464-466 (=90-92); Hopkins, Death 213; LaPiana, Groups 273f. 113 Untersuchungen 42-47., wie wir oben gesehen haben,114 nicht neu: Das Begräbnis kann in den Verei- nen, von denen Marcian spricht, mehr (so im Verein von Lanuvium) oder weniger (so im Verein für Aesculap und Hygia) im Vordergrund stehen. Neu (oder doch fast neu)115 ist dagegen der zweite Teil. Ausbüttel stützt seine Meinung vor allem auf vier Argumente:· 1. Die Bestattungskosten waren für arme Bevölkerungsschichten zu hoch. 2. Viele Vereine besaßen eigene Ge- bäude. 3. Die Amtsträger schenkten dem Verein z. T. große Summen. 4. Die Eintrittsgelder, Monatsbeiträge und Strafgebühren der Vereine waren für Arme nicht bezahlbar. 116 Die beiden ersten Argumente sind nicht überzeugend. Gerade weil die Bestattungskosten so hoch waren, daß Arme sie allein nicht tragen konnten, schlossen sie sich ja in Vereinen zusammen. Die Vereinsgebäude wurden meist von Patronen gestiftet. Die beiden übrigen Argumente leiden darunter, daß Ausbüttel keinen Unterschied zwischen verschiedenen Vereinstypen macht. Obwohl sich tatsächlich in der Regel verschiedene Vereinszwecke überlagerten, gab es doch vorrangige Anliegen, die mit der sozialen Stellung der Mitglieder zu tun hatten. Für Vereine, deren Mitglieder sich primär nach beruflichen Gesichtspunkten verbanden, war die Begräbnisvorsorge nur ein sekundärer Aspekt. Die von Ausbüttel angeführten Geschenke von Amtsträ- gern sind zum großen Teil aus Inschriften solcher Berufsvereine genommen. Die Beispiele für Beitrittsgelder stammen weitgehend von Militärkollegien. Daneben verweist Ausbüttel allerdings auf die für den Begräbnisverein von Lanuvium bezeugte Eintrittssumme von 100 Sesterzen und einer Amphore guten Wein (im Wert von vielleicht 50-70 Sesterzen). 117 Zum einen ist diese Summe aber die höchste, die für einen Begräbnisverein bezeugt ist,118 zum anderen dürfte sie nur gut zwei Monatslöhnen eines Tagelöhners entspre- chen; 119 sie war damit zwar hoch, angesichts der Bedeutung eines würdigen Begräbnisses aber auch von Armen aufzubringen. Die Strafgebühren von La- 114 Vgl. o. § 4,2. 115 Bereits Liebenam, Geschichte (1890) 264, war der Ansicht, die Kosten der Begräbnisver- eine seien für die ärmste Bevölkerung unerschwinglich gewesen. 116 Ein fünftes Argument, das auf die hohe rechtliche und soziale Stellung von Amtsträgern (Ritter, Dekurionen) und Mitgliedern (Ausbüttel, Untersuchungen 47: "eher Arbeitgeber als einfache Arbeiter") abhebt, übergehe ich hier, weil die angeführten Beispiele nur für Berufsvereine zutreffen. 117 Ausbüttel, aaO. 46, nennt als Vergleichszahlen die Weinpreise in Pompeii und Hercula- neum im l.Jh.n.Chr. (12-54 Sesterzen) und in Rom im 2.Jh.n.Chr. (bis zu 88 Sesterzen). 118 Vgl. Fellmeth, Vereine 96. 119 Ein Tagelöhner verdiente pro Tag bis zu einem Denar, also 4 Sesterzen. Der monatliche Beitrag in Lanuvium betrug 5 Asse = 5/16 eines Denars, also knapp die Hälfte eines Ta- geslohns, und war damit erschwinglich., nuvium liegen nicht zwischen 12 und 1280 Sesterzen, wie Ausbüttel angibt, sondern zwischen 4 und 30. Die eindrucksvolle Strafsumme von 20.000 Se- sterzen im Verein für Aesculap und Hygia bezieht sich nur auf den Fall, in dem die Amtsträger des Vereins das Stiftungsvermögen von insgesamt 60.000 Sesterzen für einen anderen Zweck als den von den Stiftern vorgese- henen verwenden wollen,120 hat also für das normale Vereinsleben keine Be- deutung. Es ergibt sich: Die Vereine hatten eine unterschiedlich hohe soziale Stel- lung. Ihre Mitglieder sind weder, wie es in älteren Veröffentlichungen manchmal der Fall war, generell als mittellos einzustufen, noch, wie Ausbüt- tel vorschlägt, alle in relativ wohlhabenden, vom politischen Leben aber aus- geschlossenen Schichten anzusetzen. Vielmehr ist zu beachten, daß die ver- schiedenen Vereinszwecke für verschiedene Schichten interessant waren. Die oben angeführte Statistik von Fellmeth läßt sich mit diesem Grundsatz gut erklären. Wir haben bereits gesehen, daß innerhalb der Vereine eine klare Hierar- chie bestand. Schon die Mitgliederlisten mit ihrer Strukturierung Patrone - Amtsträger - einfache Mitglieder sprechen eine deutliche Sprache. Besonders wichtig in dieser Hinsicht ist die Ausgestaltung des Ämterwesens, die im vo- rigen Punkt beschrieben wurde. Die differenzierte Stufenfolge der Ämter, die städtische Ämter kopieren, das Sozialprestige, das ihnen durch Beitragsfrei- heit, höhere Anteile an Zuwendungen und durch Schutzbestimmungen ge- währt wurde, und (in manchen Vereinen) ihre Monopolisierung und Anglei- chung an das Patronat zeigen, wie stark das hierarchische Denken im Verein war. Im vorigen Punkt ist freilich auch schon eine Erscheinung des Ver- eins lebens zur Sprache gekommen, die den Abstand zwischen Amtsinhabern und einfachen Mitgliedern verringerte, d.h. die Hierarchie beschränkte: die Ämterrotation. Wenn ein für den Verein notwendiges Amt einfach nach der Reihenfolge der Namen auf der Mitgliederliste vergeben wurde, kann man wohl ein egalitäres Prinzip am Werk sehen, auch oder gerade dann, wenn es sich nur um die gleichmäßige Verteilung einer unangenehmen Pflicht han- delt. Diese Rotation läßt sich zwar nur in zwei oder drei Vereinen belegen; von den allermeisten ist aber einfach zu wenig überliefert, als daß man eine solche Nachricht erwarten könnte. Zumindest auf einen weiteren, ähnlichen Fall ist noch hinzuweisen: Im oben vorgestellten Verein der Iobacchen findet sich eine etwas rätselhafte Bestimmung, derzufolge nach dem Opfer für Dionysos bestimmte p.epTJ (Essensportionen? Geschenkanteile?) an mehrere 120 Z.19-22., Amtsträger (Priester, stellvertretender Priester, Archibacchos, Schatzmeister, ßOV1COALKOt;) und fünf Götter verteilt werden, deren Namen durch Los unter den Mitgliedern verteilt werden. 121 Offenbar kamen hier in der Rolle von Göttern einige einfache Teilnehmer in den Genuß der Vorzüge, die sonst Amtsträgern reserviert waren. 122 Ein egalitäres Element, das im Unterschied zur Rotation allen Vereinen gemeinsam ist, liegt in der entscheidenden Bedeutung der Mitgliedervoll- versammlung für das Vereinsleben. 123 Sie findet oft an bestimmten Monatsta- gen statt, entweder im vereinseigenen Haus oder im Tempel des Vereinsgot- tes. Die Leitung liegt beim Vorsitzenden. Daneben gibt es manchmal eine Art Ausschuß (z.B. der Dekurionen),124 der Anträge zur Beschlußfassung vorbereitet. Die eigentliche Vollmacht in allen Vereinsangelegenheiten liegt aber bei der Versammlung: Sie gibt dem Verein ein Statut, sie regelt laufen- de Angelegenheiten durch Dekrete, sie wählt die Amtsträger. Nicht nur der Vorsitzende oder der Ausschuß, sondern jedes Mitglied hat neben dem Rede- und Stimmrecht auch das Recht, Anträge zu stellen. Aufschlußreich ist das Verhältnis zwischen den Amtsträgern und der Versammlung. Wie sich im letzten Punkt gezeigt hat, bedeutet die Wahl in ein Amt eine Ehrung durch die Mitglieder, zugleich aber eine Verpflichtung zur Wohltätigkeit gegenüber dem Verein. Die Versammlung gewährt Pre- stige als Vorleistung für erwartbare, aber nicht festgeschriebene Spenden. Was den eigentlichen Amtsbereich betrifft, ist hier die Bindung des Amtsträ- gers an den Verein enger. Das zeigt sich zunächst in den Stratbestimmungen, die die Amtsträger nicht nur schützen, sondern auch binden können. 125 Bei den Iobacchen gab es eine Strafe von 25 Denaren, die den traf, der bei der Versammlung eine Schlägerei anfing. Die gleiche Strafe traf den Geschädig- ten, wenn er nicht beim Priester oder Archibacchos, sondern bei öffentlichen Gerichten Klage erhob, aber ebenso den 8UKOU/LOt;, einen für die Ordnung zu- ständigen Amtsträger, wenn er bei der Schlägerei nicht einschritt. 126 Im Sta- 121 Z.121-127. 122 Der Kommentar zur Inschrift in SIG3/4 III,l109 (S.273) velWeist auf die alte und verbreitete Vorstellung, daß Götter von Menschen gastlich aufgenonunen und bewirtet werden. Dieser Mythos sei hier in einem Rollenspiel repräsentiert worden. Ähnlich denkt Fox, Pagans 86, an ein heiliges Drama. 123 Vgl. dazu Fellmeth, Vereine 102-105.115-117; ders., Bewußtsein 56-59; Komemann, Art.: Collegium 426f; Schiess, Collegia 75-80; Waltzing, Etude 1,370-382; Ziebarth, Vereinswesen 144-146. 124 Vgl o. Anm.85. 125 Vgl. Liebenam, Geschichte 223f; Fellmeth, Vereine 166; ders., Bewußtsein 63. 126 Z.84-94., tut des Vereins für Aesculap und Hygia findet sich die bereits genannte Strafe von 20.000 Sesterzen für Quinquennalen und Kuratoren, die das Vereinsver- mögen anders als dem Statut entsprechend verwenden. 127 Hierher gehören auch die Bestimmungen über die Rechen- schaftspflicht. 128 Schon die Regelung im Verein von Lanuvium, wonach ein gewesener quinquennalis dann abgabenfrei bleibt, wenn er sein Amt korrekt geführt hat ("quisquis quinquennalitatem gesserit integre"), enthält wohl eine solche Vexpflichtung. 129 Besonders ist hier aber die Inschrift von Alburnum maius anzuführen, die ausdrücklich vermerkt, der zurückgetretene Vorsitzen- de habe Rechenschaft abgelegt und daraufhin die von ihm hinterlegte Kaution zurückerhalten. Eine solche Kaution diente offenbar dazu, eventuelle Regreß- forderungen zu befriedigen,l3O andererseits aber sicher auch, dem Vorsitzen- den einen Anreiz zu gewissenhafter Amtsführung zu geben. Diese enge Bin- dung der Amtsträger an den Mitgliederwillen unterscheidet die Vereine von der Verwaltung des Imperiums und der Städte. Dort hatten Amtsträger weit größere Handlungsfreiheit bzw. waren dem Ratswillen, damit aber nur einer Oligarchie innerhalb der Stadt, verantwortlich. 131 Die große Bedeutung der Vollversammlung und die Gleichberechtigung aller Mitglieder in ihr sind - im sozialen Kontext gesehen - erstaunlich, und besonders erstaunlich in Vereinen, die sich aus Personen mit unterschiedli- chem Status zusammensetzten. Bevor wir uns diesem Phänomen zuwenden, ist allerdings an das zu erinnern, was oben zum Status gesagt wurde: 132 Der Status eines Individuums oder einer Gruppe hängt von einer Vielzahl von Va- riablen ab, die ein Gesamtbild ergeben. Statusdifferenz in Vereinen kann sich deshalb vielfältig darstellen. Ich wähle vier besonders relevante Kriterien für die soziale Stellung aus: Herkunft (im Sinne der Nationalität: einheimisch - fremdstämmig), Rechtsstellung (freigeboren - freigelassen - versklavt), Geschlecht (männlich - weiblich) und Besitz (reich - arm). Es gab ohne Frage viele Vereine, die in ein oder zwei dieser Hinsichten homogen waren. Homo- genität in allen vier Punkten scheint aber eine seltene Ausnahme gewesen zu sein. 127 Z.19-22. 128 Vgl. Fellmeth, Vereine 180; ders., Bewußtsein 65. 129 Vgl. auch CIL VI,10298 (Text mit Kommentar bei Waltzing, Etude III,281-284): Der scheidende magister muß schwören, sein Amt entsprechend dem Vereinsstatut ausgeübt zu haben. 130 So Bir6, Collegium 8. 131 Dies hebt Fellmeth, Vereine 180-189, hervor. 132 Vgl.o. § 3,1., Die Herkunft spielt besonders in Kultvereinen und Vereinen solcher Be- rufe eine Rolle, die viel mit dem Ausland zu tun hatten. Kultvereine verehr- ten ursprünglich oft ausländische Gottheiten, die am Ort des Vereins nicht oder noch nicht anerkannt und verbreitet waren. Solche Kultvereine konnten von Einheimischen oder von Ausländern ins Leben gerufen und gepflegt wer- den; die Zulassung der jeweils anderen Gruppe legte sich nahe. 133 Umgekehrt war die Pflege einheimischer Kulte oft, aber nicht immer für Ausländer of- fen. 134 Für Berufe wie Händler und Kaufleute gilt: Gerade in den östlichen Handelszentren des römischen Reichs wie Delos und Rhodos gab es Vereine, die von fremdstämmigen Händlern nach landsmannschaftlichen oder von ein- heimischen Händlern nach beruflichen Gesichtspunkten gegründet wurden; eine gewisse Vermischung war auch hier naheliegend, erfolgte aber nicht im- mer. 135 In jedem der genannten Fälle gab es Motive für eine Abgrenzung (z.B. Reinerhaltung des Kults oder des gemeinsamen Erbes) und für eine An- näherung (z.B. Ausbreitung des Kults oder der Handelskontakte). Aufs Gan- ze gesehen ist für religiöse Vereine die Mitgliedschaft von Fremden häufiger bezeugt als für Berufsvereine. In den oben besprochenen Vereinsstatuten lassen sich allerdings keine di- rekten Hinweise auf die Beteiligung oder Nichtbeteiligung von Fremden fin- den. Die Inschrift des Dionysios ist so kosmopolitisch gehalten, daß man eine Offenheit gegen Fremde zumindest vermuten kann. 136 Der Begräbnisverein von Alburnum maius löste sich vielleicht deshalb auf, weil viele Mitglieder fortzogen; möglicherweise handelte es sich um Personen, die sich nur vor- übergehend hier niedergelassen hatten. 137 Mehr ist den Texten in dieser Hinsicht nicht zu entnehmen. Oben wurde. schon darauf hingewiesen, daß zumindest in römischen Ver- einen die Mehrzahl der Vereinsmitglieder ihrer Rechtsstellung nach Freige- 133 Vgl. LaPiana, Groups 225f; MacMullen, Relations 85. 134 Zur Beteiligung Fremder an griechischen Kulten vgl. Wächter, Reinheitsvorschriften 118-123: Fremde wurden in der Regel, aber nicht immer zugelassen; z.B. war ihnen die Einweihung in die eleusinischen Mysterien versagt. Der Grund für einen Ausschluß war meist, daß sie "unter dem Einfluß fremder, für Andere schädlicher Dämonen (stehen), ihre Teilhabe am Gottesdienst ( .. ) also eine Verunreinigung (bedeutet)" (aaO. 123). 135 Vgl. LaPiana, Groups 251f; Stöckle, Art.: Berufsvereine 184f; Tod, Streiflichter 56. 136 So auch Barton - Horsley, Cult Group 17; Weinreich, Stiftung 7. 137 So Bir6, Collegium 3. - Aus der Iobaccheninschrift wird manchmal auf ein weltweites Zusammengehörigkeitsgefühl der Iobacchenvereine geschlossen (so der Kommentar in SIG3/4 und Fox, Pagans 87). Diese Ansicht stützt sich auf den in der Inschrift enthaltenen Ausruf: "Jetzt sind wir die ersten aller Bacchusgesellschaften!" (Z.26f). Mir scheint aber näherliegend, daß es hier nur um die Konkurrenz verschiedener Vereine in der Stadt oder Region geht., lassene oder Sklaven waren. Der Akzent liegt dabei klar auf den Freigelasse- nen. Auch hier sind die statistischen Untersuchungen von Fellmeth hilfreich.

Die römischen Berufskollegien setzten sich, Fellmeth zufolge, im Schnitt fol-

gendermaßen zusammen: 1,18% Senatoren, 0,6% Ritter, 0,47% Deku- rionen, 32,75% freigeborene Plebs, 64,95% Freigelassene, 0,05% Skla- ven. 138 In religiösen Vereinen sah die Verteilung so aus: 0% Senatoren, 0%

Ritter, 0,47% Dekurionen, 17,25% freigeborene Plebs, 63,6% Freigelasse-

ne, 18,68% Sklaven. 139 In beiden großen Vereinstypen waren demnach bei- nahe zwei Drittel der Mitglieder Freigelassene. Die Berufsvereine waren ins- gesamt deutlich höhergestellt: Sie hatten in den Patronen, die hier eingerech- net sind, Anteile aus den höchsten Ständen (Senatoren und Ritter) und fast keine Sklavenmitglieder. Die religiösen Vereine dagegen hatten Patrone höchstens aus dem Kreis der Dekurionen und immerhin fast ein Fünftel Skla- ven. Dies bedeutet natürlich noch nicht, daß jeder einzelne Verein Sklaven aufnahm. 140 Für die Beurteilung der Statistik ist wichtig, daß es ja auch Ver- eine gab, die nur aus Sklaven bestanden (etwa in großen Haushalten). 141

Dennoch dürfte es in religiösen und speziell Begräbnisvereinen zu einer stär-

keren Mischung gekommen sein als in Berufsvereinen. 142

Für den griechischen Bereich liegen solche Zahlen leider nicht vor. Man

muß sich hier auf ein allgemeines Urtei! beschränken: Es bestand größere

Zurückhaltung gegenüber der Aufnahme von Sklaven; 143 diese soziale Schranke wurde aber auch hier überstiegen, am ehesten in Kultvereinen. 144 Zudem hat sich der römische Einfluß allmählich in einer stärkeren Einbezie-

hung der Sklaven geltend gemacht. 145 138 Bei den Sklaven gibt Fellmeth 0% an; es muß sich hier aber um eine Abrundung han- deln, denn die Summe der Prozentzahlen ergibt bei 0% Sklaven nicht 100. 139 Beide Statistiken: Fellmeth, Vereine 89. 140 Wenn Ausbüttel, Untersuchungen 41, darauf hinweist, daß es keine Belege für Vereine gibt, dIe grundsätzlich keine Sklaven zuließen, so ist das angesichts der großen Zahl von Vereinen, die tatsächlich keine Sklaven enthielten (vgJ. die Statistik von Fellmeth), be- deutungslos. 141 VgJ. Fellmeth, Vereine 118. Vgl. z.B. auch den Verein der Steinmetze in Luna, Carrara (dazu Burford, Craftsmen 162). Ausbüttel, aaO. 37.42 stellt mit Recht fest: Es gab zwar solche Vereine, aber die "Mehrzahl der römischen Kollegien besaß keine solche homogene Mitgliederstruktur" (37). 142 Vgl. Bömer, Untersuchungen 1,464 (=90); Fellmeth, ebd; ders., Bewußtsein 54-56; Komemann, Art.: Collegium 417; Waltzing, Etude 1,346f.368. 143 Vgl. Poland, Geschichte 328f; Fox, Pagans 84; Meeks, Christentum 168 mit Anm.20. 144 Vgl. Foucart, Associations 5f.10; Herrmann, Art.: Genossenschaft 96; Tod, Streiflichter 56; Ziebarth, Vereinswesen 193. 145 Vgl. Bömer, Untersuchungen IV,1096 (=240); Meeks, Christentum 168 mit Arun.20., , Die genannten Vereinsstatuten bestätigen weitgehend das Gesagte. Die Vereine von Lanuvium und Albumum maius sind eindeutig Begräbnisverei- ne; beide haben Freigelassene und Sklaven unter den Mitgliedern. 146 In La- nuvium wird das an der Regelung deutlich, daß ein Sklave, der freigelassen wird, zur Feier dieses Ereignisses eine Amphore guten Wein stiften muß.147 Für Alburnum maius ist nur aus der Analogie anderer dakischer Vereine zu erschließen, daß Mitglieder "jene vennögensrechtlich selbständigen oder ver- armten Freien und Freigelassenen oder ein Sondervermögen besitzenden Sklaven werden konnten, die sich weder an der Staatsmacht beteiligten, noch Mitglieder der Körperschaften der freien vermögenden Gewerbetreibenden sein durften" .148 Der Kultverein des Dionysios weist im Statut dreimal auf seine Zusammensetzung hin: "Männer und Frauen, Freie und Sklaven". 149 Gerade die Wiederholung dürfte zeigen, daß diese Offenheit nicht selbstver- ständlich war und dem Stifter am Herzen lag: "Es soll, cum grano salis ge- sagt, eine 8KKA:'1ULa. Ka.(JOALK-q werden, und ihre Mysterien und die damit ver- bundenen Segnungen sollen allen zuteil werden, die die Bedingungen kulti- scher und moralischer Reinheit erfüllen." 150 In den besser gestellten Kultver- ein der Iobacchen wurden vermutlich keine Sklaven aufgenommen, denn in der langen Liste von freudigen Anlässen, bei denen jeder seinen Vereinsge- nossen ein Trankopfer spendieren mußte (z.B. Heirat, Geburt eines Kindes, Verleihung des Bürgerrechts, Erlangung eines Amtes),151 kommt die Freilas- sung nicht vor. Im Verein für Aesculap und Hygia drückte der Stifterwillen klar aus, daß nur Freie oder höchstens Freigelassene aufgenommen werden dürfen. 152 Dieser Verein unterscheidet sich damit von Begräbnisvereinen. Dem entspricht, daß der Vereinszweck offenbar im Gedächtnis des verstorbe- nen Mannes bzw. Bruders der beiden Stifter bei Festmählern besteht;153 von Begräbnisfürsorge der Mitglieder ist nicht die Rede. Ferner hebt das unge- wöhnlich hohe Stiftungsvermögen 154 den Verein von normalen collegia fune- raticia ab. 146 Der ebenfalls oben genannte Begräbnisverein von Ostia hat 80 Mitglieder, darunter Frei- geborene, Freigelassene und ein Sklave; vgl. dazu Robertis, Contributi 71. 147 11,7f. Einschlägig ist auch die Bestimmung, daß bei Todesfällen von Sklaven, deren Herr die Herausgabe des Leichnams verweigert, eine symbolische Bestattung (filnus imagina- 8r ium) stattfindet (Z. II,4). 14 Bir6, Collegium 3. 149 Z.Sf.15f.53f. 150 Weinreich, Stiftung 7. Dazu paßt, daß für Freie und Sklaven keine unterschiedlichen Strafen vorgesehen waren (vgl. Barton - Horsley, '::ult Group 16f Anm.45). 151 Z.127-136. 152 Z.6. 153 Z.2.18. 154 50.000 Sesterzen (Z.5) + 10.000 Sesterzen (Z.18)., Was wir zur Mitgliedschaft von Fremden und Sklaven beobachten konn- ten, gilt weitgehend auch für die von Frauen (das Statuskriterium des Geschlechts). Sie ist im römischen Bereich in religiösen und besonders Begräbnisvereinen relativ häufig; zu Berufsvereinen haben Frauen dagegen meist nur als Ehefrauen von Mitgliedern oder als Patroninnen Zugang. ISS Auch in griechischen Vereinen, besonders in religiösen, sind Frauen vertre- ten, insgesamt (mit der Ausnahme Attika) aber wohl seltener. 156 Hier wie dort gibt es auch reine (vor allem religiöse) Frauenvereine. 157 In unseren Vereinsstatuten ist nur für die Inschrift des Dionysios eine Zulassung von Frauen belegt, die hier sogar betont wird. Die übrigen Vereine scheinen nur Männer aufgenommen zu haben; eindeutig belegt ist dies aber nur im Fäll des Vereins für Aesculap und Hygia. 158 Aus den Beobachtungen zu Fremden, Sklaven und Frauen ergibt sich, daß viele Vereine Mitglieder mit (in diesen Hinsichten) unterschiedlichem Status aufwiesen. Man darf den Befund freilich nicht nivellieren: Während die Beteiligung von Fremden an griechischen und römischen Vereinen ver- schiedenen Typs häufig war, sind Sklaven und Frauen eher in römischen als griechischen und eher in religiösen (besonders Begräbnis-) als in Berufsverei- nen anzutreffen. Dem entspricht es, daß vor allem in römischen religiösen Vereinen die Mitglieder sich manchmal als Brüder und Schwestern verstan- den und benannten. 159 Es wurde die Fiktion einer Familie aufgebaut, und zwar nicht nur in Vereinen, deren Mitglieder tatsächlich als Angehörige des- selben Haushalts zusammenlebten. Solche Vereinsfamilien kannten zwar auch Vater und Mutter, aber diese waren, abgesehen von manchen Haushaltsverei- nen,16O als Patron und Patronin so weit vom Vereinsleben entfernt, daß die Familienfiktion in der Praxis durchaus egalitären Charakter hatte. ISS Fellmeth, Vereine 118; Komemann, Art.: Collegium 417; Liebenam, Geschichte 173f; Schiess, Collegia 73-75 mit Anm.238; Waltzing, Etude 1,348f; ähnlich Ausbüttel, Un- tersuchungen 42. 156 VgI. Poland, Geschichte 291-298; Fox, Pagans 84; Tod, Streiflichter 55f; etwas anders Foucart, Associations 5f. V gl. aber Engelmann zur Inschrift eines Mysterienvereins in Kyme (Kleinasien): "Nach dem erhaltenen Teil der Namenliste zu urteilen, gehörten dem Verein viel mehr Frauen als Männer an. Dies erinnert sehr an jene vor allem in Lydien be- zeugten Kultvereine der Kybele" (Inschriften 90). 157 Vgl. Pol and , aaO. 290; Schiess, Collegia 75: Stöckle, Art.: Berufsvereine 184; Tod, aaO. 55; Waltzing, Etude 1,348. 158 Hier ist davon die Rede, daß man die Mitgliedschaft "seinem Sohn oder Bruder oder höchstens seinem Freigelassenen" vermachen kann (Z.6). 159 Vgl. Bömer, Untersuchungen 1,546-552 (=172-178); Herrmann, Art.: Genossenschaft 86: Komemann, Art.: Collegium 402; Nock, lmportance lOS: Pol and , Geschichte 54f.529; Popkes, Art.: Gemeinschaft 1115. 160 Vgl. o. § 5,1., Eine der oben genannten Statusdifferenzierungen ist noch nicht behandelt worden: unterschiedlicher Besitz. Grundsätzlich rekrutierten sich die aller- meisten Vereine aus den ärmeren Schichten der Bevölkerung; dafür spricht schon der hohe Anteil von Freigelassenen, unter denen Leute wie der reiche Trimalchio (im Satyricon des Petronius) sicher die Ausnahme waren. Über- haupt gibt die oben angeführte Statistik von Fellmeth, die die Mitglieder ver- schiedener Vereinstypen nach rechtlich definierten Kategorien (ordines, Frei- geborene - Freigelassene - Sklaven) untersucht, wertvolle Hinweise auf die Besitzverhältnisse, auch wenn im Einzelfall eine Diskrepanz zwischen Besitz und Rechtsstand möglich ist. Demnach waren die religiösen Vereine im Schnitt ärmer als die Berufsvereine. Für die Besitzverhältnisse im einzelnen Verein besagt das natürlich zunächst nichts. Es gewinnt erst dann Aussa- gekraft, wenn wir die Beobachtung dazunehmen, daß in wohlhabenderen Vereinen die Ämter sich an das Patronat annäherten. 161 Die Amtsmonopoli- sierung, die hier einsetzt, ist wohl mit Besitzunterschieden im Verein zu erklären. Nicht jedes Mitglied sah sich imstande, für die Ehre eines Amtes entsprechende Aufwendungen zu bestreiten. Deshalb wurden die Ämter von wenigen wahrgenommen bzw. dem auf Dauer übertragen, der sich am spen- dabelsten zeigen konnte und wollte. Deshalb waren hier auch die erwarteten Leistungen beträchtlich. Dagegen wurde in den ärmsten Vereinen das gleiche passive Wahlrecht tatsächlich praktiziert. Da hier alle ohnehin gleich arm wa- ren, mußte der Aufwand für die Amtsführung sehr niedrig gehalten werden, um überhaupt Anwärter zu finden; manche Vereine griffen sogar zu dem Mittel der obligatorischen Amtsrotation. Insgesamt ergibt sich also: In den ärmeren, d.h. den religiösen und auf Begräbnisfürsorge konzentrierten Vereinen war die Homogenität im Hinblick auf den Besitz höher, im Hinblick auf Rechtstellung und Geschlecht geringer als in den wohlhabenderen, d.h. den Berufsvereinen. Der Herkunft nach sind alle Vereine zumindest potentiell heterogen. Die oft geäußerte Vermutung ei- ner starken sozialen Homogenität der griechisch-römischen Vereine ist in die- sem Sinne einzuschränken. 162 161 Vgl. o. § 5,2. 162 Ungenau ist auch noch die Differenzierung bei Malherbe, Aspects S8f, wonach nur in Berufsvereinen, nicht in Kultvereinen Menschen mit unterschiedlichem sozialem Status verbunden waren: Diese Feststellung gilt in Wirklichkeit nur für den mit Besitz verbunde- nen Status; in anderer Hinsicht, eben in Rechtsstellung und Geschlecht, wiesen Kultverei- ne eine größere Statusdifferenzierung auf., § 6) Zusammenfassung und Auswertung Die Beobachtungen zum griechisch-römischen Vereins wesen lassen sich In drei Thesen bündeln, die ich jeweils kurz erläutere: (1) Die soziale Struktur von Vereinen ist durch eine Verbindung hierarchi- scher und egalitärer Elemente gekennzeichnet. Hierarchische Elemente fanden wir: im Aufbau der Mitgliederlisten; in der Übernahme des in der Umwelt üblichen Patronatssystems, wobei der soziale Marktwert des Patrons und der des Vereins einander entsprechen müssen;· in der Einrichtung und Benennung der Vereinsämter, die oft so gestaffelt sind, daß sie einen cursus honorum ergeben; in der Ausrichtung der Ämter (wie des Patronats) auf Prestigegewinn, eine Ausrichtung, die sich besonders deutlich in den größeren Anteilen der Amtsträger und Patrone an den von ih- nen selbst gestifteten Geschenken zeigt; und schließlich in der Monopo- lisierung der Ämter, die in manchen Vereinen nicht mehr jedem Mitglied zu- gänglich waren. Egalitären Charakter haben: die Mitgliedervollversammlung, die das ent- scheidende Organ des Vereins darstellt und in der alle gleiches Mitsprache-, Antrags- und Stimmrecht besitzen; die bleibende Verpflichtung der Ämter auf den Vereinswillen durch Strafbestimmungen, Rechenschaftspflicht und Kaution, die in Verbindung mit den vom Amtsträger erwarteten Spenden und Leistungen das Amt durchaus als Dienst am Verein verstehen lassen; die manchmal zu beobachtende Rotation von Ämtern; die Mischung der Mitglie- der, die (besonders in römischen religiösen Vereinen) soziale Schranken der Umwelt teilweise überwindet; damit zusammenhängend die Fiktion einer Fa- milie, in der geschwisterliche Vertrautheit zwischen sonst distanzierten Grup- pen entsteht. Die Vereine haben also einiges mit Städten gemeinsam, insbesondere die Bemühung um Demonstration oder Gewinn von Status, eine Bemühung, die viele Erscheinungen des Vereinslebens prägt. Andererseits sind die Vereine nicht einfach Kopien der Stadt in kleinerem Maßstab. Sie unterscheiden sich von ihrer Umwelt wesentlich dadurch, daß - trotz aller Hierarchie - die Ver- antwortung für die (mehr oder weniger gemischte) Gruppe in der Regel bei allen Mitgliedern gemeinsam liegt. 163 Nur aufgrund dieses Unterschieds läßt 163 Fellmeth, Vereine 137, konstatiert zu Recht einen deutlichen "Wille(n) zu basisdemokra- tischen Verfahren"., sich verstehen, daß Vereine ihre Blüte zu den Zeiten hatten, in denen die Oligarchie zu- und die Bindungskraft der Städte abnahm. Die Vereine befrie- digten bei vielen ihrer Mitglieder Bedürfnisse nach Mitgestaltung und Iden- titätsgewinn, die anderweitig nicht mehr befriedigt wurden. (2) Die Gewichtung dieser hierarchischen und egalitären Elemente ist von der sozialen Stellung des jeweiligen Vereins (bzw. Vereinstyps) abhängig: Je höher ein Verein(styp) in der Hierarchie der sozialen Umwelt steht, desto do- minanter sind in ihm die hierarchischen Züge. Diese These setzt zunächst voraus, daß Beziehungen auch zwischen Men- schen mit sehr verschiedenem Status grundsätzlich Austauschbeziehungen waren. Selbst für die Etablierung eines Klientelverhältnisses mußten beide Seiten etwas zu bieten haben. Wer nichts zu bieten hatte, hatte auch nichts zu erwarten, konnte also in keine Beziehung zu einem Höherstehenden eintre- ten. Angewendet auf Vereine bedeutet das: Jeder Verein besaß ein gewisses Potential, Wohltätern zusätzliches Prestige zu verschaffen. Je größer dieses Potential war (was von der Größe, dem Alter und der sozialen Zusammenset- zung des Vereins abhing), desto höherstehend waren die Patrone, die der Verein für sich gewinnen konnte. Dabei wurde der Abstand zwischen Mitgliedern und Patron zunehmend größer. Relativ hochstehende Vereine, d.h. vor allem Berufsvereine, die durch ihre Patrone Beziehungen zum Senatoren- oder Ritterstand (und damit zu den honestiores) hatten, bildeten allein dadurch die Hierarchie der Umwelt weit umfassender ab und pro- fitierten von ihr mehr als solche, deren Patron ein Freigelassener (also ein humilioris wie die Mitglieder) war. 164 Mit zunehmendem Status eines Ver- eins näherte sich aber auch, wie wir gesehen haben, die Rolle der Amtsträger der von Patronen an: Die Amtszeiten wurden länger bzw. der Kreis der Kan- didaten kleiner. Großes Prestigepotential bewegte manche zum Eintritt in ei- nen Verein, dessen Mitglieder im Schnitt weniger wohlhabend waren als sie selber; hier konnten sie auf Dauer die Rolle von Wohltätern übernehmen und entsprechenden Prestigegewinn erzielen. Die egalitäre Haltung der ärmsten Vereine entsprang nicht einern proleta- rischen, revolutionären Ethos; sie sollte nicht die hierarchische Struktur der 164 So auch Fellmeth, aaO. 196f. Da Berufsvereine Beziehungen zu den höchsten Schichten hatten, waren in ihnen die demokratischen Züge weniger deutlich als in sodalitates., Gesamtgesellschaft in Frage stellen,165 sondern war lediglich eine Folge die- ser Hierarchie. Solche Vereine hatten kaum Prestige zu bieten, deshalb blieb es bei einem Minimum an Leitungsstruktur. Der soziale Abstand der Patrone zu den Mitgliedern war nicht sehr groß. Auch die Ämter waren nicht so pre- stigeträchtig, daß sie Wohlhabendere zur Mitgliedschaft bewegt hätten. Der Aufwand für ein Amt mußte deshalb sehr gering gehalten werden, wollte man, bei gleicher Armut aller, überhaupt Anwärter finden; dadurch wurde aber die Möglichkeit des Prestigegewinns weiter eingeschränkt. Ein Amt, das im Extremfall rotierend von allen Mitgliedern wahrgenommen wird, erhöht den vereinsinternen Status nur mäßig. (3) Die (unterschiedlich gewichtete) Verbindung von Hierarchie und Egalität in Vereinen bewirkte eine Entlastung der Mitglieder vom Druck der sozialen Hierarchie in der Umwelt. Im römischen Kaiserreich war, wie gesagt, das Bewußtsein der sozialen Hier- archie sehr stark ausgeprägt. Über die eigene Stellung und die der anderen gab es keinen Zweifel, denn Rang und Status wurden mit zahlreichen Symbo- len demonstriert. 166 Mir scheint die Zunahme des Vereinswesens auch darin einen Grund zu haben, daß die Vereine durch gesamtgesellschaftliche und durch vereinsinterne (mehr oder weniger ftktive) Statuserhöhung zum Abbau des sozialen Drucks auf den einzelnen beitrugen. Die soziale Mobilität im römischen Reich war beschränkt, aber vorhan- den. Aufsteigen konnte man vor allem durch kaiserliche Beförderung (z.B. zum Senator, Ritter oder römischen Bürger), durch den Dienst in der Armee (der zum Bürgerrecht führte), b~i Sklaven durch Freilassung. 167 Ein 165 Dessen ungeachtet wurde sie vom Staat wohl als revolutionär verstanden, wie die Ver- einsverbote und -beschränkungen zeigen (vgl.o. § 4,2). Es ist in der Tat denkbar, aller- dings (abgesehen vom Faktum der Verbote) schwer zu belegen, daß die Vereine faktisch (ohne es zu beabsichtigen!) eine gewisse Gefahr für die hierarchische Gesellschaftsverfas- sung darstellten. 166 VgI. Reinhold, Usurpation 275: Im Prinzipat entwickelte sich die römische Gesellschaft zu "one of the most hierarchie and status-conscious social orders in mankind' s history . In the imperial period, under the influence of the sociopolitical philosophy of Augustus, the Romans developed the highest degree and diversity of formal social stratification, and at the same time the highest incidence of social mobility in antiquity". Ob man, wie Rein- hold es offenbar tut, für das l.Jh.n.Chr. mit einer Zunahme des sozialen Drucks rechnen muß (der damit zusammenhängen könnte, dan die Früchte des ökonomischen Auf- schwungs der Friedenszeit sehr ungleich verteilt wurden [so Blasi, Christianity 180)), scheint mir aber eine offene Frage. Meine These ist von dieser Annahme nicht abhängig. 167 VgI. Stambaugh - Balch, Umfeld llOf; Garnsey - Saller, Kaiserreich 174-177; Vitting- hoff, Gesellschaft 249-253., vergleichbares Mittel war die Mitgliedschaft in einem Verein, die einen Sta- tusvorsprung gegenüber der restlichen plebs bedeutete. Vereine bewirkten zu- dem interne Statuserhöhungen, indem sie den gesamtgesellschaftlich üblichen Zusammenhang von Wohltaten und Ehrungen in ihren Reihen abbildeten. Be- sonders interessant ist die Rolle, die dabei der Fiktion zukam. 168 Natürlich hat jede Statuserhöhung mit Fiktion zu tun; es geht immer um den Aufstieg auf einer Skala, die keineswegs die einzig mögliche ist, jedoch im Rahmen einer (meist stillschweigenden) Übereinkunft von der Bezugsgruppe als gültig anerkannt wird. In besonderer Weise wird Fiktion aber dort wirksam, wo die für Statuserhöhung üblichen Regeln zwar formal eingehalten, in Wirklichkeit aber außer Kraft gesetzt werden. Solche Fiktion kann illegal sein: Oft wurde Status erschlichen, indem z.B. Eltern die Geburtsurkunden ihrer Kinder fälschten, um ihnen römisches Bürgerrecht zu verschaffen, oder indem je- mand sich freiwillig für kurze Zeit bei einem römischen Bürger in Sklaverei begab, um nach der von vornherein vereinbarten Freilassung selbst das Bür- gerrecht zu erhalten. Es gab aber auch legale Fiktionen: Der Kaiser konnte Freigelassenen, die als solche zum Ritterstand nicht zugelassen waren, inge- nuitas (freie Abstammung) zuerkennen und ihnen so den Aufstieg ermögli- chen; in Munizipien wurden manchen Freigelassenen, die als solche auch nicht Dekurionen werden konnten, immerhin fiktive ornamenta decurionalia, also Rangabzeichen für einen Stand, den sie nicht hatten, gewährt; um das allgemeine Streben nach Prestige zu befriedigen, wurden durch den Staat fik- tive Ämter und Ehren eingeführt. Dazu paßt nun gut ein Phänomen, das wir bei Vereinen beobachten: Die Amtsträger erhalten Titel (wie quaestor und decurio), die aus Stadt und Staat übernommen sind und fiktives Prestige zu- weisen. Besonders auffällig ist diese Sitte bei den ärmsten und egalitärsten Vereinen, denn hier entspricht die soziale Realität im Verein den Titeln ja am wenigsten. Ein schönes Beispiel ist ein Sklavenverein, der die pompösen Ti- tel tribunus, quaestor und triumvir vergab. 169 Diese Titel waren in solchen Vereinen wohl für alle erreichbar, so daß hier der fiktive Prestigegewinn egalitär verteilt wurde. Wichtig ist also: Vereine waren nicht einfach Orte, an denen die soziale Hierarchie außer Kraft gesetzt wurde. Erleichterung von sozialem Druck er- reichten sie vielmehr dadurch, daß sie Hierarchie reproduzierten, aber mit ei- ner gewissen Egalität kombinierten. 168 Zum Folgenden vgl. Reinhold, Usurpation bes. 286-290. 169 Dieses Beispiel bei Dill, Society 267 (ohne Quellenangabe)., 3. Teil: Statusdifferenzierung in paulinischen Gemeinden § 7) Zur Quellenlage Die Frage nach der Statusdifferenzierung in paulinischen Gemeinden läßt sich nur aus den Paulusbriefen beantworten. Diese lapidare Feststellung enthält einige Probleme. Status hat, wie wir gesehen haben, eine subjektive und eine objektive Seite: subjektiv, weil er von der Einschätzung durch eine Gruppe menschli- cher Subjekte lebt; objektiv, weil diese Einschätzung nicht einfach willkür- lich und regellos ist, sondern sich an feststellbare (wenn auch subjektiv gewählte) Indikatoren wie Besitz und Einfluß bindet. Für unsere Fragestel- lung bedeutet das, daß wir sowohl nach den Einschätzungen wie nach den zugrundeliegenden Indikatoren von Status in paulinischen Gemeinden fragen müssen. Beides ist nur über die Briefe des Paulus zugänglich. Gerade die Ko- rintherbriefe zeigen sehr deutlich, daß Paulus und seine Gemeinde in der Fra- ge des Status nicht immer übereinstimmen. Mit dieser Möglichkeit ist auch für andere Gemeinden zu rechnen. Wir sind also mit dem Problem konfron- tiert, in den Briefen zwischen den Statuseinschätzungen und zugrundeliegen- den Indikatoren der Gemeinden einerseits und denen des Paulus andererseits zu unterscheiden. Mögliche Schwierigkeiten sind dabei konkret: Ist Paulus über die Gemeindeverhältnisse zuverlässig und ausreichend infonniert? Un- terscheidet er klar genug zwischen der Situation der Gemeinde (der Realität) und seiner eigenen Sicht (dem Ideal) oder beeinflußt das Ideal schon die Dar- stellung der Realität (etwa durch Verkürzung, Übertreibung, negative Um- deutung)? Diese Fragen lassen sich nicht allgemeingültig beantworten. Sie müssen bei den folgenden Analysen im Blick bleiben. I I Etwas entlastend sind die Überlegungen von Funk, Status 20f, der die Bedeutung solcher Fragen durch drei Überlegungen einschränkt: "1. Wie jeder Mensch hatte Paulus das Wis- sen um soziale Gegebenheiten, deren Begründung, Sinngebung und Bewertung im Verlauf seiner primären (als hellenistischer Jude) und sekundären Sozialisation (als Christ) von sei- ner Umwelt übernommen. Daher zeigen die Aussagen des Paulus über Status nicht nur seine individuellen Einstellungen und Erwartungen. sondern auch die seiner soziokulturel- len Umwelt. ( ... ) 2. Paulus schrieb an Adressaten - die Gemeinde in Rom und Philemon ausgenommen -, die durch ihn Christen geworden waren. Die Adressaten waren also be- reit, mit Paulus Wertungen und Normen zu teilen. ( ... ) Die Übereinstimmung zwischen Paulus und seinen Gemeinden zeigt sich außer in seinem Erfolg als Gründer und Leiter ch. istlicher Gemeinden auch in der Hochschätzung seiner Briefe ( ... ). 3. Die gegenteilige Hypothese, daß die Einstellungen, Werte und Normen des Paulus beträchtlich von denen seiner Gemeinden abwichen, ist weder zu begründen noch mit den unter Nr.2 genannten Fakten vereinbar.", Damit hängt ein weiteres Problem zusammen, mit dem soziologisch orientierte Exegese immer zu kämpfen hat: die Frage der verfügbaren Daten. Bringt Paulus sozialgeschichtlich relevante Informationen, die er bei der Ge- meinde voraussetzen kann, trotz dieser gemeinsamen Basis so deutlich zur Sprache, daß wir uns ein Bild machen können? Das nüchterne Urteil Schra- ges ist bedenkenswert: "Obschon gerade der 1.Korintherbrief nicht zufällig als Ansatz für soziologische For- schungen gedient hat, stößt eine Analyse der korinthischen Gemeindestruktur wegen der Spärlichkeit der Quellen auch hier sehr bald an ihre Grenzen. Weil soziologische Fakto- ren von erheblichem Einfluß auf religiöse und weltanschauliche Haltungen und Ent- wicklungen sind, kann man das nur bedauern. "2 Weiter geht Schöllgen in seiner ausführlichen Besprechung eines wichtigen Buchs von W.A. Meeks ("The First Urban Christians" , dt. "Christentum und Stadtkultur"): Schöllgen zufolge läßt sich das Vorhaben von Meeks, die So- zialstruktur der paulinischen Gemeinden zu bestimmen, wegen der U nergie- bigkeit des Materials nicht durchführen. 3 Dabei wirft er Meeks die abwegige Auffassung vor, "daß viele nur mögliche Interpretationen im Sinne einer Konvergenzargumentation zusammengezogen die höheren Weihen der Wahr- scheinlichkeit erhalten".4 Mir scheint Schöllgens Skepsis überzogen.5 Für ihn sind offenbar exakte und detaillierte Kenntnisse der Gemeinden und ihrer Umwelt die unabdingbare Voraussetzung dafür, überhaupt etwas zur So- zialstruktur sagen zu können; solche Informationen sind natürlich in der Tat nicht erhältlich. Auch die Kritik an Meeks geht zu weit: Dessen Einzelargu- mente haben oft durchaus Wahrscheinlichkeits-, nicht nur Möglichkeitscha- rakter, so daß eine Konvergenzargumentation sinnvoll ist. Richtig ist aber Schöllgens Hinweis darauf, daß nicht bei allen Paulusgemeinden die gleiche Sozialstruktur vorauszusetzen ist;6 die Erkenntnisse aus den Korintherbriefen dürfen nicht einfach verallgemeinert werden. Lokalgeschichtliches Arbeiten ist notwendig. 7 Deshalb stütze ich mich im folgenden zwar vor allem auf I Kor als die ergiebigste Quelle, frage daneben aber auch nach relevanten Da- ten aus anderen Gemeinden. Mein Vorhaben ist also, Hinweisen der Paulusbriefe auf Statusdifferen- zierung, insbesondere auf Patronatsbeziehungen, Gemeindeämter und den (gemeindeinternen und gesamtgesellschaftlichen) Status der einzelnen Ge- 2 Schrage, 1 Kor 1,32. 3 So SchölIgen, Sozialstruktur bes. 78. 4 Ders., aaO. 75. 5 Vgl. auch Schmeller, Brechungen 47. 6 So Sehöllgen, Sozialstruktur 73f. 7 So auch Botermann, Paulus 299., meindemitglieder, nachzugehen. Zwar ist in der Tat das sozialgeschichtlich relevante Material beschränkt, - Einzelprobleme und Sekundärliteratur dazu gibt es aber in solcher Fülle, daß sie im Rahmen dieser Studie kaum zu be- wältigen sind. In vielen Fällen muß ich mich auf Andeutungen beschränken. § 8) Patrone und Klienten? Patronats- bzw. Klientelbeziehungen sind im frühchristlichen Bereich auf zwei Ebenen vorstellbar: 1. zwischen Missionaren (vor allem, aber nicht nur Paulus) und der Gemeinde (bzw. einzelnen Gemeindemitgliedern) und 2. in gemeindeinternen Konstellationen. 1. Das Verhältnis zwischen Missionar und Gemeinde In einer der neuesten Veröffentlichungen zum Thema vertritt Lukas Bormann die These, das Verhältnis zwischen Paulus und der Gemeinde in Philippi sei eine Beziehung zwischen Patron und Klientel gewesen. 8 Vorausgesetzt wird hier eine bestimmte Form der Klientelbeziehung, bei der sich - so Bormann - die Klientel nicht aus einzelnen, minderprivilegierten, vom Patron abhängi- gen Individuen zusammensetzte, sondern eine organisierte, solidarische Gruppe darstellte, die selbstbewußt in einem Austauschverhältnis mit dem Patron stand; Patron und Klientel verfolgten hier in verschiedenen Rollen ge- meinsame Interessen zu beiderseitigem Nutzen. 9 Als wichtigsten Hinweis auf ein solches Verhältnis zwischen Paulus und der Gemeinde in Philippi nennt Bormann die Gabe, die Paulus von der Ge- meinde empfängt und für die er sich in dem ursprünglich selbständigen Brief Phil 4,10-20 bedankt: "Die Sicherheit, mit der Paulus (~c. in 4,10, Th.Sch.) von dieser Gabe und dem Willen der Philipper, sie zu leisten, spricht, weist auf eine von beiden Seiten akzeptierte Form der Beziehung hin, aus der Er- wartungen und Anspruche abgeleitet werden können" .10 Es handelte sich nach Bormann nicht um eine Unterstützung, die nur aktuell auf die Notlage des Paulus reagierte, sondern die Gabe war Teil einer längerfristigen Hilfe, auf die Paulus sich verließ und verlassen konnte. Weil er für die gemeinsame Sache des Evangeliums vor Gericht stand, sahen die Philipper es als ihre Klientenpflicht an, ihm beizustehen. Vermutlich sollte Epaphroditos nicht nur 8 L. Bormann, Philippi (1995) bes. 206-224. 9 Diese Form beschreibt Bormann aaO. 187-205. \0 Bormann, aaO. 208., die Gabe überbringen, sondern auch versuchen, durch Aufbau von Beziehun- gen den Prozeßverlauf günstig zu beeinflussen. 11 Als Gegenleistung des "Patrons" Paulus versteht Bormann - neben der "Vertretung der gemeinsa- men Sache des Evangeliums" 12 vor Gericht - die Ankündigung eines Besuchs (1,24-26; 2,24), die zeigt, wie wichtig Paulus die Fortsetzung des Kontakts nimmt; bei diesem Besuch soll die Gemeinde, so Paulus, sich "in Christus Jesus durch mich (oder: meiner) rühmen" (1,26). Die Verfolgung der Ge- meinde durch die römische Umwelt war nach Bormann eine Folge dieses Klientelverhältnisses, denn eine solche überlokale Bindung wurde in Philippi, das im julisch-claudischen Haus einen Patron mit exklusiver Tendenz besaß, negativ aufgenommen, zumal der Staat gegenüber den Organisationen von Bürgern in Vereinen sehr mißtrauisch war. 13 So in aller Kürze die hauptsächlichen Thesen und Argumente Bormanns. Am ehesten überzeugend ist m. E. der Hinweis auf den Selbstruhm (KOlVXrllJ.Dl) der Gemeinde beim Besuch des Paulus. Hier könnte tatsächlich ein Anklang an die Sprache und Vorstellungswelt des Patronats vorliegen: Das Prestige eines Patrons färbt gleichsam auf die Klienten ab. Dennoch ist die postulierte Beziehung zwischen Patron und Klientel insgesamt schwer nachvollziehbar. Die Gabe der Philipper mag als ein beneficium gegolten ha- ben 14 - beneficia zu verteilen ist aber Sache des Patrons, nicht des Klienten. Insbesondere ist es Sache des Patrons, einem angeklagten Klienten vor Ge- richt beizustehen und dafür den eigenen Einfluß zu verwenden. Wahr- scheinlicher wäre von daher eine genau umgekehrte Zuweisung der Rollen von Patron und Klient. Das Hauptproblern der These liegt aber darin, daß die von Barmann behauptete Form der Klientelbeziehung m.E. in der Zeit des Prinzipats nicht existierte. Bormann stützt sich im wesentlichen auf zweierlei: zum einen die politisierte Klientel des P. Clodius Pulcher (und ähnlicher Po- litiker), eines Patriziers, der in die plebs übergetreten war und nun als eine neue Art von Patron tatsächlich gemeinsame Interessen vertrat; 15 zum ande- ren die sehr positive Darstellung des Klientelverhältnisses bei Dionysios von Halikarnassos (in den 7 v.Chr. veröffentlichten Antiquitates Romanae, 11,9- 11 So ders., aaO. 212f. 12Ders., aaO. 214 .. 13 So ders., aaO. 220-224. 14 So ders., aaO. 207. IS Vgl. ders., aaO. 190-192. Bonnann verweist zwar darüberhinaus auf die Heeresklientel und das Patronat des Prinzeps gegenüber dem gesamten Reich und gegenüber einzelnen Städten (aaO. 192-197). Die Heeresklientel war aber auch in Philippi für einen großen Teil der Bevölkerung nicht relevant; das Patronat des Prinzeps wiederum war nicht durch Selbstbewulitsein der Klientel und Gemeinschaft mit dem Patron gekennzeichnet., 11). Beides hat mit der Realität im 1.Jh.n.Chr. nichts zu tun. Die politisierte Klientel verschwand mit dem Ende der Republik, und die Schilderung bei Dionysios ist eine (in der Frühzeit Roms angesetzte) Verherrlichung des Patronats als einer Symbiose, die für alle Stände am besten sei. Die Realität sah sicher anders aus: "In der Kaiserzeit beraubte die Ohnmacht der Volks- versammlungen das gewöhnliche Volk seines politischen Einflusses und da- mit auch den Adel jedes Anreizes, seine einfachen Klienten mit einem Min- destmaß von Achtung zu behandeln" .16 Bormann kann auch keinen einzigen Beleg dafür beibringen, daß die idealisierende Sicht des Patronats bei Diony- sios wenigstens nostalgische Sehnsachte ausdrückten, die im I.Jh. verbreitet gewesen wären und im Verhältnis Paulus-Gemeinde dann Verwirklichung ge- funden hätten. Die Hauptthese Bormanns scheint mir deshalb unwahr- scheinlich. Könnten aber nicht umgekehrt Paulus und andere Missionare Klienten wohlhabender Gemeindemitglieder gewesen sein? Hier ist zunächst auf Röm 16,lf zu verweisen: Paulus bittet die Gemeinde von Rom, "unsere Schwester Phoebe" aufzunehmen und zu unterstützen; er begründet seine Bitte damit, daß Phoebe für viele andere und für ihn selbst eine 7rpourOt.ru; war. Vor al- lem ältere Auslegungen übersetzen hier gerne mit "Helferin" , "Beistand" oder einem ähnlich allgemeinen, nicht-technischen Ausdruck, denn - so wird hier argumentiert - "Patronin" im eigentlichen Sinn könne Phoebe als Frau nicht gewesen sein. 17 Neuerdings verweist man dagegen zu Recht darauf, daß Frauen z.B. in Vereinen durchaus als Patroninnen bezeugt sind 18 und will deshalb Phoebe als Patrönin des Paulus und anderer Christen verstehen. 19 Auch wenn eine solche Deutung an sich möglich ist, scheint sie mir aus drei Gründen nicht naheliegend: Erstens ist die Beziehung der Rolle Phoebes als 7rpourOt.ru; sehr offen; sie ist nicht 7rpourOt.ru; ihrer Heimatgemeinde', sondern "vieler". Zweitens ist der Hinweis auf ihre Rolle mit "Kat -rap av~" an den vorangehenden Satz angeschlossen; die römische Gemeinde wird nicht aufge- fOIdert, Patronin der Phoebe zu werden, weil auch diese Patronin vieler ist, sondern ihr beizustehen (7rapaurijrB), weil auch sie vielen beigestanden hat. 16 Garnsey - SalIer, Kaiserreich 215; zum Patronat vgl. auch o. § 3,2. 17 So in neuerer Zeit noch Chapple, Leadership 223 mit (288) Anm.295 (dort Hinweise auf ältere Literatur). Phoebe als "Helferin, Beistand" auch noch bei Wilckens, Röm III,13lf, und Romaniuk, Phoebe 134 ("Phoebe served in a general way the entire community and was a help to Paul in preaching the Gospel. ") 18 Vgl. dazu o. § 5,1. 19 So Chow, Patronage 101; Jewett, Paul 149f. Phoebe als patrona auch bei Schrage, 1 Kor 1,33; Hainz, Elddesia 348. MarshalI, Enmity 145, bestimmt die Beziehung zwischen Pau- Ius und Phoebe vorsichtiger als patronale Freundschaft., Drittens ist es, wie wir gleich sehen werden, unwahrscheinlich, daß Paulus sich in ein Klientelverhältnis begeben hat. IIpoO"Tan<; ist deshalb doch eher mit "Beistand" wiederzugeben. Paulus legt immer wieder großen Wert darauf, daß er seinen Lebensun- terhalt selbst verdient. In I Kor 9 muß er sich erstaunlicherweise sogar dafür verteidigen, daß er keine Unterstützung annimmt. Die Notwendigkeit dieser Verteidigung wird von Chow (und MarshalI) so erklärt: Wohlhabende Ge- meindemitglieder in Korinth waren beleidigt, daß Paulus im Unterschied zu anderen Missionaren ihr Angebot patronaler Unterstützung ablehnte. 2o In der Tat ist die Annahme naheliegend, Paulus habe sich gegenüber Leuten vertei- digt, die andere Missionare unterstützten. Der Grund ihrer Kritik an Paulus muß aber nicht in gekränkter Ehre liegen. Die alternative Erklärung Theißens steht m.E. auf sichereren Füßen: Paulus verletzte mit seiner Erwerbstätigkeit eine Norm der Wandercharismatiker, die auf J esus zurückging (V .14!), nämlich "die Verpflichtung der Missionare zu charismatischer Armut, d.h. einer Armut, die auf reguläres Betteln verzichtet, sich aber - im Vertrauen auf den eigenen religiösen und sozialen Status als 'Apostel', 'Prophet' usw. - von unplanbaren Spenden anderer abhängig macht" .21 Die Selbstversorgung des Paulus konnte man ihm als "Mißtrauen in die Gnade Gottes, der seinen Missionar auch materiell erhalten werde" ,22 auslegen. Andere Missionare hielten sich dagegen an dieses Gebot und konnten dabei in den hellenistischen Städten an die soziale Rolle kynisch-stoischer Wanderprediger anknüpfen. 23 Wenn also Gemeindemitglieder solche Missionare unterstützten, wurden sie dadurch nicht mehr zu ihren Patronen als jemand, der einen Wanderprediger eine Zeitlang aufnahm oder sonstwie unterstützte, bereits dessen Patron war. Immerhin ist aber eine gewisse Nähe zum Patronat (das im eigentlichen Sinn seßhafte Verhältnisse voraussetzt) gegeben. 2. Gemeindeinterne Konstellationen Wir nehmen zunächst Hinweise auf mögliche Patron-Klient-Beziehungen in den Blick, die sich in mehreren Paulusgemeinden finden und für diese als Hausgemeinden typisch sein dürften, danach Erscheinungen speziell in der Gemeinde von Korinth. 20 So Chow, aaO. 108-110. Marshali, aaO. 218-233.257f, spricht von ausgeschlagenen Freundschaftsangeboten, die mit finanzieller Unterstützung verbunden waren. 21 Theißen, Legitimation 216. 22 Ders., ebd. 23 Vgl. ders., aaO. 220., 2.1 Die paulinischen Hausgemeinden 24 Die Gemeinden des Paulus versammelten sich in den Privathäusern, die über- durchschnittlich wohlhabende Christen dafür öffneten. Es ist hier nicht nötig, alle Hausgemeinden aufzuzählen. Erwähnt seien nur die Häuser von Priska und Aquila in Ephesus (1 Kor 16,19) und Rom (Röm 16,3-5) und die von Krispus (Apg 18,8; 1 Kor 1,14), Gaius (Röm 16,23; 1 Kor 1,14) und Ste- phanas (1 Kor 1,16; 16,15-18) in Korinth. Man darf annehmen, daß die Be- sitzer dieser Häuser in der jeweiligen Gemeinde eine hervorgehobene Stel- lung und eine gewisse Leitungsfunktion bei den Versammlungen besaßen.2s Im Fall des Stephanas läßt sich diese allgemeine Annahme belegen und präzisieren. In 1 Kor 16,15-18 26 fordert Paulus die Gemeinde auf, sich dem Haus des Stephanas "unterzuordnen" und es "anzuerkennen". Begründet wird die Mahnung damit, daß die Angehörigen dieses Hauses 1. die ersten Chri- sten in Achaia waren, 2. sich für den Dienst (eie; OLOlKOJliOlJl) an den Heiligen bereitgestellt haben und 3. durch ihre Anwesenheit bei Paulus die Gemeinde praktisch vertreten. Der entscheidende Grund muß der zweite sein, denn die Aufforderung zur Unterordnung gilt auch gegenüber "jedem, der mitwirkt (uvJlep-yovpn) und sich abmüht (K07rLWJln)" (V.16), und der abschließende Satz ist: "Erkennt also solche an!"(V.18). Von den zentralen Begriffen in diesem Abschnitt her lassen sich Beziehungen zu anderen Personen herstel- len. 27 Priska und Aquila, Vorstände eines christlichen Hauses (s.o.), sind ebenfalls Mitarbeiter (uvpep-yoi) des Paulus (Röm 16,3); Phoebe, vermutlich eine relativ wohlhabende Geschäftsfrau, ist "Diakonin/Dienerin" (ÖLaKOJlOe;) der Gemeinde von Kenchreae (Röm 16,1);28 in I Thess 5,12f fordert Paulus zur Anerkennung und Hochschätzung einiger "wegen ihrer Leistung (eP-Y0Jl)" (V.13) auf, näherhin derer, "die sich unter euch abmühen (K07rtWJlTOle;), die sich um euch kümmern (oder: euch leiten) (7rPOLuTeXfJ.eJlOL) im Herrn und die euch ermahnen" (V.12).29 Auch an das Präskript des Phil kann man denken, wo Paulus "alle Heiligen ( ... ) zusammen mit den Episkopen (e7r/,uK07rOL) und den Diakonen/Dienern (OLeXKOJlOL)" (Phi! 1,1) grüßt; diese zwei Funktionen lassen sich wohl mit den bereits genannten zusammenbringen; die tituläre 24 Vgl. bes. den ausgezeichneten Überblick bei Klauck, Hausgemeinde 21-47; ferner Becker, Paulus 255-270 ("Die Missionsgemeinden als Hausgemeinden"). 2S SO auch Becker, aaO. 256.269; Hainz, Ekklesia 346. 26 Eine detaillierte Exegese bietet Chapple, Leadership 393-445. 27 Zu den uvpep"foi des Paulus vgl. bes. Ollrog, Paulus 63-92. 28 Vgl. Jewett, Phoebe 148f; Chapple, Leadership 223f; Chow, Patronage 101. 29 Eine eingehende Exegese der Stelle bei Chapple, aaO. 206-260., Verfestigung ist hier nur etwas weiter fortgeschritten. 3o Natürlich wäre es hier nötig, zu differenzieren und im einzelnen Begründungen zu liefern;3l immerhin dürfte dieser kurze Überblick doch deutlich machen, daß es in ver- schiedenen Paulusgemeinden Führungsgestalten gibt, die zwar keine festen Titel und Ämter besitzen, wohl aber ähnliche Funktionen und persönliche Voraussetzungen aufweisen.32 Es handelte sich wohl immer um Personen, die relativ gutsituiert waren und ihr Haus, ihr Geld oder ihren Einfluß für die Gemeinde einsetzten; Paulus (und in der Regel auch die Gemeinden) erkann- te ihnen eine gewisse (nicht die einzige) Leitungsfunktion zu. Der Terminus 7rPOLUT&P.SIIO<; erscheint auch in der Charismenliste von Röm 12,6-8; ver- mutlich ist diese Funktion in der Liste von 1 Kor 12,28-30 unter "Hilfelei- stungen (0lIlTLA~P."'8L<;)" und "Leitungsaufgaben (KUß8PIl~U8L<;)" mitge- meint. 33 Wir stehen hier aber bereits bei der Frage nach Ämtern, die im nächsten Paragraphen behandelt wird. Die genannten Personen erfüllten demnach die Funktion von Patronen. 34 Drei Besonderheiten seien aber hervorgehoben: (1) Es begegnet bei Paulus keine Patronatsterminologie; daß es sich um Patrone handelt, müssen wir erschließen. (2) Die Wohltäter der Gemeinden waren reguläre Gemeindemitglieder, nicht eine Art Ehrenmitglieder wie die Vereinspatrone;3S sie waren persönlich im Leben der Gemeinde engagiert (Röm 12,8: "8/1 U7rouc5fj").36 Deshalb gibt es hier auch keine klare Unterscheidung von Patronen und Amtsträgern. 30 Vgl. Hainz, Ekklesia 347; Holmberg, Paul 10lf; Ollrog, Paulus 86; Chapple, aaO. 589 (Chapple favorisiert aIlerdings die alte Deutung von F.Chr. Baur, die Episkopen seien Leiter der einzelnen Hausgemeinden, die Diakonen seien ihre Assistenten). 3l Insbesondere die Bezeichnung der Phoebe als lJtOllCO/lOC; und die Episkopen und Diakone von Phili, 1 sind ja sehr umstritten. 32 So auch Holmberg, Paul 100; Chapple, Leadership 258f.419.434.439.589f. Zum Dienst von Phoebe und Stephanas vgl. Theißen, Schichtung 249f. 33 Ähnlich Hainz, Ekklesia 346; Chapple, aaO. 419. 34 So auch Marshali, Enmity 145; Moxnes, Integration 105. 3S Vgl. o. § 5,1. 36 Schon v. Dobschütz hat 1909 eine Liste ihrer Tätigkeiten für die Gemeinde zusammenge- stellt, die diesen Unterschied deutlich macht (vgl. bes. die Tätigkeiten 3-5!): "(1) Herge- ben des Lokals für die Gemeindeversammlung, (2) vielleicht Herstellung der nötigen Ord- nung dabei, (3) Vorbeten, (4) Vorlesen, (5) Vorsingen, (6) Gewährung von Unterkunft und Unterhalt für zureisende Brüder, (7) von Unterstützung für Anne, (8) Stellung von Kaution ( ... ), (9) Vertretung vor Gericht (Patronisieren!), (10) gelegentlich vielleicht eine Reise im Interesse der Gemeinde, kurz alle Pflichten, die später dem Vorsteher, dem Bi- schof zufielen, aber alles als freiwillige Leistung, ohne rechtlichen Auftrag, ohne gehalts- mässige Vergütung" (zitiert nach Holmberg, Paul 102)., (3) Die Patrone waren in den Gemeinden erstaunlicherweise nicht immer anerkannt. Eine Mahnung, den Patron hochzuschätzen, wäre für Vereins- mitglieder völlig überflüssig, ja unverständlich gewesen: Es gehörte zum Wesen der Klientelbeziehung, daß dem Patron für seine Großzügigkeit Ehre erwiesen wurde. Über Grad und Gründe der Opposition in der korinthischen Gemeinde läßt sich nichts Sicheres sagen. Es ist aber unwahrscheinlich, daß Gegensätze zwischen verschiedenen Patronen den Hintergrund bildeten. 37 Die Begründung, die Paulus für die Forderung der Unterordnung gibt, schließt ja andere mit ein, die sich in gleicher Weise, d.h. unter Einsatz ihres Besitzes und ihrer sozialen Stellung, für das Evangelium und die Gemeinde engag.ie- ren. 38 Näher liegt die Vennutung, daß der Grund in der unmittelbaren Betei- ligung der "Patrone" am Gemeindeleben liegt, denn ein ähnliches Problem gab es ja offenbar in Thessalonich. Im Verein konnte man dem Patron leich- ter Ehre erweisen, weil sich seine Leitungsfunktion in engen Grenzen hielt. 39 In der Gemeinde machte vielleicht gerade die Vennischung von Patronats- und Leitungsfunktion Probleme. 2. 2 Die Gemeinde von Korinth 2.2.1 Die Parteien (1 Kor 1-4) Die Entstehung der in 1 Kor 1-4 bezeugten Gruppierungen kann man mit sehr verschiedenen Faktoren zu erklären versuchen: theologischen, kulturel- len, psychologischen, gruppendynamischen und anderen. Wir erfahren über diese Parteien so wenig, daß keiner dieser Zugänge für sich die Lösung beanspruchen kann; es bleibt nichts anderes übrig, als sich von verschiedenen Seiten an dieses Phänomen heranzutasten. Auch soziologisch orientierte Versuche haben deshalb ihr Recht. So sieht Clarke den Kern der Spaltungen im Personenkult der Korinther: "Ich gehöre zu Paulus, ich zu Apollos, ich zu Kephas" (1 KOT 1,12) bedeute, 37 Dies vermutet Chow,. Patronage 97f: Es könnte sein, "that those who despised Stephanas also despised Paul and that the despisers of Stephanas were people who did not appreciate the value of toil and labour. Should we then look for these people among the powerful patrons in the church'?" - Die Verbindung von Mühe und Arbeit des Stephanas mit dem Unterhalts verzicht des Paulus, die hier vorausgesetzt wird, ist weit hergeholt. 38 Man kann 1 Kor 16,16 auf zwei Weisen übersetzen: 1. "Ordnet euch solchen Leuten (=diesen und anderen, die das gleiche tun) unter und jedem, der mitarbeitet und sich ab- müht (sc. für das Evangelium und die Gemeinde)!" 2. "Ordnet euch solchen Leuten (=Stephanas und seinem Haus, weil sie den Heiligen dienen) unter und jedem, der (sc. bei ihnen) mitarbeitet und sich abmüht!" Die 1. Übersetzung scheint mir wegen der termi- nologischen Übereinstinunung mit ähnlichen Stellen (vgl.o.) wahrscheinlicher; auch im 2.FaIl wären aber indirekt andere "Patrone" miteingeschlossen. 39 Vgl.o. § 5,1., jedes Gemeindemitglied berufe sich auf seine besondere Zugehörigkeit zu dem, der es getauft hat. Soweit ist das nichts Neues. Entscheidend ist für Clarke aber - im Unterschied zu anderen Deutungen - nicht, daß mit der Tau- fe (nach Art von Mysterieninitiationen) zwischen Täufer und Täufling eine mystische Beziehung in Gang kommt, sondern daß ein Patron-Klient- Verhältnis entsteht. 4o Die Parteien sind für Clarke also in Wirklichkeit ver- schiedene Klientelen: Der jeweilige Missionar wird zum Patron, und jede Klientel will vom Status ihres Patrons zugunsten des eigenen Status pro- fitieren. - Gegen diesen Ansatz ist einzuwenden: Daß die Taufe für die Spal- tung eine entscheidende Rolle spielte, ist schon deshalb unwahrscheinlich, weil Paulus eben nur sehr wenige getauft hatte (1 Kor 1,14-17) und eine so begründete Pauluspartei deshalb schwer zu erklären wäre. 41 Auch wenn man an andere Begründungen von Zugehörigkeit denkt,42 ist diese Deutung aber nicht überzeugend. Weder Paulus, der sich selbst versorgte, noch andere Missionare, die sich von der Gemeinde versorgen ließen, konnten von der Gemeinde als Patrone angesehen werden. Zum Patronat gehörte eine nicht nur geistliche Fürsorge. Das Auftreten der Missionare paßt nicht in dieses so- ziale Muster. Besser begründet ist die Auffassung Theißens. Obwohl auch er an die Taufe als Grund einer besonderen Beziehung zu den genannten "Parteihäup- tern" denkt, ist seine Deutung hiervon nicht abhängig. "Gesichert ist ( .. ) nur, daß sich die Gruppierungen in einem besonderen Verhältnis zu ihrem Apostel wußten. Wer trat aber in einer Gemeinde in ein besonderes Verhältnis zu umherziehenden Aposteln? An erster Stelle doch wohl diejenigen, die den Missionaren Unterkunft und Unterhalt boten. ( ... ) Niemand wollte natürlich sein Geld für einen Missionar zweiter Klasse ausgegeben haben. Daher hielt man jeweils den Missionar für den bedeutendsten, den man selbst unterstützt hatte (und von dem man gewilJ auch theologisch beeinflußt war). War aber der Missionar bedeutend, so durften sieb auch seine Anhänger in der Gemeinde für bedeutend halten. Der Streit zwischen den ver- schiedenen Parteien könnte daher ein Gerangel um die innergemeindliche Prestigeskala gewesen sein. "43 Die Unterstützer der Missionare sieht Theißen sicher zu Recht in den besser- gestellten Christen wie Gaius, Krispus, Stephanas. Er nimmt also faktisch, anders als Clarke, kein Prahlen der Klienten mit ihren Patronen, sondern um- 40 So Clarke, Leadership 92f. Daneben nennt er noch andere Beziehungsformen, die als Ana- logien in Frage kommen: das Schüler-Lehrer-Verhältnis und die Beziehungen innerhalb einer politischen Gruppierung (aaO. 93t). 41 Mit Schrage, 1 Kor 1,149 (dort noch weitere Argumente in dieser Richtung). 42 Clarke bezeichnet die Taufe als eine Möglichkeit, in Patronatsbeziehungen einzutreten (Leadership 92), nennt aber keine Alternativen. 43 Theißen, Legitimation 227., gekehrt eines der Patrone mit ihren Klienten an (wobei freilich Theißen diese Termini nicht verwendet). Daß die soziale Stellung der Klientel den Status des Patrons beeinflußt, hat sich auch bei unserem Überblick über Vereine ge- zeigt, und daß Leute wie Stephanas in der Gemeinde eine Art Patronat ausüb- ten (in Bezug auf Missionare allerdings nur in einem eingeschränkten Sinn), hat sich im letzten Punkt herausgestellt. Dennoch bringt auch der Entwurf Theißens eine Schwierigkeit mit sich. Paulus legt ja in 1 Kor 4,12; 9,15; 2 Kor 11,9 Wert auf die Feststellung, daß er von der Gemeinde keinen Unter- halt annahm. Also kommt höchstens Unterkunft in Frage. Wie sieht es damit aus? Nach Apg 18,3 wohnte er in der Grundungsphase bei Priska und Aquila, allerdings im Rahmen gemeinsamer Erwerbstätigkeit; erst bei einem späteren Aufenthalt wohnte er bei Gaius (Röm 16,23).44 Pauluspatrone im Sinne von Gastgebern sind deshalb in der Grundungsphase schwer vorstell- bar; damit wird aber wiederum eine Pauluspartei unwahrscheinlich. Mit dem Gesagten soll nicht ausgeschlossen werden, daß soziale Fakto- ren, insbesondere Status- und Loyalitätsfragen, im Parteienstreit insofern mitspielten, als sie für die Zusammensetzung der Parteien wichtig waren. So könnte die Pauluspartei sich "aus den Paulusgetreuen, den Männern und Frauen der ersten Stunde (formiert haben, Th.Sch.), als ihre Antwort auf das Entstehen der anderen Gruppen und deren Bestreben, den Anspruch des Pau- lus als Gemeindegrunder und Gemeindeleiter ( ... ) abzuschütteln";45 hier wäre ebenfalls Status im Spiel, allerdings nicht der von Patronen und Klienten. Der Grund für die Entstehung der Parteien dürfte aber nicht in sozialen, son- dern doch eher in religiösen und theologischen Faktoren zu suchen sein. 46 2.2.2 Der Unzuchtsünder (1 Kor 5) Wie so oft in den Paulusbriefen, ist auch hier die genaue Rekonstruktion der Situation in der Gemeinde schwierig, wenn nicht unmöglich. Klar dürfte nur sein: Ein Gemeindemitglied hat ein zumindest eheähnliches Verhältnis mit seiner Stiefmutter, ohne daß die Gemeinde etwas dagegen unternimmt. Alles andere ist offen. Manche Fragen tragen für die Situation nicht viel aus, so, ob es sich um Konkubinat oder Ehe handelte - beides war in einer solchen 44 Apg 18,7 meint eine Verlegung nur des Versammlungsorts, nicht der Wohnung in das Haus des Titius Iustus. 45 Klauck, 1 Kor 21. 46 Mit Schrage, 1 Kor 1,150-152, der als Primärursache die ·Weisheitsfaszination" der Ko- rinther annimmt, und Conzelmann, 1 Kor 52, der auf die "pneumatische Erhöhungs- Christologie" verweist., Konstellation nach römischem Recht strafbar.47 Interessanter ist die Frage nach den Motiven. Natürlich könnte es sich einfach um eine Liebesbeziehung handeln. Zusätzlich kommen aber finanzielle Motive in Betracht. 48 Auf Sei- ten des Mannes könnte es um das Erbe des Vaters gehen. Durch die Verbin- dung mit der Stiefmutter würde er einerseits sofort vollen Zugang zu diesem Erbe erhalten, andererseits den Übergang des Erbes in eine andere Familie verhindern, der aus einer Wiederheirat seiner Stiefmutter resultieren würde. Auf Seiten der Frau könnten die auf Augustus zurückgehenden Ehegesetze eine Rolle spielen, die einer verwitweten Frau bei Kinderlosigkeit nur 1/10 des Erbes ihres Mannes zusprachen. Beide Überlegungen benötigen aller- dings Zusatzannahmen, die wir nicht nachprüfen können: der Vater müßte verstorben und nicht nur geschieden sein; die Stiefmutter müßte kinderlos geblieben sein. Ersteres ist wahrscheinlich,49 letzteres nur möglich. Immerhin dürfte eine weitere Beobachtung dafür sprechen, daß finanzielle Motive in dieser Familie eine Rolle spielten: Obwohl eine solche Verbindung als Inzest verboten war, war gegen das Paar ja offensichtlich bisher kein Gerichtsver- fahren angestrengt worden. Im griechisch-römischen Gerichtswesen war es aber für vermögende und einflußreiche Leute wesentlich einfacher, Anklagen und Verurteilungen zu entgehen, als für Arme. 5o Sofern es sich tatsächlich um einen relativ hochstehenden Mann handelte, hätten auch andere Gemein- demitglieder ihn nur schwer verklagen können. Hier stellt sich aber die Frage: Warum wurde er dann nicht wenigstens aus der Gemeinde ausgeschlossen? In den bereits in der Einleitung dieser Ar- beit genannten Dissertationen wird übereinstimmend die Antwort gegeben: Weil es sich um einen Patron handelte. Seine Klientel war mit seinem Ver- halten nicht unbedingt einverstanden, hielt ihm aber loyal die Stange 51 bzw. drückte ein Auge zu, um ihren Wohltäter nicht zu verlieren. 52 ·So einleuchtend diese Erklärung zunächst klingt, ist sie doch wenig über- zeugend. Beide Autoren nehmen ja an, daß es in der Gemeinde nicht nur die- sen einen Patron gab, sondern die Gemeinde in mehrere Klientelen aufgeteilt war. Es wäre nun doch unter dieser Annahme merkwürdig, hätten sich ande- 47 Vgl. Clarke, Leadership 77f. 48 Vgl. dazu Clarke, aaO. 8lf; Chow, Patronage 137f. 49 Zu Recht bemerkt Chow, aaO. 138 Anm.2: "( ... ) given the fact that the father was given enormous power over the son in those days ( ... ), it is difficult to conceive that the son could have his way if the father was still alive." 50 V gl. dazu u. § 10,2,1. 51 So Chow, Patronage 140. 52 So Clarke, Leadership 85f., re Patrone oder Klientelen diese Chance entgehen lassen, den eigenen Status aufzubessern, indem sie die Immoralität dieses Mannes geißelten und seinen Ausschluß forderten. Zudem hätten gleichgestellte Patrone ihn ja wohl auch gerichtlich belangen können. Nichts davon ist aber in I Kor 5 zu entdecken, vielmehr gibt es unter den im Brief Angesprochenen in dieser Hinsicht kei- nen Zwist: Sie sind aufgeblasen (V.2) und voll Selbstlob (V.6). Zudem wäre zu klären, wie die zuletzt genannten Phänomene zu verste- hen sind: Ist die Gemeinde eingebildet trotz oder wegen des Unzuchtsünders in ihrer Mitte? Wird' sein inzestuöses Verhältnis also toleriert, weil er eben Patron ist,53 oder geradezu gepriesen - dies dann wohl aus anderen Gründen? Daß die Gemeinde in der moralischen Freizügigkeit dieses Mannes ein vor- bildliches Verhalten sah, daß also die zweite Möglichkeit zutrifft, ist durch- aus denkbar. Er selbst vollzog das, was in den Augen des Paulus und der ge- samten Umwelt 7rOpVeLot war, möglicherweise bewußt BV T~ ovop.otTL TOV ICVptOV [17p.wv] '17wov; man muß nurden Anfang von VA mit V.3 zusammen- ziehen, um auf ein solches Verständnis zu stoßen. 54 Die Gemeinde konnte nach dem Bild, das sich aus I Kor v.on ihr ergibt (bes. 6,12!), sein Verhalten als Konsequenz der neuen christlichen Freiheit sehen, die die alten Normen hinter sich gelassen hat. 55 Wir haben damit eine Erklärung für die mangelnde Distanzierung der Gemeinde von dem betreffenden Mitglied gefunden, die näher am Text bleibt und weniger Schwierigkeiten bietet als der Verweis auf seinen angeblichen Status als Patron. 2.2.3 Das Herrenmahl (1 Kor 11,17-34) Ein letztes Phänomen in der korinthischen Gemeinde, bei dem das Verhältnis Patron-Klient eine Rolle spielen könnte, ist der von Paulus kritisierte Vollzug des Herrenmahls. Hier sind die Rekonstruktionsprobleme freilich noch weit größer als im letzten Punkt. In einem kurzen Durchgang durch die für uns entscheidenden Textteile skizziere ich zunächst die relevanten Fragen. Ansch~ießend stelle ich drei wichtige Rekonstruktionen vor. Die Einleitung (11,17-19) macht bereits die negative Einschätzung der Situation durch Pa,ulus klar, zeigt aber auch, worauf sein Tadel sich bezieht: auf die Verbindung von Unvereinbarem, nämlich das Zusammenkommen als 53 Vgl. Clarke, Leadership 77.87. 54 So (vorsichtig) Schrage, 1 Kor I,372. Vgl. ders., aaO. 380 (zu 5,6): "Das verfehlte Rüh- men ( .. ) (wurde, Th.Seh.) wie das Aufgeblähtsein (V 2) möglicherweise durch den Inzest- fall nur noch genährt" . 55 So Harris, Beginnings 6f.l1.14; als Vermutung auch bei KJauck, 1 Kor 42., Gemeinde einerseits, die Existenz von Spaltungen und Parteiungen ande- rerseits. Der Gemeinschaftsgedanke ist gefährdet. Daß es sich dabei um Zei- chen der Endzeit handelt (V.19), macht die Sache nicht besser. 56 In V.20f er- fahren wir einiges über die Situation in Korinth: Es gibt kein Herrenmahl C"VpLa"CJI) liBL7rVOV) mehr, weil jeder sein eigenes Mahl (rliwv 5BL7rVov)~~r­ wegnimmt (7rpOAap.(3c5tvBL) und daraus Unterschiede im Grad der Sättigung entstehen. Wie ist das zu verstehen? Man könnte zunächst vermuten, jedes Gemeindemitglied brachte zu einem Sättigungsmahl, das dem Herrenmahl vorausging, die eigene Portion mit; die mit dem Herrenmahl unvereinbaren Unterschiede ergaben sich daraus, daß manche viel, andere wenig mitbrach- ten. Dazu würde auch V. 22a zur Not noch passen: Jeder soll einfach zu_ Hau- se essen und trinken. Damit wären die Unterschiede zwar nicht aufgehoben, aber weniger manifest. Die eigentlichen Probleme beginnen aber mit V.22b. Angesprochen sind hier eindeutig nicht mehr alle bzw. "jeder", sondern nur ein Teil der Gemeinde, nämlich der, der sich von den übrigen durch Besitz unterscheidet und diese in einer Weise behandelt, die als Verachtung gedeutet werden kann und von Paulusgetadelt wird. Da in V.22b nichts auf einen Adressatenwechsel hindeutet, müssen dieselben Leute schon in V. 22a ge- meint sein. Das legt ein etwas anderes Verständnis dieses Versteils nahe. Da es sich um bessergestellte Kreise handelt, wird man doch wörtlicher überset- zen dürfen: "Habt ihr keine Häuser zum Essen und Trinken?" (anstelle von: "Könnt ihr nicht zu Hause essen und trinken?"). Auch V.21 stellt sich dann etwas anders dar. Nur der Betrunkene gehört doch wohl zum Kreis der Adressaten, der Hungernde dagegen zu den Habenichtsen von V.22b. Wie soll man von daher das "jeder" in 21 a verstehen? Es gibt j~ nun immerhin die Möglichkeit, es nur auf die bessergestellten Adressaten zu beziehen ("jeder von euch"). Bringen also vielleicht nur die Wohlhabenderen Speisen mit? Und nehmen vielleicht nur sie das "eigene Mahl" vorweg? Erweitert werden diese Anfragen durch V.33f: Hier sind ja (zumindest primär) dieselben Personen angesprochen (sie haben ein Haus und etwas zu essen), auch wenn die Anrede ganz allgemein ist. Wenn sie zum Warten auf die anderen aufge- fordert werden - könnte das nicht mit dem "Vorwegnehmen" zu tun haben? Und hieße das nicht, sie nehmen etwas, das zum gemeinsamen Herrenmahl gehört, in ihren Privatmählern vorweg? Dann wäre der Vorwurf des Paulus nicht, daß ein gemeinsames, aber verschieden reichhaltiges Sättigungs mahl 56 Anders wird V.19 von Campbell, Paul pass., verstanden, der übersetzen will: "For there actually has to be discrimination in your meetings, so that if you please the elite may stand out from the rest" (70)., dem Herrenmahl vorausgeht, sondern daß nur manche ein Sättigungsmahl vor dem allen gemeinsamen Herrenmahl abhalten. Aber läßt sich diese Deu- tung mit dem Wortlaut von V.21 vereinbaren? Einige der am meisten umstrittenen Punkte sind damit zur Sprache ge- kommen. Das, Hauptproblem liegt darin, ob man an dem nächstliegenden, wörtlichen Verständnis von V.21 festhält und V.22.33f damit zu verbinden versucht, oder ob man von V.22.33f ausgeht und ein dazu passendes Ver- ständnis von V.21 findet. Es gibt auch Zwischenlösungen. Eine wichtige Deutung hat G. Bornkamm entwickelt. 57 Sie wurde beson- ders in einem Punkt einflußreich: Bornkamm nimmt an, daß die besserge- stellten korinthischen Christen früher mit dem Sättigungsmahl begannen als die ärmeren; "unter den Minderbemittelten und lieblos Zurückgesetzten sind vor allem die kleinen Leute, die am Abend sich nicht so leicht aus ihrer Ar- beit lösen können, also sicher vor allem Sklaven, die nicht Herren ihrer Zeit sind und zu spät kommen, ohne daß die Bemittelten Rücksicht auf sie neh- men" . 58 Die Feier des sakramentalen Herrenmahls stand als Höhepunkt am Ende einer Mahlzeit, "bei der man zusammen aß, was jeder nach Vermögen dazu beigesteuert hatte".59 Weil der Höhepunkt am Schluß stand und daran tatsächlich alle, auch die inzwischen dazugekommenen Armen, teilnehmen konnten, hatte man unter den Reicheren keine Skrupel, zuvor im kleinen und sozial homogenen Kreise zu speisen. Paulus nahm diese faktische Trennung von Mahl und Feier nicht hin: Den ärgsten Hunger konnte man zu Hause stil- len; ansonsten sollte das Mahl gemeinsam eingenommen werden und mit der sakramentalen Feier verbunden sein.60 Fraglich an dieser Rekonstruktion ist vor allem die Annahme, die sakra- mentale Feier habe ihren Ort am Ende des gemeinsamen Mahls gehabt. Dies stünde ja eindeutig im Gegensatz zur Herrenmahlparadosis, wo zwischen Brotwort und Becherwort ein "OBL7rVijeTO/L" (11,25) erwähnt wird. Paulus kann m.E. diese Formel nicht wiederholen, ohne vorauszusetzen oder einzuschär- fen, daß die Gemeinde sich an die darin enthaltene Abfolge hält bzw. halten muß.61 Zum anderen ist bei Bornkamm nicht klar, wie denn alle etwas zum 57 Bornkamm, HerrenmahJ (Erstveröffentlichung 1956). Die meisten Elemente dieser Deu- tung vertritt auch Klauck, Herrenmahl 292-297. 58 Bornkamm, aaO. 142. 59 Ders., aaO. 143f. 60 Vgl. ders., aaO. 144f. 61 So auch Roloff, Kirche 105 mit Anm.48; Lampe, Herrenmahl 183f; Theißen. Integration 298f.,

Sättigungsmahl beisteuern können, wenn sie doch z. T. überhaupt erst danach

eintreffen. 62

G. Theißen kommt in einem soziologisch orientierten Ansatz 63 vor dem Hintergrund der nichtchristlichen Mahlpraxis zu anderen Ergebnissen, die er

so zusammenfaßt: "Einige reichere Christen ermöglichten durch ihre Spenden das Gemeinschaftsmahl, das für alle Brot und Wein vorsah. Durch die Herrenworte wurden diese Spenden als Ei- gentum des Herrn deklariert und der Gemeinde zur Verfügung gestellt. Neben diesem Gemeinschaftsessen konnte deshalb ein 'eigenes Mahl' stattfinden, weil der Beginn des Herrerunahls nicht geregelt war und bis zu diesem Beginn (d.h. bis zu den Einsetzungs- worten) die mitgebrachten Spenden privates Eigentum waren, vor allem aber deswegen, weil die reicheren Christen über Brot und Wein hinaus noch eine Zukost aßen, deren Verteilung an die Gemeinschaft in den Einsetzungsworten gar nicht vorgesehen war" .64

Das gemeinsame Mahl, das nur aus Brot und Wein besteht, wird also nicht

von allen, sondern von einigen reicheren Christen zur Verfügung gestellt, die selbst aber bereits früher zu tafeln beginnen und mehr und Besseres zu essen haben als die übrigen. Die Stellungnahme des Paulus ist für Theißen "ein gu- tes Beispiel für das in den paulinischen Gemeinden sich herausbildende Ethos urchristlichen Liebespatriarchalismus, das uns am reinsten in den Haustafein der Deuteropaulinen entgegentritt". 65 Paulus fordert nämlich nicht, über Brot und Wein hinaus auch die Zukost (Fleisch, Fisch etc.) gleichmäßig zu vertei- len, also ein wirkliches Gemeinschaftsmahl zu halten, sondern nur, die so- zialen Gegensätze nicht in der Gemeinde zu demonstrieren, sprich: die besse- ren Mähler auf den häuslichen, privaten Bereich zu beschränken. 66

Ein Teil dieser These beruht auf der sehr wackligen Annahme,

7rPOAOlP.ß&V8L (V.21) habe hier die Bedeutung von "einnehmen, zu sich neh- men" , 67 so daß in V. 21 nicht nur der frühere Beginn, sondern auch die be- sondere Menge und Qualität des Essens der Reicheren, des röwv ÖeL7rVOII, an- gesprochen sei. 68 Hier stützt sich Theißen auf einen einzigen Beleg, während 7rpOAOlp.ßallllJJ sonst offenbar durchweg zeitliche Konnotation hat. 69 Zudem ist es ein unbegründetes Postulat, die Überführung der privaten Nahrungsmittel 62 Richtig Klauck. Herrerunahl 293: 8KOlC1TOt; steht unpräzis für "jeder, der dazu imstande ist" und meint nur die Wohlhabenderen; ähnlich Theißen. aaO. 294. 63 Theißen, Soziale Integration und sakramentales Handeln (Erstveröffentlichung 1974). 64 Ders., aaO. 307. 65 Ders., aaO. 312. 66 So auch Klauck, Herrerunahl294. 67 So otl"enbar auch Roloff, Kirche 105. 68 So TheiJ~en, Integration 300. 69 Vgl. die Überprüfung der Belege bei Lampe, Herrenmahl 191 Anm.28; ferner Klauck, Herrenmahl 292 mit Arun.39., in Gemeinschaftseigentum an den Zeitpunkt und Inhalt. der Einsetzungsworte zu binden - warum sollte diese Stiftung nicht früher und umfangreicher statt- finden, wie das ja auch aus Vereinen belegt ist? Schließlich ist auch nicht vorstellbar, daß die änneren Korinther allein mit Brot und Wein ein OSL7rPOV hielten und so der Herrenmahlparadosis entsprachen. Zu einem abendlichen ÖSL7rPOV gehörte über Brot hinaus nonnalerweise Zukost.7o Als letzte 71 bespreche ich eine relativ neue Deutung von P. Lampe,n die durch Materialreichtum besticht. Auch hier beginnen die Reicheren ihr Essen früher, und zwar nach der Sitte des BPOiPO<;, d.h. so, daß jeder etwas dazu beiträgt. Sie "interpretieren ihr 'Voressen' ( ... ) als regelrechtes OSL7rPOV (cena/primae mensae; cf. 1 . Kor 1l,21a) unter sozial mehr oder weniger gleichgestellten FreUnden. Zur Pause zwischen primae und secundae mensae, also zwischen cena/tJ8L7rPOV und comissatio/u1Jj.l.7rOUWP, treffen die sozial niedrigeren Christen ein",73 Diese secundae mensae, der Nachtisch, gelten nun als das sakramentale Herrenmahl. Die änneren Christen können nicht viel mitbringen, von dem BPOiPOC; der Reicheren ist aber nicht mehr genug für alle übrig. Die Situation der später dazugekommenen Christen wird dadurch noch verschlechtert, daß sie im eigentlichen Speisezimmer (triclinium), wo die Reicheren schon seit längerem tafeln, keinen Platz mehr finden und sich nur noch im Atrium oder Peristyl niederlassen können. Paulus dagegen will, daß das Mahl nicht aufgeteilt wird, sondern daß erst nach Eintreffen aller das Sättigungsmahl, das zugleich Herrenmahl ist, begonnen wird; zuvor darf höchstens der einzelne seinen schlimmsten Hunger lindern, um auf die Mitchristen warten zu können. Die mit dieser Rekonstruktion verbundenen zahlreichen Belege zur übli- chen Mahlpraxis (z.B. zur Unterscheidung zwischen primae und secundae mensae) sind zwar hochi~teressant, für die Situation in Korinth aber m.E. kaum relevant. Die be~d.I?E...größten Schw..ieri.&..~~~~~n sind: 1. Warum sollten alle änneren Christen gerade zur Pause zwischen Hauptgericht und Nachtisch eintreffen? Man darf ja nicht heutige deutsche Verhältnisse voraussetzen, wo es feste Ladenschlußzeiten und geregelte Schichtarbeit gibt. Viel wahrschein- licher ist doch, daß die Ärmeren nach und nach eintrafen und daß, wenn schließlich alle da waren, mit dem Herrenmahl begonnen wurde. 2. Lampe 70 Vgl. Lampe, aaD. 204f. 71 Ich übergehe die These von Hofius, Herrenmahl bes. 384-391, die wesentlich von dem m.E. unhaltbaren Verständnis von 7rPO'Nxp..ß6t1'8W (V.21) als "einnehmen" und sKöixcu80tL (V.33) als "annehmen, gastlich aufnehmen, bewirten" abhängt. 72 Lampe, Herrenmahl (1991). 73 Ders., aaO. 198., weist zwar zu Recht darauf hin, daß der Nachtisch nicht immer süß war, son- dern z.B. "Gebäck, Obst, Gemüse, verschiedene Fleischsorten und Meeres- fruchte"74 enthalten konnte. Dennoch gab es natürlich zu den "Zweittischen" andere Speisen als zum Hauptgang. Damit wird aber Lampes Rekonstruktion unmöglich. Er übersieht nämlich, daß die Reicheren, die ihm zufolge zwar nicht allein, aber im wesentlichen das Essen bereitstellten, für den Nachtisch sicher anderes mitgebracht hätten als das, was sie zuvor schon unter sich verspeisten. Bei Eintreffen der Ärm~ren zu den secundae mensae müßten dann ja neue Speisen bereitstehen. Mit seiner These ist also die Annahme nicht vereinbar, daß vom epOiJloc; der Reicheren nicht mehr genug übrig war, um alle satt zu bekommen, denn das setzt voraus, daß das Hauptessen ein- fach weiterging. Damit komme ich zu einer eigenen Rekonstruktion, die aus den genann- ten Schwierigkeiten zu lernen versucht. Es gab wohl tatsächlich einen kleinen Kreis von reicheren Christen, die bereits nachmittags "unter sich" mit ihrem Sättigungsmahl begannen. Sie brachten aber das Essen für die ganze Gemein- de mit, waren also Patronen oder Amtsträgern in Vereinen ähnlich. Die nach und nach dazukommenden ärmeren Christen bekamen zwar daran Anteil, vermutlich allerdings in anderen Räumen und damit auf weniger ehrenvollen Plätzen. Nur die zuletzt Kommenden hatten davon nichts mehr, denn gleich nach ihrem Eintreffen, d.h. bei Vollständigkeit der Gemeinde, begann mit dem Brotwort das Herrenmahl. Die Mahlzeit zwischen Brot- und Becherwort hatte nun für die Teilnehmer ganz verschiedenen Charakter: Für die "Patro- ne" war es ein sakramentales Mahl, das nicht mehr zur Sättigung diente und deshalb eher symbolisch ausgestattet wurde (wenn auch kaum nur mit Brot und Wein), für einen Teil der anderen war es zugleich ihre Hauptmahlzeit, die nur eben zu spärlich bestückt war. Die Stellungnahme des Paulus verstehe ich wie Bornkamm und Lampe: Paulus kritisiert die Spaltung in der Gemeinde, die durch die Trennung von Sättigungs- und Herrenmahl entsteht und die sich an den sozialen U nterschie- den orientiert. Er will also nicht nur, wie Theißen es sieht, die Manifestation solcher Unterschiede verhindern. Die Aufforderung in V.33: "Wartet aufein- ander!", muß sich auf das Mahl beziehen, das die Reicheren üblicherweise begannen, ohne zu warten; es geht also um das Sättigungsmahl. Das Zuge- ständnis in V.34 kann deshalb nur eine kleine Stärkung meinen, die das War- ten auf die eigentliche Sättigung ermöglichen soll. In diesem Fall kann von "Liebespatriarchalismus" nicht die Rede sein. Es geht nicht darum, status- 74 Ders., aaD. 200., entsprechendes Verhalten (hier: festliches Tafeln unter Gleichgestellten) auf den privaten Bereich (die eigenen Häuser) zu begrenzen, um die Manifesta- tion von Statusunterschieden in der Gemeindeversammlung zu minimieren. Es geht vielmehr um einen Verzicht auf solches Verhalten (zumindest an den Tagen, an denen in der Gemeinde das Herrenmahl gefeiert wird). ~ät!igungs­ und Herrenmahl sollen eine Einheit bilden, an der alle teilnehmen und bei der die Ungleichheit sich darauf beschränkt, daß die Reicheren das Essen für alle mitbringen. Wie stellen sich nun die kritisierten Verhaltensweisen und die paulini- sche Alternative im Kontext des üblichen Sozialverhaltens der Zeit dar? So- wohl Lampe wie Theißen verweisen auf vielfältige Parallelen, die freilich z.T. ihre Rekonstruktion voraussetzen (bzw. stützen sollen). Zunächst zum Beginn des Mahls "unter sich" und dem späteren Dazukommen anderer: Daß neue Gäste "zu bereits' auf Touren gekommenen Trinkgesellschaften hin- zu (stoßen, Th.Sch.)",75 ist nichts Besonderes. Lampe zitiert ein diesbezügli- ches Sprichwort,76 in dem allerdings von "Freunden", also von sozial Gleich- gestellten, die Rede ist. Daß Ärmere dazukommen, ist wohl ein besonderer Zug. Schon deshalb ist es nicht naheliegend, die Ga auch nur zu vermutende) Unterbringung der späteren Gäste außerhalb des eigentlichen Speisezimmers mit der Sitte zusammenzubringen, daß "niedriger stehende Klienten ( .. ) vom Patron im Atrium empfangen und abgefertigt (wurden)". 77 Diese Sitte hat mit Gastmählern nichts zu tun. Die gesonderte Unterbringung wird nicht mit ei- nem "Abfertigen", sondern einfach mit den räumlichen Gegebenheiten zu- sammenhängen, auf die in anderem Zusammenhang Lampe selbst auf- merksam macht: "Ein kaiserzeitliches Triclinium bietet höchstens 9-12 lie- genden Personen Platz 11 .78 Ein weiterer Punkt ist die Versorgung der Tisch- gesellschaft mit Speisen. Hier gibt es in der Umwelt verschiedene Formen: 1. Einladungen, bei denen der Gastgeber für alles sorgte; 2. Mähler, zu de- nen jeder Gast etwas beisteuerte;79 3. speziell in Vereinen auch Mähler, bei denen ein odere mehrere Wohltäter die Speisen stifteten. 8o Die Situation in Korinth entspricht wohl der dritten Form. Vereinsmähler sind auch darin die 75 Lampe, aaO. 198 Anm.44 (mit Belegen). 76 Ders., aaO. 198 Anm.45: '''AK).:qTL Kwp.a!OVuLP s~ r/JCAwp r/JiAOL" (Zenobius, Epitome 2,46). 77 Ders., aaO. 201. 78 Ders., aaO. 190. 79 Diese Sitte des 8PCiPO~ wird von Lampe gut belegt (aaO. 194-197); vgl. auch Klauck, Herrenmahl 293. 80 Vgl. o. § 5,1 und 2., nächste Parallele, daß dort Patrone und Amtsträger mit größeren Anteilen an den selbst bereitgestellten Gaben ausgezeichnet werden. 81 Dasselbe geschah ja faktisch, wenn auch nicht ausdrücklich, in der korinthischen Gemeinde. Dagegen kann man die in der Umwelt oft bezeugte und beklagte Sitte unter- schiedlicher Qualitlit des Essens für die Gemeinde kaum in Anschlag brin- gen: Die Spender aßen in jedem Mahlabschnitt dasselbe wie die übrigen. 82 Al!es in allem _'!Y~!' Aas._ ~Q.~!l.!!hj§c.!t.~_B_~'!'~.I}rnaJ!l. ei_!l~_I!). .. y e~C!!~~_~ahl ähnlich..mit den Unterschieden, daß im Verein die Patrone normalerweise nicht teilnahmen und daß hier ein versetzter Mahlbeginn kaum denkbar war und m. W. auch nicht bezeugt ist. Das Verhalten der Wohltäter in Korinth läuft demnach auf einen Komprorniß hinaus: Sie separierten sich nicht völlig, int~grierten sich abe~ auch nicht ganz. 83 Die Haltung des Paulus legt demge- genüber Wert auf eine vollständige Integration, die sich von der in Vereinen üblichen auch darin unterscheidet, daß er vermutlich an ein echtes Gemein- schaftsmahl ohne Staffelung der Portionen denkt. 3. Zusammenfassung und Auswertung In paulinischen Gemeinden konnten wir an zwei Punkten Ähnlichkeiten zu Vereinspatronen entdecken: zum einen in der relativ breit bezeugten Erschei- nung einer gutsituierten Führungsschicht, die der Gemeinde ihr Geld, ihr Haus oder ihren Einfluß zur Verfügung stellte und (insbesondere in ihrer Hausgemeinde) eine gewisse Leitungsfunktion innehatte; zum anderen in ei- nigen Mitgliedern der korinthischen Gemeinde, die Speisen für das Herren- mahl spendeten, sich aber nicht völlig in das Gemeindemahl integrieren woll- ten; diese dürften ebenfalls zur erstgenannten Führungsschicht gehören. Die soziale Analogie zwischen Gemeinde- und Vereinspatronen besteht vor allem im Zusammenhang zwischen Dienst und Prestige: Nur Einsatz für die Grup- pe führte zu gesteigertem Status. Daneben fielen uns einige Unterschiede auf: 1. das Fehlen der üblichen Terminologie, 2. die intensive Beteiligung der Patrone am Gemeindeleben und 3. die Probleme der Patrone mit ihrer Anerkennung durch die Gemein- de. Diese drei Punkte seien noch etwas erläutert. Zur Terminologie: Der ein- zige Begriff, der in der Patronatssprache klar seinen Platz hat, ist bei Paulus 7rpOUTOtnc; (Röm 16,2); im Kontext ist er hier aber allgemein als "Beistand" 81 Vgl. o. § 5,2. 82 Gegen Theißen, Integration 302-305; Chow, Patronage 111. 83 Von einem Kompromiß spricht auch Theißen, aaO. 311; allerdings sieht dieser Kompro- miß in seiner Sicht ganz anders aus, vgl.o., zu verstehen. 84 Ansonsten verwendet Paulus für die patronale Führungs- schicht Bezeichnungen wie uVlJsp-yoi (Röm 16,3.9), 5LcXKOVOL (Röm 16,1; 1 Kor 16,15; Phil 1,1) und K07nwvTSr;; (Röm 16,12; 1 Kor 16,16; 1 Thess 5,12), alles Termini, die in der Umwelt gerade nicht auf Leute mit besonde- rem Status hindeuten würden. 85 Dies hat unter anderem mit dem zweiten Punkt zu tun: Patron-Sein be- deutete in den paulinischen Gemeinden, anders als in Vereinen, nicht nur die Erfüllung finanzieller Verpflichtungen oder die Vertretung der Gruppe nach außen. Patrone übernahmen hier mühevolle, mit regelmäßiger Teilnahme (z.B. an den Mählern) und persönlichem Einsatz verbundene Aufgaben. Des- halb kann man zwischen Patronen und Amtsträgern (oder besser: Funk- tionsträgern) kaum unterscheiden und ließe sich vieles von dem Besproche- nen auch im nächsten Punkt unterbringen. Die Gemeindepatrone entsprachen übrigens auch darin mehr den Amtsträgern in Vereinen, als sich aus ihrer Tä- tigkeit kein gesamtgeseUschaftlicher, sondern nur ein Statusgewinn innerhalb der Gruppe ergab. 86 Es existieren m.W. keine frühchristlichen Inschriften, die nach Art der Vereine die Gemeindepatrone öffentlich ehrten. Mit dem persönlichen Engagement kommen wir zum dritten Punkt: Patrone haben in Gemeinden schon einfach deshalb eine angefochtenere Stel- lung als in Vereinen, weil sie sich auf das konkrete Gemeindeleben mit sei- nen Konflikten einlassen. Es ist für die Gruppe leichter, einen Patron zu ehren, der auf Distanz bleibt, als einen, der aufgrund seines Einsatzes eine gewisse Leitungsfunktion beansprucht. In § 7) hatten wir das Programm aufgestellt, weder unbesehen von Ka- rinth auf andere Gemeinden noch vom Gemeindeideal des Paulus auf die Ge- meindewirklichkeit zu schließen. Im Rückblick können wir nun vermuten, daß - soweit das Patronat betroffen ist - in beiden Hinsichten das. Gemeinsa- me überwiegt. Die Bezeichnungen aus den Wortfeldern Dienst, Mühe und Arbeit, die Paulus für die Patrone verwendet, entsprechen ihrer tatsächlichen Rolle; diese Rolle ist in den verschiedenen Gemeinden im wesentlichen die- selbe. 87 Die von Paulus gerügten Phänomene der Parteien und des Un- zuchtsünders haben mit Patronen nichts zu tun. Lediglich die Mißstände beim 84 Vgl.o. 1. 85 Vgl. dazu Marshall, Enmity 145f. 86 Dies gilt eingeschränkt offenbar auch für die Patrone der Synagogen: Auch hier hielten sich die öffentlichen Ehrungen in Grenzen, obwohl ansonsten das Ethos des Euergetisrnus weit deutlicher zu erkennen ist als in den frühchristlichen Gemeinden; vgl. dazu Rajak, Archisynagogoi 87f. 87 Vgl.o. 2.1., Herrenmahl zeigen einen gewissen Gegensatz zwischen Paulus und der Ge- meinde; auch hier sind aber die Positionen nicht so weit auseinander, wie aufgrund anderer Rekonstruktionen der Situation in Korinth oft angenommen wird. Von einer Kluft zwischen Paulus und der korinthischen Gemeinde bzw. zwischen dieser und anderen Gemeinden kann man in der Gestaltung des Patronats nicht sprechen. § 9) Funktionsträger der Gemeinde Am Anfang dieses Paragraphen stehen wir der Schwierigkeit gegenüber, die Funktionsträger von Patronen abzugrenzen. Wäre (wegen des Engagements der in § 8 behandelten Personen in den Gemeinden) nicht auch folgende The- se vertretbar gewesen: In den Paulusgemeinden gab es keine Entsprechung zu Vereinspatronen, sondern allenfalls zu den Amtsträgern in Vereinen, die ja auch als Wohltäter auftraten? Mir scheint aber dennoch eine Unterscheidung zwischen beiden Gruppen auch in den Gemeinden berechtigt. Bei den als Patrone genannten Mitgliedern bestand die primäre Funktion nämlich in der Bereitstellung von Haus, Geld, Speisen usw.; erst sekundär wuchs ihnen, we- sentlich stärker als den Vereinspatronen, dadurch eine Leitungsfunktion zu. Bei den jetzt zu behandelnden Personen ist dagegen die primäre Funktion ein nicht-materieller Einsatz für die Gemeinde. Eine zweite Schwierigkeit ist die Auswahl aus den vielen Detailproble- men der paulinischen Gemeindeordnung. Ich beschränke mich auf die Aspek- te, die sozialgeschichtlich relevant sind (und auf einige neuere Veröffentli- chungen dazu): die Fragen nach dem Amtscharakter der Gemeindefunktionen und nach dem (vorausgehenden oder resultierenden) Status ihrer Träger. J. Funktion und Amt Die Paulusgemeinden lassen sich mit den Alternativen Funktion oder Amt, Charisma oder Institution nicht zutreffend beschreiben. Immer mehr setzt sich heute eine Sichtweise durch, die bei aller Flexibilität der paulinischen Gemeindestruktur doch auch Elemente einer beginnenden und gewollten In- stitutionalisierung entdeckt und beides ernst nimmt. Die Gemeindefunktionen werden nicht einfach je nach dem Wirken des Geistes, der weht, wo er will, von ganz verschiedenen Personen in unvorhersehbarem Wechsel wahrgenom- men, sondern sie besitzen ein "Moment der Stetigkeit und VerliifJlichkeit". 88 88 Roloff. Kirche 139 (Hervorhebung im Original)., Zumindest läßt sich 1,leobachten, daß sie längerfristig von denselben Leuten ausgeübt werden, die in diesen Positionen von der Gemeinde anerkannt wer- den und ihr gegenüberstehen. Dessenungeachtet läßt sich von Ämtern im ei- gentlichen Sinn nicht sprechen, denn sie werden nicht nach einem feststehen- den Verfahren übertragen und sind auch in ihren Rechten und Pflichten nicht einheitlich und verbindlich geregelt. 89 Wenn also amtsähnliche Strukturen zu beobachten sind, stellt sich die weitere Frage nach einer Rangordnung. Schon die Charismenliste von 1 Kor 12,28 legt es nahe, eine Abstufung anzunehmen: es gibt durch göttliche Einsetzung "erstens Apostel, zweitens Propheten, drittens Lehrer"; die übri- gen Charismen werden katalogartig angereiht. Wenngleich der Abbruch der Zählung einerseits Hinweis auf die Verwendung von Tradition sein dürfte,90 so doch andererseits auch auf eine Rangfolge zweier Gruppen. Die Apostel waren übergemeindliche, missionierende Funktionsträger; deshalb ist es von vornherein naheliegend, daß sie für die von ihnen gegründeten Gemeinden die oberste Autorität darstellten. Paulus selbst sieht sein Apostolat jedenfalls als die notwendige Konkretisierung des Evangeliums, die an dessen Autorität teilhat. 91 In der Regel wurde ein solcher Anspruch von den Gemeinden auch akzeptiert. Die beiden anderen herausgehobenen Gruppen, Propheten und Lehrer, sind untereinander enger verwandt als mit den Aposteln, insofern es sich um innergemeindliche Autoritäten handelt, die also bestehende Gemein- den voraussetzen. 92 Die übrigen Funktionen sind den ersten drei zwar unter- geordnet, teilen mit ihnen aber die Einsetzung durch Gott und den geistge- wirkten Charakter des Charismas. Innerhalb dieser katalogartigen Liste kann man kaum mehr eine durchgängige Abstufung erkennen. Auffällig ist aber doch, daß nicht nur die Zungenrede am Ende der Aufzählung steht (wofür Paulus aktuellen Anlaß hatte), sondern auch die eigentlichen Leitungsfunk- tionen (KvßeppfjueL<;). Hier konnten sich vermutlich nicht nur die Gemeinde- patrone, sondern auch die wiederfinden, die ihre organisatorischen Fähigkei- ten und Führungsqualitäten in den Dienst der Gemeinde stellten. 89 Diese oder eine ähnJiche Sicht der paulinischen Gemeindefunktionen vertreten Roloff, aaO. 138f; Baumert, Charisma 224-226; Hainz, Ekldesia 340f.349f; Holmberg, Paul 110- 113. 1 94f; Kertelge, Ort 202; Klauck, 1 Kor 93; Luz, Charisma 84-86; MacDonald, Chur- ches 56f.60; Nardoni, Concept 74; vorsichtiger Becker, Paulus 192.450. 90 Vgl. Kertelge, aaO. 195f. 91 Vgl. Nardoni, Concept 78; Kertelge, aaO. 190f. 92 Vgl. Holmberg, Paul 97-100. Kertelge, aaO. 193-196, sieht (in AnJehnung an und Abhe- bung von Harnack) sogar eine doppelte Amtsstruktur im gesamtkirchlichen Apostolat ei- nerseits und den ortsfesten Propheten und Lehrern andererseits., Zwischen den Aposteln und den lokalen Charismen gab es noch eine Gruppe von übergemeindlichen Mitarbeitern, die vor allem den Kontakt zwi- schen Paulus und den einzelnen Gemeinden aufrechterhielten. 93 Sie konnten dazu von Paulus (z.B. Timotheus [1 Thess 1,1; 3,2; 2 Kor 1,19], Titus [2 Kor 2,13; 7,5-16; 8,6.16-24], Silas [2 Kor 1,19; 1 Thess 1,1]) oder von den GemeInden (Epaphroditos [Phi! 2,25; 4,18]) besteUt werden. Die Grenze zwischen ihnen und innergemeindlichen Diensten ist fließend, wie die Bei- spiele des Stephanas (der Paulus wohl die Anfragen der Korinther überbringt [l Kor 16,17]) und des Epaphroditos zeigen. Alles in allem war die Struktur paulinischer Gemeinden vage. Diese Feststellung wird keineswegs in Frage gestellt, wenn man die Ausführungen in 1 Kor 12 nicht als eine Beschreibung sozialer Realität, sondern als eine Art Utopie versteht, in deren Richtung Paulus die Realität in Korinth verän- dern wollte. 94 Die Charismen stehen ja nicht im Gegensatz zu Gemeindeäm- tern; völlig zu Recht und für den heutigen Forschungsstand repräsentativ deutet Klauck diese Utopie vielmehr so, "daß Paulus der Entwicklung von Ämtern einen kräftigen Impuls mitgibt, indem er sie nicht nur hinnimmt, sondern durch Eingliederung in das charismatische Modell theologisch auf- wertet" .95 Wenn I Kor 12 so zu lesen ist, dann kann man es nicht mit Desin- teresse oder gar einer ablehnenden Haltung des Paulus erklären, daß seinen Briefen keine Hinweise auf klare Strukturen zu entnehmen sind. Auch eine Sonderstellung der korinthischen Gemeinde in dieser Frage halte ich für un- wahrscheinlich. 96 Der entscheidende Grund für die Unterentwicklung lokaler Strukturen ist ja die apostolische Autorität des Paulus selbst,97 die nicht auf die Grundungsphase und die Verkündigung des Evangeliums beschränkt war, sondern die Gemeinden begleitete und sich auch auf konkrete Probleme ihres Lebens bezog. 98 Diese Autorität übte Paulus in Korinth aber nicht stärker als in anderen Gemeinden aus. Zum anderen lassen die wenigen entsprechenden Nachrichten aus anderen Gemeinden (verwiesen wird gern auf Röm 12,6-8; 16,lf; 1 Thess 5,12) keine weiterentwickelte Struktur annehmen; die einzige Ausnahme sind hier möglicherweise die Episkopen und Diakone von Phil 1,l.99 93 MacDonald, Churches 54, spricht von einem "fluid and complex network of leaders lin- king the communities together". 94 So Holmberg, Paul 122f. 95 Klauck, 1 Kor 93; so auch Holmberg, aaO. 194f. 96 Gegen Roloff, Kirche 132; Holmberg, aaO. 114-116. 97 So auch Roloff, aaO. 132; Holmberg, aaO. 117f; Hainz, Ekklesia 344. 98 Vgl. Nardoni, Concept 77-79 (gegen v.Campenhausen). 99 Auch Roloff, Kirche 143, sieht hier ja das Zeugnis "einer weiteren Entwicklungsstufe" gegenüber den bei Paulus sonst "wortbezogenen Ämter(n)" ., Es bleibt also festzuhalten: Es eXlstlerte in den Paulusgemeinden zwi- schen Patronen und einfachen Mitgliedern keine klar definierte Schicht von Amtsträgern (geschweige denn ein cursus honorum), die den Gegebenheiten in Vereinen auch nur in etwa entsprach. loo Eine Übereinstimmung besteht nur darin, daß es hier wie da keine Einheitlichkeit der Funktionen und Titel gab, was freilich bei den völlig selbständigen Vereinen weniger auffällt als bei den untereinander zumindest über Paulus verbundenen Gemeinden. 2. Der Status der Funktionsträger Über den für eine Funktionsübernahme nötigen und den aus ihr resultieren- den Status läßt sich angesichts des gerade angedeuteten Befundes nicht viel sagen. Relevant könnte sein, daß die gleiche Funktion in einem Titel und in der (oft partizipalen) Beschreibung einer Tätigkeit erscheinen kann, die offenbar von weiteren Kreisen ausgeübt wird: neben den 7rPOcPiiTO/L (1 Kor 12,28f; 14,29) der/die 7rPOcfJ11TSVWII/-ovUO//-OIlTst; (1 Kor l1,4f; [vgl. 14,1.5.39]); ne- ben den 5LoaUKD/AOL (1 Kor 12,28t) der oLOaUKWII (Röm 12,7) bzw. der KO/TT/XOVP.SIIOt; (Gal 6,6). Ähnlich wird das Ermahnen (lIov(JsTew) in 1 Thess 5,12 von einer patronats- und amtsähnlichen Gruppe, direkt danach (5,14) von der gesamten Gemeinde erwartet. 101 Damit ist das oben Gesagte nicht aufgehoben, wonach es eben doch eine dauerhafte Wahrnehmung bestimmter Funktionen durch bestimmte Personen gab. Jede solche Zuordnung führt über kurz oder lang zu einer Beschränkung der Funktion auf die betreffende Grup- pe. Bei Paulus ist dieses Stadium aber offenbar noch nicht erreicht. Die Grenzen sind, anders als in den meisten Vereinen, noch durchlässig; die Amtsträger nehmen eine Verantwortung wahr, die der gesamten Gemeinde zukommt und von ihr nur teilweise abgegeben wird. l02 Man wird deshalb vermuten dürfen, daß dort, wo sie abgegeben wird, d.h. in den amtsähnli- chen Funktionen, diejenigen die Gemeinde repräsentierten, die besonders dazu geeignet waren; das entspricht auch der paulinischen Charismenlehre, wonach sich die Gaben des Geistes in einer besonderen Fähigkeit oder Eig- nung zeigen. Geeignet konnte man aber durch statusabhängige wie statusun- abhängige Faktoren sein: z.B. durch überdurchschnittliche Bildung und mehr 100 Daß auch in Vereinen institutionalisierte Ämter zugunsten hoher Beteiligung aller Mitglieder fehlen können, zeigt der oben besprochene Kultverein des Dionysios. Hier han- delt es sich aber um eine klare Ausnahme. 101 In V .14 liegt kein Adressatenwechsel vor; vgl. Holtz, 1 Thess 250f. 102 Vgl. Becker, Paulus 192., freie Zeit 103 oder durch angeborene Begabung und persönliche Reife. Nicht nur die Patrone, sondern auch ein Teil der Funktionsträger besaß demnach gehobenen sozialen Status. Es gab aber wohl auch solche, die sich auf ande- rem Wege für einen Dienst qualifizierten. Damit standen die paulinischen Gemeinden etwa in der Mitte zwischen den besser gestellten Vereinen, bei denen wir eine Tendenz zur Amtsmonopolisierung durch eine kleine, besit- zende Gruppe feststellten, und den ärmsten collegia tenuiorum, bei denen alle Mitglieder Zugang zu Ämtern hatten, die Ämter teilweise sogar rotierten. In den Gemeinden gab es weder Amtsmonopolisierung noch Amtsrotation, son- dern eine amtsähnliche, veränderliche und nicht-exklusive Bündelung von Funktionen nach Gesichtspunkten der Fähigkeit bzw. Befähigung. Die Frage nach dem aus solcher Funktionsübernahme resultierenden Status- gewinn läßt sich kürzer beantworten. Wenn es eine Rangordnung der Funk- tionen gab, dann natürlich auch gestaffelten Status. Paulus unterstreicht zwar in I Kor 12 den gemeinsamen Ursprung der Gaben im Geist und damit ihre grundlegende Gleichheit; damit kann er aber keine völlige Gleichordnung meinen, denn er fordert die Gemeinde ja ausdrücklich auf: "Strebt nach den größeren Gaben (rG! XapLop.am rG! /J.8Lf'olla)!" (1 Kor 12,31). Auch in der Gemeindewirklichkeit gab es offenbar eine unterschiedlich hohe Ein- schätzung der einzelnen Funktionen, die allerdings inhaltlich von der des Paulus z. T. abwich (vgl. etwa die korinthische Hochschätzung der Glossola- lie). Dennoch können wir den Paulusbriefen keine Hinweise auf ähnliche Re- gelungen wie in Vereinen entnehmen, wo durch Zuweisung unterschiedlicher Portionen oder durch unterschiedliche Strafbestimmungen die gruppeninterne Hierarchie verstärkt wurde. Die in § 8 und § 10 besprochenen Konfliktfälle lassen durchaus erkennen, daß es in den Gemeinden Tendenzen in dieser Richtung gab; keiner dieser Fälle bezieht sich aber direkt auf die bevorzugte Behandlung von Funktionsträgern als solchen. § 10) Die Mitglieder und ihre Stellung 1. Überblick Über die Anzahl der Mitglieder in paulinischen Gemeinden können wir leider keine so klaren Aussagen machen wie zu Vereinen, denn es gibt keine entsprechenden Mitgliederlisten. Man kann nur aus allgemeinen Überlegun- gen eine ungefähre Vorstellung gewinnen, wobei vor allem die Größe der 103 Vgl. Holmberg, Pau1192f., Versammlungsräume Schlüsse zuläßt. Nach den Ausmaßen bescheiden wohl- habender Häuser dürfte eine Hausgemeinde kaum mehr als 30 Personen gezählt haben. 104 Wenn in Korinth alle Hausgemeinden an einem Ort zusam- menkommen konnten (1 Kor 11,20; 14,23), muß ein außergewöhnlich großes Haus zur Verfügung gestanden haben; wahrscheinlich war es das des Gaius, der nach Röm 16,23 die "ganze Gemeinde" aufnahm. Die Gesamtzahl lag vielleicht zwischen 100 und 200 Mitgliedern. 105 Die soziale Stellung der paulinischen Christen (und der frühen Christen überhaupt) wird heute (in der 2.Phase soziologisch orientierter Exegese, d.h. seit etwa 1970) deutlich anders beurteilt als zu Beginn des Jahrhunderts (in der l.Phase). Damals gab folgende Sicht Deißmanns einen Konsens wieder: Das Urchristentum war "eine Bewegung der unteren Schichten. Nicht herabgesickert ist das Wasser des Lebens von der Oberschicht zu den Vielen und Kleinen, sondern empor- gesprudelt ist es aus den Tiefen einer göttlich schlichten Seele (sc. Jesu, Tb.Sch.); getrunken haben es zuerst Verirrte und Verschmachtende von der großen Karawane der Unbekannten und Vergessenen; wieder ein Schlichter war es (sc. Paulus, Tb.Sch.), der die unversiegbare Quelle hinausgeleitet hat in die Welt, um Schlichte trinken zu las- sen".106 Die allmähliche Ablösung dieser Sicht kann ich hier nicht im einzelnen nach- zeichnen. 107 Ein einsamer Vorreiter war E.A. Judge, der schon 1960 das frü- he Christentum als eine Art Schule verstand und ihm deshalb höheren Status bescheinigte. lOS 1977 vermutete dann A. Malherbe: "a new consensus may be emerging" ,109 was sich in den 80er Jahren bestätigte. Dieser "neue Konsens" sieht etwa so aus: Das Urchristentum war, besonders in den hellenistischen Städten, eine Bewegung, deren aktivste Anhänger aus mittleren Schichten ka- men; es stellte einen Querschnitt durch die Bevölkerung der Stadt dar und zeichnete sich durch diese relativ breite soziale Schichtung gegenüber ande- ren zeitgenössischen Vereinigungen aus, wies allerdings kaum Mitglieder mit sehr hoher oder sehr niedriger sozialer Stellung auf; tonangebend waren in 104 Vgl. Klauck, Hausgemeinde 100; Banks, Paul's Idea 41. 105 Klauck, 1 Kor 8, schätzt die korinthische Gemeinde zur Zeit der Abfassung der Korin- therbriefe auf kaum mehr als 200. Unwahrscheinlich niedrig ist die Schätzung einer pauli- nisehen Ortsgemeinde auf 40-45 Personen bei Banks, aaO. 42 - immerhin spricht Paulus in 1 Kor 11,30 ja von "vielen" Kranken und "einigen" Todesfällen. 106 Deißmann, Urchristentum 25. 107 Vgl. bes. die ausführliche Wiedergabe der Diskussion bei Holmberg, Sociology 21-76; ferner Judge, Identity 202-209; Meeks. Christentum 111-114; Norris, Status 4f; Tidball, CODtext 90-92.97f. 108 Judge, Christians pass.; vgI. auch ders., Gruppen 48-60. 109 Malherbe, Aspects 31 ., den Gemeinden die sozial Bessergestellten; die Bewegung breitete sich von oben nach unten aus, nicht umgekehrt. 110 Was zu diesem Umschwung geführt hat, waren im wesentlichen zwei Reihen von Untersuchungen. Die erste ging prosopographisch vor, d.h. un- tersuchte die Nachrichten über einzelne Christen, die Z.B. in Hinblick auf "ethnische Ursprünge,ordo, Bürgerrecht, persönliche Freiheit, Vermögen, Beschäftigung, Alter, Geschlecht und öffentliche Ämter oder Ehren" 111 aus- gewertet wurden. So ist es aufschlußreich, wenn Krispus Synagogenvorsteher (Apg 18,8; 1 Kor 1,14) oder Erastus OiKOJlOP.OC; r~c; 7rOX8WC; (Röm 16,23) war (beide Ämter verpflichteten zu großzügigen Spenden und setzten einen gewissen Reichtum voraus), 112 wenn Stephanas mit seinem ganzen Haus, zu dem wohl auch Sklaven gehörten, getauft wurde (l Kor 1,16; 16,15-18), wenn andererseits Philemon einen Sklaven hatte, der nicht mit ihm zusam- men Christ wurde (Phlm 10.15f) usw. Die zweite Reihe besteht aus indirek- ten Nachrichten, die Schlüsse auf den Status erlauben, z.B. Konflikte in der Gemeinde und ethische Weisungen des Paulus (vgl.u. 2.). Der "neue Konsens" nimmt die Feststellung in 1 Kor 1,26 ernst: In der korinthischen Gemeinde sind "nicht viele Weise dem Fleische nach, nicht viele Mächtige, nicht viele Vornehme"; uocpoc;, 5lJJlCirOC; und 8irY8J1~C; sind geprägte Begriffe und bezeichnen in der Umwelt des NT Personen mit geho- benem Status. 113 Solche gibt es in der Gemeinde nicht viele, aber immerhin - es gibt welche. Wenn Paulus in 1 Kor 4,10 wieder (mit anderer Wortwahl) diese Kategorien andeutet, sie jetzt aber dem ganzen Adressatenkreis zuspricht ("ihr seid klug etc. "), deutet das wohl auf die Dominanz dieser einflußreichen Minderheit in der Gemeinde hin. 114 Diese neue Sicht ist nicht in jeder Hinsicht konsensfähig. Ein Kritik- punkt ist die Frage der Repräsentativität der erhebbaren Daten. IIS In man- chen Stellungnahmen zum sozialen Status der frühen Christen scheint das Be- 110 Vertreten wird diese Auffassung (oder wichtige Elemente daraus, z.T. auch nur für ein- zelne Paulusgemeinden) z.B. von Becker, Paulus 255-259; Chow, Patronage 88-93; Holmberg, Paul 104-106; Clarke, Leadership 41-56; Meeks, Christentum 120-157; Nor- ris, Status 9; Schrage, 1 Kor I, 32f; Theißen, Schichtung pass.; ders., Theorie 210f; Tid- ball, Context 98-102. I11 SO das Programm von Meeks, aaD. 120; ähnlich Theißen, Schichtung 235-255. 112 Zum vieldiskutierten Erastus-Problem vgl. jetzt Clarke, Leadership 46-56, der eine Iden- tifikation des ntl. Erastus mit dem Erastus der korinthischen Inschrift.zwar für nicht sicher hält, unabhängig davon aber ersteren als Mann mit hohem Status bestimmt. 113 Vgl. jetzt bes. Clarke, aaD. 41-45. 114 Vgl. Theißen, Schichtung 234; anders aber Schrage, 1 Kor I, 343. IIS Vgl. die bei Holmberg, Sociology 63-65, referierten Kritiker (Gager, Scroggs), ferner Tidball, Context 97f; Merklein, 1 Kor 41., wußtsein dafür zu fehlen, daß in den Gemeinden wie in jeder Gruppe die führenden Mitglieder, also die mit gehobenem Status, weit mehr von sich re- den machen als die große Zahl der stillen Teilnehmer. 116 Selbst Meeks identi- fiziert wie selbstverständlich den "typischen" Christen mit dem, "der in den Briefen seine Gegenwart am häufigsten durch den einen oder anderen kleinen Hinweis signalisiert"; 117 typische Christen sind nach Meeks also z.B. nicht die Sklaven, die es in den Gemeinden zwar sicher gab, deren Zahl wir aber nicht bestimmen können. Gegenüber solchen irreführenden Äußerungen ist festzuhalten: Zum "neuen Konsens" gehört (übrigens auch in der Sicht von Meeks) die Annahme, daß die Mehrheit aus den unteren (nicht: untersten) Schichten stammte, also aus (städtischen) Sklaven, Freigelassenen, Tagelöh- nern u.ä. Das Neue ist eigentlich nur, daß es auch einige Bessergestellte gab und daß diese, wie nicht anders zu erwarten, in den Gemeinden den Ton an- gaben. Dies muß nicht bedeuten, daß alle anderen ihre Klienten waren und deshalb nicht als selbständige Mitglieder zu zählen sind; 1 18 in § 8 hat sich ja gezeigt, daß man die Patron-Klienten-Beziehungen in den Gemeinden nicht überschätzen darf. Eine zweite Schwierigkeit ist die Repräsentativität der korinthischen Ge- meinde, an der viele Ergebnisse gewonnen wurden, für die Paulusgemeinden überhaupt. So will etwa Jewett in der Gemeinde von Thessalonich eine insge- samt niedrigere soziale Stellung und ein kleineres soziales Spektrum erken- nen als in anderen Gemeinden. 1I9 Demgegenüber ist aber darauf hinzuwei- sen, daß Untersuchungen zu den Gemeinden in Rom 120 und Karthago 121 ganz ähnliche Ergebnisse hervorgebracht haben wie die'zur korinthischen Ge- meinde und daß unsere Beobachtungen zu Patronen (0. § 8), die ja mit der sozialen Zusammensetzung zu tun hatten, keinen Anhaltspunkt für wesentli- che Unterschiede in den einzelnen Gemeinden ergaben. Die soziale Inhomogenität der Gemeinden brachte einige Probleme mit sich. Bevor wir uns zwei konkreten statusbedingten Spannungen unter den 116 So etwa Smith, Christians 453: Die Mehrheit der friihen Christen stamme aus der Mit- telklasse (eine Aussage, die allerdings dadurch etwas relativiert wird, daß Smith mit 'Mit- telklasse' "free worlanen, craftsmen, small business-men, and independent farmers" [ebd.] meint). 117 Meeks, Christentum 156. 118 Gegen Holmberg, Sociology 63, der sich auf Judge und Malherbe stützt. 119 V gl. Jewett, Correspondence 120-122; ähnlich (allerdings vorsichtiger) Barclay, Thessa- lonika pass. 120 Lampe, Christen (1987). 121 SchölIgen, Ecclesia (1984) bes.223f.267 (allerdings schränkt Schöllgen selbst die Verläßlichkeit seiner Ergebnisse stark ein: z.T. handle es sich nur um Vermutungen)., korinthischen Gemeindemitgliedern zuwenden (u. 2.), werfen wir noch einen Blick auf das paulinische Programm für die richtige Einschätzung der inner- gemeindlichen Unterschiede in Gal 3,27f: "Alle, die ihr auf Christus getauft wurdet, habt Christus angezogen. Da ist nicht mehr Jude noch Grieche, nicht mehr Sklave noch Freier, weder Mann noch Frau. Denn ihr alle seid einer in Christus Jesus. ". Die Wirkung der Taufe besteht also für Paulus (und schon für die hier verwendete Tradition)122 in einer Einheit, die die alten Unter- schiede autbebt. Die drei Oppositionspaare sind vermutlich Beispiele, so daß auch andere Statusunterschiede wie Bürger - Nichtbürger und arm - reich ein- geschlossen sind. Die für uns entscheidende Frage ist: Inwiefern prägte die- ses theologische Programm die soziale Wirklichkeit? Sehr zuversichtlich ist hier J. Roloff: "Gal 3,28 ist als Erfahrungsbericht über das, was sich in den paulinischen Gemeinden tatsächlich vollzieht, zu lesen: Hier ist ein neues Miteinander von Menschen im Entste- hen begriffen, das seine Struktur nicht mehr, wie in den üblichen Formen sozialen Le- bens, von den Abgrenzungen und Unterscheidungen her bezieht, mit denen Menschen bislang ihre Identität bestimmt haben. Hier wirken sich nicht mehr die Verhältnisse von Über- und Unterlegenheit, von Herrschen und Beherrschtsein aus. Bestimmend ist nun- mehr allein die Zugehörigkeit zu Christus. Weder spricht Paulus von utopischen Idealen oder wünschbaren ethischen Konsequenzen, noch will er bloß die Irrelevanz bestehen- der Unterschiede für den persönlichen Heilsstand des je einzelnen herausstellen. ( ... ) Die in Röm 6,4 als Imperativ formulierte Konsequenz der Taufe für den Christen - 'so sollen auch wir in der neuen Lebenswirklichkeit wandeln' - erfährt hier im Indikativ der Erfahrullg ihre inhaltliche Konkretion" .123 Roloff deutet ein Problem an, das der Text im Rahmen der Paulusbriefe ent- hält: die Einordnung in das Spannungsfeld von Indikativ und Imperativ. Während es in Gal 3,27 heißt, "ihr habt Christus angezogen", erscheint das- selbe Bild in Röm 13,14 als Imperativ: "Zieht den Herrn Jesus Christus an und sorgt für das Fleisch nicht so, daß Begierden entstehen!" Die Taufe wirkt nicht automatisch. "Wenn ich den Gehorsam versage, vernichte ich die Wir- kung" .124 Es bleibt also möglich, den Gehorsam zu versagen und die alten sozialen Unterschiede fortzuführen bzw. wiederaufleben zu lassen. Die Ein- heit war für die Gemeinden nicht die einzige Möglichkeit. Blicken wir deshalb kurz auf die einzelnen Gegensatzpaare. Am intensiv- sten beschäftigt hat Paulus sicher die erste Opposition. In die Überwindung der Spannung zwischen Juden- und Heidenchristen investierte er beträchtliche 122 Vgl. Merklein, Entstehung 324f: Alle drei Oppositionspaare (28a), die Einheitsaussage (28b) und der Bezug auf die Taufe (27) sind traditionell. 123 Roloff, Kirche 94 (Hervorhebungen im Original). Auch Merklein, aaO. 325, sieht in Gal 3,28 "greifbare urchristliche Erfahrung" ausgedrückt. 124 Conzelmann, Grundriß 297., theologische (bes. Röm 1-4) und biographische Energie (vgl. bes. Gal 2). Diese Spannungen hatten u.a. mit Statusunterschieden zu tun, wobei in jüdi- schen Augen Heiden wegen mangelnder Gesetzeskenntnis und -beachtung ge- ringeren Status besaßen, gesamtgesellschaftlich gesehen aber das Verhältnis oft umgekehrt war. Dies muß hier ebensowenig im einzelnen belegt werden wie die Tatsache, daß die Paulusgemeinden diesen Gegensatz im Prinzip überwanden, daß er ihre Geschichte allerdings begleitete und an manchen Stellen wieder aufbrach (vgl. Gal). Ähnlich verläuft die Überwindung des sozialen Unterschieds zwischen Sklaven und Freien. Auch hier genügen Andeutungen. Der christliche Skla- venbesitzer Philemon wird von Paulus nicht zur Freilassung des Onesimus aufgefordert, sondern zu seiner Aufnahme als "geliebten Bruder" (Phlm 16).125 Den christlichen Sklaven wird in dem umstrittenen Vers 1 Kor 7,21 sehr wahrscheinlich nahegelegt, die Möglichkeit der Freilassung nicht zu nut- zen. Der Kontext dieser Stelle, der auch beschnitten bzw. unbeschnitten und verheiratet bzw. unverheiratet zu bleiben empfiehlt, läßt keine andere Deu- tung zu. Für Paulus liegt offenbar der religiös-kulturelle Unterschied zwi- schen Juden und Heiden insofern auf derselben Ebene wie der rechtliche zwi- schen Sklaven und Freien, als beide in der Gemeinde nicht mehr relevant sind. Tatsächlich werden die Sklaven "natürlich und selbstverständlich voll in die Gemeinde integriert. Keiner spricht ihnen die Taufe, den Geist oder die Teilnahme am Herrenmahl ab" .126 Daß es beim Herrenmahl zu Problemen kommen konnte, haben wir bei der Beschäftigung mit 1 Kor 11,17-34 gese- hen 127 - unter den zuletzt Kommenden waren sicher viele Sklaven. Schon diese relativ geringfügige Benachteiligung wird aber von Paulus in diesem Text gerügt und abgestellt. Weniger Überzeugend überwunden ist der Statusunterschied von Män- nern und Frauen. Zwar ist es keine Frage, daß auch Frauen Zugang zur Ge- meinde und in ihr zu herausgehobenen Positionen hatten (vgl. nur die "Apo- stolin" Junia in Röm 16,7). Aber zumindest aus 1 Kor 11,2-16 spricht doch eine Unterordnung der Frau mit praktischen Konsequenzen; noch mehr gilt dies von 1 Kor 14,33b-36, wobei die Echtheit dieses Abschnitts allerdings umstritten ist. Eine einleuchtende Erklärung für diesen Befund bietet A. Funk, der zwischen idealer und realer Statusbewertung unterscheidet: "Der 125 Vgl. dazu Gnilka, Phlm 51-53. 126 Becker, Paulus 465. 127 Vgl.o. § 8,2.2.3., Unterschied kam dadurch zustande, daß eine vorhandene negative Bewertung der Frauen ( ... ) von einer neuen, positiven überlagert wurde. Die neue Wer- tung war zunächst eine ideale, die sich im realen Verhalten nur partiell durchsetzte" .128 Zu fragen bleibt natürlich, warum hier ideale und reale Be- wertung nicht ebensogut zusammenstimmten wie bei der Einschätzung von Juden und Heiden. Dieser kurze Durchgang zeigt, daß die Überwindung der Statusunter- schiede in den Gemeinden permanent gefährdet war. Dennoch dürfte Roloff Recht haben, wenn er in Gal 3,28 einen Erfahrungsbericht sieht. Allerdings kommt hier eben nur eine Art von Erfahrungen, die mit der grundlegenden Einheit, zur Sprache. Diese Einheit gab es. Sie spiegelt sich auch in der Fa- milienftktion, die in den Gemeinden quantitativ und qualitativ sehr viel grö- ßere Bedeutung hatte als in den Vereinen. 129 Paulus kann die Briefadressaten als "(meine) Brüder" ansprechen (ca. 65 Mal!), aber auch als "Kinder" (z.B. 1 Kor 4,14; Gal 4,19); er kann sich mit einem Vater (1 Thess 2,11; 1 Kor 4,12) und mit einer Mutter (1 Thess 2,7) vergleichen; daneben bezeichnet er sich zusammen mit den Adressaten als "Kinder Gottes" (Röm 8,16.21). Die Gemeindemitglieder gebrauchten wohl auch untereinander die Bruder- bzw. Schwesteranrede; dafür spricht die Häufigkeit der Metapher im NT auch au- ßerhalb der paulinischen Schriften. Die weite Verbreitung und die flexiblere Verwendung der Metapher lassen zwar vermuten, daß der Spachgebrauch aus dem Judentum, nicht etwa aus dem Vereinswesen übernommen wurde. 130 Dessenungeachtet hat die Familienfiktion in Gemeinden und Vereinen gleiche Funktion: Sie reflektiert und verstärkt eine enge und vertraute Zusammenge- hörigkeit der Gruppe. Die Autorität des "Vaters" ist in der Gemeinde zwar präsenter als im Verein, wird aber durch die gemeinsame Kindschaft gegen- über Gott relativiert. 2. Die Gemeinde von Korinth Nach diesen allgemeinen und notgedrungen skizzenhaften Überlegungen wenden wir uns nun zwei konkreten statusbedingten Spannungen unter den korinthischen Gemeindemitgliedern zu. 128 Funk, Status 16. Funk schließt in diese Stellungnahme auch die Bewertung der Sklaven ein, m.E. allerdings zu Unrecht. 129 Vgl. dazu Meeks, Christentum 182-188; Banks, Paul's Idea 54-56. 130 Zu dieser Herleitung vgl. von Soden, Art.: dttJSAq,OI:; 145., 2.1 Gerichtsverfahren unter Christen (1 Kor 6,1-8) Worum es in 1 Kor 6,1-8 im einzelnen geht, ist wieder einmal reichlich unklar. Soviel läßt sich erkennen: Mitglieder der Gemeinde sind in Prozesse gegeneinander verwickelt und haben dafür den in der Stadt üblichen Rechts- weg gewählt. Vermutlich geht es um alltägliche Vermögensangelegenheiten (V.3f: ßtWTLKa [Kptn1ptO!]).131 Diese Prozesse werden von Paulus scharf geta- delt. Die beste Lösung wäre in seinen Augen, Unrecht zu ertragen, statt sich zu wehren (V.7). Zumindest aber sollen Auseinandersetzungen nicht außer- halb der Gemeinde stattfinden; Christen, die beim Endgericht mitwirken wer- den, müssen dazu in der Lage sein, solche Kleinigkeiten unter sich zu regeln (V.2t). Wer sind die Kläger? Der Text selbst bietet keine sicheren Anhalts- punkte. Wenn es um Vermögensfragen geht, dürfte es sich um vermögendere Christen handeln. Die ironische Frage in V.5b könnte darauf hinweisen, daß an den Prozessen die "Weisen 11 der Gemeinde, also die bessergestellte Min- derheit, beteiligt sind. 132 Dafür sprechen auch allgemeine Beobachtungen zum griechisch-römischen Gerichtswesen: 133 Vor Gericht waren hier keines- wegs alle gleich, sondern höherer Status bedeutete höhere Chancen, die eige- ne Rechtsauffassung durchzusetzen. Der Status spielte eine Rolle bei der Möglichkeit, überhaupt Anklage erheben zu können (Klagen von Niedrigeren gegen Höhere wurden oft nicht angenommen), bei der Durchführung des Verfahrens (Einflußnahme auf Magistrate und Richter bis hin zur Beste- chung), für die Strafböhe 134 und für einen eventuellen Straferlaß. Zudem war der für jeden Prozeß notwendige große Aufwand an Geld und Zeit für kleine Leuten schwer zu erbringen. Deshalb stammte bei den meisten Prozes- sen zumindest der Kläger aus bessergestellten Kreisen. Nehmen wir diese Beobachtungen mit den Hinweisen im Text zusammen, dürfen wir letzteres auch für die Prozesse der Gemeinde vermuten. Wer waren die Beklagten? A.C. Mitchell hat vor kurzem die Auffassung vertreten, diese seien in der niedrigeren Mehrheit der Gemeinde zu suchen; Paulus wende sich dagegen, daß die Reicheren unter Ausnutzung ihres Status die Ärmeren verklagten. 135 Diese Sicht läßt sich dem Text nicht entnehmen. Paulus deutet in keiner Weise an, daß zwischen Klägern und Beklagten ein 131 Vgl. Theißen, Schichtung 258; Chow, Patronage 125f. 132 So Chow, aaO. 128. 133 Zum folgenden vgl. Winter, Litigation 561.564-566; MitcheII, 1 Corinthians 6, II,130; ders., Rich 575-581; Clarke, Leadership 64-67; Chow, aaO. 128f. 134 Vgl.o. § 3,1. 135 MitchelI, Rich (1993), 582-584., soziales Gefälle besteht (ganz im Gegenteil, vgl. V.l.6). Müßte man klare Hinweise aber nicht erwarten? Immerhin spricht Paulus Z.B. beim Problem des Herrenmahls (1 Kor 11,17-34) sehr deutlich von Besitzenden und Habe- nichtsen. Zudem geht aus V.7 hervor, daß die Kläger sich gegen ein Unrecht zur Wehr setzen; in Mitchells Sicht müßten Christen mit höherem Status von Brüdern. mit niedrigem Status benachteiligt worden sein - eine zwar nicht un- mögliche, aber angesichts der sozialen Verhältnisse doch unwahrscheinliche Konstellation. Scheidet diese Deutung also eher aus, bleibt nur die Möglich- keit, daß die Prozesse sich innerhalb der kleinen bessergestellten Gruppe abspielten. Was stört Paulus daran? Wahrscheinlich muß man berücksichtigen, daß Prozesse nicht nur geführt wurden, um Recht zu bekommen, sondern auch, um den eigenen Status auf Kosten des Gegners zu erhöhen. Dabei war man nicht zimperlich: Jedes Mittel, das den Prozeßgegner moralisch oder sonst- wie herabsetzen konnte, kam gerade recht. 136 Deshalb schufen bzw. verstärk- ten Prozesse unabhängig von ihrem Ausgang persönliche Feindschaften. In Korinth könnten sich solche Feindschaften mit dem Gegensatz zwischen den "Parteien" überschnitten haben. 137 Ein Grund für Paulus, eine gemein- deinterne Regelung von Konflikten zu befürworten,138 wäre dann seine Be- mühung um die Einheit der Gemeinde. Ein zweiter Grund dürfte mit der Gruppenidentität zusammenhängen: Paulus kritisiert, daß "'Heilige' als Gott gehörende Glieder des endzeitlichen Gottesvolkes ihre Eigenständigkeit preis- geben und ihre Unterschiede zum System des Staates verwischen können". 139 Aus analogen Gründen haben auch andere Gruppen (das Diasporajudentum, Mysterienkulte, Vereine) eine interne Schiedsgerichtsbarkeit entwickelt. 140 Damit zeigt sich: In 1 Kor 6 geht es um statusbedingte Konflikte zwi- schen Statusgleichen, letztlich also um eine Überschätzung des Status, die Paulus zugunsten der Einheit kritisiert. 2.2 "Starke" und "Schwache" (1 Kor 8-10) Mit "IIepL öe TWJI eiöo)..w(}VTWJI" nimmt Paulus in 1 Kor 8,1 eine Frage auf, die in einem Brief der korinthischen Gemeinde an ihn gerichtet worden war: 136 Vgl. Winter, Litigation 566f; Clarke, Leadership 63. 137 So Winter, aaD. 567f; Clarke, aaD. 69. 138 Wie diese näherhin aussah, mag hier offenbleiben. MitchelI, 1 Corinthians 6, bes. II,201-205, argumentiert ausführlich gegen die Annahme, Paulus wolle analog zu jüdi- schen Gerichten ein christliches Gericht einrichten; vielmehr gehe es ihm um' private Schlichtung. 139 Schrage, 1 Kor 1,407. Ähnlich MitchelI, Rich 585. \40 Belege bei Schrage, aaD. 1,408. Vgl. auch o. § 5,3 zur lobaccheninschrift., Wie sieht der richtige christliche Umgang mit dem Fleisch aus, das von ri- tuell vollzogenen Schlachtungen stammt? Die Frage hat für Paulus (ob auch schon im Fragebrief der Korinther, können wir nicht sagen) drei Aspekte: 1. das Essen von Fleisch, das auf dem Markt gekauft wurde (1O,25t); 2. das Fleischessen bei privaten Einladungen (10,27t); 3. das Fleischessen bei Op- fennahlzeiten im Tempel (8,10; 10,14-22). Eine Gruppe in der Gemeinde, die·" Starken", sehen im Verzehr von Götzenopferfleisch kein Problem, weil sie die Erkenntnis haben, daß keine Götzen existieren. Eine andere Gruppe, die "Schwachen", wird durch diese Haltung in die Gefahr gebracht, gegen ihr Gewissen ebenfalls Opferfleisch zu essen und so "zugrunde zu gehen" (8,11). Die Antwort des Paulus ist bezüglich des 3. Aspekts negativ (8,12f; 1O,14.20t); die beiden anderen Möglichkeiten gesteht er zu, sofern die Her- kunft des Fleischs aus ritueller Schlachtung nicht manifest ist (10,25.28). Schon diese allgemeine Kennzeichnung der Problemlage und der paulini- schen Stellungnahme ist nicht unumstritten. Manche Autoren sehen in 8,10 ein anderes Verhalten angesprochen als in 10,14-22: Paulus "verbietet nicht den Besuch der Tempelrestaurants, der rein gesellschaftlicher Art sein kann" 141 und der in 8,10 zur Debatte steht. Diese Unterscheidung hat aller- dings im Text keinen Anhalt. 142 Sie ist offenbar eine Erleichterung des schwierigen Verhältnisses zwischen der paulinischen Argumentation in 8,10- 13 und in 10,14-22. In Kap.8 ist nämlich ein Besuch des Opfermahls im Tempel den Christen prinzipiell möglich; nur die Rücksicht auf "schwache" Mitchristen sollte sie davon abhalten. In 10,14-22 dagegen erscheint die Teil- nahme am Götzenkult prinzipiell mit der Teilnahme am christlichen Herren- mahl unvereinbar. Diese Spannung 143 hat bei anderen Autoren, zusammen mit weiteren schwer erklärbaren Sprüngen im Gedankengang, dazu Anlaß ge- geben, die Einheitlichkeit der Kapitel 8-10 in Frage zu stellen. 144 Auch die- sem Ausweg kann ich mich aber nicht anschließen. Paulus bietet ja auch sonst oft verschiedene, unverbundene und z. T. unausgeglichene Begründun- 141 Conzelmann, 1 Kor 184; so auch Söding, Starke 84 (hier auch in Anm.69 weitere Litera- tur). 142 Vgl. Klauck, Herrenmahl 248: "AJle Mähler im Tempel, auch die Sarapismähler, blieben in den Opferrahmen eingebunden. " 143 Wenig überzeugend, da im Text nicht angedeutet, ist der Erklärungsversuch bei Theißen, Die Starken 272: "Jeder, der zunächst passiv, d.h. als Eingeladener, an heidnischen Kult- mahlen teilnahm, stand bald vor dem Problem, ob er nicht zu einer Gegeneinladung in ähnlicher Form verpflichtet war. Damit wurde er aber selbst zum Initiator des 'Götzen- dienstes' .• 144 So etwa Klauck, HerrenmahJ bes. 272., gen für ethische Mahnungen. 145 Literarkritisch wirklich relevante Brüche fin- de ich in Kap.8-10 nicht; die vorhandenen Spannungen werden durch Kohä- renzsignale mehr als ausgeglichen. 146 Umstritten ist schließlich die Identität der "Schwachen". Nach 8,7 essen sie "aus ihrer bisherigen Gewohnheit an den Götzen (das Fleisch) als Götzen- opferfleisch". Der Text gibt nicht eindeutig her, daß es sich um Heidenchri- sten handelt, denn die "Gewohnheit" bezieht sich nicht direkt auf das Es- sen;147 Auch Juden waren "an den Götzen gewöhnt", freilich im negativen Sinn. Im Fall von Judenchristen konnte das schlechte Gewissen beim Fleisch- essen daraus resultieren, daß sie das frühere Tabu innerlich noch nicht über- wunden hatten, bei Heidenchristen daraus, daß sie dem Fleisch immer noch numinose Qualität zuschrieben. 148 Nach diesen vorab nötigen Klärungen wenden wir uns der einflußreichen These Theißens zu, die den Konflikt zwischen Starken und Schwachen mit schichtspezifischen Verhaltensweisen erklären will. 149 Solche sind zunächst bestimmte Ernährungsweisen: Wohlhabende konnten mehr Fleisch essen als die breite Masse, die hauptsächlich von Mehlspeisen lebte. Die Probleme um das Fleischessen und -kaufen wurde deshalb eher von den reicheren Gemein- demitgliedern ausgelöst. An Fleisch gelangten kleine Leute fast nur bei Ver- anstaltungen in kultischem Rahmen, d.h. bei Opfermählern etwa aufgrund von Stiftungen, anläßlich religiöser Feste oder in Vereinen. Für sie war des- halb Fleischgenuß viel stärker mit Götzendienst verbunden. Schichtspezifisch sind ferner die Geselligkeitsformen: Höhergestellte waren stärker in die nichtchristliche Gesellschaft integriert als einfache Christen; ein Verzicht auf Einladungen, bei denen möglicherweise Opferfleisch serviert wurde, wäre ih- nen schwerer gefallen. Schließlich 150 geht Theißen auf die Kommunikations- formen ein: Paulus erfuhr von der ganzen Problematik durch einen Gemein- debrief, den offensichtlich Christen schrieben, die den Standpunkt der "Star- 145 Vgl. nur 1 Kor 11,2-16! 146 So auch (mit ausführlicher Begründung) Merklein, Einheitlichkeit 355-365; Willis, Idol Meat 270-275. 147 Gegen Klauck, Herrenrnahl 246; Söding, Starke 75f. 148 So auch Theißen, Die Starken 273f. 149 Theißen, Die Starken und Schwachen in Korinth. Soziologische Analyse eines theologi- schen Streites (1975); vgl. ders., Schichtung 259. Positiv aufgenommen wurde diese The- se von Klauck, Herrenmahl 247; Chow, Patronage 146-156 (hier allerdings mit gewollter und wenig überzeugender Weiterführung in Richtung auf Opfermahlzeiten speziell im Rahmen des KaiserkuItes); Söding, Starke 70 (mit AnmA und 5).74. Skeptisch bezüglich einer soziologischen Erklärung dieses Konflikts ist Baird, One 125. 130f. 150 Theißens Beobachtungen zu den "Legitimationsformen" (Die Starken 282-286) lasse ich hier als weniger relevant aus., ken" vertraten; es handelte sich hier um die führenden Mitglieder der Ge- meinde; die Antwort des Paulus in 1 Kor 8-10 ist fast durchweg an diese do- minante Gruppe gerichtet. Theißen resümiert: "Alle Beobachtungen über Ernährungs-, Geselligkeits-, Legitimations- und Kommuni- kationsformen weisen darauf, daß die Starken wahrscheinlich zu den wenigen 'Weisen, Mächtigen und Hochgeborenen' (1,26) gehören. Ihre vorurteilslosere Haltung hat pri- mär ihren sozialen Ort in den höheren Schichten. Natürlich wird sich ihre Haltung dar- über hinaus verbreitet haben. Gerade die Christen mit höherem Sozialstatus werden eine gröUere Hausgemeinschaft hinter sich gehabt haben. Gerade sie werden meinungsbil- dende Personen gewesen sein. Aber sie haben nicht alle für ihre Haltung gewinnen kön- nen. Es gab die Schwachen, bei denen heidnische wie jüdische Traditionen nachwirken mochten" .151 In der Stellungnahme des Paulus sieht Theißen wieder ein klares Zeugnis für "Liebespatriarchalismus" .152 Das heißt: Paulus ruft die Bessergestellten zur Rücksichtnahme auf Geringergestellte auf, ohne die sozialen Ungleichheiten und die aus ihnen entspringenden Gewohnheiten zu beseitigen. Die Reicheren können weiterhin Fleisch kaufen und bei privaten Einladungen essen, solange der kultische Charakter nicht deutlich ist und "Schwache" irritieren kann. In der Praxis bedeutet dieser Kompromiß freilich auch, daß die "Schwachen" das Nachsehen haben: "Denn gerade die offIziellen kultischen Feste, wo je- der das Verhalten des anderen kontrollieren kann, werden vom Verbot des Götzendienstes betroffen, also jene Gelegenheiten, bei denen auch die kleine- ren Leute zu etwas Fleischgenuß kommen konnten" .153 Diese Rekonstruktion Theißens enthält ebenso glänzende Beobachtungen wie seine Ausführungen zum Herrenmahl. 154 Die Bestimmung der Situation in Korinth, insbesondere die Identifizierung der "Starken" und "Schwachen" mit Christen aus höheren und niedrigeren Schichten, ist weitgehend überzeu- gend. Auf dem Hintergrund dieser Situation kann aber die Stellungnahme des Paulus nicht als Ausdruck eines Liebespatriarchalismus bestimmt werden. Es ist ja folgendes zu bedenken: (1) Die "Starken" haben ein gutes Gewissen, und zwar aus verschiede- nen Gründen. Sie haben eine theologische Position, der auch Paulus weitge- hend zustimmt (8,4-6; 10,29f). Sie haben sich zudem vergeblich bemüht, die "Schwachen" für ihre Sicht zu gewinnen; aus V.IO ist wohl zu schließen, daß es entsprechende "Erbauungsversuche" gab. 155 Es geht also nicht um 151 Ders., aaO. 287. 152 Vgl. dazu o. § 8,2.2.3. 153 Ders., Die Starken 288. 154 Vgl.o. § 8, 2.2.3. ISS Vgl. Klauck, Herrenmahl 248; Söding, Starke 70f., überhebliche Absonderung oder ähnliches. 156 Die Position der "Starken" wird vennutlich auch von der Mehrheit der Gemeindemitglieder vertreten. Die führenden Personen wirken meinungsbildend, allerdings nicht bei allen: "ei- nige" (TLIJB<;) schließen sich nicht an. Soll nun die Mehrheit, nachdem sie sich um den Rest redlich bemüht hat, dessen "unaufgeklärte" Vorbehalte als Nonn übernehmen? Die Auswirkung der liberaleren Haltung der "Starken" auf die "Schwachen" war ja schließlich weniger direkt als beim Problem des Herrenmahls; dort bewirkte die Vorwegnahme des Sättigungsmahls durch die Bessergestellten, daß einige hungern mußten; hier dagegen stürzt die gut begründete Freiheit der Mehrheit einige "Schwache" in Konflikte mit ihrem Gewissen. (2) Paulus erlaubt den "Starken", weiterhin Fleisch zu kaufen und bei Einladungen zu essen. Diese Erlaubnis ist aber (gegen Theißen) nicht daran gebunden, daß der Kreis, in dem das Fleisch gegessen wird, sehr exklusiv ist und keine "Schwachen" dabei sind; die Vorgabe ist vielmehr, daß die kulti- sche Herkunft nicht manifest sein darf. 157 Es wird den Bessergestellten also nicht einfach das Recht zugestanden, außerhalb der Gemeinde ein anderes Sozialverhalten an den Tag zu legen als innerhalb. 158 Zudem dürfte es sich für Paulus nur um ein Zugeständnis (nicht um einen Kompromiß!) handeln, auf das die "Starken" besser verzichten sollten: In 11,1 fordert Paulus dazu auf, ihn nachzuahmen; sein vorbildliches Verhalten liegt doch wohl zum ei- nen in 8,13, zum anderen in Kap. 9. An diesen beiden Stellen gibt es aber in der Haltung des Paulus keine Differenzierung oder Einschränkung; er ver- zichtet lieber völlig auf Fleisch, als seinem Bruder Anstoß zu geben, und er nimmt die Unterstützung der Gemeinde, auf die er ein Recht hätte, überhaupt nicht in Anspruch. Legt sich nicht die Annahme nahe, daß er von den "Star- ken" Entsprechendes erhoffte?159 Wir kommen also zu einem ähnlichen Ergebnis wie bei der Besprechung des Herrenmahls. Es gab in Korinth keine krassen Mißstände. Die besserge- stellte Minderheit drückte nicht rücksichtslos ihre Interessen gegen die Mehr- heit durch. Es gab zwar eine statusbedingte Spaltung in der Gemeinde, aber die "Starken" bemühten sich selbst um eine Brücke zu den wenigen "Schwa- 156 Gegen Barclay, Thessalonika 60, ist für die "Starken" nicht einfach ihre Integration in die Gesellschaft wichtiger als das Gewissen der Mitchristen. 157 Vgl. Klauck, Herrenmahl 274f: Man mußte nicht von vomeherein bei jedem Stück Fleisch kultische Herkunft unterstellen, wie in der Literatur z. T. vertreten wird, sondern man wußte es normalerweise einfach nicht. 158 Gegen Theißen, Die Starken 273; MacDonald, Churches 4lf. 159 Ähnlich Engberg-Pedersen, Gospel 574-576; Willis, Idol Meat 286-291., ehen", wenn auch mit den falschen Mitteln und ohne Erfolg. Obwohl Paulus die theologische Position der "Starken" (abgesehen von ihrer liberalen Hal- tung gegenüber Kultfeiern) teilt und ihnen deshalb einen völligen Verzicht auf Fleisch mit möglicherweise ritueller Herkunft nicht vorschreibt, erwartet er doch eine weiter als bisher gehende Rücksichtnahme von ihnen, die sich zumindest in Enthaltung von manifestem Götzenopferfleisch, möglichst aber in vollständigem Verzicht auf das eigene, wohlbegründete Recht äußert. 3. Zusammenfassung und Auswertung Die relativ breite soziale Schichtung der paulinischen Gemeinden, die heute in einem "neuen Konsens" angenommen wird, legt die Frage nach dem Um- gang mit sozialen Unterschieden nahe. Wir sahen, daß die Tauftradition von Gal 3,28 tatsächlich weitgehend der sozialen Wirklichkeit entsprach. Die Ge- meinden entwickelten einen hohen Grad von Einheit und Gleichwertigkeit, die allerdings fortwährend gefährdet waren. Daß die Familienfiktion für die Gemeinden wichtiger war als für Vereine, hat hier seinen Grund. Die Untersuchung zweier Konflikte in der korinthischen Gemeinde be- stätigte dieses Bild. Es gab hier gewisse Spannungen, die mit Status zu tun hatten. Der erste Fall (1 Kor 6) war allerdings ein Problem zwischen mehr oder weniger Statusgleichen, der zweite (1 Kor 8-10) war ein Konflikt, bei dem die statusschwache Mehrheit sich weitgehend auf die Seite der Minder- heit mit gehobenem Status stellte; die kleine, ebenfalls statusschwache Grup- pe mit abweichender Haltung wurde nicht einfach abgeschrieben, sondern man versuchte, sie zu gewinnen. Selbst solche relativ geringfügigen Störun- gen waren für Paulus bereits Grund genug, zur Einheit zurückzurufen. Diese ausgeprägte Einheit und Gleichstellung der Mitglieder gehörte zur Identität der paulinischen Gemeinden, und zwar in anderer Weise als bei Vereinen, obwohl wir ja auch hier z. T. weitgehende Egalität feststellten. 16o Man kann den Unterschied gut daran erkennen, wie Paulus in 1 Kor 12 das Bild vom Leib und den Gliedern verwendet. Er formuliert hier eine An- schauung, die in Vereinen schlecht vorstellbar ist: "( ... ) Die Glieder des Lei- bes, die schwächer zu sein scheinen, sind notwendig; die, die wir für weni- ger edel halten, denen erweisen wir größere Ehre; unsere unanständigen (Glieder) erhalten um so größere Wohlanständigkeit, unsere anständigen (Glieder) haben das nicht nötig. Aber Gott hat den Körper so zusammenge- setzt, daß er dem bedürftigen (Glied) größere Ehre gab, damit es keine Spal- tung im Körper gebe, sondern daß die Glieder in Eintracht füreinander sor- 160 Näheres dazu u. in § 11., gen." (1 Kor 12,22-25). Größere Ehre bekommen also nicht die führenden Mitglieder wie in einem Verein, sondern die geringen. Das Bild dient nicht der Stabilisierung bestehender Unterschiede, sondern ihrer Überwindung.\6\ Auch wenn es von Paulus paränetisch eingesetzt wird und deshalb gerade da- für spricht, daß die soziale Wirklichkeit etwas. anders aussah - es dürfte, ebenso wie die Aussage in Gal 3,28, aufs Ganze gesehen die Realität der Ge- meinden geprägt haben. 161 Zum Hintergrund dieses Bilds in der Umwelt und zu seiner Verwendung durch Paulus vgl. Klauck, Herrenmahl 337-346; Becker, Paulus 455f; Martin, Tongues 567.569.577; Moxnes, Integration 101; Roloff, Kirche 107-109., § 11) Ruckblick In diesem abschließenden Paragraphen werden nicht mehr alle Ergebnisse der Arbeit im einzelnen aufgeführt; das ist in verschiedenen Zusammenfassungen bereits geschehen.! Hier soll nur noch eine kurze Zusammenschau der Teile 2 und 3 erfolgen, die das Verhältnis von Gemeinden und Vereinen auf einer grundsätzlicheren Ebene klären kann und so zu einer Antwort auf die Fragen kommt, die in der Einleitung und in Teil 1 gestellt wurden. Wenn frühchristliche (und sicher auch paulinische) Gemeinden von ihrer Umwelt als Vereine verstanden wurden, war dies ein naheliegendes und nicht unberechtigtes Urteil. Die Gemeinsamkeiten stachen ins Auge. In der Frage der Statusdifferenzierung, die uns in diesem Büchlein interessierte, zeigten beide Gruppen eine Verbindung von hierarchischen und egalitären Elemen- ten: einerseits (meist) eine bessergestellte Führungsschicht, die durch mate- rielle und sonstige Leistungen für die Gruppe ihren Status verbesserte; ande- rerseits eine starke Betonung der Einheit und grundsätzlichen Gleichstellung aller Mitglieder, d.h. eine Überwindung sozialer Gräben,die sich z.B. in der Familienfiktion äußern konnte. Nicht nur von den Vereinen, sondern auch von den Gemeinden dürften Bedürfnisse nach einer kollektiven Identität befriedigt worden sein, die im städtischen und staatlichen Leben sonst keine Befriedigung mehr fanden. Zudem bewirkten beide Gruppen eine Entlastung ihrer Mitglieder vom starken Druck der sozialen Hierarchie in der Umwelt. Es ist deshalb überzogen, wenn Chow und Clarke von einer Ersetzung hier- archischer Patron-Klient-Beziehungen in Vereinen durch egalitäre Beziehun- gen zwischen Brüdern und Schwestern in Gemeinden sprechen. 2 Sowohl Ver- eine wie Gemeinden wiesen eine Kombination von vertikalen und horizonta- len Bindungen auf. Beide Gruppen unterschieden sich also von ihrer stark hierarchisch geprägten sozialen Umwelt. Bei bei den gehörte eine grundsätzliche Gleich- wertigkeit ihrer Mitglieder zur Identität der Gruppe. Allerdings hat sich im Laufe unserer Untersuchung gezeigt, daß in den Gemeinden diese Gleichwer- tigkeit das Gruppenleben doch erheblich stärker prägte als in den Vereinen. Die Suche nach einer Erklärung für diesen Unterschied geht über den Rah- men eines sozialgeschichtlichen Vergleichs, wie er hier angestellt wurde, hin- aus. Er muß jedenfalls mit einem (bei aller Gemeinsamkeit) unterschiedlichen Selbstverständnis zu tun haben. Denkbar wäre, daß die Vereine in republika- ! Vgl. o. § 6; § 8,3; § 10,3. 2 Vgl. o. die Einleitung., nischer Tradition standen,3 diese aber mit dem Euergetismus der hellenisti- schen bzw. römischen Welt verbanden, während in den Gemeinden das Erbe der "charismatischen Wertrevolution"4 der palästinischen Jesusbewegung wirksam wurde, wo alle Guppenmitglieder den gehobenen Status von Wohl- tätern aufwiesen. Dieser Frage können wir hier nicht weiter nachgehen. Wir können lediglich abschließend auf eine interessante Folge des unterschiedli- chen Selbstverständnisses hinweisen. In der Welt der Vereine entdeckten wir besonders große Egalität gerade dort, wo es sich um arme Gruppen handelte; hier war auch eine größere Heterogenität gegeben, was die Rechtsstellung und das Geschlecht der Mitglieder betrifft. Dies scheint auf den ersten Blick gut zu dem zu passen, was sich für die paulinischen Gemeinden ermitteln ließ: noch weit größere Egalität bei noch stärkerer Heterogenität. In Wirklichkeit handelt es sich hier aber um ganz verschiedene Phänomene. Die über das für Vereine übliche hinausgehende Egalität der armen Kollegien be- ruhte einfach auf eben dieser Armut; eine egalitäre Verteilung der Führungs- funktionen war nicht mehr als ein Mittel, um bei gleicher Armut aller doch wenigstens minimale und vorübergehende, teilweise fiktive Statuserhöhungen zu ermöglichen. S In den Gemeinden dagegen betraf die Heterogenität ja nicht nur Rechtsstellung und Geschlecht, sondern u.a. auch den Besitz. Hier gab es genug bessergestellte Mitglieder, die nach Art der Amtsträger und Patrone in wohlhabenderen Vereinen auf realen und bleibenden Statusgewinn und damit auf eine stärkere Hierarchie in der Gruppe Wert legen konnten. Dennoch er- folgte eine solche Differenzierung nur in sehr geringem Ausmaß. Mit Thei- ßens Konzept des "Liebespatriarchalismus", das für die nachpaulinische Ära seine Berechtigung hat, läßt sich dieser hohe Grad der Integration in Paulus- gemeinden nicht zureichend erfassen. 6 Ihr Ethos ist vielmehr von einer soli- darischen Gruppenidentität geprägt. 3 So Fellmeth, Vereine 199. 4 Vgl. dazu Theißen, Jesusbewegung als charismatische Wertrevolution pass. S Vgl.o. § 6, (2) und (3). 6 Vgl. dazu o. § 8,2.2.3 und § 10,2.2.,

Anhang: Text und Übersetzung ausgewählter Vereinsinschriften Der Text der folgenden Inschriften ist den jeweils genannten Ausgaben (mit Ausnahme der Absätze) unverändert entnommen. Meine Übersetzungen ver-

stehen sich lediglich als Arbeitsinstrument. 1 Kurze Besprechungen der einzel- nen Vereine mit Angabe VO? Sekundärliteratur finden sich oben S.26. 1. Der Kultverein des Dionysios in Philadelphia/Lydien (Ende 2.1Anfang l.Jh.v.Chr.) 2

Glück und Heil!

aV8'YpacjYrJUCY.v ecJ>' irYL8LCY.L KCY.[L Aufgeschrieben wurden für die KOLVr,L I P.77<; KOII. XapLTwv KO/1. NiK77r; Chariten und der Nike errichtet eiO-LV iO[pUP.8vOL ßwp.oi]. I worden. Diesem hat Zeus Anwei- TOVT[WL] oeowKsv b Z8U<; 7rCY.p- sungen gegeben, die Heiligungen, 0I'Y'}'8A[P.OITOI TOUr; T8 a-] I '}'vw- die Reinigungen und die Geheim- P.OU<; KCY.1. TOU<; KOIOOlP P.OU<; K[ Oll. Ta nisse durchzuführen gemäß alther- P.UAnordnungen übertreten, nicht ertragen. /,Vlla'iKa BABv(Jipall Ot'Y1I'I)1I Bill[aL Eine freie Frau soll rein sein und KaI. J.LiI 'YLPWUK-] I BLII Ci[A]AOV soll mit einem anderen Mann als OtllopOr; 'lfAillI rou iOLOV BVII:q[1I 11 dem eigenen weder das Bett teilen O"VIIovO"Lall· B-] I a.1I oe /,IIWL, r:qll noch Umgang pflegen. Anderen- rOLaVTTJ/I j.L:q BillaL &/,[IIN[II, OtAAa. falls soll eine solche nicht rein J.LBJ.LLaO"J.Li-] I 1111 11 KaI. J.LUITo[v]r; sein, sondern befleckt und voll BJ.LcPVALOV 'lfA1][P]l1 KaI. O"[ißBO"(JaL von Schändlichkeit gegen ihre Fa- OtIlCJ.~iall] I TOll (JBOII rou[rO]II, [o]~ milie und unwürdig, diesen Gott raura ra. iBPa. Lopv[raL, j.Ll1oe zu verehren, dessen Heiligtümer 40 (JvuLaLe;] I 1raparv/,x[ciIlSL]1I J.Ll1oe hier aufgestellt sind; sie darf nicht r[ o'ir;] &1'[ IIL] O"J.L o'i [ r; KaI. Ka(Jap- an den Opfern teilnehmen noch die j.L0'ir;] I 'lfpOUK01rrBLII J.Ll1oe bpÖt.1I Heiligungen und Reinigungen be- B'lfLTSAOUj.L[SIICJ. ra j.LvO"TiJPLa· leidigen noch den Vollzug der Ge- B-] I a.1I oe 'lf01jL TL rOuruJ/l, OtcP' O~ heimnisse sehen. Wenn sie aber ra. 1rapab/,Bf...j.LaTCJ. Bir; T1711-] I OB etwas von diesen Dingen tut, r:qll Otlla/,pacPillI ijKOVO"LII, KaKa.r; nachdem die Anordnungen in die- [Otpa.r; 1rapa. rWII] I (JBWII 8~SL [Ta. se Aufzeichnung gelangt sind, 1ra]pO/'Y/,sf...J.Lara raura [1rapopw- werden sie von Seiten der Götter 45 O"a· b (Jsor; /,a.p] I TCJ.UTCJ. oürB schlimme Flüche treffen, weil sie ßovABraL /,LIIBC1(JaL J.L11(J[ aJ.LWr;, oür8 diese Anordnungen nicht beachtet. (J8ABL, OtA-] I Aa. .K aTaKoAov(J81.1I. Denn der Gott will keineswegs, oi (JBO/' ro'ir; j.L8[1I OtKOAOV(JOUO"LII 8- daß dies geschieht, noch wünscht ] I O"OllraL LABWr; KaI, OWO"OVO"LII er es, sondern (er will, daß man) avro[ir; OtBL 1rcillTCJ. rOt/,a-] I 9ci, Folge leistet. Die Götter werden öua (JBOL OtIl(JpW1rOLr;, ovr; cPLAOUO"LII, denen, die Folge leisten, gnädig [oLooaO"LJI" Ball oe rL-] I IIBe; sein und werden ihnen immer alle 1rapaß [ai] IIWULII , rovr; rOLOvroVr; Güter geben, wie sie Götter den 50 [J.LLC11] C10V O"L KaI. J.LB-] I /,ciAac; Menschen geben, die sie lieben; avro'ie; TLJ.LWpLae; 1rBPL(J1] 0"0 V[ O"LII. wenn aber einige übertreten, wer- den sie solche hassen und ihnen große Strafen auferlegen. ra. 'lfapCJ./,/,8AJ.La-] I rO/ raura Diese Anordnungen wurden aufge- BTi(Jl1O"all 'lfapa. "A/,/,OLO"TLII [r:qll stellt bei Angdistis, der heiligsten, a-y,wraT1711] I f/>vAaKa KaL oiKo- Hüterin und Herrin dieses Hauses, MU7rOLPap rOU~B rou O[rKOU, ijnc; die gute Gedanken bewirken möge a-yaOa~] I ~LalloLa~ 7rOLBLrW all- bei Männern und Frauen, Freien ~paut KaL -yupaL~LII [SABU9BPOL~ und Sklaven, damit sie das hier KaL] I aOVAOL~, ipa KaraKoAou- Geschriebene befolgen. Bei den 9Wutll ro'i~ 6JaB -y[ B-ypaJ.LJ.LBPOL~, monatlichen und jährlichen Opfern 55 KaL SII] I rak 9uuLaL~ ra'i~ rB sollen alle Männer und Frauen, die 8J.LJ.LiI"OL~ KaL ra'ik" Kara 8PLaurc)/J Vertrauen zu sich haben, diese a-] I 7rrBu9wuall, ÖUOL 7rLUrBVOuuLII Schrift, in der die Anordnungen sa[ uro'i~ apapB~ rB KaL I -yu-] des Gottes aufgeschrieben sind, paLKB~, ri1~ -ypatbfi~ ravT17~, 8P anfassen, damit die offenbar wer- [~L ra rou 9sou 7rapa-Y-YBA- I J.La-] den, die diese Anordnungen befol- ra BiuLP -YB-ypaJ.LJ.LBPa, illa tbap- gen, und die, die sie nicht befol- [BpoL -YLllwllrat oi Kara- I KOAOV-] gen. Oou[IIr]B~ ro'i~ 7rapa-Y-YB'A.[J.LaULP 60 KaL oi J.L~ KaraKoAou- I 90up ]rB~. [Zsu] Ewnj[p] , r~II atb~[p rou Zeus Soter, nimm die Berührung i1WPUULOU iABW~ KaL I BUJ.LSII]W~ des Dionysios gnädig und wohl- 7rpouMxou KaL 7rpo[U"7P1lC; aurw, wollend entgegen und gewähre KaL rWL -rBPBt I 7rapBX]B a-ya9a~ freundlich ihm und· seiner Familie aJ.LOLßa~, [v-YLsLall, uWT17pLap, gute Vergeltung, Gesundheit, B;'P'l}""7P, I auf/>aABLa]II 87rL -yfi~ Heil, Frieden, Sicherheit auf Land KaL 87rL Oa[AaUU"7~ I -]J.LB- und Meer ... gleichermaßen ... POL~ bJ.LOLW~ ••.. 2. Der Begräbnisverein von Lanuvium (136 n. ehr.) 3 [L. Ceionio] Commodo Sex. Vet- Im Konsulat des L. Ceionius Com- tuleno Civica Pompeiano cos. a. modus und des Sex. Vettulenus

Civica Pompeianus, am 9. Juni,

d. V idus lun. I 3 Text nach ILS 11/2,7212. Die deutsche Übersetzung von Teilen dieses Texts bei Wilken, Christen 51-53, wurde eingesehen., (Pag. I). 1 [Lanuvi in municipio in] templo in der Stadt Lanuvium im Tempel Antinoi, in quo L. Caesennius des Antinous, in dem L. Caesen- nius Rufus, der Patron der Stadt, Rufus I [patronu]s municipi con- eine Versammlung durch L. Pom- ventum haberi iusserat per L. peius .den Quinquennalis der Pompeium I ... um qq. culto- Verehrer der Diana und -des Anti-nous, abhalten ließ, versprach er rum Dianae et Antinoi, pollicitus (sc. Caesennius), ... ihnen aus est se I ... [d]aturum eis ex libe- Großzügigkeit den (Zins-)Ge- brauch von 15.000 Sesterzen zu ralitate sua HS XV m. n. usum, schenken, (und zwar) am Geburts- 5 die I [natali]s Dianae idib.Aug. tag der Diana, dem 13. August, HS CCCC n., et die natalis Anti- 400 Sesterzen und am Geburtstag des Antinous, dem 27. November, noi, V k. I [Decemb.], HS CCCC 400 Sesterzen; und er schrieb ih- n.; et praecepit legern ab ipsis con- nen vor, daß ein von ihnen erstell- stitutam sub tetra[stylo A]ntinoi tes Statut unten auf das Tetrastyl des Antinous, auf die innere Seite, parte interiori perscribi in verba geschrieben werden solle im wei- infra scripta: I ter unten angegebenen Wortlaut: [M. Antonio Hiber]o P. Mummio Im Konsulat des M. Antonius Hi- Sisenna cos. k. lan. collegium sa- berus und des P. Mummius Sisen- na wurde am 1. Januar der Be- lutare Dianae I ..et Antinoi gräbnisverein der Diana ... und constitutum, L. Caesennio L. f. des Antinous gegründet, als L. Quir. Rufo dict. III idemq. patr; I Caesennius Rufus aus der Tribus Quirina zum drittenmal Diktator und zugleich Patron war. 10 Kaput ex s. c. p. R.: Ein Abschnitt aus einem Beschluß Quib[us coire co]nvenire colle- des Senats des römischen Volkes: Folgende Personen dürfen zusam- giumq. habere liceat. Qui stipem menkommen, ein Treffen abhalten menstruam conferre vo- I len[t in und einen Verein bilden: Die- fun]era, in it collegium coeant, jenigen, die für ihr Begräbnis ei- nen monatlichen Beitrag entrichten neq. sub specie eius collegi nisi se- wollen, sollen zu diesem Zweck mel in men- I se c[oeant co]nfe- als Verein zusammenkommen; sie sollen aber nicht unter dem Deck- rendi causa, unde defuncti sepe- mantel dieses Vereins mehr als liantur. I einmal im Monat zur Zahlung (des, Beitrags) zusammenkommen, aus dem die Verstorbenen bestattet werden sollen. [Quod fa]ust[um fe]lix salutareq. Glück und Heil dem Imperator sit imp. Caesari Traiano Hadriano Caesar Traianus Hadrianus Augu- stus und dem ganzen kaiserlichen 15 Aug. totiusque I [do]mus [Aug.], Hause, uns und den unsrigen und nobis [n]ostris collegioq. nostro, et unserem Verein; voll gutem Eifer bene adque industrie contraxeri- wollen wir uns zusammentun, da- mit wir das Ableben der Verstor- mus, ut I [e]xitus d[efu]nctorum benen ehrenvoll begehen! Deshalb honeste prosequamur! Itaq. bene müssen wir darin, daß wir gut zu-

I sammenlegen, alle eines Sinnes conferendo universi consentire sein, damit wir über lange Zeit hin

debemus, u[t long]o tempore inve- alt werden können. Du, der du als terescere possimus. > Tu qui no- neues Mitglied in diesen Verein

I eintreten willst, lies zuvor das Sta-vos in hoc collegio intrare vo- tut und tritt dann ein, damit du

le[s, p]rius legern perlege et sic dich nicht nachher beschwerst oder intra, ne postmodum queraris aut deinem Erben einen Streitfall hin- terläßt. heredi tuo I controver[si]am relin- quas. Lexs collegi. I Vereinsstatut 20 [Placu]it universis, ut quisquis Die Vollversammlung hat be-10 schlossen, daß jeder, der diesem hoc collegium intrare voluerit, da- Verein beitreten will, als Auf- bit kapitulari nomine I HS C n. et nahmegebühr 100 Sesterzen und v [ini] boni amphoram; item in eine Amphore guten Wein ablie- fern muß, ebenso monatlich 5 As- menses sing.a.V. > Item placuit, se. Ebenso wurde beschlossen, daß ut quisquis mensib. I contin[uis bei jedem, der (seinen Beitrag) in sechs aufeinanderfolgenden Mona- se]x non pariaverit et ei humanitus ten nicht gezahlt hat und vom Los acciderit, eius ratio funeris non ha- des Menschen ereilt wird, die Ko- bebitur, I etiamsi [test]amentum sten für das Begräbnis nicht begli- chen werden, auch wenn er ein factum habuerit. > Item placuit: (entsprechendes) Testament ge- quisquis ex hoc corpo- I re n. pa- macht hat. Ebenso wurde be- riatu[s] decesserit, eum sequentur schlossen: Wer aus dieser unserer Gemeinschaft verstirbt und die ex arca HS CCC n., ex qua sum- Beiträge geleistet hat, dem werden 25 ma decedent exe- I quiari nomine aus der Kasse 300 Sesterzen zuge-, teilt; von dieser Summe gehen als HS L n., qui ad rogus dividentur; Geld für das Leichenbegängnis 50 exequiae autem pedibus fungen- Sesterzen ab, die am Scheiterhau- tur. I fen verteilt werden; das Leichen- begängnis aber erfolgt zu Fuß. Item placuit, quisquis a municipio Ebenso wurde beschlossen: Wenn ultra milliar. XX decesserit et nun- einer weiter als 20 Meilen von der

I Stadt entfernt gestorben ist und tiatum fuerit, eo exire debebunt dies gemeldet wird, müssen dort-

electi ex corpore n. homines tres, hin drei ausgewählte Personen aus qui funeris eius curam agant et ra- der Gemeinschaft hinausgehen; sie sollen für sein Begräbnis sorgen tionem populo reddere debebunt I und müssen (darüber) dem (Ver- sine dolo m[al]o; et si quit in eis eins-) Volk Rechenschaft geben ohne List und Bosheit; und wenn fraudis causa inventum fuerit, eis man bei ihnen einen Betrug ent- multa esto quadruplum. Quibus I deckt, sollen sie eine vierfache [funeraticium] eius dabitur; hoc Strafe erhalten. Ihnen wird das Begräbnisgeld des betreffenden amplius viatici nomine ultro citro ausgehändigt; dazu kommen als sing. HS XX n. Quod si longius I Wegegeld je 20 Sesterzen für den 30 [a municipio su]pra mill. XX de- Hin- und Rückweg. Wenn einer weiter als 20 Meilen von der Stadt cesserit et nuntiari non potuerit, entfernt gestorben ist und eine Be- turn is qui eum funeraverit, testa- nachrichtigung nicht möglich war,

I dann muß dem, der ihn begraben [tor rem tabu ]lis signatis sigillis hat, aufgrund des Vereinsstatuts

civium Romanor. VII, e[t] probata das Begräbnisgeld des be- causa funeraticium eius, sa- I [tis treffenden, abzüglich der Son- derausgaben und des Gelds für das dato ampli]us neminem petiturum, Leichenbegängnis, gegeben wer- deductis commodis et exequiario, den, wobei sichergestellt sein e lege collegi dari I [ei debebit]. muß, daß niemand mehr eine For- derung erheben wird; Voraus- [A n. co]llegio dolus malus abesto setzung ist auch, daß er die Sache neque patrono neque patronae ne- mit schriftlichen Erklärungen bele-

I gen kann, die mit den Siegeln von que d[ omino] sieben römischen Bürgern gezeich-

net sind, und daß die Sache (von der Vereinsversammlung) gebilligt wird. In unserem Verein soll es List und Bosheit nicht geben; we- der ein Patron noch eine Patronin noch ein Herr, (Pag.lI) neque d[o]minae neque creditori noch eine Herrin noch ein Gläu- ex hoc collegio ulla petitio esto, biger hat ~n diesen Verein irgend- welche Anspruche, es sei denn, er nisi siquis testamento here[s] I wurde im Testament als Erbe ge- nomina[tu]s erit. Si quis intestatus nannt. Wer ohne Testament ver- stirbt, wird entsprechend der Ent- decesserit, is arbitrio quinq. et po- scheidung des Quinquennalis und puli funerabitur. I des (V ereins-)Volkes bestattet. Item placuit: q[ui]squis ex hoc col- Ebenso wurde beschlossen: Wenn legio servus defunctus fuerit, et einer aus diesem Verein als Sklave verstorben ist und sein Leichnam corpus eius a domino dom i- von seinem Herrn oder seiner Her- nav[e] I iniquitatae (sie) sepultu- rin ohne gerechten Grund nicht für rae datum non fuerit neque tabellas die Bestattung herausgegeben wird und er nichts aufgeschrieben hat, fecerit, ei funus imag[ina]rium dann soll er ein fiktives Begräbnis 5 fiet. I > Item placuit: quisquis ex erhalten. Ebenso wurde beschlos- sen: Wer aus irgendeinem Grund quacumque causa mortem sibi ad- sich selbst das Leben genommen sciveri[t], I eius ratio funeris non hat, dessen Begräbniskosten wer- habebitur. I den nicht beglichen. Item placuit, ut quisquis servus ex Ebenso wurde beschlossen: Wenn hoc collegio liber factus fuerit, is ein Sklave aus diesem Verein frei- gelassen wird, muß er eine Am- dare debebit vini I [bo]ni ampho- phore guten Wein spendieren. ram. > Item placuit: quisquis magister Ebenso wurde beschlossen: Wer in suo anno erit ex ordine a[lbi] I ad lern Jahr, in dem er aufgrund der Abfolge der Mitgliederliste das cenam faciendam, et non observa- Amt hat, für das Vereinsmahl zu verit neque fecerit, is arcae inferet sorgen, dieser Pflicht nicht nach- 10 HS XXX n.; I insequens eius dare kommt und es nicht tut, der muß 30 Sesterzen in die Kasse zahlen; debebit, et is eius loco restituere der (auf der Liste) folgende muß debebit. (das Essen) geben, und er muß an seiner Stelle einspringen (7)., Ordo cenarum: VIII id.Mar. natali Ordnung der Vereinsmähler: Am Caesenni ... patris. V k. Dec. nat. 8. März, dem Geburtstag des Cae- sennius des Vaters (des Ant[inoiJ. I Idib. Aug. natali Patrons). Am 27. November, dem Dianae et collegi. XIII k. Sept. Geburtstag des Antinous. Am 13. na[t. Caese]nni Silvani fratris. Pr. August, dem Geburtstag der Diana und des Vereins. Am 20. August, n[on.J .. I natali Corneliae Procu- dem Geburtstag des Caesennius lae matris. XIX k. lan. n[ at. Silvanus, des Bruders (des Pa- trons). Am 6. (oder: 4.) ... , dem Caes]enni Rufi patr. munic[ipiJ. Geburtstag der Cornelia Procula, der Mutter (des Patrons). Am 14. Dezember, dem Geburtstag des Caesennius Rufus, des Patrons der Stadt. Magistri cenarum ex ordine albi Diejenigen, die aufgrund der Ab- facti qu[oquJo ordine homines folge der MitgIiederIiste für die Mähler zuständig sind, jeweils vier 15 quaterni ponere debeb[unt]: I vini Personen, müssen (folgendes) vor- boni amphoras singulas, et panes setzen: je eine Amphore guten a. 11 qui numerus collegi fuerit, et Wein, Brote im Wert von zwei Assen in der Anzahl der Vereins- sardas [nu] I mero quattuor, stra- mitglieder, vier Sardinen, Gedeck, tionem, caldam cum ministerio. I warmes Wasser mit Bedienung. Item placuit, ut quisquis quinquen- Ebenso wurde beschlossen: Wer in nalis in hoc collegio factus fuerit, diesem Verein Quinquennalis wird, der muß vom Amtsantritt (?) is a sigillis eius temporis, I quo als Quinquennalis an beitragsfrei quinquennalis erit, im munis esse sein, und es muß ihm bei allen debebit, et ei ex omnibus divi- Verteilungen der doppelte Anteil gegeben werden. sionibus partes dupl[asJ I dari. Item scribae et viatori a sigillis va- Ebenso wurde beschlossen, daß cantibus partes ex omni divisione dem Schreiber und dem Boten von

I I den nicht besetzten Ämtern (?) bei 20 sesquip[las] dari placuit. jeder Verteilung der eineinhalb-

fache Anteil gegeben wird., Item placuit, ut quisquis quinquen- Ebenso wurde beschlossen: Wer nalitatem gesserit integre, ei ob das Amt des Quinquennalis unbe- scholten verwaltet hat, dem sollen honorem partes se[squi-] I plas ex ehrenhalber eineinhalb Anteile von omni re dari, ut et reliqui recte fa- allem gegeben werden, damit die

I übrigen (für sich) aus richtigem cien40 idem spe:r;ent. Verhalten dasselbe erhoffen .

.I tem placuit, si quis quid queri aut Ebenso wurde beschlossen: Wenn referre volet, in conventu referat, jemand eine Beschwerde oder ei-

I nen Antrag vorbringen will, soll er ut quieti e[t] hilares diebus sol- das in der Versammlung tun, da-

lemnibus epulemur. I mit wir in Ruhe und Fröhlichkeit an den festlichen Tagen speisen können. 25 Item placuit, ut quisquis seditionis Ebenso wurde beschlossen: Wer causa de loco in alium locum die Ordnung stören will und von seinem Platz auf einen anderen transierit, ei multa es- I to HS IIII wechselt, soll eine Strafe von vier n. > Siquis autem in obprobrium Sesterzen erhalten. Wenn jemand alter alterius dixerit, aut tu[mul-] einen anderen beleidigt oder Unru-he stiftet, soll er eine Strafe von

I tuatus fuerit, ei multa esto HS 12 Sesterzen erhalten. Wenn je-

XII n. > Si quis quinquennali in- mand während des Mahls den

I Quinquennalis beleidigt oder be-ter epul[as] obprobrium aut quid schimpft, soll er eine Strafe von

contumeliose dixerit, ei multa esto 20 Sesterzen erhalten. HS XX n. I Item placuit, ut quinquennalis Sul Ebenso wurde beschlossen: Der cuiusque temporis diebus sol- Quinquennalis soll an den Fest- tagen seiner (Amts-)Zeit mit 30 lemn[ibus ture] I et vino supplicet Weihrauch und Wein Gebete voll- et ceteris officiis albatus fungatur, ziehen und die übrigen Pflichten et die[bus natalibus] I Dianae et im weißen Gewand wahrnehmen; an den Geburtstagen der Diana Antinoi oleum collegio in balinio und des Antinous soll er für den (sie) publico po[nat antequam] Verein vor dem Festmahl im öf- fentlichen Bad Öl bereitstellen. epulentur., 3. Der Verein für Aesculap und Hygia in Rom (153 n. ehr.) 4 1 Lex collegi Aesculapi et Hy- Statut des Vereins des Aesculap giae. und der Hygia. 2 Salvia C. f. Marcellina ob memo- Sal via Marcellina, die Tochter des riam Fl.Apolloni proc. Aug., qui Caius, schenkte zum Gedächtnis an Fl. Apollonius, einen Prokura- fuit a pinacothecis, et Capitonis tor des Augustus, der Leiter der 3 Aug. l. adiutoris I eius, mariti sui staatlichen Gemäldesammlung war, und an seinen Assistenten optimi piissimi, donum dedit colle- Capito, einen Freigelassenen des gio Aesculapi et Hygiae locum Augustus, ihren allerbesten und herzensguten Gemahl, dem Verein aediculae cum pergula et signum des Aesculap und der Hygia ein marmoreum Aesculapi et solarium Häuschen mit Anbau, ein Aescu-lapbild aus Marmor und eine be- 4 tectum iunctum, in I quo populus deckte Terrasse, damit die collegi s.s. epuletur, quod est via Mitglieder des genannten Vereins an diesem Ort speisen können. Appia ad Martis intra milliarum I Das Anwesen befindet sich an der et II ab urbe euntibus parte laeva Via Appia beim Marsbild (oder: Marstempel) zwischen dem ersten inter adfines Vibium Calocaerum und dem zweiten Meilenstein, 5 et populum; item I eadem Marcel- wenn man von Rom herkommt auf der linken Seite, zwischen den lina collegio s.s. dedit donavitque angrenzenden (Grundstücken des) HS L m. n. hominibus n. LX sub Vibius Calocaerus und dem öf-fentlichen Grund. Ebenso schenkte hac condicione, ut ne plures adle- dieselbe Marcellina dem genannten gantur, quam numerus s. s. et ut Verein 50.000 Sesterzen für 60 Personen unter der Bedingung, 6 in locum I defunctorum loca ve- daß nicht mehr aufgenommen wer- niant et liberi adlegantur, vel si den als die genannte Zahl und daß die Plätze der Verstorbenen ver- quis locum suum legare volet filio kauft werden und Freie aufgenom- vel fratri vel liberto dumtaxat, ut men werden, oder, wenn einer sei-nen Platz seinem Sohn oder Bru- 7 inferat arkae n. partem I dimi- der oder höchstens seinem Freige- diam funeratici; et ne eam pecu- lassenen vermachen möchte, daß er die Hälfte des Begräbnisgelds in niam s.s. velint in alios usus con- die Kasse zahlt; außerdem dürfen vertere, sed ut ex usuris eius sum- sie das genannte Geld nicht zu an-deren Zwecken umwidmen, son- 4 Text nach ILS II/2,7213., mae diebus infra scriptis locum dem mit den Zinsen dieser Summe 8 confrequentarent; I ex reditu eius sollen sie an den unten genannten Tagen an dem Ort feiern; wenn sie summae si quod comparaverint aus den (Zins-)Einkünften dieser sportulas hominib. n. LX ex Summe Geschenke gekauft haben für die 60 Personen, aufgrund des decreto universorum quod gestum gemeinsamen Beschlusses, der im est in temple divorum in aede divi Tempelbezirk der vergöttlichten (Kaiser), im Tempel des vergött- 9 Titi con- I ventu pleno, qui dies lichten Titus, in Vollversammlung fuit V id.Mart. Bruttio Praesente am 11. März im Konsulat von Bruttius Praesens und Iunius Rufi- et Iunio Rufino cos. , uti XIII nus gefaßt wurde, dann sollen sie k.Oct. die felicissimo n. Antonini am 19. September, dem höchst se-gensreichen Geburtstag unseres Aug. n. Pii p. p. sportulas divide- Augustus Antoninus Pius, des Va- 10 rent: in I templo divorum in aede ters des Vaterlandes, Geschenke verteilen: im Tempelbezirk der divi Titi C.Ofilio Hermeti qq. pp. vergöttlichten (Kaiser), im Tempel vel qui tune erit XIII, Aelio Zeno- des vergöttlichten Titus, dem C. Ofilius Hermes, dem Quinquenna- ni patri collegi XIII, Salviae Mar- lis auf Lebenszeit, oder wer es cellinae matri collegi XIII, dann sein wird, 3 Denare, dem Aelius Zeno, dem Vater des Ver- 11 imm. I sing. X II, cur. sing. XII, eins, 3 Denare, der Salvia Marcel- populo sing. X I. lina, der Mutter des Vereins, 3 Denare, den beitrags freien Mitgliedern je 2 Denare, den Ku- ratoren je 2 Denare, dem Volk je I Denar. Item pt. pr. non. Nov. n. collegi Ebenso wurde beschlossen, daß sie dividerent ex reditu s. s. ad Martis am 4. November, dem Geburtstag des Vereins, aus den oben genann- in scholam n. praesentibus qq. X ten Einkünften an die beim Mars- 12 VI, patri colleg. X VI, I matri bild (oder: Marstempel) in unse-rem Vereinshaus Versammelten collegi X VI, imm. sing. XIIII, (folgende Summen) verteilen: dem cur. sing. X UII, panem [a.] III; Quinquennalen 6 Denare, dem Va-ter des Vereins 6 Denare, der vinum mensuras qq. s. VIIII, patr. Mutter des Vereins 6 Denare, den coll. s. VIIII, imm. sing. s. VI, beitragsfreien Mitgliedern je 4 De-nare, den Kuratoren je 4 Denare, cur. sing. s. VI, populo sing. s. Brot für 3 (Asse); an Wein dem III. Quinquennalen 9 Schoppen, dem Vater des Vereins 9 Schoppen, den beitragsfreien Mitgliedern je 6 Schoppen, den Kuratoren je 6 Schoppen, dem Volk je 3 Schop- pen., 13 Item pr. non. Ian. I strenuas (sie) Ebenso sollen sie am 4. Januar dividerent sicut s. s. est XIII k. Neujahrsgeschenke verteilen wie oben für den 19. September ange- Oct. Item VIII k. Mart. die kare geben. Ebenso sollen sie am 22. cognationis ad Martis eodem loco Februar, am Tag der lieben Ver-wandtschaft, beim Marsbild (oder: dividerent sportulas pane et vinum Marstempel) am gleichen Ort als 14 sicut s. s. est I prid. non. Nov. Geschenk Brot und Wein vertei-len, wie oben für den 4. Novem- Item pr. id. Mart. eodem loco ce- ber angegeben ist. Ebenso am 14. nam, quam Ofilius Hermes qq. März am selben Ort ein Mahl, das der Quinquennalis Ofilius Hermes omnibus annis dandam praesenti- alle Jahre den Anwesenden zu ge- bus promisit, vel sportulas, sicut ben versprochen hat, oder Ge-schenke, WIe er sie gewöhnlich 15 solitus est dare. Item I XI k. Apr. gibt. Ebenso sollen am 22. März, die violari eodem loco praesen- dem Veilchen tag, am gleichen Ort an die Anwesenden Geschenke (in tibus dividerentur sportulae vmu Form von) Wein und Brot verteilt pane sicut diebus s. s. Item V id. werden wie an den oben genannten Tagen. Ebenso sollen am 11. Mai, Mai. die rosae eodem loco dem Rosentag, am gleichen Ort an praesentib. dividerentur spor- I die Anwesenden Geschenke (in Form von) Wein und Brot verteilt 16 tulae vinu et pane sicut diebus s. s. werden wie an den oben genannten ea condicione, qua in conventu Tagen unter der Bedingung, die in der Versammlung von allen be- placuit universis, ut diebus s. s. ii schlossen wurde, daß an den oben qui ad epulandum non convenis- genannten Tagen die Geschenke (in Form von) Brot und Wein de- sent, sportulae et pane et vinu I rer, die nicht zum Mahl gekom- 17 eorum venirent et praesentibus di- men sind, verkauft werden und (das Geld) den Anwesenden ver- videi:etur, excepto eorum qui trans teilt wird, ausgenommen (gie Ge- mare erunt vel qui perpetua valetu- schenke) derer, die in Ubersee sind oder durch ihren dauerhaft dine' detinetur. (schlechten) Gesundheitszustand abgehalten werden. Item P. Aelius Aug. lib. Zenon I Außerdem hat P. Aelius Zeno, ein 18 eidern collegio s. s. ob memoriam Freigelassener des Augustus, demselben oben genannten Verein M. Ulpi Aug. lib. Capitonis fratris zum Gedenken an M. Ulpius Ca- sui piissimi dedit donavitque HS X pito, einen Freigelassenen des Au-gustus, seinen herzensguten Bru- m. n., uti ex reditu eius summae der, ein Geschenk von 10.000 Se-, 19 in contri- I butione sportularum sterzen gegeben, damit aus den (Zins-)Einkünften dieser Summe dividerentur. bei der Zuweisung von Geschen- ken ausgeteilt würde. Quod si ea pecunia omnis quae s. Wenn sie nun das ganze, oben ge- s. est, quarrt dedit donavit collegio nannte Geld, das dem oben ge-nannten Verein Salvia Marcellina, 20 . s. s. I Salvia C.f.Marcellina et die Tochter des Caius, und P. P.Aelius Aug. lib. Zeno, in alios Aelius Zeno, Freigelassener des Augustus, zum Geschenk gegeben usus convertere voluerint, quam in haben, zu anderen Zwecken um- eos usus, qui s. s. s., quos ordo widmen wollen als zu den Zwek-ken, die oben genannt sind und die 21 collegi n. decrevit et uti I haec die Mitglieder unseres Vereins omnia, q. s. s. s. suis diebus ut ita beschlossen haben, und all dies, was oben geschrieben ist, daß es fiant dividantque, quod si adversus an bestimmten Tagen zu gesche- ea quid fecerint sive quid ita non hen hat und sie es so aufteilen sol-len - wenn sie nun etwas dagegen 22 fecerint, tunc qq. vel curato- I res getan haben oder es so nicht getan eiusdem collegi qui tunc erunt, si haben, darm sollen die, die dann Quinquennalis oder Kuratoren des- adversus ea quid fecerint, qq. et selben Vereins sein werden, wenn curatores s. s. uti poenae nomine sie etwas dagegen getan haben, die oben genannten Quinquennalen arkae n. inferant HS XX m.n. I und Kuratoren als Strafe in unsere Kasse 20.000 Sesterzen zahlen. 23 Hoc decretum ordini n. placuit in Dieser Beschluß ist von unseren conventu pleno, quod gestum est Mitgliedern in Vollversammlung beschlossen worden im Tempelbe- in templo divorum in aede divi Titi zirk der verättlichten (Kaiser), im 24 V id.Mart. G.Bruttio Prae- I sente Tempel des vergättlichten Titus, am 11. März im Konsulat von G. A. Iunio Rufino cos., qq. C. Ofi- Bruttius Praesens und A. Iunius lio Hermete, curatorib. P. Ael. Rufinus, unter dem Quinquennalis C. Ofilius Hermes und den Kura- Aug. lib. Onesimo et C.Salvio Se- toren P. Ael. Onesimus, Freigelas- leuco. sener des Augustus, und C.Salvius Seleucus., 4. Der Verein der lobacchen in Athen (178 n. ehr.) 5 1 Glück und Heil! 87rL a.PXOpTOe; 'Ap(pLov) 'E7rar/>po- In der Amtszeit des Archonten Ar- 5eLTov, p:"poe; I 'EAar/>1/ßoALWpOe; rios Epaphroditos berief am 8. Tag

I des Monats Elaphebolion zum er-1/' Burap.ivov, OL'"yopap uvp~'Ya- sten Mal der von Aur. Nikoma-

"leI' 7rpWTWe; b a7r05eLx8eLe; I chos ernannte Priester eine Ver- 5 iepeue; U7rO Avp. NeLKop.&xov, TOU sammlung ein. Nikomachos war ap8L- I epauap.evov eT1J Lr Kat 18 Jahre lang stellvertretender

I Priester und 23 Jahre lang Priester iepauap.ivov eTTJ K'Y' KaL 7rapa- gewesen und zu Lebzeiten für den

xwp~uapTOe; rWVTOe; I ei.e; KOUP.OV Ruhm und die Ehre des Bacchus- KaL 5Ol;ap TOU BaKXeLov I TC!> vereins zugunsten des ehrwürdig- KpaTI.UT'i' KAa. 'Hpw51l, ur/>' oÖ sten Claudius Herodes von seinem 10 Amt zurückgetreten. Nachdem er av8LepeUe; I a7r05eLx8ete; [al' ]e'Y-

I von diesem zum stellvertretenden pw 5O'Yp.aTa TWV iepauap.evwv, Priester ernannt worden war, las

XPVUI.7r7rOU Kat dLOVVULOV, I Kat er die Beschlüsse der früheren 87raLVeUaVTOe; TOU iepewe; Kat TOU Priester Chrysippos und Dionysios

I vor. Als der Priester, der Archi-ap- XLß&KXOV Kat TOU 7rPOUT&TOV bakchos und der Patron sie gebil-

8l;{eß01/Uap)' 'TOVTOLe; I aeL XPW- ligt hatten, wurden Rufe laut: 'An p.e8a', 'KaAWe; b i,epeve;', 'aV&K- diese wollen wir uns immer hal- 15 TTJuaL I [T]a 5O'Yp.aTa',' UOL 7rpi- ten! " 'Hoch der Priester!', 'Setze

I die Beschlüsse wieder in Kraft!', 7reL' ,'evuTOt.8eLap TC!> BaKxeL'i' 'Dir kommt es zu!', 'Gedeihen

Kat eVKoup.Lav' ,'8V U~All Ta 50- I und Ordnung für die Bacchus- 'Yp.aTa' ,'87repWTa' . b iepeue; ei- gesellschaft!', 'Die Beschlüsse auf 7rev' "87reL Kat I 8P.ot KaL roLe; die Säule!', ' Stelle die Frage!'.

I Der Priester sagte: 'Weil es mir, UVVLepevUL P.O[V] Kat u- P.BLV meinen Mitpriestern und euch al-

7raULV apeUKBL, WC; al;WUTe 87re- I len richtig erscheint, wollen wir 20 PW1~UOP.BV". Kat 87r1/PWTTJUBp b die Frage stellen, wie ihr es 7rPO- I B5poe; 'POur/>OC; 'Ar/>pooeL- wünscht. ' Daraufhin stellte der

I Prohedros Rufus Aphrodisios die UI.OU· 'ÖT'i' oOKeL KvpLa BivaL Ta Frage: 'Jeder, der dafür ist, daß

aVB'Yvwup.eva 5o'Yp.a- I Ta Kat 8V die vorgelesenen Statuten gültig a~ATI ava'Ypar/>TJVaL, apOt.rw I sein und auf die Säule geschrieben rT]V XBLpa' . 7r&VTBC; e7rTJpav. werden sollen, hebe seine Hand!' 25 '7rOAAOLe; I Alle hoben sie. Sie riefen: 'Lang el;{Bßo1/aap)' eTBaL lebe der ehrwürdigste Priester He- 5 Text nach SIG3/4 III,l109. Die deutschen Übersetzungen von Teilen dieses Texts bei Tod, Streiflichter 57-62, und Wilken, Christen 55-58, wurden eingesehen., TOll KpOmUTOII iBpsCX 'HpWO'l7 I1', I rades!', 'Jetzt ist's geschafft, jetzt '11VII BVTUXBLC;, IIVII 7raIlTWII 7rPW- sind wir die ersten aller Bacchus- TOt I TWII B(UXBLWII', 'KCXAWC; 0 gesellschaften!', 'Hoch der stell- vertretende Priester! ' , 'Her mit all(hBpBUC;', '~ u'TiJ- I A'17 -YBIISUTW'.

I der Säule!'. Der stellvertretende b allfhBpeUC; Bl7rB· " 8Umt ~ Priester sagte: 'Die Säule soll auf

ur6A'17 B7rt TOU KBLOIIOC;, KCXt dem Pfeiler stehen, und (die 30 ava'Ypcx4>.q- I UOVTCXt· BVTOII.qUOVUL Beschlüsse) werden darauf-

I geschrieben; denn die Vorsteher -yap oi 7rPOBUTW- 'TBC; TOV p.'I70BV werden darauf achten, daß nichts

CXUTWV AU(}7jIlCXt. " davon verletzt wird. '

II P.'I70Bllt B~SUTW iOßCXKXOII BlllcxL, Ball Keiner darf Iobacche sein, wenn

p.iJ I 7rPWTOII cx7ro-ypal/;'I7TCXt 7rcxpa er nicht zuerst beim Priester die TCi! I übliche schriftliche Bewerbung [BpBL TiJv VBVOP.tUp.sV'I7 V einreicht und es von den Iobac- 35 Ot7ro-ypcx4>iJv KCXt I OOKtp.au(}jj V7rO chen durch Abstimmung beurteilt TWV i,oßaKxwlI I/;~- I 4>ctJ, Bi, a~wc; wird, ob er würdig und geeignet 4>aLIIOtTO KCXt B7rt'TiJOBWC; I T4J für den Bacchusverein ist. Die

I Aufnahmegebühr soll für einen, BaKxeLctJ. 8UTW OB TO LU'I7AUUWII der nicht vom Vater her (Mitglied-

T4J p.iJ Ot7rO 7raTpOC; * v' KCXt U7rOV- schaft beantragt), 50 Denare und o~. I bP.OLWC; KaL OL CX7rO 7rCXTPOC; ein Trankopfer betragen. Eine 40 Ot7ro-ypcx4>s- I U(}WUCXII B7rL * KB' ähnliche Bewerbung sollen die &OOIlTBC; ~p.t4>opwv I p.sXptC; ÖTOU stellen, die vom Vater her Mit-

I gliedschaft beantragen; sie sollen 7rPOc; -yuVatKac; Z,ULV. 25 Denare und dazu den halben

Mitgliedsbeitrag zahlen, bis sie ge- schlechtsreif sind. UUVLTWUCXV OB oi ioßaKXOt Tac; TB Die Iobacchen sollen sich am Bva- I mc; KaL Tac; OtP.4>U;'T'/7pLÖCXC; Neunten (jedes Monats), beim

I Br nc; Jahresfest, beim Bacchusfest und KaL BCXKXBL- CX KCXL 7rPOU- I bei außer der Reihe angesetzten 45 KatpOC; BOPTiJ TOU (}eou, 8KCXUTOC; Festen des Gottes versammeln; je-

17 AS-YWII 17 7rOtWII 17 4>tAOTBt- I der soll sich daran durch Rede, P.OUP.BIIOC;, KCXTcxßaAAWII p.'I7l1t- Tat oder ehrenvollen Eifer (betei- CXLav I TiJv OptU(}BLUCXV BLc; TOV ligen) und den festgesetzten Mo-

I natsbeitrag für den Wein ein-olvov 4>opav· Ball ÖB p.iJ 7rA'I7POL, zahlen. Wenn er seinen Beitrag

eip-Y8u(}W T7jc; unß a- I ooc;, Kcxt nicht entrichtet, soll er von der 50 BVTOIlBLTWUCXV oi TCi! 1/;'I74>LUP.CX- I n Versammlung ferngehalten wer- 17 den; darauf sollen die achten, die eV-YB-ypcxP.P.SvOL, XWPLC; CX7ro0'l7- im schriftlichen Beschluß genannt P.LCXC; I 17 7rSv(}OUC; 17 1I0UOU ij (Bi.) sind, außer, wenn er verreist war u4>oöpcx OtVcxvKa'ioc; I nc; ~11 b oder im Fall von Trauer oder 7rPOUÖBX(}'I7UOP.BVOC; ic; TiJII un- ßa- Krankheit, oder wenn einer, der

I acx, KpBtVallTWv TWV LBp8WII. zur Versammlung zugelassen wer-den soll, unter zwingender Not-

, wendigkeit stand, wobei die Prie- ster darüber urteilen sollen. BOtV ~e iOßOtK- I xov a~SAcpot; iU8P- Wenn aber der Bruder eines Iobac- X'I7 TOa Vt1JCP~ ~OKLJ1.aU(JSLt;, I chen durch Abstimmung für wür- 55 * dig befunden wird und beitritt, soll ~L56TW V'. BOtJ' ~e LSPOt; 1rot'it;

I er 50 Denare bezahlen. Wenn ein B~WTLI'Ot; Ka(Jeu- (Jett; aVaAWCT'{/ (in die Mysterien) eingeweihter

TOt 1rPOt; TOUt; (JSOUt; KaL TO BaK- junger Mann aus dem A.usland XSLOV, I SUTW J1.STOt TOU 1raTp0t; kommt und das Geld für die Göt-

I ter und für den Bacchusverein iOßaKxot; 81rL J1.LQ! U1rOV~fI TOU beibringt, soll er mit seinem Vater

1raTpOt;. Iobacche sein und das Trankopfer mit seinem Vater zusammen dar- bringen. TC{J ~e a1ro-ypaVtaJ1.8V~ I KaL Jedem, der seine Bewerbung ein- Vt'l7CPOCPOP'I7(J8VTL ÖL~OTW b LSPSUt; gereicht hat und durch Abstim- 60 I mung aufgenommen wurde, soll 81rUl- TOAr,V ÖTL BUTLV ioßaKx.ot;, der Priester eine Bescheinigung BOtV 1rPWTOV I ~OL TC{J LSPSL TO darüber geben, daß er ein Iobac- i/J'Y]AUULOV, BV-YPCY.CPOJ1.8VOV I rfI che ist, allerdings erst, wenn er B1rLUTOAV TOt XWP1JUaVTa sit; TO dem Priester die Aufnahmegebühr

I bezahlt hat; in die Bescheinigung ~S(A)TL(OV). soll (der Priester) eintragen, was

(von diesem Betrag) für das Täfel- chen abgeht. OV~SVL ~e B~8UTt:XL BV rfI UTLßOt~L Bei der Versammlung darf keiner OUTS ~UaL laUTS (JopvßfluaL OUTS singen, Unruhe stiften oder 65 I applaudieren, sondern jeder soll in KpoTfluaL, J1.STOt ~8 1rOtU'I7t; aller Gesittung und Ruhe seine SVKouJ1.Lat; KaL r,UVXLat; TaUt; Rolle sprechen und spielen, unter J1.SPLU- I J1.0Ut; A8-YSLV KaL 1rOLSLP, der Leitung des Priesters oder des 1rPOUTOtUUOVTOt; I TOV LBP8Wt; 71 Archibacchus. Keiner der lobac-

I ehen, die ihre Beiträge für den ToUOt.pXLßOtKXOV. J1.'I7~BvL 8~8UTW Neunten und das Jahresfest nicht

TWV iOßDtKXWP TWP J1.1! UVPTSAS- eingezahlt haben, darf zur Ver-

I UOtPTWP SLt; TB TOtt; 8VOtTat; KaL sammlung kommen, bis ihm von

70 aJ1.CPU;T'I7PL- I oat; Biu8Pxeu(JaL it; den Priestern beschieden wird, daß Ci I er zahlen muß oder teilnehmen Tr, v UTLß Otoa J1.8XPLt; v 81rLKP L(JfI darf. Wenn einer einen Streit be- aVTC{J U1rO TWV LBP8WV 71 a1rO- I ginnt oder offenkundig die gute ~ouvaL aVTOV 17 iuepx su(JaL. J1.OtX'I7t; Ordnung verletzt oder den Platz ~8 I eOtV TLt; &p~'I7Tt:XL 17 supB(JfI TLt; eines anderen einnimmt oder je- aKOUJ1.WP 11 I S1r aAAOTpLap manden verhöhnt oder beschimpft,

I so soll der Beschimpfte oder KALULav epXoJ1.BVOt; 17 UßPL- 5WV 71 Verhöhnte zwei Iobacchen beibrin-

75 AOL~OPWP TLva, b J1.8P AOL~OP'l7- I gen, die beschwören, daß sie die, (}Bk ij UßPL(1(}B'i~ 7rapauTapiTW OVO Verhöhnung oder Beschimpfung

I gehört haben; der Urheber der BK TWp ioßaKXwp BI'6pKov~, ÖTL I Verhöhnung oder Beschimpfung 1/KOV- uap ußPLt6p.BpOl' 17 AOLOO- soll der Gemeinschaft 25 leichte

POVP.BpOp, I KaI. b vßpLua~ ij Drachmen zahlen; der für den AOLoop-qua~ (l!7ronl'[pv-] I TW Tc;" Streit Verantwortliche soll die 80 17 b gleichen 25 leichten Drachmen KOtpc;" AB7rTOV ·op(axp.ou;) KB', zahlen; sie dürfen nicht an der arTLD~ I ,,/Bp6JJ.BpO~ rijc; p.ax'YJ~ Versammlung der Iobacchen teil- Ot7rOTLppUTW I TOt~ aVrOt~ tJp. KB', nehmen, bis sie bezahlt haben. 17 JJ.iJ UvpLTwuap i~ TOV~ I ioßaK- XOV~ P.iXPL~ ap Ot7rOtJWULI'. I BaI' M TL~ aXPL 7rA'YnWp 8A(}'lI, Wenn einer soweit geht, daß er 85 OI.7ro,,/paq,iuTwI07rA'YJ,,/B'iC; 7rPO~ Schläge austeilt, soll der Ge- TOP LBpia 17 TOP OI.p(}LBpia, I 0 oe schlagene es dem Priester oder dem stellvertretenden Priester mel- 87rapapKe~ a,,/opap Ot,,/BTW, KaI. den; dieser soll unbedingt eine 1/t-q- I q,C{J OL i6ßaKXOL KpeLpiTwuap Versammlung einberufen, und un- 7rPO'YJ"/OV- I p.ipov TOV iepiwc;, KaI. ter Vorsitz des Priesters sollen die

I Iobacchen über das Urteil abstim-7rpOUTe'p.au(}w 7rPOC; XPCJPOP p.iJ I men; der betreffende soll zur Stra-90 eiuBMBLp QUOp ap tJo- ~1I KaI. fe eine zu bestimmende Zeit lang

ap,,/vpLOV P.iXPL * Ke'. Burw tJe I nicht teilnehmen dürfen und bis zu TOt aurOt 87rLTBLp.La Kat Tc;" 5apil'TL 25 Silberdenare zahlen. Die glei-

I che Strafe soll dem Geschlagenen KaI. p.iJ 87re~eM6pTL 7rapOt rc;" gelten, wenn er nicht beim Prie-

LBpeL 17 Tc;" I apXLßaKX~, OtAAa ster oder Archibacchus (gegen den O'YJp.ouirt 8pKaAiuap- I TL. 87rLTBi- anderen) vorgeht, sondern öf- JJ.La 58 BUTW rOt aurOt rc;" BVKOU- I fentlich Klage erhebt. Die gleiche 95 Strafe soll dem für Ruhe und Ord-JJ.~ p.iJ 8KßaAOpTL rov~ JJ.axoJJ.i-

I nung zuständigen Amtsträger gel-I'OV~. ei M TL~ rwp iOßtiKXWI' , ten, wenn er die an der Schlägerei

eiowc; en TOV- I TO Ot,,/opotp Beteiligten nicht hinauswirft. OtPeLAovuap ax(}1jpaL, JJ.iJ Ot- I Wenn ein Iobacche wußte, daß zu diesem Zweck eine verpflichtende 7raprT,ulI, Ot7rOTeLUaTW Tc;" KOLpc;"

I Versammlung abgehalten wird, AB- 7rrOV 5p. 1". 8ap 58 a7rBL(}V und er sich trotzdem nicht einfin-

100 7rpauuop.e- I po~, 8~Burw rc;" det, soll er der Gemeinschaft 50 TaJJ.irt KWAvuaL aUTOp I rijc; Biu- leichte Drachmen zahlen. Wenn er

I der Zahlungsaufforderung nicht OOOV rij~ eie; ro BaKxeLop p.i- Folge leistet, soll der Schatzmei-

xpLe; ap Ot7r050L. 8ap M TLC; rwI' I ster ihm den Zugang zum Bac- eiuBPxop.ipwp Ta h1't]AVULOp p.iJ I chusverein verwehren dürfen, bis OL50L Tc;" LepeL 17 Tc;" Otp(}LepBL, er zahlt. Wenn eines von den 105 eip,,/iu- I (}W rije; BunaueWe; neuen Mitgliedern dem Priester oder dem stellvertretenden Priester JJ.iXPL~ ap Ot7rO- I OOL, Kat die Aufnahmegebühr nicht be- 7rpauuiu(}w Qr~ al' rp67r~ I 0 ie- zahlt, soll er vom Festmahl aus ge-, PSl)(; KSASUaT/. j1.T'JOs'ir; 0' 87rOr; I schlossen werden, bis er bezahlt, und von ihm soll (das Geld) auf 4>WPSi7w j1.~ 87rL7peif;O/P70r; 70Ü Ls- die Weise eingetrieben werden, I pewr; ~ 70Ü exp(hspewr;, 17 U7rSU- die der Priester festlegt. Keiner 110 (}vpor; I 8a7w 70 KOLP~ AS7r70Ü darf ohne Erlaubnis des Priesters op(O/Xj1.WP) A'. I oder des stellvertretenden Priesters eine Rede halten; andernfalls schuldet er der Gemeinschaft 30 leichte Drachmen. o ispsvr; oe 87rL7SASi7W 7ar; Der Priester soll bei der 8{}ij1.ovr; I AL70Vp')'iO/r; aTLßaoor; Versammlung und beim Jahresfest

I den gewohnten Gottesdienst in an-KO/L exj1.4>LS7T'J- pioor; SV7rpS7rWr; I gemessener Weise vollziehen und KO/L TL{}BrW 7~P 7WV Ka7a')'w')'iwv soll der Gemeinschaft ein Trank-

115 a7rOVo~p aTL- I ßaOL j1.iav Kat opfer für die Rückkehr (des Bac- {}soAo,),iap, 17V ~p- I ~aTo BK chus) vorsetzen und eine Predigt0Ihalten, wie sie der frühere Priester 4>LAoTSLj1.iar; 7rOLs'iV Ls- paaa- Nikomachos aus ehrenvollem Eifer j1.spor; NSLKoj1.O/xor;. 0 oe expxi- I eingeführt hat. Der Archibacchus ßaKxOr; {}VBrW 7~V {}vaLav Tz;, I soll dem Gott das Opfer darbrin- {}e0 Kat T~V a7rOvo~v TL{}BrW I gen und am 10. des Monats Ela- 120 I phebolion das Trankopfer vorset-Ka7a oeKaTT/V 70Ü 'EAa4>T'JßOAL-

I zen. Nach der Verteilung der Por-WPor; j1.T'JVOr;. j1.spWV oe ')'SLVOj1.e- tionen sollen der Priester, der

vwv O/ipe7w i.spsur;, exv{}LepSUr;, I stellvertretende Priester, der Ar- exPXLßo/KXOr;, Taj1.Lar;, ßOVKOAL- chibacchus, der Schatzmeister, der KOr;, I .:lLovuaor;, KopT'J, IIaAaL- Bukolikos, Dionysos, Kore, Palai-

I mon, Aphrodite und Proteu-125 j1.WV, 'A4>po- OeLTT/, IIpw78upv{}- rhythmos sie an sich nehmen; ihre

j1.or;· Ta oe ovo- I j1.O/TO! aV7wP Namen sollen unter allen ausgelost aUVKAT'Jpoua{}w I 7rOtaL. werden. or; 0' av TWV ioßaKXwp AaX!1 KAij- Wenn ein Iobacche ein Erbe, eine I pop ~ 78Lj1.~P 17 Ta~LP, TL{}e7w Auszeichnung oder eine Ernen-

I nung erhält, soll er den Iobacchen To'ir; io- ßaKXOLr; a7rovo~p ex~Lap ein Trankopfer vorsetzen, das der

130 Tijr; 7a~SWr;, I ')'aj1.wP, Ernennung entspricht: Heirat, Ge- ')'spp~aswr;, Xowp, 84>T'JßsLar;, I burt, Choes, Ephebie, Bürger- 7rOASLTSiar;, PO/ßoo4>opLar;, ßOVASL- recht, das Amt eines Stabträgers, ar;, I IIavsAAT'Jvor;, einen Sitz im Rat, das Amt eines ex- {}Ao(}eaLar;,

I Athlotheten oder eines Panhel-')'spovaLO/r;, {}saj1.o{}saLar;, expxiir; lenen, einen Sitz im Ältestenrat,

~ aoT'J 7r07S0ÜP, I avv{}vaLO/r;, das Amt eines Thesmotheten, ein sipT'JpapxLar;, LspoveiKov, I KO/t sr sonstiges öffentliches Amt, die Er- 135 nennung zum Synthyten, zum Ei-Tir; TL B7r'i TO KpsLaaop ioßaKxOr;

I renarchen, zum Hieroniken, und wv 7UXOL70. wenn sonst ein Iobacche irgend-

eine Beförderung erhält., SUKOUP.OC; 08 KA:Y1POVU(}w 11 KOl(}- tU- Der für Ruhe und Ordnung zustän-

I TOtU(}W inro TOU Lspewc;, 87n- dige Amtsträger soll ausgelost I 11 oder vom Priester eingesetzt wer-tjJepwII T{iJ aKou- p.oulln I den; er soll zu einem, der über die (}Opußoulln TOll (}VpUOII TOU (}S- Stränge schlägt oder Unruhe stif-

OU. ~ 08 Cill 7rOlpc1ITs(}fI b (}vpuoe;, tet, den Thyrsos des Gottes brin- 140 B7rtKPSL- I· IIOlllTOe; TOU LspeWe; 11 TOU gen. Der, neben den der Thyrsos

I gelegt wird, soll entsprechend der apXtßOtKXOU 8~spxeu(}w TOU I Entscheidung des Priesters oder 8unOlTopsLOU. 80tll 08 a- 7rst(}fI, des Archibacchus den Festsaal

Ol;'peTwuOlII aUTOII e~w TOU 7rUAW- I verlassen. Wenn er nicht gehorcht, IIOe; OL KOlTOluTOl(}rwop.ellOt V7rO sollen ihn die von den Priestern

I L7r7rOt, eingesetzten "Pferde" vor die Tür TWII LspewII KOlL eUTw I setzen; er ist zur Zahlung der Stra-145 U7rSv(}woe; TOLe; 7rSPi. TWII P.OlXO- fe für Streithähne verpflichtet.

p.ellwII 7rPOUTSL- I p.Ote;. TOlP.LOlII 08 OlLpSLU(}WUOlII oi 1.0- Einen Schatzmeister sollen die ßOlK- I XDt if;~tjJC{J sk OtSTLOlII, KOlt Iobacchen durch Abstimmung für

I zwei Jahre wählen; er soll ent-7rOlPOlAOlP.ßOl- IIeTw 7rPOC; allOl- I sprechend einem Verzeichnis das 'YPOltjJ~II TOt TOU BOlKXSL- OU gesamte Gut des Bacchusvereins

7r0l IITOl , KOlt 7rOlPOlOWUSt Op.OLWe; übernehmen und soll ihn ebenso 150 T4J I P.ST' OlUTOII Buop.ellC{J TOlP.LQl. dem übergeben, der nach ihm

I 08 Schatzmeister sein wird. Er soll 7rOlpSxeTW OLKO(}SII TO I aus seiner Tasche das Lampenöl (}epp.OAUXIIOII TOte; TS 8- IIOtTOle; an den Neunten und am lahresfest

KOlt ap.tjJtSTTJPLOOl KOlL unßOtOOl, I und bei der Versammlung bereit- KOlt ÖUOlt e(}tp.ot TOU (}sou iJp.epOlt, stellen und an allen üblichen Ta-

I 11 11 gen des Gottes und an den Tagen, KOlt TOte; a7rO KA~PWII TStP.WII I die aufgrund yon Erbfällen oder 155 TOt~S- WII iJp.epOle;. OlLpSLU(}W 08 Ehrungen oder Ernennungen (da-

'YPOlP.P.Ol- I TeOl, 80tll ßOVA'Y/TOlt, T{iJ zukommen). Er soll, wenn er will, 1.0LC{J KtlloVIIC{J, I UV/lKSXWp-qU(}w 08 auf eigenes Risiko einen Sekretär

I wählen; das Trankopfer als OlUT{iJ iJ TOlP.tSU- nK~ U7rOllO~ KOlt I Schatzmeister soll ihm bewilligt eUTw allsLutjJOpOe; T~II OtSTLOlII. werden, und er soll für zwei Jahre

beitragsfrei sein. 160 SOlll 08 ne; TSASUT-q- I Ul1 iOßOlK- Wenn ein Iobacche stirbt, soll er xoe;, 'Ystlleu(}w uTetjJOlIIOe; OlU- I T4J einen Kranz bis zum Wert von * 87rt fünf Denaren erhalten; denen, die p.ex(p)t s', KOlL TO'i~ TOltjJ-q-

I an seinem Begräbnis teilnehmen, UOlUt n- (}eu(}w OLIIOU KSpOtP.WII soll ein Krug Wein vorgesetzt

811, b 08 p.~ I B7rtTOltjJ~UOl~ SLP- werden; wer nicht am Begräbnis 'Yeu(}w TOU OLIIOU. teilnimmt, soll keinen Wein be- kommen.,

Literaturverzeichnis

Die Abkürzungen der Quellen richten sich nach ThWNT I, 1·~24", die der Sekundärliteratur nach S.M. Schwertner, Internationales Abkürzungsverzeichnis für Theologie und Grenzge~ biete, Berlin 21992. Sekundärliteratur wird in den Anmerkungen in der Regel mit Verfassernamen und Kurztitel (d.h. dem ersten charakteristischen Wort des Titels, in Zweifelsflillen auch mehreren Wör~ tern) zitiert. Wo durch den Zusammenhang ein besonderes Interesse an weiteren biblio- graphischen Angaben besteht (also insbes. in Teil 1), sind Untertitel, Erscheinungsjahr o.ä. beigefügt. Nur wo ein Titel in zwei aufeinanderfolgenden Anmerkungen erscheint, wird er durch n aaO. " bzw. • ebd." ersetzt. Alföldy, G., Römische Sozialgeschichte (Wissenschaftl. Paperbacks 8, Sozial- und Wirt- schaftsgeschichte), Wiesbaden 1975. Ausbattet, F.M., Untersuchungen zu den Vereinen im Westen des Römischen Reiches (Frankfurter Althistor. Studien 11), Kalbmünz 1982. 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